Vivien Leigh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vivien Leigh (1958)

Vivien Leigh (* 5. November 1913 in Darjiling, Indien; † 8. Juli 1967 in London; gebürtig Vivian Mary Hartley) war eine britische Schauspielerin. Insgesamt trat sie in einem Zeitraum von dreißig Jahren in nur 20 Film- und Fernsehproduktionen auf. Berühmtheit erlangte Leigh in der Rolle der Scarlett O’Hara in dem Spielfilm Vom Winde verweht (1939), die ihr einen Oscar einbrachte. Ebenfalls preisgekrönt wurden ihre Darstellungen der Blanche in der Theaterverfilmung Endstation Sehnsucht (1951) und der Tatiana in dem Broadway-Musical Tovarich (1963). Leigh war unter anderem mit dem britischen Schauspieler und Regisseur Laurence Olivier verheiratet, mit dem sie auch gemeinsam im Film und am Theater auftrat.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Vivien Leigh war die Tochter des reichen Börsenmaklers Ernest Hartley und von Gertrude Yackjee. Sie wurde in Indien geboren, wo sie die ersten sechs Lebensjahre verbrachte. Ihre Eltern liebten beide die Literatur und machten sie mit den Werken Rudyard Kiplings, Hans Christian Andersens und Lewis Carrolls bekannt. 1920 verließen sie Darjeeling und kehrten nach England zurück.

In England wurde Leigh für die nächsten acht Jahre in ein katholisches Internat geschickt. Im Convent of the Sacred Heart spielte sie in der Theatergruppe sowie Cello im Schulorchester und nahm nebenbei Ballett- und Klavierstunden. 1928 verbrachte sie einige Monate in einem Konvent in San Remo an der italienischen Riviera. Sie beendete ihre schulische Ausbildung im französischen Auteuil und in den bayerischen Alpen.

Beginn der Schauspielkarriere[Bearbeiten]

1932 lernte sie Leigh Holman kennen. Im Mai desselben Jahres begann sie ein Schauspielstudium an der Royal Academy of Dramatic Art in London. Am 20. Dezember 1932 heirateten Leigh und Holman, am 10. Oktober 1933 kam ihre Tochter Suzanne zur Welt.

Leigh hielt ihr Hausfrauendasein nicht lange aus. Bereits 1934 arbeitete sie an ihrem ersten Film, Things Are Looking Up. Im September desselben Jahres sah sie zum ersten Mal Laurence Olivier auf der Bühne und begann sogleich für ihn zu schwärmen. In den Monaten darauf spielte sie in einigen kleinen Filmen und Bühnenstücken. Ihr Mann Leigh war von ihrer „Schwärmerei für die Schauspielerei“ nicht sehr begeistert und hoffte, sie würde davon abkommen und sich mehr ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter widmen.

1935 hatte Leigh Bühnenauftritte und spielte in kleineren Filmproduktionen. Der Filmproduzent Alexander Korda sah sie in The Mask of Virtue und gab ihr einen Vertrag für zehn britische Filme. Sie hatte sechs davon gedreht, als sie 1938 nach Hollywood ging. Während der Dreharbeiten zu Feuer über England lernte Leigh Laurence Olivier persönlich kennen, und die beiden wurden bald ein Paar. Im Juni 1938 verließ Leigh ihren Mann und zog mit Olivier in eine Wohnung in Chelsea. Ihre Tochter Suzanne gab sie in die Obhut ihrer Mutter.

Vom Winde verweht[Bearbeiten]

Während der Dreharbeiten für Twenty-One Days las Vivien Leigh den Roman Vom Winde verweht von Margaret Mitchell und war fasziniert:

“From the moment I read Gone With The Wind, I was fascinated by the lovely wayward, tempestuous Scarlett. I felt that I loved and understood her, almost as though I had known her in the flesh. When I heard that the book was to be filmed in Hollywood early in 1939 I longed to play the part.”

