Verhängnis (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Verhängnis
Originaltitel Damage
Produktionsland Frankreich und Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1992
Länge 107 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Louis Malle
Drehbuch David Hare und Josephine Hart (Roman)
Produktion Louis Malle
Musik Zbigniew Preisner
Kamera Peter Biziou
Schnitt John Bloom
Besetzung

Verhängnis ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Louis Malle aus dem Jahr 1992. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Josephine Hart.

Handlung[Bearbeiten]

Der ehemalige Arzt Dr. Stephen Fleming hat auf Drängen seiner Ehefrau Ingrid und ihres Vaters Edward in der britischen Politik eine steile Karriere gemacht und ist Staatssekretär geworden. Nichts scheint das Leben des Familienvaters zu trüben, bis er auf einem Empfang die Bekanntschaft mit Anna Barton, der Freundin seines Sohnes Martyn, macht. Anna zieht Stephen Fleming sofort in ihren Bann. Sie tauschen Blicke aus, und die unnahbar wirkende junge Frau geht dem Politiker nicht mehr aus dem Kopf. Einen Tag später kommt sein Sohn Martyn zu Besuch und stellt seine neue Freundin offiziell seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Sally vor. Anna sagt beim Besuch kaum ein Wort, was Ingrid merkwürdig findet.

Kurze Zeit später ruft Anna Stephen Fleming an. Er lässt sich von seinem Chauffeur zu Annas Wohnung bringen, wo sie bereits auf ihn wartet. Keiner der beiden sagt ein Wort, einzig Blicke genügen, und sie haben das erste Mal miteinander Sex, wobei kein einziges Wort fällt. Einige Tage später besucht ihn sein Sohn Martyn im Parlament. Der Vater ist vom Kommen seines Sohnes mehr als überrascht, doch Martyn will ihm nur von seiner beruflichen Beförderung bei der Zeitung, bei der er arbeitet, berichten. Am Abend feiert die Familie gemeinsam mit dem Großvater Edward und Anna die Beförderung von Martyn in einem Restaurant. Hier beginnt Anna zum ersten Mal, sich zu öffnen, und berichtet von ihrer Kindheit im Ausland. Als Tochter eines Diplomaten lebte sie u. a. in Argentinien, Afrika, Rom und Paris. Nachdem eine Beziehung in die Brüche gegangen war, kam Anna nach England, wo sie allein lebte, bis sie Martyn kennenlernte. Die neue Frau an der Seite ihres Sohnes wird Ingrid immer suspekter, und auf die Frage nach Geschwistern berichtet Anna von ihrem ein Jahr älteren Bruder Ashton, der aus verzweifelter Liebe Suizid beging, als sie fünfzehn Jahre alt war.

Später erklärt Stephen Anna, wie sehr er sie begehrt. Sie versichert ihm, dass sie immer für ihn da sein wird, und beide haben wieder leidenschaftlichen Sex. Danach berichtet Anna Stephen von ihrer inzestuösen Beziehung zu ihrem besitzergreifenden Bruder Ashton. Stephen bittet Anna, ihn auf eine Dienstreise nach Brüssel zu begleiten, doch sie ist bereits mit Martyn zu einer Reise nach Paris verabredet. Während der Konferenz in Brüssel ist Stephen abgelenkt und sehnt sich nach Anna. Schließlich nimmt er den nächsten Zug nach Paris. Dort angekommen, ruft er Anna in ihrem Hotelzimmer an, wo sie die Nacht mit Martyn verbracht hat. Anna willigt in ein Treffen ein. Hinter der Tür einer kleinen Kirche lieben sich Stephen und Anna erneut. Danach bittet Anna Stephen, Martyn und ihr nicht zu folgen, dennoch nimmt sich Stephen ein Zimmer im gegenüberliegenden Hotel und beobachtet seinen Sohn und dessen Freundin.

