Wilfried Huismann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wilfried Huismann (* 3. Januar 1951 in Godensholt bei Apen) ist ein deutscher Journalist, Autor, Filmemacher und dreifacher Träger des Adolf-Grimme-Preises.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Huismann studierte Sozialwissenschaften und Geschichte in Marburg und Hannover, bevor er 1981 als Entwicklungshelfer nach Santiago de Chile ging und 1982 seine journalistische Tätigkeit, zunächst als Autor von Radio-Features, aufnahm. Ab 1986 war er Mitarbeiter des politischen Fernsehmagazins Monitor.

Huismann ist Regisseur einer aufwändigen internationalen Co-Produktion mit dem Titel Lieber Fidel – Maritas Geschichte (2000), die die Liebe von Marita Lorenz zu Fidel Castro nachzeichnet, weiterhin Autor der ARD-Reihe Politische Morde und arbeitet mit der WDR – die story-Redaktion wie zum Beispiel: Der Fall Henry Kissinger (2001), Des Teufels Lehrling (2002), Verrat in Santiago – Wer erschoss Salvador Allende (2003), Eiskalt – Pinochets Plan Z (2003), Russisch Roulette – Die Agenten, der Kreml und das Kanzleramt (2004).

Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch seine Filmdokumentation über das Attentat auf John F. Kennedy bekannt, welches die ARD am 6. Januar 2006 ausstrahlte. Huismann präsentierte darin teilweise neue Dokumente und Aussagen von Zeitzeugen, auf die er während seiner drei Jahre langen Recherche gestoßen war. Sie belegen nach seiner Ansicht die These, dass der kubanische Regierungschef Fidel Castro Auftraggeber des mutmaßlichen Attentäters Lee Harvey Oswald war. Während der Film einerseits für den Fachpreis Hollywood Award nominiert wurde, führten die Thesen in Deutschland zu anhaltenden Diskussionen in Fachkreisen und in Printmedien. Der WDR-Mitarbeiter Ekkehard Sieker veröffentlichte zusammen mit dem Buchautor Lothar Buchholz Mitte September 2006 die 160-seitige Untersuchung Rendezvous mit der Quote, in der zentrale Thesen des Film hinterfragt werden.

Huismann lebt mit seiner Familie in Bremen.

Schwarzbuch WWF 2012[Bearbeiten]

Am 20. April 2012 erschien das WWF-kritische Buch Schwarzbuch WWF von Huismann. Huismann kritisiert in seinem Buch die Nähe des WWF zur Industrie, dessen koloniale Vergangenheit und Intransparenz sowie die Beteiligung an ökologisch umstrittenen Projekten.[1] Die Zusammenarbeit mit Großkonzernen bezeichnet Huismann als Grünen Ablasshandel. Der WWF sitze in verschiedensten Gremien, wo Konzerne Zertifikate über nachhaltige Produktion erhalten, während sie gleichzeitig die Urwälder vernichten und die Umwelt mit Chemikalien vergiften. Unter den Schutzprojekten für Tiger, Gorillas usw. würden ferner immer wieder die indigenen Völker leiden. Diese Völker würden aus den Schutzgebieten, ihren angestammten Siedlungsgebieten, vertrieben.[2] Der WWF bezeichnet die Anschuldigungen von Huismann als „Halbwahrheiten“. Der WWF übte schon vor Erscheinen des Buches massiv Druck auf den Verlag Random House aus, um eine Veröffentlichung zu verhindern.[3] Das Schwarzbuch war dann eine Woche überall erhältlich. Dann ließ der WWF großen Buchhändlern über eine Anwaltskanzlei in einem Schreiben Unterlassungsansprüche geltend machen.[4][5] Die großen Buchhändler wie Amazon, Thalia, Libri, KNV und Weltbild nahmen das Buch daraufhin ohne jeglichen Hinweis aus dem Sortiment. Obwohl der WWF bislang keine einstweilige Verfügung gegen das Schwarzbuch erwirken konnte und eine Verhandlung vor dem Landgericht Köln erst am 15. Juni angesetzt war und der Verkauf damit nicht verboten war, verschwand es dennoch von großen Teilen des Marktes. Die FAZ sprach deshalb genauso wie Burkhardt Müller-Sönksen, medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, von einer Selbstzensur der Großhändler. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) warf dem WWF Zensur vor.

Über den Verlag Random House konnte es weiterhin bezogen werden. Auch buchhandel.de, die Börsenverein des Deutschen Buchhandelstochter MVB und andere kleinere Händler boten das Buch weiter an. Am 2. Juni machte die FAZ die Vorgänge öffentlich. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Verlag bereits ca. 5000 Bücher verkauft.

Die Affäre wurde in der Folge von zahlreichen Printmedien wie z.B. auch Stern und Focus aufgegriffen. Die Buchhändler Osiander und eBuch zeigten eine andere Reaktion auf die Affäre:[6] Der Regionalfilialist Osiander hatte alle seine Buchläden angewiesen ein Plakat auszuhängen. Auf dem Plakat stand Der Buchhandel kuscht vor dem WWF! - Wir nicht!. Osiander stellte auf Bitte der buchhändlerischen Genossenschaft das Plakat allen Buchhändlern neutralisiert zur freien Verfügung.

Am 15. Juni entschied das Landgericht Köln, nur einem von vierzehn Unterlassungsbegehren des WWF nachzukommen.[7] Die fragliche Passage muss bei einem Nachdruck entfernt werden. Das Buch selbst bzw. die Erstausgabe bleibt weiterhin lieferbar und darf uneingeschränkt verkauft werden. Bis zum 20. Juli haben die Streit-Parteien Zeit, eine einvernehmliche Fassung zu finden. Falls keine einvernehmliche Lösung gefunden wird, entscheidet das Gericht. Die FAZ vermutete, dass der Gerichtsstreit genügend Aufmerksamkeit erzeugt habe, um den Verkauf anzukurbeln.

