Kampen (Sylt)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kampen (Sylt)
Kampen (Sylt)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kampen (Sylt) hervorgehoben
54.9552777777788.342222222222224Koordinaten: 54° 57′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Landschaft Sylt
Höhe: 24 m ü. NHN
Fläche: 8,47 km²
Einwohner: 485 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 25999,
25992 (Jugendseeheim Kassel, Vogelkoje)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 04651
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 061
Adresse der Amtsverwaltung: Andreas-Nielsen-Str. 1
25980 Sylt/ OT Westerland
Webpräsenz: www.kampen.de
Bürgermeisterin: Stefanie Böhm (KWV)
Lage der Gemeinde Kampen (Sylt) im Kreis Nordfriesland
Karte

Kampen (Sylt) (friesisch: Kaamp) ist eine Gemeinde auf der Insel Sylt und liegt nördlich von Westerland. Im Jahre 1543 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick vom Leuchtturm auf Kampen (1894)

Kampen war über Jahrhunderte bis ca. 1900 ein rein landwirtschaftlich geprägter Ort, Seefahrt und Fischfang, sowie Industrie und Handwerk spielten kaum eine Rolle. Das Dorf Kampen bildete zusammen mit der Siedlung Wenningstedt und der damaligen Bauerschaft Braderup ab dem 27. Juni 1871 die Gemeinde Norddörfer.[2] Man teilte sich Kirche, Schule und andere soziale Einrichtungen, die aufgrund der geringen Einwohnerzahl der einzelnen Dörfer nur im Verbund betrieben und finanziert werden konnten. Touristen entdeckten Kampen – den ruhigen Ort inmitten von Heideflächen – erst relativ spät. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts galt er als Geheimtipp. Erst in den 1920er Jahren entwickelte sich in Kampen ein Badeleben. Eine Verordnung aus dem Jahre 1912, die bis heute gilt, legte detailliert fest, dass alle neuen Häuser dem Ortsbild entsprechen sollen, d. h. z. B. in Klinkerbauweise mit traditionellem Reetdach errichtet werden müssen.

Am 21. März 1927 schied Kampen aus der Gemeinde Norddörfer aus und bildete fortan eine eigene Gemeinde.[2]

Vor und während des Zweiten Weltkrieges wurden auch auf Kampener Gemeindegebiet Lager der Wehrmacht errichtet. Ein größeres Lager befand sich an der Stelle des heutigen Campingplatzes im Südwesten des Dorfes. Es wurde im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Fliegerhorstes auf der Braderuper Heide errichtet und diente zuletzt der Schweren Seezielbatterie Wenningstedt als Wohnunterkunft. Zu unmittelbaren Kampfhandlungen kam es jedoch nie, auch gab es in Kampen im Verlauf des Krieges keine bedeutenden Schäden durch Angriffe alliierter Bomber. Östlich des Dorfes lag eine Flakstellung mit zahlreichen unterirdischen Militärbunkern und Baracken, in Letzteren waren in der unmittelbaren Nachkriegszeit Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten untergebracht. In den 1950er Jahren entstand daraus das Café „Kupferkanne“.

Haus Kliffende

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog es viele Künstler und Intellektuelle nach Kampen. Das 1923 erbaute „Haus Kliffende“ wurde das bevorzugte Quartier von Thomas Mann und vielen anderen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort zunehmend Treffpunkt der „Reichen und Schönen“ – der Industriellen des Wirtschaftswunders. Prominenz aus Film und Fernsehen fand Kampen chic. In den 1960er Jahren kam es zu einem erheblichen Aufschwung der FKK-Bewegung. Besondere Popularität in diesem Kontext erlangte durch ausgiebige Berichterstattung in den Medien der Strand an „Buhne 16“. Seit den 1980er Jahren wurde es ruhiger um die „Kampener Szene“. Kampen ist noch immer ein etwas teurerer und exklusiverer Urlaubsort, jedoch zumeist ohne spektakuläre Partys oder Events. Man wohnt und feiert heute eher zurückgezogen.

