World Team Cup

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rochusclub in Düsseldorf, Center Court I

Der Power Horse World Team Cup war die Tennis-Mannschafts-Weltmeisterschaft der ATP (Herren). Er wurde von 1978 bis 2012 jährlich vom Düsseldorfer Rochusclub ausgerichtet und war mit 2,1 Mio. Euro Preisgeld (2004) dotiert. Er fand jedes Jahr eine Woche vor den French Open statt.

Der World Team Cup wurde zwischen acht Nationen ausgespielt. Sieben Teams qualifizierten sich über die Tennis-Weltrangliste, indem die Positionen der beiden jeweiligen Spitzenspieler addiert wurden. Die achte Nation nahm über eine Wildcard teil. Das Turnier gehörte zu den wichtigsten sportlichen Ereignissen im Raum Düsseldorf, mit jährlich etwa 75.000 Zuschauern und Fernsehübertragungen in über 160 Ländern. Das Ereignis wurde zuletzt durch die deutsche ARAG (Allgemeine Rechtsschutz- Versicherung-AG) hauptgesponsert und trug deshalb den Namen „ARAG World Team Cup“.

Nach zwischenzeitlichen, finanziellen Schwierigkeiten durch den Ausstieg des Hauptsponsors ARAG konnte Mitte Januar der World Team Cup auch 2011 gesichert werden. Die ATP teilte auf ihrer jährlichen Spielerversammlung in Melbourne mit, dass das Turnier vom 15. bis 21. Mai 2011 stattfinden werde. Der österreichische Energy-Drinkhersteller Power Horse konnte als neuer Hauptsponsor gewonnen werden.[1] Am 8. Oktober 2012 wurde offiziell bestätigt, dass der World Team Cup zum Jahr 2013 aus dem ATP-Turnierkalender gestrichen wird.[2]

Qualifikation[Bearbeiten]

Für den World Team Cup waren die jeweils besten acht Nationen, die auf der Jahreabschlussrangliste der ATP die ersten acht Plätze belegten. Abweichend davon konnte der Veranstalter eine Wildcard für eine Nation vergeben. So nahm das deutsche Team 2012 als achte Mannschaft am Turnier teil[3], obwohl es auf der Jahresabschlussrangliste der ATP vom 5. Dezember 2011 nur den neunten Rang belegte.[4]

Austragungsmodus[Bearbeiten]

Eine Mannschaft in diesem Turnier bestand normalerweise aus vier bis fünf Spielern, deren Position innerhalb der Mannschaft durch ihre Weltranglistenposition bestimmt wurden. Gespielt wurden zwei Einzel, in welchen jeweils die aktuell erst- und zweitplazierten Spieler der beiden Mannschaften gegeneinander antraten. Welches Einzel davon zuerst gespielt wurde, wurde zufällig ermittelt. Im Doppel, welches nach den Einzeln ausgetragen wurde, blieb die Aufstellung dem Team selbst überlassen. Es wurde Round Robin in zwei Gruppen mit jeweils vier Mannschaften gespielt. Die beiden Gruppenersten bestritten das Finale.

Für die Siege in den Einzel- und Doppel-Matches wurden nach einer gewissen Zeit von der ATP auch Weltcup-Punkte vergeben[5], um die Attraktivität für die Spitzenspieler zu erhöhen. Für das Einzel zwischen den beiden Spitzenspielern jeder Mannschaft und das entscheidenden Doppel während der Gruppenphase (Round Robin) wurden jeweils 35 Weltcuppunkte vergeben. Für das zweite Einzel wurden 25 und für ein nicht mehr entscheidendes Doppel beim Stand von 2:0 für eine Mannschaft während der Gruppenphase wurden 10 Punkte vergeben. Für die Finalspieler des ersten Einzels und entscheidenden Doppels wurden 95, für das zweite Einzel im Finale 50 und für eine nicht mehr entscheidendes Doppel 20 Punkte vergeben. Wenn ein Spieler alle vier Spiele inklusive des Finals gewann und Teil der siegreichen Mannschaft war, bekam er nochmals 50 Bonuspunkte. Somit bekam die Nummer Eins des Teams, falls er alle Einzel-Spiele bis zum Finale siegreich bestreiten konnte maximal 250, der zweite Einzelspieler insgesamt maximal 175 Punkte. Somit entsprachen die Punkte für die Nummer Eins des siegreichen Teams einem Sieg bei einem Turnier der 250er-Serie der ATP. Sollte der Spitzenspieler auch an allen siegreichen Doppel beteiligt gewesen sein, erhielt er weitere 250 Punkte. Somit konnte der Spitzenspieler der siegreichen Mannschaft, sollte er alle vier Einzel und Doppel siegreich beendet haben, maximal 500 Weltranglistenpunkte sammeln. Dies entsprach einem Turniersieg bei einem 500er-Serie-Turnier.

