Albert Reimann (Unternehmer)

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Albert Reimann (* 31. August 1898[1] in Durlach; † 26. Mai 1984[2] in Ludwigshafen) war ein deutscher Unternehmer; während des nationalsozialistischen Regimes war er ein prominenter Unterstützer der NSDAP und Verbandsfunktionär.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Reimann entstammte der Unternehmerfamilie Reimann. Sein Vater war der Chemiker und Nationalsozialist Albert Reimann sen. (1868–1954). Reimann war Mitinhaber des Unternehmens Joh. A. Benckiser GmbH in Ludwigshafen. 1923 trat er in das Unternehmen ein, Mitte der 1930er Jahre übernahm er das Management bei Benckiser und erbte 1954 nach dem Tod des Vaters das gesamte Unternehmen.[4]

Im Juli 1937 schrieb er an den SS-Chef Heinrich Himmler: „Wir sind ein über hundertjähriges, rein arisches Familienunternehmen. Die Inhaber sind unbedingte Anhänger der Rassenlehre.“ Während der Nazi-Diktatur expandierte die Firma aufs Dreifache, nicht zuletzt wegen der hohen Zahl von Zwangsarbeitern. 1943 waren es 175 an der Zahl. Reimann war bekannt für seine brutale Behandlung dieser Menschen. Seinen Kindern erzählte er viel später, die Zwangsarbeiter hätten den Betrieb geliebt und Tränen vergossen, als der Krieg zu Ende war und sie gehen mussten. Etwa 1941 bewarb sich die damals 19-jährige Emilie Landecker bei der Firma und wurde als Sekretärin eingestellt. Reimann verliebte sich in sie und führte, obwohl sie „Halbjüdin“ war, eine Beziehung mit ihr. Am 24. April 1942 wurde Emilies Vater Albert Landecker von Nazis verschleppt, im Ghetto Izbica interniert und in einem Konzentrationslager umgebracht. 1951 kam das erste von drei Kindern von Emilie Landecker und Albert Reimann zur Welt.

Unter Reimanns Ägide entwickelte sich das Familienunternehmen ab 1954 zur Firmengruppe.[5] Mit der Änderung des Produktportfolios von Industriechemikalien zu Haushalts- und Industriereinigern und der Entwicklung oder dem Kauf[2] von Marken wie Calgon, Kukident und Calgonit[4] legte er den Grundstein für den Reichtum der Familie Reimann.[6] Reimann hat den Wasserenthärter Calgon erfunden.[7] Zudem brachte er weitere Marken wie Sagrotan auf den Markt.[8] Nach 50-jähriger Tätigkeit im Familienunternehmen übergab Albert Reimann als Mehrheitsgesellschafter, Hauptgeschäftsführer sowie auch Repräsentant der fünften Generation des Unternehmens zum 1. September 1978 die Verantwortung seinem bisherigen Stellvertreter Martin Gruber (* 1930).

Albert Reimann heiratete in erster Ehe 1935 Adelheid Löwis of Menar (1907–2000), die Tochter von Karl Reinhold Max von Löwis of Menar und Else von Löwis. Die Ehe wurde 1938 geschieden.[9] Später war er mit Paula Reimann, geb. Frey, verheiratet.[2] Vier seiner neun Kinder adoptierte Albert Reimann von seiner Schwester Else Dubbers. Albert Reimanns leibliche fünf Kinder ließ das Ehepaar wegen Paula Reimanns Unfruchtbarkeit von zwei Leihmüttern austragen.[10] Reimann war von 1937 bis 1941 Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer Pfalz.[11]

