Völkischer Nationalismus

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Völkischer Nationalismus ist eine Sonderform des Nationalismus. In Deutschland umfasste die völkische Bewegung deutschnationale und antisemitisch-rassistische Vereine, Parteien, Publikationen und weitere Gruppen und Individuen.

Inhalt[Bearbeiten]

Politisch zielt der völkische Nationalismus auf den Schutz des Volkes vor der „Andersartigkeit“ und der „Überfremdung“ und orientiert daran seine Strategien. Der völkische Nationalismus ist stark an völkische oder rassistische Konzepte gebunden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine völkische Bewegung, die Einfluss auf die politische und kulturelle Diskussion im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn gewann. Seine geschichtliche Ausprägung fand der völkische Nationalismus vor allem im Deutschen Reich. Die überwiegend männliche und protestantische Klientel rekrutierte sich aus dem alten wie neuen Mittelstand. Dieses Sozialprofil und seine Bedeutung für die spätere NSDAP analysierten Soziologen wie Seymour Martin Lipset als „Extremismus der Mitte“. Völkische Organisationen lehnten die Demokratie in der Weimarer Republik ab oder entwarfen völkische Demokratievorstellungen, die die völkische Homogenität der Bevölkerung und die „Ausscheidung oder Vernichtung des Heterogenen“ (Carl Schmitt: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus, 1926[2][3][4][5]) vorsahen. Völkische Konzepte wie Volkstum, Lebensraum und Volksgemeinschaft wurden vom Nationalsozialismus übernommen. Diese Konzepte werden heute am offensten von rechtsextremistischen Gruppen und Akteuren in den proklamierten „National befreite Zonen“ in Deutschland fortgesetzt.

Politisch vertreten gegenwärtige völkisch-nationale Positionen zumeist einen Ethnopluralismus, der „Fremde“ ablehnt, aber andere völkische Konzepte gutheißt. So vertreten Rechtsextreme zuweilen das Motto: „Auch wir Deutschen haben ein Recht auf unsere Heimat, auf unser Vaterland! China den Chinesen, die Türkei den Türken und Deutschland den Deutschen – das ist unser Credo …“ (Deutsche Liga für Volk und Heimat).[6]

