Reimann (Unternehmerfamilie)

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Die Unternehmerfamilie Reimann aus der Umgebung von Mannheim und Heidelberg ist eine der wohlhabendsten Familien Deutschlands. Sie belegte 2012 mit einem geschätzten Vermögen von elf Milliarden Euro Rang vier in einer Liste der reichsten Deutschen.[1] 2016 belegt die Familie mit 30 Milliarden Euro den ersten Platz in Deutschland.[2] Nach anderen Quellen lag das Vermögen Anfang 2018 bei 18 Milliarden Euro.[3]

Die von der Familie kontrollierte JAB Holding hält indirekt einen Anteil von knapp sechs Prozent am börsennotierten Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser.[4] Aktionäre der JAB sind Renate Reimann-Haas (* 1951), Wolfgang Reimann (* 1952) sowie deren Cousins Matthias Reimann-Andersen (* 1965) und Stefan Reimann-Andersen (* 1963).[5] Der Familienzweig Reimann-Dubbers mit vier Geschwistern trennte sich in den 1990er Jahren von seinen Anteilen an Reckitt-Benckiser und operiert heute eigenständig. Zu Reimann-Dubbers gehören das Family Office Reimann Investors, die Deutsche Kontor Privatbank (Vermögensverwaltung) sowie deren im Jahr 2010 begründete Marke Sofort Bank (Online-Zahlungssystem). Seit November 2014 firmiert die ehemalige Sofort Bank unter dem Namen Deutsche Handelsbank.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1823 erwarb Adam Benckiser eine Salmiakhütte in Pforzheim. 1861 begann dann der Aufstieg der Familie, als der Chemiker Karl Ludwig Reimann im Jahr 1851 zusammen mit Johann Adam Benckiser in Ludwigshafen eine Chemiefabrik gründete. Die Produkte waren damals Weinsäure und Zitronensäure sowie Phosphate. Der Chemiker Albert Reimann sen. (* 21. August 1868, † 27. Juli 1954)[7], Enkel von Ludwig Reimann, trieb das Geschäft im Laufe der Jahre voran und starb 1954.[8] Bei den verschiedenen Familienstämmen Reimann handelt es sich um neun Geschwister, deren Vater Albert Reimann jun. (* 1898) die Joh. A. Benckiser in Ludwigshafen gehörte. Er starb Anfang 1984.[9] Vier Kinder adoptierte Albert Reimann von seiner Schwester Else Dubbers und zwei Kinder von einem Neffen. Er hatte drei leibliche Kinder. Jedem der Kinder wurde 1984 der gleiche Erbanteil an Joh. A. Benckiser zugesprochen.[10] Die vier Kinder der Linie Reimann-Dubbers, die Albert Reimann von seiner Schwester adoptiert hatte, ließen sich im Jahre 1997 ihre Anteile auszahlen, um eigene Wege zu gehen. An Joh. A. Benckiser, seit 2012 JAB Holding Company s.à.r.l mit Sitz in  Luxemburg, blieben die vier Geschwister Renate Reimann, Wolfgang Reimann, Matthias Reimann und Stefan Reimann beteiligt. Heute liegt der Anteil bei 90 Prozent. Etwa 10 Prozent der Anteile an JAB sind mehrheitlich im Besitz der drei JAB Senior Partner Bart Becht, Peter Harf und Olivier Goudet – zu jeweils gleichen Anteilen. Sie führen die JAB und treffen alle Investmententscheidungen einvernehmlich.[11]

Später traten die Firmengründer mit der englischen Firma Reckitt & Sons in Kontakt und fusionierten 1999.[12] Heute hält die Familie heute noch knapp sechs Prozent[13] an dem neu entstandenen Wasch- und Reinigungsmittelkonzern Reckitt Benckiser.[14]

Namhafte Erfindungen in den 1950er Jahren verhalfen dem Unternehmen zum Aufstieg, u. a. erfand Albert Reimann den Wasserenthärter Calgon, in den 1960er Jahren das Spülmittel Calgonit, sowie das Zahnersatz-Pflegemittel Kukident.[15] Die Familie Reimann war zudem von 1996 bis 2013 Alleineigentümer des mittlerweile börsennotierten[16] Parfümherstellers Coty, ein globaler Kosmetikkonzern mit rund 12.000 Mitarbeitern. Auch nach dem Börsengang [17] hält die Familie 38,1 Prozent der Anteile.[18] Teile des Haarpflegespezialisten Wella erwarben die Reimanns im Wettbewerb mit dem Düsseldorfer Konkurrenten Henkel für 13 Milliarden Euro. Im Mai 2012 scheiterte die Übernahme des Kosmetikherstellers Avon.[19]

Einstieg in die Kaffeebranche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 engagiert sich die Unternehmerfamilie Reimann über Benckiser im Kaffeegeschäft und übernahm die US-amerikanischen Kaffeeröstereien und Kaffeehausketten Peet's Coffee & Tea für 825 Millionen Euro und Caribou Coffee für 260 Millionen Euro. Im April 2013 wurde bekannt, dass Reimann für 7,5 Milliarden Euro D.E Master Blenders 1753 (ehemals Douwe Egberts) übernimmt, den niederländischen Marktführer für Kaffee- und Teeprodukte, der auch Senseo-Kaffeepads herstellt.

