Willem Barents

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Willem Barents (niederländisch Willem Barentsz, Abkürzung von Barentszoon, Barents Sohn, aus der Zeit, als es Familiennamen noch nicht gab; * um 1550 auf der Insel Terschelling im Dorf Formerum; † 20. Juni 1597 nahe Nowaja Semlja) war ein niederländischer Seefahrer und Entdecker des späten 16. Jahrhunderts. Nach ihm wurden die Barentssee (ein Teil des Nördlichen Eismeers) und die Barentsinsel (ein Teil der Inselgruppe Spitzbergen) benannt. Willem Barents gehörte zu den ersten Europäern, die eine Überwinterung in der Arktis unternahmen (außer den Samen).

Willem Barents
Christiaan Portman: Willem Barents’ Tod (1836)

Leben[Bearbeiten]

1594 verließ Barents als Obersteuermann (Navigator und Kartograph) unter Kapitän Jacob van Heemskerk Amsterdam mit zwei Schiffen, um die nordöstliche Durchfahrt nach China aufzufinden. Das zweite Schiff leitete Jan Corneliszoon Rijp, seinerzeit 26 Jahre alt. Barents erreichte am 10. Juli 1595 Nowaja Semlja, als dessen Entdecker er gilt, unter 73° 25′ nördlicher Breite und setzte seine Fahrt längs der West- und Nordküste der Insel fort, bis er in Sichtweite der Oranieninseln beim Eiskap unter 77° nördlicher Breite vom Eis an der Weiterfahrt gehindert wurde. Am 9. Juni 1596 entdeckte er die Bäreninsel und am 19. Juni die Insel Spitzbergen. Auf der Fahrt nach der inzwischen entdeckten Jugorstraße kam Barents am 17. Juli 1596 abermals nach Nowaja Semlja und am 19. August an dessen Nordostspitze, die er das „Ersehnte Kap“ (niederländisch Hoek van Begeerte = ‚Ecke der Begierde‘) taufte. Abermals hinderten Eismassen sein Vordringen in die Karasee. Er fand im Eishafen der Südküste eine Zuflucht, wo er mit seinen Gefährten alle Bedrängnisse eines arktischen Winters zu überstehen hatte.

Da ihr Schiff auch im nächsten Frühjahr im Eis eingefroren blieb, mussten sie es zurücklassen und in zwei offenen Booten am 14. Juni um das Ersehnte Kap herum zunächst nach der Petschora, dann nach Lappland flüchten, wo holländische Schiffe sie aufnahmen. Fünf Teilnehmer der Expedition waren aber den Qualen erlegen, darunter am 20. Juni Barents, der an der Küste Nowaja Semljas begraben wurde. Die übrige Mannschaft erreichte unter Jakob van Heemskerk mit großer Not endlich die Halbinsel Kola, wo sie Willem Cornelisz Schouten trafen, der sie nach Holland zurückbrachte.

Der nordöstliche Teil Nowaja Semljas wurde erst viel später von den Norwegern Edvard Holm Johannesen und Elling Karlsen erforscht. Letzterer fand 1871 das noch gut erhaltene Winterhaus von Barents und darin viele Geräte, Bücher (darunter die schlichte Erzählung Gerrit de Veers über ihre Erlebnisse) usw., die er nach fast 300-jähriger Vergrabenheit im Eis zurückbrachte. Untersuchungen von russischen und niederländischen Archäologen in den 1990er Jahren ergaben weitere Erkenntnisse zum Verlauf und dem Ende der Barents’schen Reisen.

Anhang[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Friedrich: Die Eissee. Die letzte Reise des Willem Barent. Verlag Neues Leben, Berlin 1990, ISBN 3-355-00429-4.
  • Ab Hoving: Het schip van Willem Barent. Edition Verloren, Hilversum 2004, ISBN 90-6550-772-8.
  • Gerrit de Veer: Wahrhaftige Beschreibung der Nordreise des Kapitäns van Heemskerck und des Obersteuermanns Willem Barentsz. In: Die gefahrvolle Reise des Kapitän Bontekoe und anderer Logbücher und Schiffsjournale holländischer Seefahrer des 17. Jahrhunderts. Erdmann-Verlag, Tübingen/Basel 1972
  • Gerrit de Veer: Barentz et Heemskerck, voyageurs hollandais. Paris 1857.
  • Julius LoewenbergBarendsz, Willem. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 59.
  • Michael Recke: Willem Barents und die Suche nach der Nordostpassage. Edition Stiedenrod, Wiefelstede 2010, ISBN 978-3-86927-110-1.
  • Klaus Stiedenrod: Beschreibung der drei neuen Schifffahrten Anno 1594, 1595 und 1596, mit dem Vorhaben ins Königreich Cathay und nach China zu kommen. Transkription der Hulsius-Ausgabe von 1598, Edition Stiedenrod, Wiefelstede 2010. ISBN 978-3-86927-109-5.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Willem Barents – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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