Wolfgang Ullmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich dem deutschen Theologen und Politiker Wolfgang Ullmann.
  • Für den Schweizer Täuferprediger Wolfgang Ulimann (auch: Uliman, Ullmann und Uolimann, eigentlich Wolfgang Schorant; * um 1500, † 1530) siehe Wolfgang Ulimann.
Wolfgang Ullmann, 1990

Wolfgang Ullmann (* 18. August 1929 in Gottleuba; † 30. Juli 2004 in Adorf/Vogtl.) war ein deutscher Theologe, Kirchenhistoriker, Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) und Herausgeber der Wochenzeitung Freitag.

Leben[Bearbeiten]

Wolfgang Ullmann besuchte die Grundschulen in Bad Gottleuba und Dresden und legte 1948 das Abitur am Real-Gymnasium in Dresden-Blasewitz ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er von 1948 bis 1954 evangelische Theologie und Philosophie an der Kirchlichen Hochschule Berlin (West) und an der Georg-August-Universität Göttingen. 1953 war er kurzzeitig Mitglied der Gesamtdeutschen Volkspartei.

Nach Abschluss seiner Promotion – Thema der Dissertation war Die psychologische Trinitätslehre Augustins als theologische Voraussetzung der mittelalterlichen Ethik – kehrte er 1954 in die DDR zurück und wurde Pfarrer in Colmnitz (Sachsen). 1963 berief ihn das Katechetische Oberseminar Naumburg zum Dozenten für Kirchengeschichte. In seiner Arbeit widmete er sich unter anderem den Kirchenvätern der Alten Kirche, Thomas Müntzer sowie der Arbeit von Philosophen wie Eugen Rosenstock-Huessy oder Pawel Alexandrowitsch Florenski. 1978 übernahm er die Dozentur für Kirchengeschichte im Sprachenkonvikt Berlin der Evangelischen Kirche Berlin/Brandenburg. 1987 trat er der Initiative für Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung bei.

Gemeinsam mit Konrad Weiß und Ulrike Poppe gründete er 1989 die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt. In dieser Eigenschaft war er auch Mitglied des Runden Tisches, eines neu gebildeten Gremiums mit dem Ziel, die Belange möglichst vieler beteiligten Gruppen zu berücksichtigen. Vom Februar bis April 1990 war Ullmann Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung von Hans Modrow, dann als Vertreter von Bündnis 90 Abgeordneter und einer der Vizepräsidenten der DDR-Volkskammer. Er arbeitete den nicht mehr beschlossenen Entwurf für eine neue DDR-Verfassung aus.

Wolfgang Ullmann (vorne rechts) 1990

Vom 3. Oktober 1990 bis 1994 war er für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Deutschen Bundestages. Er plädierte in der Gemeinsamen Verfassungskommission von Bundestag und Bundesrat (1991–1993) für die Verankerung von Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid im Grundgesetz. Als die Forderungen abgelehnt wurden, verließ er die Kommission. Von 1994 bis 1998 war er Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen im Europaparlament.

Ullmann erhielt 1994 die Theodor-Heuss-Medaille und 1996 den Arnold-Freymuth-Preis, darüber hinaus wurde ihm für sein Engagement für Berlin als Bundeshauptstadt im Juli 2004 der Ehrentitel eines Berliner Stadtältesten verliehen. Er war bis zu seinem Tod einer der Herausgeber der Wochenzeitung Freitag.

Ullmann war seit 1956 verheiratet und hatte drei Kinder, wovon eines der Komponist Jakob Ullmann ist. Sein Nachlass als Theologe, Politiker und Herausgeber befindet sich im Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft (Berlin). Er ist archivarisch aufgearbeitet und weitgehend ohne Nutzungsbeschränkungen einzusehen.

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Ullmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien