A United Kingdom

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Filmdaten
Deutscher Titel A United Kingdom
Originaltitel A United Kingdom
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2016
Länge 111 Minuten
Altersfreigabe FSK 6[1]
JMK 8[2]
Stab
Regie Amma Asante
Drehbuch Guy Hibbert
Musik Patrick Doyle
Kamera Sam McCurdy
Schnitt Jonathan Amos
Besetzung

A United Kingdom ist ein britisches Filmdrama mit romantischen Elementen von Amma Asante und eine Filmbiografie über Ruth Williams Khama und ihren Ehemann, den ersten botswanischen Präsidenten Sir Seretse Khama. Der Film feierte am 10. September 2016 im Rahmen des Toronto International Film Festivals 2016 seine Premiere und kam am 25. November 2016 in die Kinos im Vereinigten Königreich.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motswana Seretse Khama soll sich in den 1940er Jahren durch ein Jurastudium in London auf seine spätere Aufgabe vorbereiten. Dort lernt er bei einem Tanzabend Ruth Williams kennen, eine weiße Engländerin, die die Tochter eines Vertreters im Teehandel ist und als Sekretärin arbeitet. Schnell verlieben sich beide ineinander, beginnen eine Beziehung und beschließen zu heiraten. Ihre Verbindung wäre eigentlich kein Problem, wenn Khama irgendein Bürger seines Landes wäre. Allerdings ist er das angehende Oberhaupt der Bamangwato in Betschuanaland, das ein britisches Protektorat ist. Seine Hochzeitspläne erregen nicht nur die Gemüter der Regierung des britischen Empires und seiner Landsleute, sondern plötzlich erhält das afrikanische Land international große Aufmerksamkeit, denn die Beziehung entspricht nicht den gesellschaftlichen Standards jener Zeit. Auch die beiden Familien lehnen ihre Beziehung ab, und die britische Regierung befürchtet gar eine diplomatische Auseinandersetzung mit dem rassistischen Apartheidregime in Südafrika und den Verlust der vielen Bodenschätze des Landes. Als Khama die Engländerin im Jahr 1948 schließlich dennoch heiratet, ist der Skandal komplett, und die Liebesgeschichte der beiden stößt auf große Widerstände. Die britische Regierung versucht mit allerlei Tricks und Fallen die Liaison zu stören.

Dennoch reist das Paar nach Betschuanaland. Khamas Onkel, der bisher Statthalter des Königs war, ist dagegen, dass Khama unter diesen Umständen Oberhaupt des Volkes wird. Nach einer leidenschaftlichen Rede Khamas entscheidet sich die einberufene Versammlung der Einwohner jedoch für Khama und der Onkel zieht in eine andere Gegend. Mit der Zeit gewinnt Ruth einige Sympathie bei der Bevölkerung; auch die anfangs feindselig gestimmte Schwester Khamas unterstützt sie nun. Eines Tages wird Khama nach London beordert. Die schwangere Ruth bleibt in Afrika, da ihr Mann befürchtet, dass sie nicht mehr zurückgelassen wird. Stattdessen wird Khama in England eröffnet, dass er fünf Jahre lang nicht nach Betschuanaland darf. Mittlerweile bringt Ruth eine Tochter zur Welt. Khama wendet sich an die Öffentlichkeit und findet Fürsprecher in britischen Abgeordneten. Churchill verspricht im Wahlkampf, dass Khama im Falle seines Sieges wieder zurückkehren dürfe. Nach der Wahl hält er sich aber nicht daran; stattdessen soll Khama nun gar nicht mehr in sein Heimatland dürfen. Ruth harrt zwar noch längere Zeit in Afrika aus, kehrt dann aber nach London zurück. Da er von einem befreundeten Journalisten erfahren hat, dass in Betschuanaland Diamanten gefunden wurden, versucht Khama bei der britischen Regierung die Zusage zu erhalten, dass die Einheimischen die Schürfrechte für eventuell gefundene Bodenschätze bekommen, und ist damit erfolgreich. Schließlich darf Khama für eine Woche nach Betschuanaland reisen, um persönliche Angelegenheiten zu regeln. Er versöhnt sich mit seinem Onkel, verzichtet auf die Königswürde, damit er im Land bleiben kann, und plädiert dafür, es zu modernisieren und demokratisieren.