Jedem der Kinder wurde 1984 der gleiche Erbanteil an Joh. A. Benckiser zugesprochen. Die vier Kinder der Linie Reimann-Dubbers, die Albert Reimann von seiner Schwester adoptiert hatte, ließen sich im Jahre 1997 ihre Anteile auszahlen, um eigene Wege zu gehen.[12][13][14][15] An Joh. A. Benckiser, seit 2012 JAB Holding Company s.à.r.l mit Sitz in Luxemburg, blieben die vier Geschwister Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann, Matthias Reimann-Andersen und Stefan Reimann-Andersen beteiligt. Heute liegt der Anteil bei 90 Prozent. Etwa 10 Prozent der Anteile an JAB sind mehrheitlich im Besitz der drei JAB Senior Partner Bart Becht, Peter Harf und Olivier Goudet – zu jeweils gleichen Anteilen.[16]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Oberdorffer (Hrsg.): Ludwigshafener Chemiker. Bd. 2: Ludwig Reimann, Heinrich Caro, Carl Grünzweig, Rudolf Knietsch, Albert Reimann sen., Fritz Winkler. Unter Mitarbeit von Emil Aeckerle; Paul Feiler; Kurt Schuster; Karl Seiffert; Herbert Wolf. Econ, Düsseldorf 1960.
  • Dr. Albert Reimann 70 Jahre alt. In: Chemiker Zeitung – Chemische Apparatur, Band 92. A. Hüthig, 1968, S. 598.
  • Dr. phil. nat. Albert Reimann. In: Chemische Industrie: Zeitschrift für die deutsche Chemiewirtschaft, Band 25, 1973, S. 826.
  • Karl Heinz: Dr. Albert Reimann – ein Unternehmerporträt. In: Benckiser-Report, 1973, Heft 4, S. 5f.
  • Abschied von einem Mann, der seine Lebensaufgabe erfüllt hat. Zum Tode von Dr. Albert Reimann. In: Benckiser-Report 1984, Heft 2, S. 3–6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Reimann, Albert. In: Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who, Schmidt Rönhild, 1976, S. 773.
  2. a b c Christoph Elflein: Die rätselhaften Reimanns. Deutschlands reichste Familie hat alles, nur kein Gesicht. Focus Magazin, Nr. 42 (2017).
  3. Gleichgeschaltet (7-8/2018). In: IHK Pfalz. (ihk24.de [abgerufen am 18. Oktober 2018]).
  4. a b Tief greifende Analyse ausgewählter langfristig erfolgreicher Unternehmerfamilien. In: Thomas Zellweger und Nadine Kammerlander: Family Business Groups in Deutschland. Generationenübergreifendes Unternehmertum in grossen deutschen Unternehmerdynastien. Center for Family Business, Universität St. Gallen, 2014, PDF, S. 22ff.
  5. Dr. Albert Reimann – 80 Jahre. In: Hansa, Band 115, 1978, S. 1328.
  6. Deutscher Milliardärs-Clan: Wer sind die Reimanns?
  7. FOCUS Online: Der Unternehmer-Clan der Reimanns: Das sind Deutschlands mysteriöseste Milliardäre. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 18. Oktober 2018]).
  8. Heiß und kalt
  9. Genealogisches Handbuch des Adels, 2002, S. 257.
  10. Wolfgang Reimann, Renate Reimann-Haas, Matthias Reimann-Andersen, Stefan Reimann-Andersen. JAB Holding. In: Hans-Jürgen Jakobs: Wem gehört die Welt. Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus. Albrecht Knaus Verlag, München 2016, S. 254; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  11. Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - Echte Kapitalisten. Abgerufen am 18. Oktober 2018.
  12. Marx-Forum: Albert Reimann
  13. Manager-Magazin
  14. FirmenABC: Benckiser (Memento des Originals vom 29. Januar 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.firmenabc.at
  15. ISSUU: Bilanz 2008
  16. Reimann-Holding-Chairman Bart Becht: „Kaffee bietet eine einmalige Chance“. (handelsblatt.com [abgerufen am 13. März 2018]).
  17. Tatjana Schneider: Die Reimanns von nebenan. In: Die Zeit, Nr. 16/2012, 12. April 2012.
  18. Dr.-Albert-Reimann-Straße. In: Historisches Straßen- und Plätzeverzeichnis von Ladenburg. Stadtarchiv Ladenburg; Stand: 14. März 2018.