Tuczno

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tuczno (Begriffsklärung) aufgeführt.
Tuczno
Wappen von Tuczno
Tuczno (Polen)
Tuczno
Tuczno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Wałcz
Gmina: Gmina Tuczno
Fläche: 9,28 km²
Geographische Lage: 53° 11′ N, 16° 9′ O53.18333333333316.15Koordinaten: 53° 11′ 0″ N, 16° 9′ 0″ O
Höhe: 107 m n.p.m
Einwohner:
Postleitzahl: 78-640
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: ZWA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 177 Czaplinek ↔ Wieleń
Schienenweg: Bahnstrecke Piła–Ulikowo
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeisterin: Teresa Łuczak
Adresse: ul. Wolności 6
78-640 Tuczno
Webpräsenz: www.tuczno.pl
Stadtkirche (15. Jahrhundert)
Ortszentrum
Das Schloss in Tuczno (Tütz)

Tuczno ['tuʈ͡ʂnɔ] (deutsch Tütz) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern mit etwa 2.000 Einwohnern. Sie ist Hauptsitz der nach ihr benannten Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Tuczno liegt in Hinterpommern, im Zentrum der Kroner Seenplatte (Pojezierze Wałeckie) am südwestlichen Rand der Woiwodschaft Westpommern. In nächster Nähe rahmen der Lübtow-, der Tafel- und der Tützsee den Ort ein. Sie liegen zu Füßen des 152 Meter hohen Galgenberges und des Grünebergs mit einer Höhe von 131 Metern. Westlich des Ortes erstreckt sich der Draheimer Nationalpark. Der Bahnhof an der ehemaligen Strecke StargardWałcz (Deutsch Krone) liegt zwei Kilometer nördlich der Stadt. Wałcz ist die nächstgelegene größere Stadt, die auf dem Straßenweg 50 Kilometer entfernt ist, obwohl es Luftlinie gemessen nur 20 Kilometer sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name der Stadt wird am Besten von tok=Spring, Quell, überhaupt Alles, was sich in die Höhe hebt, schwillt, abgeleitet (vgl. das niederdeutsche Tutz=Kröte). So wandelte sich über die Jahrhunderte der Name wie folgt: 1337 Tenczik, 1341 Tencin, 1364 Thucz und Thucza, 1374 Thucz, 1602-54 Tucno, 1783 Tietz und Tütz.[1] Die Bezeichnung Tütz setzte sich über die Jahre durch und wurde bis 1945 geführt.

Das Gebiet um das spätere Tütz gehörte bis in das 13. Jahrhundert hinein zum Einflussbereich pommerscher und polnischer Fürsten. Um 1250 hatten es die brandenburgischen Markgrafen in Besitz genommen und nutzten es für ihre Besiedelungspläne. An den Seen nördlich des Grüneberges gab es bereits im 7. Jahrhundert bewohntes Land, das haben Ausgrabungen in den 1930er Jahren belegt. Um die deutsche Kolonisation voranzutreiben, übergaben die Markgrafen das Siedlungsgebiet der Adelsfamilie von Wedel als Lehen. Bereits 1306 wird von dem Ort Tütz mit einem in Plattdeutsch geschriebenen Stadtprivileg berichtet. 1331 verlieh Markgraf Ludwig von Brandenburg offiziell das Stadtrecht. Tütz wurde mit einer Befestigungsmauer und einer Doppelgrabenanlage versehen, und 1338 begannen die von Wedels mit dem Bau des Tützer Schlosses.

In den Folgejahren geriet die Stadt in die Auseinandersetzungen zwischen Brandenburg, Pommern und Polen, die um die Herrschaft zwischen Netze und Drage stritten. 1364 wurde Tütz Opfer eines polnischen Raubzuges, bei dem die Stadt geplündert wurde. 1368 verzichtete der brandenburgische Markgraf Otto der Faule auf die Gebiete östlich der Drage, zu denen auch Tütz gehörte, zugunsten Polens. Um 1395 wurde mit dem Bau der Stadtkirche begonnen. Von 1402 an gehörte Tütz zum Eigentum des Deutschen Ordens, kam aber nach dem Zweiten Thorner Frieden 1466 wieder in polnischen Besitz.