Im Abspann erfährt man, dass Khama der erste Ministerpräsident Botswanas wurde und Ruth sich in vielfältiger Weise für die Bevölkerung engagiert hat. Vor allem dank der Diamanten entwickelte sich das Land wirtschaftlich in überdurchschnittlicher Weise.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seretse Khama wird im Film von David Oyelowo verkörpert Seretse Khama wird im Film von David Oyelowo verkörpert
Seretse Khama wird im Film von David Oyelowo verkörpert

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt die Geschichte des Kennenlernens und der Ehe zwischen Seretse Khama, dem Stammesführer der im Süden Afrikas gelegenen Nation von Bechuanaland (dem heutigen Botswana), das damals ein britisches Protektorat war, und Ruth Williams, einer weißen Britin, die aus der Mittelklasse stammte. Khama hielt sich für sein Studium der Rechtswissenschaften in London auf, und Williams arbeitete als Büroangestellte der Versicherungsgesellschaft Lloyd’s of London. Die Familie von Ruth Khama und der Ältestenrat der Bamangwato hatten sich gegen ihre Beziehung ausgesprochen, ebenso die Regierungen von Südafrika und Südrhodesien. Die britische Regierung ordnete schließlich das Exil an und äußerte sich dabei eindeutig rassistisch. Nach seinem Exil in London wurde Khama später der erste Präsident von Botswana nach der Unabhängigkeit des Landes. Mit Ruth Williams hatte Khama eine Tochter und drei Söhne, die zwischen 1950 und 1958 geboren wurden.[3] Im April 2008 trat sein Sohn Ian Khama das Präsidentenamt an, und sein Bruder Tshekedi Khama, den der Vater nach seinem eigenen Onkel benannte, ist Minister in dessen Kabinett.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Amma Asanta. Die Eltern der „schwarzen Britin“ wuchsen in einer britischen Kolonie auf.[4] Das Drehbuch zum Film stammt von Guy Hibbert.

Die Rollen von Seretse Khama und Ruth Williams Khama wurden mit David Oyelowo und Rosamund Pike besetzt.

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden am Old Royal Naval College und am Palace of Westminster in London, in der St. Mary’s Church in Isleworth in der Grafschaft Middlesex und in Serowe in Botswana statt.

Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik wurde von Patrick Doyle komponiert. Kritiker, darunter Scott Feinberg von The Hollywood Reporter, erachteten die Filmmusik als Oscar-würdig, auch wenn vor dem Kinostart nur wenige Stücke daraus bekannt waren.[5][6] Die Aufnahme mit den Prager Philharmonikern erfolgte unter der Leitung von James Shearman. Der Soundtrack zum Film umfasst 21 Stücke, hat eine Gesamtlaufzeit von 53:43 min und wurde am 24. Februar 2017 vom Plattenlabel Varèse Sarabande auf CD und als Download veröffentlicht.[7]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film feierte am 10. September 2016 im Rahmen des Toronto International Film Festivals 2016 seine Weltpremiere. Im Rahmen des London Film Festivals 2016 wurde der Film als Eröffnungsfilm gezeigt und feierte dort seine Europapremiere.[8] Am 25. November 2016 kam der Film in die Kinos im Vereinigten Königreich. In den USA startete der Film am 10. Februar 2017. In Deutschland hat Telepool den Verleih übernommen.[9] Dort startete der Film am 30. März 2017.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist der Film FSK 6. In der Freigabebegründung heißt es: „Das Drama erzählt nach einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1948 von einem afrikanischen König und einer britischen Büroangestellten, die gegen alle Widerstände seitens ihrer Eltern, aber auch ihrer Regierungen an ihrer Liebe festhalten. [...] Das Plädoyer des Films gegen Rassismus und Hass wird bereits für ein sehr junges Publikum verständlich. Zwar können einzelne emotional intensive Situationen von Anfeindungen und Unruhen Kinder unter 6 Jahren überfordern, doch bereits 6-Jährige sind in der Lage, diese Szenen in den Kontext einzuordnen. Ihnen bietet der Film durch viele ruhige Passagen und imposante Landschaftsaufnahmen ausreichend Entlastung, um ihn ohne Beeinträchtigung zu verarbeiten.“[10]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte 83 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen (von 124 Kritikern insgesamt, Stand 21. März 2017).[11]