Allmählich ist die Beziehung zu Anna mehr als nur eine Affäre, und Stephen überlegt, wie er eine gemeinsame Zukunft mit seiner Geliebten realisieren könnte. Stephen schlägt vor, seine Ehefrau Ingrid zu verlassen. Anna lehnt seine Pläne ab. Bei einem späteren Besuch bei Anna trifft Stephen überraschend auf Peter Wexler, einen ehemaligen Freund von Anna. Anna versucht die peinliche Situation zu kaschieren. Stephen verlässt die Wohnung, wartet jedoch ab, bis Peter verschwunden ist, und stellt Anna zur Rede. Anna versucht sich zu rechtfertigen und gibt Stephen preis, dass Peter ein Jugendfreund sei. Gemeinsam mit ihm hatte sie in der Nacht von Ashtons Tod eine Tanzveranstaltung besucht. Annas Bruder war ihnen aber gefolgt und eifersüchtig auf den Konkurrenten. Zu Hause von ihrem Bruder zur Rede gestellt, schloss sich Anna in ihrem Zimmer ein und sperrte Ashton aus. Am nächsten Morgen wurde sie durch das Weinen der Mutter aufgeweckt, die den Suizid des Sohnes beklagte – er hatte sich im Bad die Pulsadern aufgeschnitten. Anna kam nach dem erlittenen Schock zu Peter und seiner Familie. Sie und Peter wurden ein Liebespaar.

Nachdem Anna ihn ins Vertrauen gezogen hat, führt Stephen die Affäre weiter. An Ingrids Geburtstag, der auf dem Landsitz ihres Vaters stattfindet, wird Martyn von Anna begleitet. Sowohl Stephen als auch Ingrid sind überrascht, als Martyn und Anna ihre baldige Hochzeit bekanntgeben. In der Nacht schleicht sich Stephen aus dem Zimmer und trifft sich mit Anna. Als beide jedoch mitten in der Nacht aus demselben Zimmer kommen, werden sie von Sally beobachtet. Die Situation verkompliziert sich, als Annas französische Mutter nach London kommt, um den zukünftigen Schwiegersohn kennenzulernen. Als Stephen Annas Mutter zu ihrem Hotel bringt, ermahnt sie ihn, ihrer Tochter nicht mehr im Weg zu stehen, da sie Stephens Blicke gegenüber Anna bemerkt hat. Nach diesem Zwischenfall beendet Stephen die Affäre am Telefon.

Während Stephen das Amt des Gesundheitsministers angeboten wird, lässt Anna jedoch die Affäre wiederaufleben, indem sie Stephen einen Schlüssel zu einer angemieteten Wohnung zukommen lässt. Tatsächlich lässt sich Stephen erneut auf das verhängnisvolle Abenteuer ein. Sie verabreden sich zum Sex in der Wohnung. Überrascht werden sie jedoch von Martyn. Martyn wusste nichts von der angemieteten Wohnung, von der er nur zufällig erfahren hatte. Martyn ertappt Anna und Stephen in flagranti. Geschockt von dieser Entdeckung taumelt Martyn aus der Wohnung und stürzt rückwärts über das Treppengeländer zu Tode.

Nach dieser Tragödie ist die politische Karriere von Stephen gescheitert und er tritt von seinem Amt als Staatssekretär zurück. Ingrid, die versucht, den Verlust ihres Sohnes mit Selbstverstümmelung zu kompensieren, macht Stephen schwere Vorwürfe und trennt sich von ihm. Stephen selbst geht auf Reisen, bis er zu einem Leben mit sich selbst fähig ist. Er begegnet Anna zufällig nur noch ein einziges Mal beim Umsteigen auf einem Flughafen. Sie hat mit ihrem Jugendfreund Peter ein neues Leben begonnen und hält ein Kind an der Hand. In einem Haus irgendwo im Süden Europas verbringt Stephen sein restliches Leben damit, ein überdimensionales Foto zu betrachten, das eine ganze Wand bedeckt und ihn mit Martyn und Anna zeigt.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Film entstand nach dem gleichnamigen Roman der irischen Schriftstellerin Josephine Hart, der 1991 veröffentlicht wurde. Das Buch avancierte in Europa und den USA schnell zum Verkaufsschlager und belegte 16 Wochen Plätze auf der Bestseller-Liste des renommierten US-amerikanischen Magazins Publishers Weekly. Nach dem großen Erfolg des Romans wurde der englische Drehbuchautor David Hare mit dem Stoff betraut und adaptierte ihn für das Kino.