Völkischer Nationalismus ist ein zentrales Element neurechter, rechtskonservativer und rechtsextremer Ideologien und darüber hinaus in zahlreichen Diskursen und politischen Debatten und Medien erkennbar.[7][8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Breuer: Grundpositionen der deutschen Rechten 1871–1945 (= Historische Einführungen. Bd. 2). Edition diskord, Tübingen 1999, ISBN 3-89295-666-9.
  • Stefan Breuer: Ordnungen der Ungleichheit – die deutsche Rechte im Widerstreit ihrer Ideen 1871–1945. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-15575-0.
  • Hubert Cancik, Uwe Puschner (Hrsg.): Antisemitismus, Paganismus, Völkische Religion. = Anti-semitism, paganism, voelkish religion. Saur, München 2004, ISBN 3-598-11458-3.
  • Roger Griffin: Völkischer Nationalismus als Wegbereiter und Fortsetzer des Faschismus: Ein angelsächsischer Blick auf ein nicht nur deutsches Phänomen. In: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hrsg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt. Analysen rechter Ideologie (= Edition DISS. Bd. 8). Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-737-9, S. 20–48.
  • Margaret Jäger, Siegfried Jäger: Gefährliche Erbschaften. Die schleichende Restauration rechten Denkens (= Aufbau-Taschenbücher 7019). Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-7466-7019-5.[9]
  • Dieter Oberndörfer: Der Wahn des Nationalen. Die Alternative der offenen Republik (= Herder-Spektrum 4279). 2. Auflage. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1994, ISBN 3-451-04279-7, Auszug.
  • Uwe Puschner: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache – Rasse – Religion. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-15052-X (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Habilitations-Schrift, 1998/1999).[10]
  • Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918. Saur, München 1996, ISBN 3-598-11241-6.
  • Zeev Sternhell: Maurice Barrès et le nationalisme français (= Historiques. Bd. 26). Editions Complexe, Brüssel 1985, ISBN 2-87027-164-6.
  • Zeev Sternhell: Von der Aufklärung zum Faschismus und Nazismus. Reflexionen über das Schicksal der Ideen im 20. Jahrhundert. In: Siegfried Jäger, Jobst Paul (Hrsg.) „Diese Rechte ist immer noch Bestandteil unserer Welt“. Aspekte einer neuen Konservativen Revolution. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, Duisburg 2001, ISBN 3-927388-78-5, S. 16–48; wieder in: jour fixe initiative berlin (Hrsg.): Geschichte nach Auschwitz. Unrast, Münster 2002, ISBN 3-89771-409-4, S. 61–94.
Zur Bedeutung für den Nationalsozialismus
  • Götz Aly, Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung. Durchgesehene Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11268-0.
  • Michael Fahlbusch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die „Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften“ von 1931–1945. Nomos, Baden-Baden 1999, ISBN 3-7890-5770-3.
  • Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und „Volkstumskampf“ im Osten (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Bd. 143). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35942-X (Zugleich: Halle, Universität, Dissertation, 1998).
  • Rainer Hering: Konstruierte Nation. Der Alldeutsche Verband 1890 bis 1939 (= Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte. Bd. 40). Christians, Hamburg 2003, ISBN 3-7672-1429-6.
  • George L. Mosse: Die völkische Revolution. Über die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus. Sonderausgabe. Hain, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-445-04765-0.
  • George L. Mosse: Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Die völkischen Ursprünge des Nationalsozialismus. Athenäum, Königstein im Taunus 1979, ISBN 3-7610-8056-5.
  • Winfried Schulze, Otto Gerhard Oexle (Hrsg.): Deutsche Historiker im Nationalsozialismus. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14606-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Roger Griffin: Völkischer Nationalismus als Wegbereiter und Fortsetzer des Faschismus. Ein angelsächsischer Blick auf ein nicht nur deutsches Phänomen. In: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn und Jobst Paul (Hgg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie, 2005; Margret Jäger/Siegfried Jäger (1999): Gefährliche Erbschaften. Die schleichende Restauration rechten Denkens und Uwe Puschner: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache – Rasse – Religion. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2001.
  2. Birgit Schreiber: Politische Retheologisierung. Ernst Tollers frühe Dramatik als Suche nach einer „Politik der reinen Mittel“. Würzburg: Königshausen und Neumann 1997, S. 89.
  3. Gunther Mai: Zeiten der Gewalt. Europa in der Zwischenkriegszeit. In: Michael Klein (Hrsg.): Gewalt – interdisziplinär (=Erfurter Sozialwissenschaftliche Reihe, Nr. 5). Münster: Lit Verlag 2002, S. 17.
  4. Matthias Hambrock: Die Etablierung der Außenseiter. Der Verband nationaldeutscher Juden 1921–1935. Köln: Böhlau Verlag 2003, S. 498.
  5. Ulrich R. Haltern: Integration als Mythos. Zur Überforderung des Bundesverfassungsgerichts. In: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Neue Folge 45. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) 1997, S. 51.
  6. Vgl. Jäger/Jäger 1999 sowie Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn und Jobst Paul (Hgg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie. Unrast, Münster 2005, sowie den englischen (ironischen) Spruch: „The Germans live at Germany, the Romans live at Rome, / the turkeys live at Turkey, but British live at home.“
  7. Jäger/Jäger 1999
  8. Siegfried Jäger (online), sowie Literatur, insb. BrandSätze (online).
  9. Ergebnisse einer Untersuchungsarbeit im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, DISS, in den 1990er-Jahren. Onlineausgabe.
  10. Rezensionen zu diesem Buch im H-Net, bei H-Soz-u-Kult und shoa.de.