1542 spaltete sich die Familie von Wedel wegen religiöser Auseinandersetzungen in zwei Linien.[2] Die eine von ihnen legte sich den Namen Wedel-Tuczynski zu (deutsch: Wedel-Tuschinski oder Wedel-Tuzinski [3]) und stand seitdem dem polnischen Staat sehr nahe. 1546 führte die Familie von Wedel-Tuczynski in Tütz die Reformation ein. Christoph von Wedel-Tuczynski kehrte jedoch 1593 zum katholischen Glauben zurück und rief die Jesuiten in die Stadt, um die Gegenreformation durchzusetzen. Dies führte zu Konflikten mit der Bürgerschaft, die darin gipfelte, dass von Wedel-Tuczynski den Bürgermeister und einen Ratsherren enthaupten ließ. Der Tützer Religionskrieg dauerte über zehn Jahre und führte dazu, dass viele Einwohner die Stadt verließen. Am Ende hatte sich die Stadt zu einem Stützpunkt katholischen Glaubens im ostdragischen Land entwickelt.

In den Jahren 1608 bis 1631 bauten die von Wedel-Tuczynskis ihr Schloss weiter aus, dabei erstand der linke Gebäudeflügel. Die nächsten Jahre brachten schwere Katastrophen für die Stadt mit sich. 1624 starb die Hälfte der 1.100 Einwohner an der Pest, 1640 zerstörte ein Brand große Teile der Stadt mitsamt der Kirche, und im Polnischen-Schwedischen Krieg geriet Tütz zwischen die Fronten beider Seiten. 1707 suchte noch einmal die Pest die Bevölkerung heim.

Durch Artikel V des Warschauer Vertrags von 1773 wurde Schloppe unter preußischer Herrschaft wieder eine deutsche Stadt. Sie wurde zunächst im Netzedistrikt verwaltet. Nach der Neugliederung der preußischen Kreisverwaltung wurde die Stadt 1818 dem Kreis Deutsch Krone in Westpreußen zugeordnet. Fast die ganze Stadt fiel 1834 einem Großbrand zum Opfer, darunter auch die beiden Kirchen. Ab 1867 führte die neu erbaute Chaussee Falkenburg–Filehne durch Tütz, und mit der Eröffnung der Strecke Kallies–Deutsch Krone am 1. September 1888 erfolgte auch der Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem damit verbundenen Verlust der preußischen Provinzen Posen und Westpreußen kam Tütz 1922 in die neu gebildete preußische Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, nach deren Auflösung 1938 zur preußischen Provinz Pommern. Von 1920 bis 1927 war im Tützer Schloss die katholische Administration für die bei Deutschland verbliebenen Reste der Diözesen Kulm und Gnesen (Freie Prälatur) untergebracht. Die landschaftlich reizvolle Umgebung ließ die Stadt in den 1930er Jahren zu einem Luftkurort heranwachsen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs marschierte am 11. Februar 1945 die Rote Armee nach schweren Kämpfen in Tütz ein. Nach dem Einmarsch wurde die Innenstadt niedergebrannt und total zerstört.[4] Wenige Wochen darauf wurde die Stadt polnisch und erhielt den Namen Tuczno.

Altes Stadtwappen[Bearbeiten]

Altes Stadtwappen

Blasonierung: „In Silber eine blaugekleidete Jungfrau, in jeder Hand ein rotes Rad emporhaltend.“[5]

Es ist nur ein Siegel des Magistrats zu Tuetz von 1800 bekannt geworden, das diese Darstellung zeigt. Das Bild wurde offenbar zur Erinnerung daran gewählt, dass die Brüder Stanislaus und Christoph Wedel dem Orte im Jahre 1333 ein Privilegium erteilten, denn deren Wappen war ein Rad.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1783: 361, davon 104 Juden[7]
  • 1804: 865, davon 241 Juden[7]
  • 1839: 1.149, davon 789 Katholiken, 279 Evangelische und 81 Juden[7]
  • 1853: 1.280[8]
  • 1900: 2.113
  • 1939: 2.747
  • 2004: 2.014

Partnerschaft[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tuczno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises. Verlag von Ernst Lambeck, Thorn 1867, S. 208.
  2. http://www.zamek-tuczno.pl/index.php?geschichte,3 - eingesehen am 19. Januar 2009
  3. http://www.deutsch-krone.com/wedel2.html, eingesehen am 19. Januar 2009
  4. Karl Rupprecht (Hrsg.): Stadt und Kreis Deutsch Krone, Bad Essen 1981
  5. Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte von Prof. Dr. Erich Keyser, Herausgegeben 1939 vom W. Kohlhammer Verlag Stuttgart Band I Nordostdeutschland Seite 255/256
  6. Deutsche Ortswappen von Prof. Otto Hupp, Herausgegeben 1925 von der Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft Bremen
  7. a b c F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises. Thorn 1867, S. 211.
  8. H. J. Meyer: Das große Konversations-Lexikon für die gebildeten Stände. Band 12, Hildburghausen, Amsterdam, Paris und Philadelphia 1853, S. 735.