Die Dreharbeiten begannen am 22. Februar 1992 und endeten knapp drei Monate später am 15. Mai. Die Außenaufnahmen für Verhängnis wurden an Originalschauplätzen in London und Paris gedreht. Die Studioarbeit fand in den Shepperton Studios in Surrey statt. Regisseur Louis Malle erlitt im Jahr der Dreharbeiten einen Herzinfarkt, konnte den Film aber fertigstellen.

Kritiken[Bearbeiten]

  • „Der französische Ausnahme-Regisseur Louis Malle versteht es in seinem erotischen Thriller meisterlich, die Fassade biederen Bürgertums aufzubrechen und latente Phantasien offenzulegen. Oscar-Preisträger Jeremy Irons (‚Die Affäre der Sunny von B.‘) und Franco-Star Juliette Binoche zeigen exquisite Darsteller-Leistungen. Wegen seiner spektakulären Beischlaf-Szenen könnte dieser niveauvolle Film wider Erwarten auch Fans der seichten Soft-Sex-Ware anlocken.“ (VideoWoche)
  • „Noch bevor Josephine Harts Studie einer besessenen Leidenschaft international verkauft wurde, sicherte sich Louis Malle die Filmrechte: Unter seiner meisterlichen Regie entstand eine kühle Variante von ‚Im Reich der Sinne‘, deren Erotikszenen zwischen Jeremy Irons und Juliette Binoche bereits im Vorfeld für Zündstoff sorgten.“ (Blickpunkt: Film)
  • „[…] Ein ‚amoralischer‘ Film voller erotischer Spannung, der stimmig die Stationen eines Untergangs beschreibt. Hervorragende Darsteller und eine gediegene Ausstattung, die in Korrespondenz zur Handlung steht, heben den Film über das Niveau vergleichbarer Filme hinaus.“ (Lexikon des internationalen Films[2])

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Miranda Richardson gewann für ihre Rolle als betrogene Ehefrau, die am Tod ihres geliebten Sohnes zerbricht, 1993 den British Academy Film Award als beste Nebendarstellerin und wurde für den Oscar und den Golden Globe Award nominiert und vom New Yorker Kritikerverband geehrt. Hauptdarstellerin Juliette Binoche errang als Geliebte ihre vierte Nominierung für den César, das französische Pendant zum Oscar. Komponist Zbigniew Preisner gewann für seine Filmmusik den Preis des Filmkritikerverbandes von Los Angeles.

Oscar 1993[Bearbeiten]

  • nominiert in der Kategorie beste Nebendarstellerin (Miranda Richardson)

British Academy Film Awards 1993[Bearbeiten]

  • Beste Nebendarstellerin (Miranda Richardson)

Golden Globe Awards 1993[Bearbeiten]

  • nominiert in der Kategorie beste Nebendarstellerin (Miranda Richardson)

Weitere[Bearbeiten]

César 1993

  • nominiert in der Kategorie beste Hauptdarstellerin (Juliette Binoche)

London Critics Circle Film Awards 1994

  • Britische Schauspielerin des Jahres (Miranda Richardson)

Los Angeles Film Critics Association Awards 1992

  • Beste Filmmusik

New York Film Critics Circle Awards 1992

  • Beste Nebendarstellerin (Miranda Richardson)

Premio Sant Jordi 1994

  • Bester ausländischer Schauspieler (Jeremy Irons)
  • Beste ausländische Schauspielerin (Juliette Binoche)

Literatur[Bearbeiten]

  • Josephine Hart: Verhängnis. Sonderausgabe. Goldmann, München 2000, ISBN 3-442-55184-6 (Goldmann 55184 Portobello).
  • Josephine Hart: Damage. Ballantine Books, New York NY 1996, ISBN 0-449-91188-8 (engl. Ausgabe)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 9. September 2009, abgerufen am 13. Januar 2014 (PDF, Prüf-Nr.: 68 820 V): „Freigegeben ab 16 (sechzehn) Jahren“
  2. Verhängnis im Lexikon des Internationalen Films. Abgerufen am 13. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]