Werner Höfer

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Werner Höfer auf der Frankfurter Buchmesse (1977)

Werner Höfer (* 21. März 1913 in Kaisersesch; † 26. November 1997 in Köln) war ein deutscher Journalist und Fernsehmoderator.

Leben[Bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten]

Der Sohn eines Straßenbaumeisters studierte Philosophie, Geschichte, Theater- und Zeitungswissenschaft und arbeitete zunächst als Feuilletonredakteur beim Neuen Tag in Köln. Seit März 1933 war er Mitglied der NSDAP.[1] Höfer wechselte später nach Berlin zum Magazin Koralle und von hier aus schließlich an die B.Z. am Mittag, wo er seit 1941 als Theaterkritiker tätig war.

Höfer wurde 1939 vom Wehrdienst freigestellt. 1941 wurde er Pressereferent der Organisation Todt und danach im Rüstungsministerium von Albert Speer.[1] Zeitungsartikel schrieb er danach in freier Mitarbeit. Als die B.Z. am Mittag eingestellt wurde, schrieb Höfer auch für Das 12-Uhr-Blatt. Zudem war er Mitarbeiter der NS-Propaganda-Zeitung Das Reich.

Am 3. September 1943 wurde der junge Pianist Karlrobert Kreiten vom Volksgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und vier Tage später hingerichtet. Kreiten hatte einer Freundin seiner Mutter gegenüber unter anderem seine Zweifel geäußert, dass Deutschland den Krieg gewinnen könne. Am 15. September hatte Das 12-Uhr-Blatt darüber berichtet. Am 20. September kommentierte Höfer die Angelegenheit darin in einem kurzen Artikel unter dem Titel Künstler – Beispiel und Vorbild mit den Worten:

„Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!“[2]

Nach 1945[Bearbeiten]

Höfer 2. von links

Höfer arbeitete nach dem Krieg beim Hörfunk und Fernsehen (Nordwestdeutscher Rundfunk bzw. Westdeutscher Rundfunk). Er war Gründervater des regionalen Fernsehprogramms des WDR und moderierte Sendungen wie Echo des Tages und Hier und Heute. 1964 übernahm Höfer die Leitung des Dritten Programms des WDR, 1972 wurde er Fernsehdirektor. Im Jahr darauf bewarb sich Höfer vergeblich um das Amt des WDR-Intendanten, 1977 beendete er auf eigenen Wunsch seine Tätigkeit für den WDR. Zwischenzeitlich fungierte er auch als Chefredakteur der Neuen Illustrierten sowie als diplomatischer Korrespondent des Stern.

Den größten Bekanntheitsgrad erlangte Höfer aber durch den von ihm moderierten Internationalen Frühschoppen, einen sonntäglichen Journalistenstammtisch, bei dem internationale Medienvertreter aktuelle politische Themen diskutierten. Dabei handelte es sich um ein frühzeitig aus dem US-TV übernommenes sogenanntes Talking Heads-Format. Die erste Ausgabe wurde am 6. Januar 1952 aus dem NWDR-Hörfunkstudio im Bonner Bundeshaus gesendet, ab August 1953 übertrug zusätzlich auch das ARD-Fernsehen.[3] Ungeachtet zuweilen kritischer Stimmen, die Höfer eine Neigung zur Weitschweifigkeit und zu oberlehrerhaft-autoritären Allüren vorwarfen, waren die Sendung und ihr Moderator über dreißig Jahre eine feste Institution im deutschen Fernsehen. Eine Besonderheit bestand auch darin, dass sich Höfer nie vertreten ließ und auch seinen Urlaub so plante, dass er stets an jedem Sonntagmittag seine Gastgeberrolle wahrnehmen konnte. Zur Wirkung Höfers bilanzierte Norbert Schneider 1979: „Für die ersten 25 Jahre des Deutschen Fernsehens hat es Werner Höfer geschafft, ähnlich wie etwa das ‚Wort zum Sonntag‘, wie die politischen Montagsmagazine der ARD bis 1977, wie die ‚Sportschau‘ am frühen Samstagabend mit Fernsehen schlechthin identifiziert zu werden.“[4]

1973 erhielt Höfer das Große Bundesverdienstkreuz und 1967 die Goldene Kamera, sowie 1967 und 1982 den Grimme-Preis.

Kreiten-Affaire[Bearbeiten]

Im Dezember 1987 berichtete Harald Wieser im Spiegel erneut über Höfers Artikel von 1943 zu Kreitens Hinrichtung und löste damit eine heftige öffentliche Debatte aus.[5] In dieser bestritt Höfer stets, den Text in dieser Form selbst verfasst zu haben.

