Afula

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Afula
Wappen von Afula
AFULA & GIVAT HAMORE.jpg
Basisdaten
hebräisch: עפולה
arabisch: العفولة
Staat: Israel Israel
Bezirk: Nord
Gegründet: 1925
Koordinaten: 32° 36′ N, 35° 17′ OKoordinaten: 32° 36′ 28″ N, 35° 17′ 23″ O
Höhe: 60 m
Fläche: 26,909 km²
 
Einwohner: 47.014 (2016[1])
Bevölkerungsdichte: 1.747 Einwohner je km²
 
Postleitzahl: 18105
 
Gemeindeart: Stadtverwaltung
Bürgermeister: Yitzhak Meron
Website:
Afula (Israel)
Afula
Afula

Afula (hebräisch עפולה, arabisch العفولة, DMG al-ʿAfūla) ist eine Stadt in Israel.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Afula ist eine Stadtverwaltung im Nordbezirk Israels. Sie liegt zwischen Nazareth und Jenin in der Jesreelebene. Sie wird auch oft als Hauptstadt der Jesreelebene bezeichnet. Die wichtigste Sehenswürdigkeit in der Umgebung ist der Berg Tabor.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 8. November 1948, 22. Mai 1961, 19. Mai 1972, 4. Juni 1983, 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für Afula folgende Einwohnerzahlen an:[2]

Jahr der Volkszählung 1948 1961 1972 1983 1995 2008 2016
Anzahl der Einwohner 2.504 13.844 17.307 21.277 33.557 39.652 47.014

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Afula wird in der Bibel nicht erwähnt. In der Kreuzfahrerzeit wurde hier eine Burg errichtet, um eine wichtige Straßenkreuzung der Ebene zu schützen. Die Kreuzfahrer nannten den Ort Le Fève. Reste der Kreuzfahrerburg befinden sich im nahen Kibbuz Merchawia. 1321 wurde der Ort von Marino Sanudo in seinem Opus Terrae Sanctae als Afel erwähnt.

Das arabische Dorf Afule erhielt im Zuge des Baus der Bahnstrecke Haifa–Dar'a, einer Zweigstrecke der Hedschasbahn, einen Bahnhof. Die Strecke ging in diesem Abschnitt 1904 in Betrieb. Die Bahnstrecke Afula–Nablus wurde von hier aus nach Süden gebaut, deren erster Abschnitt 1912 eröffnet.

Eine jüdische Siedlung wurde am 31. März 1925 gegründet.[3] Die American Zion Commonwealth Ltd., die das Land des Dorfes erworben hatte, gab Richard Kauffmann den Auftrag einen Entwicklungsplan für dessen Ausbau zur Stadt zu erstellen.[4] Kauffmann nahm die zentrale Lage Afulas an Verkehrswegen und nahe an der produktiven Landwirtschaft in der Jesreelebene als Ausgangspunkt, um es als Standort zentraler Dienste für die Landwirtschaft (Landmaschinenhandel, Mühlen, Silos, Agrarveredelung) zu entwickeln.[4] Die nach seinen Plänen abgesteckten Grundstücke wurden 1925/1926 an wohlmeinende Investoren in Nordamerika verkauft, die meist nicht bauten und entwickelten, sondern das Land – auch wegen der Großen Depression – zunächst nur hielten.[4] Kauffmanns Raumplan für Afula nahm dann erst zwischen 1938 und 1940 langsam sichtbare Gestalt an.

Die Gründung des Staates Israel brachte Afula den Status einer Entwicklungsstadt. Der Staat enteignete dann die amerikanischen Eigentümer der unbebauten Grundstücke, um sie selbst zu entwickeln, doch Afula wurde nicht das, was Kauffmann und andere sich ursprünglich erwartet hatten.[4] Die neue Randlage mit abgeschnittenen Verkehrswegen, in die Afula durch die Waffenstillstandslinie von 1948/1949 geraten war, nahm ihm seinen geographischen Vorteil und die Kibbuzim und Moschavim der Jesreelebene hatten längst selbst für die benötigten zentralen Dienste Einrichtungen in eigener Regie geschaffen.[4] Die Straße nach Jerusalem war unterbrochen und der Eisenbahnverkehr, der nun an der Grenze zu Syrien endete, wurde 1951 eingestellt, da der Betrieb auf dem Reststück der Strecke sich nicht mehr rechnete.

