Vittoriale degli italiani

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Il Vittoriale degli italiani.

Der Vittoriale degli italiani ist ein Museumskomplex in Gardone Riviera am westlichen Ufer des Gardasees in Italien. Er ist der ehemalige Wohnsitz des italienischen Schriftstellers Gabriele D’Annunzio (1863–1938), der das Anwesen ab 1921 unter der Gesamtleitung des Architekten Giancarlo Maroni (1893–1952) gestalten ließ.

Das Gelände umfasst heute neun Hektar und besteht neben den Gebäuden und dem Freilichttheater aus Gärten, Parks, Plätzen und Wasserläufen. Jährlich besuchen etwa 300.000 Gäste den Vittoriale.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten]

Am 1. Februar 1921 mietete D’Annunzio die ehemalige Villa des Kunsthistorikers Henry Thode in Cargnacco, einem Ortsteil Gardone Rivieras, die von der italienischen Regierung als Feindgut beschlagnahmt worden war. Zwei Monate später, im April 1921, empfing er dort erstmals den italienischen Politiker und späteren faschistischen Diktator Benito Mussolini. Ende Oktober erwarb er das Anwesen und beauftragte den Architekten Giancarlo Maroni aus Riva del Garda mit dem Umbau der Villa.

Ende 1922 bis Anfang 1923 erweiterte D’Annunzio die Ausstattung um zahlreiche kleine silberne und goldene Tierfiguren von Renato Brozzi (1885–1963)[3] und um eine dornengekrönte Siegesgöttin von Napoleone Martinuzzi. Der Villa gab er den Namen Prioria und den Teil des Gartens, in dem vorher eine Reihe von Gedenksäulen aufgestellt wurden, benannte er Il Vittoriale, eine Bezeichnung, die später für den gesamten Komplex Verwendung fand. Am 22. Dezember 1923 vermachte er den Vittoriale in einer Schenkungsurkunde dem „italienischen Volk“. Finanziell unterstützt wurde er zu dieser Zeit durch die italienische Regierung, von der er im Juni 1924 200.000 Lire für das Manuskript der Gloria erhielt.

In den Jahren 1924 und 1925 trafen die größeren militärischen Ausstellungsstücke ein: Das Flugzeug des Typs Ansaldo S.V.A. 10, mit dem D’Annunzio gegen Ende des Ersten Weltkriegs nach Wien geflogen war, ein Torpedoboot, das Vorschiff des Kreuzers Puglia und ein Wasserflugzeug des Typs S16. D’Annunzio erwarb die in der Nähe der Prioria gelegene Villa Mirabella sowie das ehemalige Hotel Washington. Das Gelände wurde um ein kleines Hafenbecken mit dazugehörendem Turm sowie die Anlage Portico del Parente erweitert. Auch die Prioria wurde weiter ausgebaut: Guido Cadorin dekorierte die Stanza del Lebbroso, D’Annunzio schloss die Einrichtung der Stanza della Leda ab und beauftragte die Neugestaltung der Vorderseite des Gebäudes.

Im Juni 1926 wurde ein Institut zur Herausgabe der gesammelten Werke des Dichters gegründet und D’Annunzio erhielt zehn Millionen Lire, womit er den weiteren Ausbau des Vittoriale finanzierte. Es begannen die Arbeiten zum Bau des Archivgebäudes, der Laubengänge und des Schifamondo-Flügels. In den Jahren bis 1929 wurden weitere Zimmer umgestaltet und eingerichtet: das Arbeitszimmer (Officina), das Musikzimmer (Stanza della Musica), das Esszimmer (Stanza della Cheli) und das „Reliquienzimmer“ (Stanza delle Reliquie). 1930 wurde das Gelände auf seine heutige Größe von neun Hektar erweitert.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1938 entwickelte D’Annunzio gemeinsam mit seinem Architekten Maroni weitere Pläne, die teilweise erst nach seinem Tod umgesetzt wurden. Das Freilichttheater wurde 1953 fertiggestellt, das Mausoleum 1955 und das Kriegsmuseum im Juni 2000.

Museumskomplex[Bearbeiten]

Villa[Bearbeiten]

La Prioria.

