Wałcz

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Wałcz
Wappen von Wałcz
Wałcz (Polen)
Wałcz
Wałcz
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Wałcz
Fläche: 38,16 km²
Geographische Lage: 53° 16′ N, 16° 28′ O53.26666666666716.466666666667Koordinaten: 53° 16′ 0″ N, 16° 28′ 0″ O
Höhe: 109 m n.p.m
Einwohner: 26.354
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 78-600
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: ZWA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 10 LubieszynPłońsk
DK 22 Kostrzyn nad Odrą ↔ Grzechotki
DW 163 Kołobrzeg ↔ Wałcz
Schienenweg: PKP-Linie Nr. 403 (Piła–Ulikowo)
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 38,16 km²
Einwohner: 26.354
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 691 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3217011
Verwaltung
Adresse: ul. Dąbrowskiego 8
78-600 Wałcz
Webpräsenz: www.walcz.um.pl
Stadtkirche

Wałcz (deutsch Deutsch Krone) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie ist Kreisstadt des Powiat Wałecki. Außerdem ist sie Amtssitz, aber nicht Teil der nach ihr benannten Gmina Wałcz (Landgemeinde Deutsch Krone).

Geographische Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhof Wałcz (2010)

Die Stadt liegt auf einem flachen Höhenzug, eingebettet in ein großes Buchenwaldgebiet in Hinterpommern. In der Nähe befinden sich der Radaunsee und der Schloss-See. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt ein beliebtes Ausflugsziel und wurde als „Perle der Grenzmarkstädte“ bezeichnet. Heute liegt die Stadt im Südosten der Woiwodschaft Westpommern. Stettin ist etwa 130 Kilometer entfernt, Koszalin liegt 140 Kilometer in nördlicher Richtung.

Bis 1945 führte durch Deutsch Krone die Reichsstraße R 1, die von Aachen über Potsdam und Berlin nach Königsberg (Preußen) und Eydtkuhnen führte.

In der Stadt endet heute die Bahnstrecke Piła–Ulikowo, die früher bis Wulkow durchgehenden Zugverkehr bot. 2010 fuhren noch bis zu sechs Regionalzüge täglich nach Piła Glowna (Schneidemühl). Güterverkehr besteht zu einem Tanklager.

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Gründung bis heute[Bearbeiten]

In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1249 wird ein Dorf namens villa Cron erwähnt. Später vorkommende Ortsnamen sind 1303 Arnskrone, Arneskrun sive Wałcz, 1368 und 1380 Welcz, 1375 Corana oder Corona, 1672 Arnes Cron und die Crone, 1766 Deutsch Crone, als Bezeichnungen auf Neupolnisch werden 1867 Wałcz und Wałęcz genannt.[3]

Bei dem in der Gründungsurkunde von 1249 genannten Ort villa Cron handelte sich um eine auf einer Halbinsel im Schloss-See gelegene Siedlung, die auch den slawischen Namen Wałcz trug. In dem Vertrag wurde der Ort dem Templerorden übereignet. Anfang des 14. Jahrhunderts wurden die Askanier Eigentümer der Umgebung, Grenzland zwischen Pommern und Polen, später Neumark genannt. Die gemeinsam regierenden Markgrafen Waldemar, Otto IV., Konrad und Johannes stellten am 23. April 1303 eine Urkunde aus, in der die Ritter von Schöningen und von Liebenthal mit der Gründung der Stadt „Arneskrone“, die neben der Siedlung „Walcz“ entstehen sollte, beauftragt wurden.[4][5] Es war die Zeit der deutschen Ostsiedlung. 1307 wurde die gerade gegründete Stadt an die Familie Liebenow verkauft. Danach gab es immer wieder Streit mit Polen um das Kroner Land. Um des Friedens willen verkaufte es der brandenburgische Markgraf Otto der Faule 1368 an die Polen. Damit blieb Krone für 404 Jahre bei Polen, doch sicherte der polnische König der Stadt zu, dass ihr alle bei Gründung erteilten Rechte erhalten bleiben. Im 15. Jahrhundert litt die Stadt unter den andauernden Kämpfen zwischen Polen und dem Deutschen Orden. 1407 wurde Krone von Soldaten des Ordens eingeäschert und 1460 eroberten Söldner des Ordens die Stadt und vertrieben den Statthalter Hans von Wedell.

Umkämpft war auch die Einführung der Reformation. Zunächst führte Statthalter von Gorka 1535 die lutherische Lehre ein, die Polen wollten dies aber 1594 durch die Einsetzung eines katholischen Pfarrers wieder rückgängig machen. Sie scheiterten an den überwiegend deutschen Bewohnern, die den aufgezwungenen Geistlichen wieder vertrieben. Günstig für die Weiterentwicklung der Stadt wirkte sich die Verleihung der Marktrechte am 20. August 1577 durch den polnischen König Stephan aus. Zu dieser Zeit waren die meisten Einwohner Ackerbürger, die die nahe liegenden Ländereien bewirtschafteten. Dies hatte jedoch zur Folge, dass sich die Stadt nicht ausweiten konnte. Neu ankommenden Siedlern blieb daher nichts weiter übrig, sich weiter außerhalb niederzulassen. So entstand ein neuer Ort, der 1590 unter dem Namen Neustadt Wałcz ein eigenes Stadtrecht erhielt. Erst als im Dreißigjährigen Krieg das Land Krone verwüstet und die wirtschaftliche Not zum Zusammenrücken nötigte, vereinigten sich mit dem Vertrag vom 6. Mai 1658 die beiden Städte.

