Ōkuma (Fukushima)

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Ōkuma-machi
大熊町
Ōkuma (Fukushima) (Japan)
Red pog.svg
Geographische Lage in Japan
Region: Tōhoku
Präfektur: Fukushima
Koordinaten: 37° 24′ N, 140° 59′ OKoordinaten: 37° 24′ 16″ N, 140° 59′ 0″ O
Basisdaten
Fläche: 78,70 km²
Einwohner: 0
(1. April 2018)
Bevölkerungsdichte: 0 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 07545-1
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Ōkuma
Baum: Momi-Tanne
Blume: Nashi
Vogel: Schwarzmilan
Rathaus
Adresse: Ōkuma Town Hall
634 Aza Ōno, Ōaza Shimonogami
Ōkuma-machi, Futaba-gun
Fukushima 979-1308
Webadresse: www.town.okuma.fukushima.jp
Lage Ōkumas in der Präfektur Fukushima
Lage Ōkumas in der Präfektur

Ōkuma (jap. 大熊町, -machi) ist eine Geisterstadt in Japan im Landkreis Futaba in der Präfektur Fukushima.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Ortskerne von Ōkuma und Futaba, westlich des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi (rote Positionsmarkierung)

Ōkuma liegt an der ostjapanischen Pazifikküste. Die Besiedlung konzentrierte sich hauptsächlich entlang des Flusses Kuma, vor allem innerhalb des Ortszentrums Ōno etwa 5 km von der Küste entfernt und dem Ortsteil Kumamachi in der Nähe der Flussmündung.

Entlang des Nordteils der Küste befanden sich zahlreiche Industrieunternehmen. Mehr als 1,5 km² des gewerblichen Areals wird jedoch auch weiterhin vom Kernkraftwerk Fukushima Daiichi genutzt.

Die westliche Hälfte des Stadtgebietes gehört zum Abukuma-Hochland (阿武隈高地, -kōchi) und war aufgrund seines sehr bergigen Charakters kaum besiedelt und von Wäldern geprägt.

Umgeben ist Ōkuma von den Gemeinden Futaba im Nordosten, Namie im Nordwesten, Tamura im Westen, Kawauchi im Südwesten und Tomioka im Südosten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde entstand am 1. November 1954 aus dem Zusammenschluss der beiden Dörfer Ōno (大野村, -mura) und Kumamachi (熊町村, -mura). Aus deren beiden Ortsnamen wurde auch jener der neuen Stadt gebildet.

Tōhoku-Erdbeben, -Tsunami und Nuklearkatastrophe 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Ōkuma, des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi und der Langzeit-Evakuierungszonen

Ōkuma wurde am 11. März 2011 vom Erdbeben von Tōhoku und dem davon ausgelösten Tsunami getroffen. 61 Wohngebäude wurden völlig, 95 teilweise zerstört.[1] Durch die vom Erdbeben ausgelöste Nuklearkatastrophe von Fukushima musste in deren Verlauf die Stadt komplett evakuiert werden und eine Umsiedlung der Bevölkerung sowie der Stadtverwaltung nach Aizu-Wakamatsu im Westen der Präfektur durchgeführt werden.[2][3]

Als Gegenmaßnahme zur Nuklearkatastrophe wurde ein Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in einem Umkreis von 20 km ausgewiesen. Es gab jedoch auch jenseits dieses 20 km-Radius viele andere Standorte mit hohen Strahlungswerten, da radioaktive Partikel über den Wind aus dem havarierten Kraftwerk fortgetragen wurden. Zu diesen Orten zählten Ōkuma sowie 10 weitere Dörfer und Städte, darunter Minamisōma, Naraha, Tomioka, Kawauchi, Futaba, Namie, Katsurao, Iitate, Tamura und Kawamata. Diese Regionen wurden entsprechend ihrer radioaktiven Belastung nach der Erlassung der Evakuierungsanordnungen vom 7. Mai 2013 in folgende vier verschiedene Kategorien eingeteilt: Gebiete mit einer Strahlenbelastung von weniger als 20 mSv pro Jahr, die von der Regierung als Schwellenwert für eine dauerhafte Rückkehr behandelt wurde, bildeten die Kategorie 1. Gebiete dieser Kategorie 1 konnten die Einwohner nach eigenem Ermessen und ohne Einsatz von Schutzausrüstung betreten mit der einzigen Einschränkung, dass sie dort nicht übernachten durften. Diese Gebiete waren bereit für eine Aufhebung des Evakuierungsbefehls. In Gebieten mit einer Strahlenbelastung zwischen 20 und 50 mSv pro Jahr (Kategorie 2) war den Einwohnern ein dauerhafter Aufenthalt untersagt. Gebiete mit über 50 mSv pro Jahr (Kategorie 3) wurden als langfristig ungeeignet für eine Rückkehr der Einwohner angesehen. Einen Sonderstatus nahm ein viertes Evakuierungsgebiet ein.[4]