Das Gebäude, La Prioria genannt, war ursprünglich die Villa des Kunsthistorikers Henry Thode. D'Annunzio erwarb es einschließlich Inventar – unter anderem einer 6000 Bände umfassenden Bibliothek, Bildern von Franz von Lenbach sowie einem Steinway-Flügel von Franz Liszt – und ließ es in der Zeit von 1921 bis 1938 ständig weiter ausbauen und erweitern. Die Prioria war bis zu seinem Tod der Wohnsitz D’Annunzios.[2]

Mausoleum[Bearbeiten]

Ein Jahr nach D’Annunzios Tod entwarf Maroni 1939 die Pläne für das Mausoleum, das 1955 auf einer Anhöhe des Vittoriale errichtet wurde. Es lehnt sich stilistisch an etruskisch-römische Grabstätten an und greift mit seinen drei konzentrischen, übereinander liegenden Steinrampen Motive aus Dante Alighieris Göttlicher Komödie auf: den Sieg der Demütigen, der Künstler und der Helden. Die dort aufgestellten spätantiken Sarkophage enthalten die sterblichen Überreste der von D’Annunzio so genannten „Helden von Fiume“. Der Sarkophag D’Annunzios steht auf vier Säulen in der Mitte der obersten Plattform, seine sterblichen Überreste wurden 1963 hierher überführt. Im Inneren des Mausoleums befindet sich eine Krypta mit einem bronzenen Kruzifix von Leonardo Bistolfi.[2]

Puglia[Bearbeiten]

La Puglia.

Die Puglia ist ein Kreuzer, den D’Annunzio 1923 von der italienischen Marine als Geschenk erhielt. Er wurde auf 20 Eisenbahnwaggons verteilt angeliefert und bis 1925 unter Leitung von Silla G. Fortunato auf dem La Fida genannten Hang aufgestellt.[2]

MAS[Bearbeiten]

Die Buchstabenfolge „MAS“, abgeleitet von Motoscafo Anti Sommergibile („Motorboot zur U-Boot-Bekämpfung“), bezeichnet ein Torpedoboot, das, ebenso wie die Puglia, ein Geschenk der italienischen Marine war und 1923 im Vittoriale eintraf. D’Annunzio hatte es in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar 1918 im Unternehmen Beffa di Buccari benutzt. Heute steht es in einer Halle, die 1942 von Maroni entworfen und 1958 fertiggestellt wurde. An ihrer Außenwand ist das Motto Memento Audere Semper („Denke daran, immer zu wagen“) zu lesen.[2]

Kriegsmuseum[Bearbeiten]

Flugzeug des Typs SVA 10, mit dem D’Annunzio 1918 nach Wien flog.

Das Kriegsmuseum wurde im Juni 2000 eröffnet und im Juli 2001 um zusätzliche Räume erweitert. Es beinhaltet vor allem Gegenstände, die mit D’Annunzios Kriegserfahrungen verbunden sind, wie beispielsweise sein Propagandaflug am 9. August 1918 über Wien kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, seine Einsätze über Julisch Venetien, Istrien und Dalmatien und die Besetzung der kroatischen Adriastadt Fiume.[2]

Freilichttheater[Bearbeiten]

Das Freilichttheater.

Die ersten Ideen D’Annunzios zum Bau eines Freilichttheaters gehen auf das Jahr 1927 zurück. 1931 unternahm Maroni zusammen mit Renato Brozzi eine Studienreise nach Pompeii und entwarf bis 1938 die Pläne für das von D’Annunzio so genannte Parlaggio, das dem römischen Amphitheater von Pompeii und dem antiken Theater von Taormina nachempfunden ist. Es wurde 1953 fertiggestellt und bietet Platz für 1500 Zuschauer.[2] Jährlich finden hier zahlreiche Aufführungen der unterschiedlichsten Art statt, deren Palette von Ballett und Klassikkonzerten bis zu Jazz- und Rockkonzerten reicht.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ADAC reisemagazin Gardasee – „United Colors of D’Annunzio“. Abgerufen am 6. August 2009.
  2. a b c d e f g Website des Vittoriale degli italiani. Abgerufen am 7. August 2009.
  3. Renato Brozzi: la sua Storia. Abgerufen am 6. August 2009 (italienisch)
  4. Aufführungen im Teatro del Vittoriale. Abgerufen am 7. August 2009. (italienisch)

45.62396110.565013Koordinaten: 45° 37′ 26″ N, 10° 33′ 54″ O