Geschichte[Bearbeiten]

Vom 8. bis 15. Mai 1978 wurde das erste Turnier ausgetragen. Von 1978 bis 1981 fand der Wettbewerb unter dem Namen „Ambre Solaire Nations Cup“ statt, von 1982 bis 1986 unter „Ambre Solaire World Team Cup“, 1987 bis 1999 unter „Peugeot World Team Cup“, 2000 bis 2010 unter „ARAG World Team Cup“ und seit 2011 lautet die offizielle Bezeichnung des Turniers „POWER HORSE World Team Cup“.[6]

Ab 2009 konnte mit Tennis-Point ein weiterer Sponsor gewonnen werden, der schon als Titelsponsor der Tennisbundesliga auftritt.[7] Eine weitere Neuerung 2009 war die Vergabe von Weltranglistenpunkten sowohl für die Einzel als auch für die Doppel.[8]

Durch ein neues Vermarktungskonzept, bei dem die Fernsehrechte nicht mehr zentral von der ATP vermarktet werden, sondern vom Turnierveranstalter selbst, hofft man durch über 1000 Stunden Live-Übertragung in mittlerweile über 200 Länder der Erde, den Zuschauerschwund der letzten Jahre zu kompensieren und das Turnier dauerhaft im Turnierkalender der ATP zu halten.[9] Nur so können Sponsoren, wie der aktuelle Titelsponsor Power-Horse dauerhaft für das Event interessiert werden.[10]

Um die Attraktivität des Turniers weiter zu erhöhen, hob man 2011 das Preisgeld von 750.000 auf 800.00 Euro an, wovon alleine das Siegerteam 260.000 Euro erhält. Weitere 168.000 Euro gehen an den Finalisten. Die beiden Gruppen-Zweiten der Vorrunde erhalten je 75.000 Euro.[11]

Wie es ab 2013 mit dem traditionsreichen Turnier weitergeht, war lange nicht entschieden.[12] Zum Ende des Jahres 2012 wurden Verhandlungen seitens der Turnierleitung mit der ATP aufgenommen, um die Zukunft des Turniers zu besprechen.[13] Am 1. Oktober 2012 wurde bekannt, dass der rumänische Millionär und ehemalige Tennisspieler und Manager von Boris Becker, Ion Țiriac den Turniernamen „World Team Cup“ vom Düsseldorfer Rochusclub für umgerechnet 1,6 Millionen Euro erworben hat.[14]

Wie der SID am 2. Oktober meldete, wird das Turnier 2013 nicht mehr ausgetragen. An seine Stelle rückt ein ATP 250 Turnier, das wie die beiden Jahre zuvor durch den Energydrink-Hersteller Power Horse gesponsert wird.[15][16] Die neue Veranstaltung soll unter dem Namen “Power Horse Open” ausgetragen werden. Das Preisgeld soll bei 415.000 Euro liegen.[17]

Liste der Gewinner[Bearbeiten]

Die Gewinner des World Team Cup seit der Erstaustragung 1978[18]:

Jahr Sieger Finalist Ergebnis
2012 SerbienSerbien Serbien TschechienTschechien Tschechien 3:0
2011 DeutschlandDeutschland Deutschland ArgentinienArgentinien Argentinien 2:1
2010 ArgentinienArgentinien Argentinien Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2:1
2009 SerbienSerbien Serbien DeutschlandDeutschland Deutschland 2:1
2008 SchwedenSchweden Schweden RusslandRussland Russland 2:1
2007 ArgentinienArgentinien Argentinien TschechienTschechien Tschechien 2:1
2006 KroatienKroatien Kroatien DeutschlandDeutschland Deutschland 2:1
2005 DeutschlandDeutschland Deutschland ArgentinienArgentinien Argentinien 2:1
2004 ChileChile Chile AustralienAustralien Australien 2:1
2003 ChileChile Chile TschechienTschechien Tschechien 2:1
2002 ArgentinienArgentinien Argentinien RusslandRussland Russland 3:0
2001 AustralienAustralien Australien RusslandRussland Russland 2:1
2000 SlowakeiSlowakei Slowakei RusslandRussland Russland 3:0
1999 AustralienAustralien Australien SchwedenSchweden Schweden 2:1
1998 DeutschlandDeutschland Deutschland TschechienTschechien Tschechien 3:0
1997 SpanienSpanien Spanien AustralienAustralien Australien 3:0
1996 SchweizSchweiz Schweiz TschechienTschechien Tschechien 2:1
1995 SchwedenSchweden Schweden KroatienKroatien Kroatien 2:1
1994 DeutschlandDeutschland Deutschland SpanienSpanien Spanien 2:1
1993 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten DeutschlandDeutschland Deutschland 3:0
1992 SpanienSpanien Spanien TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 2:0
1991 SchwedenSchweden Schweden Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 2:1
1990 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 3:0
1989 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Bundesrepublik Deutschland ArgentinienArgentinien Argentinien 2:1
1988 SchwedenSchweden Schweden Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2:0
1987 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2:1
1986 FrankreichFrankreich Frankreich SchwedenSchweden Schweden 2:1
1985 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 2:1
1984 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 2:1
1983 SpanienSpanien Spanien AustralienAustralien Australien 2:1
1982 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten AustralienAustralien Australien 2:0
1981 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei AustralienAustralien Australien 2:1
1980 ArgentinienArgentinien Argentinien ItalienItalien Italien 3:0
1979 AustralienAustralien Australien ItalienItalien Italien 2:1
1978 Spanien 1977Spanien Spanien AustralienAustralien Australien 2:1