Die Nordwestheide

Entwicklung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Kampen von der Uwe-Düne aus gesehen

Rund um den alten Ortskern entstanden auf der so genannten Nordheide seit den 1920er Jahren die Sommerhäuser und Villen der zumeist wohlhabenden Gäste, dadurch vervielfachte sich die besiedelte Gemeindefläche binnen weniger Jahre. Die Westheide westlich des Ortes und nördlich der Kurhausstraße blieb entgegen ersten Planungen aus dem Jahr 1906 von einer Bebauung verschont und steht nun unter Naturschutz.

Die Gemeindevertreter der Gemeinde Kampen haben sich bisher stets gegen jede Form einer insularen Fusion ausgesprochen und somit eine Fusion aller Inselgemeinden zur Gemeinde Sylt verhindert.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl 2008 hat die Wählergemeinschaft KWV alle neun Sitze inne. Bei der Wahl am 26. Mai 2013 wurde dieses Ergebnis bestätigt und die Wahlbeteiligung betrug 50,4 Prozent.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine silberne Stranddistel.“[4] Auf der Gemeindeflagge befindet sich die Distel in der oberen linken Ecke auf blauem Grund eines ansonsten blau-weiß gestreiften Tuchs.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 2002 ist die Gemeinde Lech (Österreich) Partnergemeinde von Kampen. Gastgeschenk des bekannten Vorarlberger Wintersportortes war eine ausrangierte Gondel einer Kabinenbahn, die nun am Kampener Hauptstrand aufgestellt ist. Im Gegenzug steht im Zentrum von Lech ein reetgedecktes Bus-Wartehäuschen.

Religion[Bearbeiten]

Kampen hat keine eigene Kirche. Lange Zeit mussten die vorwiegend protestantischen Einwohner zum Kirchgang ins ca. sieben Kilometer entfernte Keitum. 1914 entstand im Nachbarort Wenningstedt die Friesenkapelle, dessen „Norddörfer Gemeinde“ auch Kampen umfasst. In den Sommermonaten werden in Kampen an wechselnden Orten Open-Air-Gottesdienste abgehalten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wie alle Orte der Insel ist auch Kampen auf den Tourismus konzentriert, so dass eine wirtschaftliche Monostruktur in absoluter Abhängigkeit vom Tourismus vorzufinden ist.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde Kampen wird westlich des alten Ortskerns von der von Nord nach Süd über die Insel verlaufenden Landstraße L24 durchquert. Neben dem vorherrschenden Individualverkehr wird der ÖPNV durch die Buslinie 1 der Sylter Verkehrsgesellschaft aufrechterhalten.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Auf Grund der touristischen Monostruktur finden sich in Kampen neben einigen Handwerksbetrieben, Dienstleistern und Beherbergungsbetrieben vor allem Filialen gehobener Einzelhandelsunternehmen, wie Designerläden und Juweliere.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde betreibt zusammen mit der Nachbargemeinde Wenningstedt die „Norddörfer Schule“, eine Grundschule südlich des Ortes gelegen. Ferner gibt es im Ort einen von der Gemeinde betriebenen Kindergarten. Im „Kaamphüs“ sind neben der Gemeindeverwaltung auch touristische Angebote, wie Lesungen, Konzerte o. ä. zu finden.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Auf dem Gelände zwischen dem markanten schwarz-weißen Leuchtturm „Langer Christian“ und der Südgrenze der Bebauung befindet sich ein privater Golfplatz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Leuchtturm Rotes Kliff (ehem. Quermarkenfeuer) in der Dünenlandschaft