Am 26. Juli 2012 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen WWF, Verlag und Autor.[8] Für die 3. Auflage des Buches kommt es zur Streichung oder Überarbeitung von 21 Textpassagen. Einzige wesentliche Änderung ist, dass ein Interview mit der WWF-Mitarbeiterin Dörte Bieler entfällt. Dieses Interview musste bereits nach der Gerichts-Entscheidung am 15. Juni in der 2. Buchauflage gestrichen werden. Die vorhandenen Bücher der beiden ersten Auflagen dürfen vom Handel ohne Auflagen weiter verkauft werden. Der Verlag verkaufte bis zu Einigung bereits 25.000 Exemplare. Laut Süddeutsche Zeitung bleiben die Kernaussagen des Buches bestehen, in Details gebe es zukünftig Veränderungen und Ergänzungen. Die Grundaussage des Buches, dass der WWF für Umweltsünder-Unternehmen als "Grünwaschanlage" diente, blieb durch außergerichtliche Einigung unberührt. Die Süddeutsche Zeitung titelte deshalb auch: Grünwaschanlage bleibt Grünwaschanlage.

Am 11. Dezember 2013 hat das Landgericht Köln Kernaussagen der Dokumentation "Der Pakt mit dem Panda" als unwahre Tatsachenbehauptung bestätigt.[9] Das Schwarzbuch WWF basiert auf der Dokumentation.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Huismann erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zum Beispiel drei Adolf-Grimme-Preise für Das Totenschiff (1994), Gesucht wird … Das Geheimnis um das Olympia-Attentat 1972 (1996), Machtspieler – Friedrich Hennemann und der Untergang des Bremer Vulkan (1999).

Für seine Reportage Das Totenschiff wurde Huismann auch 1995 mit dem Fritz-Sänger-Preis ausgezeichnet. Für die Reportage Gesucht wird … Die Schuld an der Vulkan-Pleite wurde Huismann zusammen mit Klaus Schloesser 1998 mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichnet.

2009 erhielt er auf dem New York Festival in New York für seinen Dokumentarfilm Schnappschuss mit Che die „Gold World Medal“ in der Kategorie „National/International Affairs“.[10] Für Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt erhielt er 2012 den renommierten Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1988: Franca Magnani (mit Albrecht Reinhard)
  • 1990: Untergetauchte Kamera - Fotografie im Widerstand
  • 1991: Die Mafia Ost (mit Jürgen Thebrath)
  • 1991: Bremen-Bagdad (mit Rainer Kahrs)
  • 1992: Kühl bis ans Herz: Porträt der Treuhandpräsidentin (mit Jürgen Thebrath)
  • 1993: Der Junge mit dem Engelsgesicht
  • 1994: Das Totenschiff
  • 1995: Das Schicksal der entführten Kinder
  • 1996: Gesucht wird … Das Geheimnis um das Olympia-Attentat 1972
  • 1998: Der Tod des Pharao: Anwar al Sadat
  • 1999: Biedermanns Reich (mit Moni von Behr)
  • 1999: Machtspieler – Friedrich Hennemann und der Untergang des Bremer Vulkan (mit Klaus Schlösser)
  • 2000: Lieber Fidel – Maritas Geschichte
  • 2001: Der Fall Henry Kissinger
  • 2002: Des Teufels Lehrling
  • 2003: Eiskalt – Pinochets Plan Z
  • 2003: Verrat in Santiago – Wer erschoss Salvador Allende?
  • 2004: Russisch Roulette – Die Agenten, der Kreml und das Kanzleramt
  • 2006: Rendezvous mit dem Tod: Warum John F. Kennedy sterben musste
  • 2007: Schnappschuss mit Che
  • 2009: Tatort-Drehbuch: Schiffe versenken (mit Philip LaZebnik)
  • 2010: Tatort-Drehbuch: Schlafende Hunde (mit Dagmar Gabler)
  • 2010: Lachsfieber (mit Arno Schumann)
  • 2011: Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt
  • 2013: TatortPuppenspieler (spielt einen Journalisten)

Werke[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FAS: "Buchhandel kuscht vor WWF" 3. Juni 2012. S. 1.
  2. Huismann: Schwarzbuch WWF. Gütersloh 2012
  3. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/druck-auf-buchhaendler-wwf-draengt-kritisches-buch-vom-markt-11771956.html, abgerufen am 7. Juni 2012
  4. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/druck-auf-buchhaendler-wwf-draengt-kritisches-buch-vom-markt-11771956.html, abgerufen am 7. Juni 2012
  5. http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2012/06/03/das-verschwundene-schwarzbuch.htm, abgerufen am 7. Juni 2012
  6. http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2012/06/06/wir-kuschen-nicht.htm, abgerufen am 7. Juni 2012
  7. http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/meinungsfreiheit-schwarzbuch-wwf-bleibt-lieferbar-11787681.html
  8. http://www.sueddeutsche.de/medien/einigung-im-streit-um-schwarzbuch-wwf-gruenwaschanlage-bleibt-gruenwaschanlage-1.1423287
  9. http://www.wwf.de/wwfinformiert/
  10. „Wilfried Huismann ausgezeichnet. New Yorker Ehrung für Bremer Filmemacher“; Pressemitteilung von Radio Bremen vom 27. Januar 2009 (abgerufen am 29. Januar 2009).