Zeuge gesucht

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Filmdaten
Deutscher Titel Zeuge gesucht
Originaltitel Phantom Lady
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1944
Länge 87 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Robert Siodmak
Drehbuch Bernard C. Schoenfeld
Produktion Joan Harrison
Musik Hans J. Salter
Kamera Woody Bredell
Schnitt Arthur Hilton
Besetzung

Zeuge gesucht (Originaltitel Phantom Lady) ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Film noir von Robert Siodmak aus dem Jahr 1944. Er entstand nach dem Roman Phantom Lady von William Irish, einem Pseudonym von Cornell Woolrich.

Handlung[Bearbeiten]

Nach einem Streit mit seiner Ehefrau Marcela kommt Scott Henderson in einer Bar mit einer unbekannten Frau ins Gespräch. Henderson bietet ihr an, ihn in eine Revueveranstaltung zu begleiten, für die er zwei Karten hat. Sie willigt unter der Bedingung ein, dass beide nicht über persönliche Dinge reden und sich danach freundschaftlich trennen. Während der Aufführung echauffiert sich die Sängerin Estela über den auffälligen Hut der unbekannten Besucherin, der ihrem bis aufs Haar gleicht. Anschließend gehen Henderson und die Unbekannte, wie verabredet, getrennte Wege. Er kehrt nach Hause zurück, wo ihn die Polizei erwartet: In seiner Abwesenheit wurde Marcela ermordet. Der Verdacht fällt auf Henderson, der glaubt, genügend Zeugen zu haben, die ihn entlasten können. Jedoch gibt Mac, der Barmann des Lokals, wo er die Unbekannte traf, vor, sich nur an Henderson zu erinnern, nicht an seine Begleiterin. Auch der Taxifahrer, der Henderson und die Unbekannte zur Veranstaltung fuhr, Sängerin Estela und Cliff, der Schlagzeuger ihrer Begleitband, können sich nicht an das Paar erinnern.

Henderson wird wegen Mordes verurteilt, ihm droht die Hinrichtung. Seine loyale Sekretärin Kansas, von der Unschuld ihres Chefs überzeugt, beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln, heimlich unterstützt von Inspektor Burgess. Mac, der Barmann, kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben, ehe er den Grund für seine Falschaussage nennen kann. Bei Cliff hat Kansas mehr Erfolg, er gesteht, dass sein Schweigen mit Geld erkauft wurde. Als Cliff herausfindet, dass Kansas mit der Polizei im Bunde steht, und zudringlich wird, ergreift sie hastig die Flucht. Kurz darauf wird Cliff ermordet.

Henderson bester Freund, der Künstler Jack Marlow, reist aus Südamerika an, um ihn und Kansas bei ihrer Recherche zu unterstützen. Kansas findet heraus, wer die Hüte von Estela und der Unbekannten angefertigt hat, und kommt so auf die Spur von Hendersons Begleiterin. Diese entpuppt sich als Insassin einer psychiatrischen Klinik, was ihr spurloses Verschwinden erklärt. Kansas trifft sich mit Marlow in seinem Apartment und entdeckt dort ihre Handtasche, die sie bei der Flucht aus Cliffs Wohnung zurückließ. Marlow gesteht, dass er Marcela ermordete, weil sie trotz ihrer gemeinsamen Affäre Henderson nicht verlassen wollte. Nach der Tat lenkte er den Verdacht auf ihren Mann. Ehe er Kansas töten kann, trifft Burgess ein, Marlow entzieht sich durch Selbstmord der Verhaftung.

Hintergrund[Bearbeiten]

Zeuge gesucht wurde von Joan Harrison, einer langjährigen Mitarbeiterin Alfred Hitchcocks, produziert. Der Film bildete den Auftakt einer Reihe von Film noirs, die Robert Siodmak, seit 1943 Vertragsregisseur bei Universal Pictures, für das Studio drehte. In der Folge entstanden unter seiner Regie unter anderem Weihnachtsurlaub (1944), Rächer der Unterwelt (1946) und Gewagtes Alibi (1949). Weihnachtsurlaub und Rächer der Unterwelt wurden, wie Zeuge gesucht, von Woody Bredell fotografiert. Siodmak regte Bredell an, für seine Arbeit die Verteilung von Hell und Dunkel in Rembrandts Gemälden zu studieren.[1]

Zeuge gesucht startete am 17. Februar 1944 in New York und am 21. April 1950 in den Kinos der BRD.[2][3]

Kritiken[Bearbeiten]

„Leider vergaßen Frau Harrison und Herr Siodmak eine wesentliche Sache – eine plausible, realistische Handlung. […] Die Langeweile wird durch das monotone Tempo noch verstärkt. Man könnte beinahe meinen, der Regisseur wäre ein paar Mal eingeschlafen. […] Einige treffend effektvolle Kulissen bilden den Hintergrund dieser Angelegenheit. Aber Effekte ohne Verstand sind fadenscheinig. Und Verstand ist es, was diesem Film fehlt.“

Bosley Crowther, The New York Times[4]

„Siodmaks verwinkelte Kompositionen und dramatische Lichtführung könnten ungnädig als Genrestandards abgehakt werden, aber seine Manipulation des Hauptmotivs des Films ist meisterhaft. Sein Augenmerk gilt den greifbaren und psychologischen Indizien – den ‚Aufzeichnungen‘ – des Nichtvorhandenseins.“

Paul Taylor, Time Out Film Guide.[5]

„Spannender, psychologisch stimmiger Kriminalfilm, dessen raffiniert konstruierte Romanvorlage geschickt umgesetzt wurde. Überraschende Wendungen und Perspektivwechsel sowie einige äußerst suggestiv entwickelte Sequenzen machen den Film zu einem der reizvollsten Vertreter des film noir.“

Lexikon des Internationalen Films[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • William Irish (d. i. Cornell Woolrich): Phantom Lady. Übersetzt von Günter Hehemann. Heyne, München 1962, 153 S. (EA)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Siodmak, Hans C. Blumenberg (Hrsg.): Zwischen Berlin und Hollywood. Erinnerungen eines großen Filmregisseurs. Herbig, München 1980, ISBN 3-8004-0892-9, S. 103.
  2. Alain Silver, Elizabeth Ward (Hrsg.): Film Noir. An Encyclopedic Reference to the American Style, Third Edition. Overlook/Duckworth, New York/Woodstock/London 1992, ISBN 978-0-87951-479-2, S. 225–226.
  3. a b Zeuge gesucht im Lexikon des Internationalen Films.
  4. „But, unfortunately, Miss Harrison and Mr. Siodmak forgot one basic thing—they forgot to provide their picture with a plausible, realistic plot. […] The tedium is also augmented by the monotonous pace which is generally set. You might almost think the director had gone to sleep there a couple of times. […] some aptly sensational settings background the whole affair. But sensation is specious without reason. And reason is what this picture lacks.“ – Rezension von Bosley Crowther in der New York Times vom 18. Februar 1944, abgerufen am 30. Januar 2013.
  5. „Siodmak's angled compositions and dramatic lighting might be uncharitably ticked off as genre staples, but his manipulation of the film's key motif is masterly. He concentrates on the tangible and psychological evidence - the 'records' - of absence […]“ – Time Out Film Guide, Seventh Edition 1999. Penguin, London 1998, S. 695.