Schon im Jahre 1962 hatte der Leiter der Kommission für Agitation und Propaganda beim ZK der SED, Albert Norden, den Sachverhalt erstmals an die Öffentlichkeit gebracht. Der wiederholt vorgebrachte Vorstoß aus der DDR war ohne Folgen geblieben, einmal weil die westdeutsche Öffentlichkeit wenig Interesse an dem Schicksal eines Opfers der Unrechtsjustiz des Nationalsozialismus wie Karlrobert Kreiten zeigte und vor allem wenig an einer Aufklärung von Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus. Zum zweiten vertraute man nicht den Angaben der DDR-Behörden, sondern hielt sie für eine Propaganda-Aktion mit gefälschten Angaben. Höfer behauptete 1962 und genauso 1987 und danach, ihm sei in den Text hineinredigiert worden, er könne sich jedoch nicht erinnern, welche Passagen genau verändert worden seien. Andererseits behauptete er, der Artikel hätte gar nichts mit Kreiten zu tun gehabt, weil der Name Kreitens in dem Artikel nicht erwähnt sei.[6] 1987 und 1988 glaubte ihm die kritische Öffentlichkeit diese Erklärung nicht mehr. Zudem gab es ein neues von einem Mitschüler von Karlrobert Kreiten herausgegebenes Buch, zu dem auch die Familie Kreiten mit bisher unveröffentlichten Einzelheiten beigetragen hatte. Dazu hatten in dem Buch mehrere Historiker die Veröffentlichungen Höfers in der Zeit des Nationalsozialismus unter die Lupe genommen und weitere belastende Einzelheiten gefunden.[7] Höfer konnte nachgewiesen werden, dass er der Verfasser der „Hinrichtungshymne“ war.[8] Auch nach diesen Veröffentlichungen blieb Höfer uneinsichtig. So versuchte er 1988 sein Verhalten mit den Worten zu entschuldigen, in der schlimmsten Zeit der deutschen Geschichte sei er zwar kein Widerstandskämpfer, aber auch kein Schreibtischtäter gewesen.

Kurz nach der Veröffentlichung des Spiegel musste Höfer seine Position im Frühschoppen aufgeben. Der WDR musste sogar die Sendung Der Internationale Frühschoppen aufgeben, da Höfer die Rechte an der Produktion der Sendung hatte und sich nicht freiwillig zurückziehen wollte. Die Sendung wurde durch den nach ähnlichem Muster aufgebauten Presseclub ersetzt. Nach dem Ende seiner Fernsehkarriere lebte Höfer als pensionierter Fernsehdirektor in seinem Haus in Köln-Rodenkirchen oder in seinem Sommerdomizil in Kampen auf Sylt. Als Moderator war er weiterhin tätig, etwa für öffentliche Diskussionsveranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten oder für Interviewabende, die er in Köln im Auftrag der Sparkassenstiftung „City-Treff“ leitete. Mit den Bühler Begegnungen moderierte Höfer (der nach eigenem Bekunden seine Sendung Der Internationale Frühschoppen erst hatte aufgeben wollen, wenn „ich mit einem Glas in der Hand am Frühschoppentisch umfalle“) schließlich noch ab 1992 abwechselnd mit anderen Moderatoren eine Fernsehsendung, die monatlich in einem Hotel im Schwarzwald stattfand.

Privates[Bearbeiten]

Seine Tochter Candida Höfer (* 1944) ist Fotografin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Frei, Johannes Schmitz: Journalismus im Dritten Reich. 3. Auflage. C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-45516-6, S. 143 ff.
  • Uwe Kammann: Spätschoppen. Der Fall Werner Höfer. In: Lutz Hachmeister, Friedemann Siering (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47597-3, S. 213–237.
  • Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6.
  • Norbert Schneider: „Zu meiner Linken begrüße ich …“ Rituale der Fernsehdiskussion. In: Helmut Kreuzer und Karl Prümm (Hrsg.): Fernsehsendungen und ihre Formen. Typologie, Geschichte und Kritik des Programms in der Bundesrepublik Deutschland. Reclam, Stuttgart 1979, S. 438–448.
  • Matthias Weiß: Journalisten. Worte als Taten. In: Norbert Frei (Hrsg.): Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945. Campus, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-593-36790-4, S. 241–302.
  • Nina Verheyen: Diskussionslust. Eine Kulturgeschichte des „besseren Arguments” in Westdeutschland, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werner Höfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5. S. 253.
  2. Peter Wapnewski: Karlrobert Kreiten – Ich und wir. In: FAZ vom 28. November 1987, abgedruckt in: Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6, S. 168f.
  3. Zur Fernsehpremiere ausführlich Harald Keller: Die Geschichte der Talkshow in Deutschland. S. Fischer, Frankfurt/M. 2009, S. 113ff.
  4. Norbert Schneider, S. 444
  5.  Harald Wieser: Tod eines Pianisten. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1987, S. 156–170 (14. Dezember 1987, online).
  6. Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6, S. 134.
  7. Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6.
  8. so Peter Wapnewski Karlrobert Kreiten – Ich und wir. In: Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6, S. 169.