Skolezit

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Skolezit
Scolecite-453820.jpg
Skolezit aus Sonora, Mexico (Größe: 6,7 x 3,8 x 2,9 cm)
Andere Namen
  • Kalkmesotyp
Chemische Formel

Ca[Al2Si3O10] · 3H2O[1]

Mineralklasse Silikate und Germanate - Gerüstsilikate (Tektosilikate)
9.GA.05 (8. Auflage: VIII/J.21) nach Strunz
77.01.05.05 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-domatisch; m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) Cc (Raumgruppen-Nr. 9)
Farbe farblos, weiß
Strichfarbe weiß
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,25 bis 2,29 berechnet: 2,275[3]
Glanz Glasglanz, Seidenglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {110} und {110}[3]
Bruch uneben; spröde
Habitus nadelig, pseudo-orthorhombische Kristalle[4]; haarige, faserige, radialstrahlige, massige Aggregate
Häufige Kristallflächen {010}, {110}, {111}[5]
Zwillingsbildung nach [001] pseudorhombische Kontakt- und Durchdringungszwillinge mit Streifung nach {010}[5]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,507 bis 1,513 nβ = 1,516 bis 1,520 nγ = 1,517 bis 1,521[6]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,010[6]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 36° bis 56° (gemessen), 36° bis 40° (berechnet)[6]
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Natrolith, Mesolith
Besondere Kennzeichen Pyroelektrisch; Piezoelektrisch; gelegentlich Fluoreszenz

Skolezit, veraltet auch als Kalkmesotyp bekannt[7], ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Ca[Al2Si3O10] · 3H2O[1], ist also ein Calcium-Aluminium-Silikat, das aufgrund seiner Kristallstruktur zu den Gerüstsilikaten zählt und zur Gruppe der Faserzeolithe gehört.

Skolezit ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt überwiegend lange, prismatische bis nadelige Kristalle in radialstrahligen Mineral-Aggregaten. Auch faserige, kugelige und massige Aggregate sowie Kontakt- und Durchdringungszwillinge sind bekannt. Größere, unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, feinndadelige Aggregate zeigen dagegen eher einen seidigen Schimmer.

Skolezit ist das calciumreiche Endglied einer lückenlosen Mischkristallreihe, welche durch den Austausch von Calcium und Wasser anstelle von Natrium charakterisiert ist. Das natriumreiche Endglied der Reihe (bei gleicher Kristallstruktur) ist Natrolith, während Mesolith intermediärer Zusammensetzung ist.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Skolezit ist pyroelektrisch und piezoelektrisch, baut also bei intervallartig erfolgenden Temperaturänderungen und Verformungen eine elektrische Ladung auf. Unter UV-Licht zeigen manche Skolezite eine gelbe bis braune Fluoreszenz.[3]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Name des Minerals bezieht sich auf das wurmartige Krümmen von Skolezit beim Erhitzen vor dem Lötrohr (griech. skolex, Wurm)[4].

Skolezit wurde erstmals im Jahre 1813 von den deutschen Gelehrten Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs beschrieben[8]. Ob das von ihnen untersuchte Material, wie später vermutet, tatsächlich aus dem Berufjörðurgebiet in Island stammt (welches gemeinhin als Typlokalität angesehen wird), ist allerdings nicht verbürgt[4].

Der ursprünglich von René-Just Haüy 1801 geprägte Begriff Mesotyp (von griechisch μέσος für mittig und τύπος für Gestalt) wurde bis ins 20. Jahrhundert für die heute als Natrolithgruppe bekannten und zusammengefassten Minerale Natrolith (Natronmesotyp), Mesolith und Skolezit (Kalkmesotyp) verwendet.[7]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Gonnardit, Mesolith, Natrolith, Paranatrolith, Thomsonit-(Ca) und Thomsonit-(Sr) die „Zeolithgruppe: Untergruppe Faserzeolithe“ mit der System-Nr. VIII/J.21 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Skolezit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Zeolithe mit Vierer-Ring Ketten über ein fünftes Si verbunden“ zu finden ist, wo es zusammen mit Gonnardit, Mesolith, Natrolith und Paranatrolith die „Natrolithgruppe“ mit der System-Nr. 9.GA.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Skolezit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er zusammen mit Natrolith, Tetranatrolith, Paranatrolith, Mesolith, Edingtonit, Gonnardit, Cowlesit, Thomsonit-(Ca), Thomsonit-(Sr) und Nabesit in der Gruppe „Natrolith und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.05 innerhalb der Unterabteilung der „Echten Zeolithe“ zu finden.


Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Skolezit (weiß), Apophyllit (hellgrün) und Stilbit (hellrosa) aus Ahmednagar, Maharashtra, Indien. Im Apophyllitkristall sind weitere Skolezitkristalle mit kugeligem Habitus eingeschlossen (Gesamtgröße: 90 mm x 84 mm. Apophyllitkristall 36 x 20 mm)
Skolezitstufe vom Sattelkar, Gosskopf, Obersulzbachtal, Hohe Tauern, Österreich (Größe: 9 x 6 x 9 cm)

Wie die verwandten Minerale Mesolith und Natrolith ist Skolezit ein Zersetzungsprodukt von Basalt und kommt gemeinsam mit anderen Zeolithen und Apophyllit als hydrothermale Bildung in Drusen vor. Auch in einigen magmatischen und metamorphen Gesteinen tritt Skolezit als Kluftmineral auf. Skolezit entsteht während der niedriggradigen Metamorphose in der Zeolithfazies. Als Begleitminerale treten neben dem bereits genannten Apophyllit und anderen Zeolithen unter anderem noch Calcit, Prehnit und Stilbit auf.

Als eher seltene Mineralbildung kann Skolezit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2012) rund 300 Fundorte.[6]

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Skolezitfunde ist unter anderem Nashik, aber auch andere Orte im indischen Bundesstaat Maharashtra, wo bis zu 20 cm große Kristalle gefunden wurden.[9] In den 1960er Jahren wurde aufgrund eines Tunnelbaus, der auch als "Das-Antas-Tunnel" bekannt ist, nahe Veranópolis im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul ein großes Zeolithvorkommen entdeckt. Neben 20 cm großen Apophylliten und 25 cm großen Natroliten traten dort auch bis zu 20 cm lange und 1 cm dicke Skolezite[10] zutage.[11]

In Deutschland sind bisher nur einzelne Fundpunkte bekannt, so unter anderem der Steinbruch bei Höwenegg (Baden-Württemberg), der Zeilberg (Bayern), Roßdorf und Ortenberg (Hessen), Sankt Andreasberg (Niedersachsen), Remblinghausen (Nordrhein-Westfalen), Arensberg und Lautzenbrücken (Rheinland-Pfalz), Bärenstein (Sachsen) und im Basaltsteinbruch "Pflasterkaute" bei Eisenach (Thüringen).

In Österreich trat das Mineral vor allem in Kärnten und Salzburg im Gebiet der Hohen Tauern auf, aber auch in der Steiermark und in Tirol wurden Skolezite gefunden.

In der Schweiz fand sich Skolezit unter anderem am Aargrat im Kanton Bern, an mehreren Orten in den Kantonen Graubünden und Wallis sowie an einigen Stellen in den Kantonen Tessin und Uri.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in der Antarktis, in Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Dänemark, Eritrea, Frankreich, Island, Israel, Italien, Japan, Kanada, Madagaskar, Namibia, Neuseeland, Nicaragua, Norwegen, Polen, Réunion, Rumänien, Russland, Schweden, Slowakei, Spanien, Südafrika, Taiwan, Tansania, Tschechien, der Ukraine, in Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[12]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Kristallstruktur von Skolezit, Blickrichtung entlang a,
__ Ca2+ __ Al3+ __ klein Si4+ groß O2− __ H2O

Skolezit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Cc (Raumgruppen-Nr. 9) mit den Gitterparametern a = 18,51 Å; b = 18,97 Å; c = 6,53 Å und β = 90,6° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Skolezit wird nur selten und vor allem für Sammler als Schmuckstein[13] in facettierter oder mugeliger Schliffform angeboten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scolecite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 702.
  2. Webmineral - Scolecite (englisch)
  3. a b c John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Scolecite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 78,5 kB)
  4. a b c Coombs D.C., Alberti A., Armbruster T., Artioli G., Colella C., Galli E., Grice J.D., Liebau F., Mandarino J.A., Minato H., Nickel E.H, Passaglia E., Peacor D.R., Quartieri S., Rinaldi R., Ross M., Sheppard R.A., Tillmanns E. & Vezzalini G. (1998): Recommended nomenclature for zeolite minerals: report of the subcommittee on zeolites of the International Mineralogical Association, Commission on New Minerals and Mineral Names. Mineralogical Magazine 62, 533-571.
  5. a b  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 911.
  6. a b c d MinDat - Scolecite (englisch)
  7. a b  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 273.
  8. A.F. Gehlen, J.N. Fuchs (1813): Ueber Werner's Zeolith, Haüy's Mesotype und Stilbite, in: Journal für Chemie und Physik, Band 8, S. 353-366 (PDF 751,2 kB)
  9.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 273 (Dörfler Natur).
  10.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 791.
  11. Das phantastische Zeolithvorkommen "DAS ANTAS"
  12. Mindat - Localities for Scolecite
  13.  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 240.