Am 27. November 2001 haben in Afula zwei palästinensische Attentäter aus Dschenin zwei Israelis getötet und mehr als 50 zum Teil schwer verletzt als sie auf dem Marktplatz der Stadt mit Maschinengewehren wahllos um sich schossen.[5]

Rassismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2018 demonstrierten hunderte jüdisch-israelische Bewohner von Afula gegen den Verkauf eines Hauses an eine palästinensisch-israelische Familie. „Die Verräter an den Juden werden keine Ruhe finden“, stand auf einem Transparent. (Gemeint waren die jüdischen Verkäufer des Hauses.) Avi Elkabetz (der ehemalige Bürgermeister von Afula) und Shlomo Malihi (stellvertretender Bürgermeister von Afula) nahmen an den Protesten teil. Elkabetz sagte: „Die Einwohner von Afula wollen keine gemischte Stadt, sondern eine jüdische Stadt, und das ist ihr gutes Recht, das ist nicht Rassismus.“ Malihi sagte: „Ich hoffe, dass dieser Verkauf anulliert wird, damit aus Afula keine gemischte Stadt wird. Wir haben keine Aufnahmekomitees wie die Städte und Kibbutzim in der Umgebung, doch wir werden nicht zulassen, dass der Charakter der Stadt sich verändert.“ Der palästinensisch-israelische Knesset-Abgeordnete Ayman Odeh sagte zu den Protesten: „Es ist kein geringer Grund zur Sorge, wie der Hass und der Rassismus, den die Regierung anstachelt, dazu führt, dass unsere Hoffnung auf ein Zusammenleben schwindet.“ Der palästinensisch-israelische Knesset-Abgeordnete Yousef Jabareen sagte: „Rassismus und ethnischer Überlegenheitsdünkel wurden unter dieser rechtsgerichteten Regierung legitimiert. Dieser Protest sollte das politische System erschüttern und all jenen, die sich für Gleichberechtigung und menschliche Würde einsetzen, den Schlaf rauben.“ (In Umfragen erklärte die Hälfte aller jüdischen Israelis, dass sie keine Araber als Nachbarn haben wollen.)[6] Der US-amerikanische Schriftsteller und Bürgerrechtler Shaun King schrieb zu den Ereignissen in Afula: „Weiße Rassisten haben das Haus umstellt und skandieren, dass sie nur weiße Juden in der Nachbarschaft haben wollen, und die Regierung vor Ort will jetzt den Verkauf rückgängig machen. Höchst beunruhigend.“[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist heute ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Seit 2016 hat sie mit der Bahnstrecke Haifa–Bet Sche’an auch wieder Anschluss an das Eisenbahnnetz der Israel Railways.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Afula selbst listet lediglich drei Partnerstädte auf:[8]

Stadt Land seit
Biłgoraj PolenPolen Polen 2010[9]
Fresno Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Kalifornien, USA
Ingelheim DeutschlandDeutschland Deutschland
New Haven Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Connecticut, USA 1979[10]
Providence Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Rhode Island, Vereinigte Staaten
Santa Fe ArgentinienArgentinien Argentinien 1994[11]
Stamford Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Connecticut, Vereinigte Staaten
Worcester Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Massachusetts, Vereinigte Staaten

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer Wasserturm aus den 1920er Jahren im Zentrum von Afula
 Commons: Afula – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.cbs.gov.il/ishuvim/reshimalefishem.pdf abgerufen am 2. April 2018
  2. Israelisches Zentralbüro für Statistik
  3. Mordecai Naor: Eretz Israel, Könemann, Köln, 1998, ISBN 3-89508-594-4, S. 133
  4. a b c d e Lotte Cohn: Richard Kauffmann: Architect and City Planner [Richard Kauffmann: Architekt und Stadtplaner (dt.), Jerusalem: Brief an Bath-Scheva Kauffmann, 1978; Engl.], Monika Iacovacci (Übs.). Richard Kauffmann: Architect and Town Planner – Biography. abgerufen am 28. Oktober 2012.
  5. Zinni: Sharon muß sich auch mit Siedlungsbau auseinandersetzen In: Israelnetz.de, 28. November 2001, abgerufen am 30. Juli 2018.
  6. Noah Shpigel: Hundreds of Israelis Demonstrate Against Home Sale to Arab Family. In: Haaretz, 14. Juni 2018; ders.: Dozens of Israelis Demonstrate Against Home Sale to Arab Family for Second Straight Day. In: Haaretz, 14. Juni 2018; Bethan McKernan: Israeli town residents take to streets in hundreds to protest sale of house to Arabs, Independent, 14. Juni 2018; Tsafi Saar: The Israelis Who Protested Against a Home Sale to Arabs Aren't Alone. They Have Friends in the Left. In: Haaretz, 17. Juni 2018; Ignoring Racism in Afula Haaretz, 18. Juni 2018; Suhad Bishara: When racism and segregation are perceived as 'legitimate rights +972, 21. Juni 2018.
  7. Lihi Yona: The color of racism: What many get wrong about race relations in Israel +972, 24. Juni 2018.
  8. ערים תאומות – עיריית עפולה. Archiviert vom Original am 12. Januar 2015. Abgerufen am 25. Januar 2015.
  9. Miasta partnerskie – Biłgoraj. Abgerufen am 25. Januar 2015.
  10. Afula-Gilboa, Israel (1979) – New Haven Sister Cities. Archiviert vom Original am 20. Februar 2015. Abgerufen am 25. Januar 2015.
  11. Ciudades Hermanadas – Santa Fe Ciudad. Abgerufen am 25. Januar 2015.