Durch Artikel V des Warschauer Vertrags von 1773 wurde das Kroner Land Preußen übereignet. Da es bei Bromberg bereits eine Ortschaft namens Polnisch Krone gibt, erhielt die Stadt zur Unterscheidung nun den offiziellen Namen Deutsch Krone. Mit der Bildung des Kreises Deutsch Krone, zu dieser Zeit der zweitgrößte in Preußen, erhielt die Stadt dessen Verwaltungszentrum, hatte aber nur 1155 Einwohner. Nachdem 1665 bereits die Jesuiten eine recht erfolgreiche Lateinschule gegründet hatten - im Jahr 1710 wurden dort 200 Schüler unterrichtet[6] - , durften die evangelischen Bürger 1773 eine eigene höhere Schule ins Leben rufen.[7] Die Lyceum oder Atheneum genannte Schule der Jesuiten wurde 1781 in ein königliches Gymnasium umgewandelt.[6] Der erste eigene evangelische Pfarrer wurde 1794 berufen, doch erst 1823 wurde mit dem Bau der evangelischen Kirche begonnen. Zu dieser Zeit hatte sich die Zahl der Einwohner auf 2500 verdoppelt.

Wappen Deutsch Krone

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt von mehreren großen Bränden und 1831 von einer Choleraepidemie heimgesucht; 1848/49 trat die Krankheit erneut auf.[8] Doch machten sich auch Strukturfortschritte bemerkbar. 1828 war Deutsch Krone an die Fernstraße Berlin–Königsberg, die spätere Reichsstraße 1, angeschlossen worden und 1881 erreichte die Eisenbahn mit der Strecke Schneidemühl–Deutsch Krone die Stadt. Mit dem Bau weiterer Eisenbahnlinien entwickelte sich bis 1898 ein Eisenbahnknotenpunkt, der für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte. Es entstanden Betriebe der Holz- und Metallverarbeitung, der landwirtschaftliche Handel verstärkte sich. Die Einwohnerzahl war auf 7300 angestiegen.

Nachdem die alte höhere Bürgerschule zwischenzeitlich den Status eines Gymnasiums verloren hatte, verfügte die Stadt seit Oktober 1855 wieder über ein vollständiges Gymnasium; es stand an demselben Platz, an dem sich zuletzt die von den Jesuiten im 17. Jahrhundert gegründete Lateinschule befunden hatte.[7]

Tiefgreifende Veränderung brachte der Erste Weltkrieg mit sich. Die Grenzen des durch den Versailler Vertrag neu geschaffenen Polens sollten die Gebiete östlich von Deutsch Krone von Deutschland abtrennen. Erst durch Massenproteste der Bürger der betroffenen Städte wurde der gesamte Landkreis neben acht anderen wieder dem Deutschen Reich zugeschlagen. Er wurde in die neue preußische Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert und kam mit deren Auflösung 1938 zur Provinz Pommern. Die Grenzlage der Stadt bereitete der Wirtschaft erhebliche Schwierigkeiten. Durch die Umsiedelung der Bewohner aus den verlorenen Provinzen drängten etwa 3000 in die Stadt. Erst in den 1920er Jahren entstanden mehrere Neubausiedlungen, in denen die Neuankömmlinge eine neue Heimat fanden. Da die Stadt jetzt Grenzstadt war, wurde sie 1932 zur Festung erklärt; die Wehrmacht verlegte 1935 eine Artillerie-Abteilung in die Stadt. Die letzte deutsche Volkszählung ermittelte 1939 14.941 Einwohner. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurden mehrere Lazarette eingerichtet bzw. neu gebaut und eine Marine-Ausbildungseinheit stationiert. 1944 mussten die arbeitsfähigen Bürger an der Verstärkung der so genannten Pommernstellung, einem System von Betonbunkern und Panzersperren, mitarbeiten. Im Januar 1945 wurden die Einwohner von Deutsch Krone aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Sie sollten in der 200 Kilometer westlich liegenden Stadt Demmin aufgenommen werden, die dem Ansturm jedoch nicht gewachsen war, so dass viele der Flüchtlinge weiter nach Westen ziehen mussten. Am 12. Februar 1945 wurde Deutsch Krone von der Roten Armee eingenommen.

Nachdem die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt worden war, erhielt sie den polnischen Namen Wałcz.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

  • 1783: 1448, davon 321 Juden[9]
  • 1804: 2423, davon 1817 Christen und 606 Juden[9]
  • 1821: 2504, davon 500 Protestanten[9]
  • 1839: 3157, davon 1531 Katholiken, 1100 Protestanten und 526 Juden[9]
  • 1854: 3854[8]
  • 1900: 7278, zur Hälfte Katholiken[10]
  • 1925: 10.580, vorwiegend Protestanten, 4530 Katholiken und 240 Israeliten[11]
  • 2010: 25.942

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Bad Essen (Deutschland, Niedersachsen)
  • Demmin (Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern)
  • Kyritz (Deutschland, Brandenburg)
  • Werne (Deutschland, Nordrhein-Westfalen)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wałcz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  3. F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises. Thorn 1867, S. 192 f.
  4. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 751.
  5. F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises. Thorn 1867, S. 193–196
  6. a b F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises. Thorn 1867, S. 103 und S. 187–191
  7. a b L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 84–85
  8. a b Mecklenburg: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? Nach eigener Erfahrung beantwortet. Berlin 1854, S. 11–15
  9. a b c d F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises. Thorn 1867, S. 200
  10. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 4, Leipzig und Wien 1908, S. 760.
  11. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 4, Leipzig 1929, S. 709