Als Laurence Olivier im Herbst 1938 nach Hollywood ging, begleitete ihn Leigh, durch David O. Selznicks Bruder wurde sie dem Produzenten vorgestellt. Selznick war begeistert von der damals in den USA noch unbekannten Schauspielerin. Leigh musste Sprechunterricht nehmen, um den Südstaatenakzent zu erlernen. Daneben nahm sie Gesangs- und Ballettstunden, um Stimme und Haltung zu verbessern. Während der Dreharbeiten zu Vom Winde verweht wurde das Drehbuch ständig umgeschrieben, was für alle Beteiligten eine große Herausforderung darstellte. Niemals zuvor hatte es in Hollywood eine Großproduktion gegeben, die solch enorme Arbeitsanstrengungen an den Produzenten, die drei Regisseure, die Schauspieler und technische Crew stellte. Leigh und Olivier sahen einander während dieser Zeit kaum.

Im Sommer 1939 war der Film abgedreht und im Dezember des Jahres machte die Premiere in Atlanta Leigh über Nacht berühmt. Der Film ist bis heute inflationsbereinigt der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Kurz vor Weihnachten begannen die Dreharbeiten zu Waterloo Bridge. Am 29. Februar 1940 erhielt sie einen Oscar für ihre Rolle als beste Schauspielerin. Daraufhin willigte ihr Mann Leigh Holman in die Scheidung ein. Am 31. August 1940 heirateten Vivien Leigh und Laurence Olivier in Santa Barbara, Katharine Hepburn war ihre Trauzeugin. Nach den Dreharbeiten zu Lady Hamilton reiste das Paar nach London, wo Leigh bis 1943 mit Der Arzt am Scheideweg von George Bernard Shaw auf der Bühne stand. Anschließend nahm Leigh an einer Tour zu den britischen Truppen teil.

Zurück in England[Bearbeiten]

Weder Olivier noch Leigh hatten Lust, nach Hollywood zurückzukehren. Während Olivier an seiner Shakespeare-Verfilmung Heinrich V. arbeitete, unterschrieb Vivien Leigh für Caesar und Cleopatra. Während der Dreharbeiten stürzte sie schwer, litt an hysterischen Anfällen und verfiel in Depressionen. Nach Beendigung des Films begab sie sich für mehrere Monate in ein Sanatorium, um dort eine festgestellte Tuberkulose auszuheilen. Bald danach stand sie wieder auf der Bühne. Das Stück Wir sind noch einmal davongekommen von Thornton Wilder wurde fast zwei Jahre lang (1945/46) aufgeführt, dabei kam es jedoch immer wieder zu Unterbrechungen wegen Erkrankungen der Hauptdarstellerin.

Vivien Leigh und Laurence Olivier (1948)

1947 begann Leigh mit den Dreharbeiten zu Anna Karenina. Obwohl sie schwer depressiv und in psychiatrischer Behandlung war, liebte sie die Rolle der Anna. In den Jahren 1948 und 1949 stand sie mit Olivier zusammen auf der Bühne. Die beiden unternahmen eine Welttournee, die sie bis nach Australien führte. Ihre Beziehung litt unter Leighs ständigen Depressionen, hinzu kam ihr Alkoholmissbrauch. Zudem hatte Olivier etliche Affären. Im Herbst 1949 stand Leigh in England mit dem Stück Endstation Sehnsucht von Tennessee Williams auf der Bühne und spielte im darauf folgenden Jahr die Rolle der Blanche in der Hollywood-Verfilmung des Stücks an der Seite von Marlon Brando. Der Regisseur Elia Kazan hielt Vivien Leigh zwar für eine zielstrebige Handwerkerin, aber für weniger begabt als seine Broadwaybesetzung der Blanche, Jessica Tandy. Die Produzenten bestanden jedoch auf Leigh, da diese als der größere Star galt und deshalb auch einen größeren Erfolg an der Kinokasse versprach. Leigh erhielt für ihre Leistung in dem Film schließlich ihren zweiten Oscar als beste Schauspielerin.

Von 1950 an stand Leigh wieder vermehrt auf der Bühne, oft war sie jedoch krank und erlitt auch mehrere Nervenzusammenbrüche. Auf Laurence Oliviers Drängen hin begab sie sich in psychiatrische Behandlung für eine Elektrokrampftherapie. In den 1950er Jahren war sie öfter gezwungen, wegen ihres Gesundheitszustands Dreharbeiten abzubrechen. Auch litt sie an schweren Gedächtnisproblemen und konnte deswegen nicht mehr regelmäßig am Theater auftreten.