Nina Jerzy von der Neuen Zürcher Zeitung erklärt, der Film von Amma Asante mit dem doppelsinnigen Titel erzähle Kolonialgeschichte aus anderer Perspektive.[12] Auch Helmut Hollerweger vom Salzburger Fenster sagt, der Titel des Films sei Programm und zelebriere die Freiheit und Gleichheit aller Ethnien. Hollerweger sagt, A United Kingdom bewege sich inszenatorisch auf den Spuren opulenter Historiendramen im Stile von David Lean, und der Kinobesucher werde mittels romantischer Liebe, malerischen afrikanischen Landschaften und einer schönen Botschaft überwältigt. Die beherzt aufspielenden Hauptdarsteller David Oyelowo und Rosamund Pike, so Hollerweger, sorgten dafür, dass der Film nicht zu sehr in Kitsch abdriftet.[4] Auch Glenn Kenny von der New York Times hebt insbesondere Oyelowo hervor, der A United Kingdom zu einem lohnenden Film mit Tiefgang mache.[13] Kyle Smith von der New York Post kritisiert jedoch, die beiden Hauptfiguren blieben dennoch zweidimensional und langweilig.[14]

Christoph Meyer hebt in seiner Kritik insbesondere die spektakulären Landschaftsaufnahmen Botswanas hervor. Die Aufnahmen entstanden in Serowe am Rande der Kalahari

Kenneth Turan von der Los Angeles Times meint, ein Eröffnungstitel der da lautet „Basierend auf einer wahren Geschichte“ versuchte in vielen Fällen Filmsünden zu kaschieren, doch im Fall von A United Kingdom sei dieser einleitende Satz eine Tür, die einen Zugang zu einem romantischen Drama eröffne, das von Minute zu Minute bemerkenswerter werde.[15]

Christoph Meyer von der Luzerner Zeitung sagt, der Film sei dann stark, wenn es um Emotionen gehe, wenn die beiden Hauptdarsteller miteinander tanzten, lachten, weinten und wenn sie sich den gefühlskalten britischen Kolonialbeamten widersetzten. Besonders Rosamund Pike überzeuge hierbei durch ihre ausdrucksstarke Mimik, und David Oyelowo habe seinen besten Auftritt bei einer Rede von Seretse vor den versammelten Ältesten seines Volkes als er mit Tränen in den Augen sagt: „Ich liebe dieses Land, aber ich liebe auch meine Frau“, so Meyer. Die spektakulären Landschaftsaufnahmen des hellen und warmen Botswanas stünden im Kontrast zu dem stets düsteren und verregneten London, so Meyer, und auf computeranimierte Bilder von Menschenmassen oder spektakuläre Panoramabilder virtuell erstellter Städte werde gänzlich verzichtet. Vielmehr lasse Asante die Weite der afrikanischen Steppe und die Größe der britischen Hauptstadt stets geschickt im Hintergrund erahnen. Schwach sei der Film hingegen zuweilen, wenn politische Theorien vorgetragen würden, so Meyer, und auch die Monologe von Seretse Khama wirkten nicht immer überzeugend.[3]