Anzahl der Siege[Bearbeiten]

Es konnten sich 14 Nationen in die Siegerliste des World Team Cup eintragen, weitere drei Nationen nahmen an einem Endspiel teil.[19]

Nationen nach Anzahl der Siege und Finalteilnahmen
Land Siege Gewinner Finalteilnahme
1. DeutschlandDeutschland Deutschland 5 1989, 1994, 1998, 2005, 2011 1993, 2006, 2009
2. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 4 1982, 1984, 1985, 1993 1987, 1988, 1990, 2010
3. ArgentinienArgentinien Argentinien 4 1980, 2002, 2007, 2010 1989, 2005, 2011
4. SchwedenSchweden Schweden 4 1988, 1991, 1995, 2008 1986, 1999
5. SpanienSpanien Spanien 4 1978, 1983, 1992, 1997 1994
6. AustralienAustralien Australien 3 1979, 1999, 2001 1978, 1981, 1982, 1983, 1997, 2004
7. TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 2 1981, 1987 1984, 1985
8. ChileChile Chile 2 2003, 2004
SerbienSerbien Serbien 2 2009, 2012
10. KroatienKroatien Kroatien 1 2006 1995
Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 1 1990 1991
12. FrankreichFrankreich Frankreich 1 1986
SchweizSchweiz Schweiz 1 1996
SlowakeiSlowakei Slowakei 1 2000
15. TschechienTschechien Tschechien 1992, 1996, 1998, 2003, 2007, 2012
RusslandRussland Russland 2000, 2001, 2002, 2008
ItalienItalien Italien 1979, 1980

Fair Play Trophy[Bearbeiten]

Für vorbildliches Verhalten auf und neben dem Tennisplatz wurde seit 1989 eine besondere Auszeichnung an die Profis vergeben: Die Fair Play Trophy.[20] 2011 gab es mit Robin Söderling und Philipp Kohlschreiber erstmals zwei Preisträger des wertvollen Wanderpokals.[21]

Jahr Spieler
2012 TschechienTschechien Tomáš Berdych
2011 SchwedenSchweden Robin Söderling
DeutschlandDeutschland Philipp Kohlschreiber
2010 AustralienAustralien Lleyton Hewitt
2009 DeutschlandDeutschland Rainer Schüttler
2008 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten James Blake
2007 SchwedenSchweden Jonas Björkman
2006 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten James Blake
2005 SchwedenSchweden Jonas Björkman
2004 NiederlandeNiederlande Sjeng Schalken
2003 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Todd Martin
2002 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Pete Sampras
2001 AustralienAustralien Patrick Rafter
2000 AustralienAustralien Patrick Rafter
1999 SpanienSpanien Àlex Corretja
1998 TschechienTschechien Petr Korda
1997 DeutschlandDeutschland Michael Stich
1996 SchweizSchweiz Jakob Hlasek
1995 SchwedenSchweden Stefan Edberg
1994 SchwedenSchweden Magnus Gustafsson
1993 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Pete Sampras
1992 FrankreichFrankreich Guy Forget
1991 DeutschlandDeutschland Eric Jelen
1990 ArgentinienArgentinien Martín Jaite
1989 SchwedenSchweden Stefan Edberg

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: World Team Cup – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. derwesten.de: World Team Cup 2011 gesichert Artikel vom 15. Januar 2011
  2. "Düsseldorf bekommt ATP-Turnier", Sport1.de. Abgerufen am 9. Oktober 2012.
  3. Titelverteidiger Deutschland auch 2012 am Start
  4. Deutsches Team bei WM-Turnier
  5. Power Horse World Team Cup Points Schedule
  6. Alle Sieger des World Team Cup
  7. blogspan.net: Tennis-Point ist erstmalig Sponsor des ARAG-World-Team-Cup 2009
  8. ATP Tennis in Düsseldorf
  9. ATP tournaments: Power Horse World Team Cup
  10. Power-Horse World-Team-Championship Düsseldorf
  11. Mehr Preisgeld beim World-Team-Cup
  12. Zukunft des World-Team-Cup weiterhin offen
  13. derwesten.de: Der Rochusclub und die sieben Siegel für 2013
  14. WAZ: World Team Cup in Düsseldorf liegt auf Eis, derwesten.de. Abgerufen am 2. Oktober 2012.
  15. Stern: World Team Cup am Ende - Einzelturnier in Düsseldorf (abgerufen am 2. Oktober 2012)
  16. Bild: Aus für World Team Cup in Düsseldorf, bild.de. Abgerufen am 2. Oktober 2012.
  17. Rheinische Post: Tennis: Aus für den World Team Cup besiegelt, blogspan.net. Abgerufen am 2. Oktober 2012.
  18. Statistiken auf medaillenspiegel.info
  19. Alle Endspielergebnisse seit 1978
  20. Fair Play Trophy
  21. Erstmals zwei Preisträger für Fair Play Trophy