Etwa drei Kilometer nördlich von Kampen liegt die Kampener Vogelkoje. In diesem Naturschutzgebiet können sich heute ungestört zahlreiche Wasservögel tummeln. Schon 1767 befand sich hier eine Anlage, die dem Fang von Wildenten diente. Bis in das Jahr 1921 fing man hier jährlich etwa 25.000 Enten. 1935 wurde die Anlage unter Naturschutz gestellt und von Knud Ahlborn und Peter Kuhlemann zur Nutzung als Informationszentrum vorbereitet. Ab 1970 erforschte Manfred Wedemeyer die Vogelkoje unter dem Aspekt der Naturschutzpädagogik.[5] In den Jahren 19861988 wurde die Anlage originalgetreu rekonstruiert. In den zwei Gebäuden befinden sich Ausstellungen zur Syler Vogelwelt und zur Geschichte der Vogelkojen. Ein etwa 700 m langer Naturlehrpfad rundet die Ausstellung ab[6].

Das westlich des Ortes gelegene Rote Kliff scheint bei Sonnenuntergang tatsächlich rot zu leuchten. Es ist bis zu 30 Meter hoch. Durch Sturmfluten und Erosion ist es stark gefährdet.

Die Uwe Düne im Südwesten des Ortes ist mit 52,5 Metern über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung der Insel und wurde nach Uwe Jens Lornsen, einem Sylter Freiheitskämpfer, benannt.

Östlich des Ortes erstreckt sich der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. In der Sommersaison werden von der Gemeinde geführte Wanderungen im Watt angeboten.

In Kampen befinden sich zahlreiche Ateliers namhafter Künstler, so u. a. die Wirkungsstätte des Malers Siegward Sprotte, die in den Sommermonaten besucht werden kann.

Der Leuchtturm von Kampen

In Kampen liegen auf der Westheide mehrere steinzeitliche Hünengräber, darunter das Ganggrab bei Kampen und die Dolmen von Kampen. Nicht beschildert fristen sie ihr Dasein recht unberührt vom Tourismus. Auch die alte Ringwallanlage in Kampen ist weitgehend unbekannt, unbeschildert und wird so vor negativen Auswirkungen des Massentourismus geschützt. Gut zu sehen sind mehrere ungeöffnete Grabhügel auf der Westheide.

Auf dem hohen Geestkern südlich des Ortes befindet sich seit über 150 Jahren der markante 40 Meter hohe schwarz-weiße Kampener Leuchtturm.

Mitten in Kampen liegt seit 1965 der Avenarius-Park, der bis 2009 Dorfpark hieß.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Berthold Beitz (1913–2013), deutscher Unternehmer, verbrachte bis zu seinem Tod in Kampen zahlreiche Sommer in seinem dortigen Ferienhaus.
  • Otto Eglau (1917–1988), deutscher Maler und Graphiker.
  • Valeska Gert (1892–1978), deutsche Tänzerin und Schauspielerin, seit den 1920er Jahren (lebte die letzten Lebensjahrzehnte gänzlich in Kampen).
  • Siegfried Jacobsohn (1881–1926), deutscher Journalist und Theaterkritiker, verbrachte von 1913 bis 1926 zahlreiche Sommer in Kampen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Spreckelsen, Rolf: Nordseebad Kampen auf Sylt. Die Geschichte des Bades. Hans Christians Verlag, Hamburg 1978.
  • Spreckelsen, Rolf, Manfred Wedemeyer u.a.: 450 Jahre Kampen. Hrsg. v. d. Gemeinde Nordseebad Kampen auf Sylt 1994.
  • Spreckelsen, Rolf: Kampen - Sylt : der Flirt fürs ganze Leben ; die Geschichte eines Dorfes. Christians Verlag, Hamburg 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kampen (Sylt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b  Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 237.
  3. Web-Redaktion: Ergebnis Gemeindewahl Kampen 2013. In: www.gemeinde-sylt.de. Gemeinde Sylt, abgerufen am 23. Juni 2013.
  4. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  5. Manfred Wedemeyer: Die Vogelkoje Kampen, Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co., Heide in Holstein, 1974, S.8
  6. http://www.museen-sh.de/ml/inst.php?inst=5