Krankheit und Ende der Ehe mit Olivier[Bearbeiten]

1956 erfuhr die bereits 43-jährige Vivien Leigh zu ihrer Überraschung, dass sie wieder schwanger war. Sie verlor jedoch das Kind, was erneut eine schwere Depression bei ihr auslöste. Immer wieder unterzog sie sich Elektrokrampftherapien, die aber zu schweren Migräneattacken führten und ihren Zustand nicht verbesserten. Die Beziehung zu Olivier verschlechterte sich zunehmend – es kam auch zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden. 1957 begann sie eine Affäre mit Peter Finch.

1958 stand Leigh wieder auf der Bühne. Ihre Ehe mit Olivier bestand zu dieser Zeit nur noch auf dem Papier. Dieser befand sich inzwischen in einer Beziehung mit der Schauspielerin Joan Plowright. 1960 bat er Leigh um die Scheidung, da er Plowright heiraten wollte.

In den Jahren 1960/61 fiel Vivien Leigh immer tiefer in Depressionen und unterzog sich mehreren Schockbehandlungen. Auch trank sie sehr viel, trat jedoch noch immer erfolgreich auf der Bühne auf. Mit ihrem Liebhaber, dem Bühnenschauspieler John Merivale, zog sie zusammen und begann mit den Dreharbeiten zu Der römische Frühling der Mrs. Stone. Für ihre Darstellung in dem Film erhielt sie gute Kritiken, was ihrer Gesundheit so weit zugutekam, dass sie auch wieder am Theater auftreten wollte.

1963 überzeugte sie in dem Musical Tovarich, für das sie mit einem Tony Award geehrt wurde. Die Auftritte erwiesen sich jedoch als so anstrengend, dass sie einen Burnout erlitt und sich erneut in eine psychiatrische Klinik begeben musste. Von da an wurde sie von einer Krankenschwester betreut und begleitet.

Der letzte Film[Bearbeiten]

1964 hatte sie sich soweit erholt, dass sie nach Hollywood reiste, um Das Narrenschiff zu drehen. Die Dreharbeiten zu ihrem letzten Film mussten mehrmals unterbrochen werden, da sie sich wiederum Schockbehandlungen unterzog. Körperlich baute sie zunehmend ab und hatte Mühe, die Tanzszenen im Film durchzustehen.

1965 tourte sie mit dem Stück Iwanow von Anton P. Tschechow durch England und die USA. Erschöpft suchte sie danach mehrere Sanatorien in Frankreich und Griechenland auf. Im Mai 1967 erkrankte sie wieder schwer. Am 7. Juli 1967 fand ihr Lebensgefährte John Merivale sie tot auf dem Boden ihres Schlafzimmers. Die Todesursache war offenbar ihre nie richtig ausgeheilte Tuberkulose. Ihre Asche wurde auf dem Teich ihres letzten Wohnsitzes, Tickerage Mill, in der Nähe von Blackboys, Sussex, verstreut.

Filmografie[Bearbeiten]

Theaterstücke (Auswahl)[Bearbeiten]

Auftritte am New Yorker Broadway:[1]

  • 1940: Romeo and Julia (51st Street Theatre), Rolle: Julia
  • 1951–1952: Caesar and Cleopatra (Ziegfeld Theatre), Rolle: Cleopatra
  • 1951–1952: Antony and Cleopatra (Ziegfeld Theatre), Rolle: Cleopatra
  • 1960: Duel of Angels (Helen Hayes Theatre), Rolle: Paola
  • 1963: Tovarich (Broadway Theatre/Majestic Theatre/Winter Garden Theatre), Rolle: Tatiana
  • 1966: Ivanov (Shubert Theatre), Rolle: Anna Petrovna

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Vivien Leigh: Scarlett & Beyond. TV-Dokumentation von Gene Feldman und Suzette Winter, USA 1990, 46 Minuten

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vivien Leigh – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Profil in der Internet Broadway Database (abgerufen am 8. Juli 2012).