Joe Morgenstern von The Wall Street Journal sagt, auch wenn man sich vielleicht wünsche, dass diese außergewöhnliche Geschichte mit mehr Flair erzählt worden wäre, bleibe es dennoch eine außergewöhnliche Geschichte, die auf historischen Ereignissen basiert, in denen Liebe und Idealismus aus zwei Richtungen mit Rassismus konfrontiert würden.[16] Kathrin Horster von den Stuttgarter Nachrichten kritisiert hingegen im Hinblick auf die historischen Ereignisse, in den weichgezeichneten Bildern finde sich kaum eine Spur der von den Engländern verursachten Armut, die Seretse anprangert, und historisch Bedeutsames werde in dieser Kulisse zur Nebensache.[17]

Scott Feinberg von The Hollywood Reporter sah in David Oyelowo einen möglichen Kandidaten in der Kategorie Bester Hauptdarsteller und in Rosamund Pike eine Kandidatin als Beste Hauptdarstellerin bei der Oscarverleihung 2017.[5]

Einspielergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weltweiten Einnahmen des Films aus Kinovorführungen belaufen sich bislang auf 10,4 Millionen US-Dollar.[18] In Deutschland verzeichnet der Film bislang 138.524 Besucher (Stand 20. Juli 2017).[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

British Independent Film Awards 2016

London Critics' Circle Film Awards 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für A United Kingdom. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 166241/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Alterskennzeichnung für A United Kingdom. Jugendmedien­kommission.
  3. a b Christoph Meyer: 'A United Kingdom' – Heiraten trotz Widerstand In: Luzerner Zeitung, 29. März 2017.
  4. a b Helmut Hollerweger: Filmkritik: 'A United Kingdom' In: salzburger-fenster.at, 27. März 2017.
  5. a b Scott Feinberg: Feinberg Forecast: The First Look at the 89th Oscar Race In: The Hollywood Reporter, 9. September 2016.
  6. And the predicted Nominees are In: awardscircuit.com. Abgerufen am 10. September 2016.
  7. Soundtrack Information: A United Kingdom In: soundtrack.net. Abgerufen am 4. April 2017.
  8. European premiere of A United Kingdom to open the 60th BFI London Film Festival In: bfi.org.uk, 1. August 2016.
  9. Elsa Keslassy: Berlin: Pathe Intl. Marks Big Sales for ‘United,’ ‘Cezanne’ and ‘Eternity' In: Variety, 15. Februar 2016.
  10. Freigabebegründung für A United Kingdom In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 30. März 2017.
  11. A United Kingdom In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 821. März 2017.
  12. Nina Jerzy: A United Kingdom:Jenseits von Botswana In: Neue Zürcher Zeitung, 29. März 2017.
  13. Glenn Kenny: Review: 'A United Kingdom' With Love That Tested Racial Tolerance In: The New York Times, 9. Februar 2017.
  14. Kyle Smith: A true-life royal interracial romance in 'A United Kingdom' In: 9. Februar 2017.
  15. Kenneth Turan: Review: David Oyelowo and Rosamund Pike breathe life into the star-crossed lovers in the true story 'A United Kingdom' In. Los Angeles Times, 9. Februar 2017.
  16. Joe Morgenstern: 'A United Kingdom' Review: For Crown and Country In: The Wall Street Journal, 9. Februar 2017.
  17. Kathrin Horster: Kinokritik: 'A United Kingdom'. Liebe in Zeiten des Rassismus In: Stuttgarter Zeitung, 29. März 2017.
  18. A United Kingdom In: boxofficemojo.com. Abgerufen am 25. April 2017.
  19. Top 100 Deutschland 2017 In: insidekino.com. Abgerufen am 20. Juli 2017.
  20. Clarisse Loughrey: BIFA nominations reveal the best British independent films of the year In: independent.co.uk, 1. November 2016.
  21. Nancy Tartaglione: 'Moonlight', 'Love & Friendship' Lead London Critics’ Circle Nominations In: deadline.com, 20. Dezember 2016.