Die Brand- und Katastrophenschutzbehörde (Fire and Disaster Management Agency, FDMA) meldete bis zu ihrem 145. Schadensbericht vom 13. März 2012 46 Tote und einen Vermissten für Ōkuma als Folge der Tōhoku-Dreifachkatastrophe von 2011,[5][6][7] erhöhte ihre Angabe dann in ihrem 146. Schadensbericht vom 28. September 2012 auf 78 Tote und einen Vermissten[8] und bis zum 157. Schadensbericht vom 7. März 2018 auf 135 Tote.[1][9] Gemessen an der Gesamtbevölkerung Ōkumas, die bei der Volkszählung von 2010 mit 11.515 angegeben worden war,[10] betrug die Opferquote durch die Katastrophe von 2011 1,2 %, wenn alle in dem 157. FDMA-Schadensbericht registrierten Toten und Vermissten berücksichtigt werden.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Fernstraßen in der Gemeinde waren die Nationalstraße 6 nach Chūō oder Sendai, sowie die Nationalstraße 288 nach Kōriyama oder Futaba.

Anbindung an das Schienennetz bestand über die JR-Jōban-Linie nach dem Bahnhof Ueno in Tokio oder Toride. Einziger Bahnhof der Stadt war Ōno.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt befanden sich die Grundschulen Ōno und Kumamachi sowie die Mittelschule Ōkuma und die präfekturale Futaba-Shōyō-Oberschule (双葉翔陽高等学校).

Aufgrund der Evakuierung nach Aizu-Wakamatsu wurde dort eine neue Grund- und Mittelschule für die Kinder von Ōkuma eröffnet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwesterstadt von Ōkuma ist seit März 1991 Bathurst im australischen Bundesstaat New South Wales.[11][12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ōkuma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第153報) (Memento vom 10. März 2016 auf WebCite), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 8. März 2016.
  2. 東日本大震災 図説集. In: mainichi.jp. Mainichi Shimbun-sha, 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 19. Juni 2011; abgerufen am 19. Juni 2011 (japanisch, Übersicht über gemeldete Tote, Vermisste und Evakuierte).
  3. Collective relocation of Fukushima residents. In: NHK World News. NHK, 26. März 2011, archiviert vom Original am 11. April 2011; abgerufen am 27. März 2011 (englisch).
  4. Dinil Pushpalal, Zhang Yan, Tran Thi Diem Thi, Yuri Scherbak, Michiko Kohama: Tears of Namie: An Appraisal of Human Security in the Township of Namie. In: Dinil Pushpalal, Jakob Rhyner, Vilma Hossini (Hrsg.): The Great Eastern Japan Earthquake 11 March 2011: Lessons Learned And Research Questions - Conference Proceedings (11 March 2013, UN Campus, Bonn). 2013, ISBN 978-3-944535-20-3, ISSN 2075-0498, S. 80–87.
  5. 平成23 年(2011 年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第145 報) (Memento vom 12. April 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 12. April 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 145. Bericht, 13. März 2012.
  6. 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(第124報) (Memento vom 25. März 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 25. März 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 124. Bericht, 19. Mai 2011.
  7. 東日本大震災 図説集. In: mainichi.jp. Mainichi Shimbun-sha, 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 19. Juni 2011; abgerufen am 19. Juni 2011 (japanisch, Übersicht über gemeldete Tote, Vermisste und Evakuierte).
  8. 平成 23 年(2011 年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第 146 報) (Memento vom 12. April 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 12. April 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 146. Bericht, 28. September 2012.
  9. a b 平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震(東日本大震災)について(第157報) (Memento vom 18. März 2018 auf WebCite) (PDF (Memento vom 18. März 2018 auf WebCite)), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 7. März 2018.
  10. 平成 22年国勢調査 - 人口等基本集計結果 -(岩手県,宮城県及び福島県) (Memento vom 24. März 2018 auf WebCite) (PDF, japanisch), stat.go.jp (Statistics Japan - Statistics Bureau, Ministry of Internal Affairs and communication), Volkszählung 2010, Zusammenfassung der Ergebnisse für die Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima, URL: http://www.stat.go.jp/data/kokusei/2010/index.html.
  11. Sister City – Bathurst has had a sister city relationship with Ohkuma (Japan) since March 1991. In: Bathurst Regional Council. Bathurst Regional Council, abgerufen am 3. April 2011 (englisch).
  12. Sister City. Bathurst Regional Council, archiviert vom Original am 14. Juni 2009; abgerufen am 10. August 2016 (englisch).