2014 gaben D.E Master Blenders 1753 und Mondelēz International bekannt,[20] ihre Kaffee-Marken zu einem reinen Kaffeeunternehmen zusammenlegen zu wollen. Das entstehende Joint Venture, an dem Mondelēz International 49 Prozent halten wird, soll Jacobs Douwe Egberts heißen, seinen Sitz in den Niederlanden haben und vom bisherigen Chef von D.E Master Blenders 1753 geführt werden. Jacobs Douwe Egberts kommt auf einen Jahresumsatz von rund 7 Milliarden US-Dollar und einem Weltmarktanteil von 8 Prozent. Im Dezember 2015 wurde zusammen mit anderen Investoren die für 2016 vorgesehene Übernahme des US-amerikanischen Kaffeekapsel-Konzerns und McDonald's-Lieferanten Keurig Green Mountain für 13,9 Milliarden Dollar bekanntgegeben.[21] Nach Zustimmung der Aufsichtsbehörden und der Aktionäre wurde der Abschluss der Transaktion im März 2016 bekanntgegeben.[22]

Weitere Beteiligungen der jüngsten Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Zukäufe tätigte die JAB Holding im Fast-Food-Geschäft (US-Donutkette Krispy Kreme) und bei Luxus-Lederwaren (Jimmy Choo und andere). Im Juli 2017 verkaufte JAB die Schuhmarke Jimmy Choo an Michael Kors.[23], Ende 2017 die Modemarke Belstaff an Ineos.[24] Seit Februar 2018 hält JAB Holding nur noch eine Minderheitsbeteiligung an Bally.[25]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate Reimann-Haas, Matthias Reimann-Andersen, Stefan Reimann-Andersen und Wolfgang Reimann sind Mitglieder im Stiftungsrat der gemeinnützigen Benckiser Stiftung Zukunft.[26]
  • Volker Reimann-Dubbers gründete 1997 die gemeinnützige VRD Stiftung für Erneuerbare Energien. Diese setzt sich für die Förderung und Verbreitung erneuerbarer Energien im In- und Ausland ein.[27]
  • Günter Reimann-Dubbers gründete 2002 die Günter Reimann-Dubbers Stiftung. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinnützige Projekte, insbesondere in den Bereichen Familie, Bildung und Gesundheit ins Leben zu rufen und zu unterstützen.[28]
  • Andrea Reimann-Ciardelli gründete 2004 die Emily Landecker Foundation, Inc.[29]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vermögens-Ranking: Aldi-Clan dominiert Deutschlands Milliardäre. In: Spiegel Online, 9. Oktober 2012
  2. Liste des Wirtschaftsmagazins „Bilanz“ | Die 10 reichsten Deutschen. In: bild.de. Abgerufen am 2. September 2016.
  3. FOCUS Online: Reimann-Imperium: Deutschlands reichste Familie sammelt Geld. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 13. März 2018]).
  4. Holding(s) in Company. Abgerufen am 13. März 2018.
  5. Immer diese Reimanns. In: FAZ.net, 11. August 2012
  6. Über uns: Deutsche Kontor. Abgerufen am 13. März 2018.
  7. Oberdorffer, Kurt (Hrsg.): Ludwigshafener Chemiker, Düsseldorf 1958–1960
  8. Billionaires Unmasked as Coty Persists in Pursuit of Avon. In: Bloomberg.com, 9. April 2012
  9. Die Reimanns von nebenan. In: Die Zeit, 12. April 2012
  10. Familie Reimann – Die Steuerkünstler. In: Manager Magazin, 9. Juli 2012
  11. Reimann-Holding-Chairman Bart Becht: „Kaffee bietet eine einmalige Chance“. (handelsblatt.com [abgerufen am 13. März 2018]).
  12. Deutsche Milliardärsfamilie will Avon übernehmen. In: T-Online, 3. April 2012
  13. Holding(s) in Company. Abgerufen am 13. März 2018.
  14. Milliardärsfamilie Reimann – Erben Mannheims. In: Spiegel Online, 3. April 2012
  15. Website Kukident
  16. Börsengang in den USA: Milliardärsclan Reimann macht Kasse mit Parfumfirma Coty. In: Spiegel Online. 13. Juni 2013 (spiegel.de [abgerufen am 12. Februar 2018]).
  17. Lee Spears: Reimanns Coty wird im Börsengang mit 25% Abschlag angeboten. In: DIE WELT. 12. Juni 2013 (welt.de [abgerufen am 12. Februar 2018]).
  18. Familienholding JAB: Die Macht der Reimann-Manager. (handelsblatt.com [abgerufen am 13. März 2018]).
  19. Familie Reimann verliert Lust an Avon-Übernahme - Offerte zurückgezogen. In: WiWo Online, 15. Mai 2012
  20. Pressemitteilung von D.E Master Blenders 1753
  21. 14-Milliarden-Dollar-Deal: Jacobs-Eigner kaufen US-Kaffeekapselkonzern. In: Spiegel Online, 9. Dezember 2015
  22. JAB completes acquisition of Keurig Green Mountain. In: Vermont Business Magazine, 3. März 2016
  23. Luxus an den Füßen: Eine Schuhmarke für eine Milliarde Euro. In: FAZ.NET. 25. Juli 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 13. März 2018]).
  24. Jan Schroder: JAB verkauft Belstaff an britischen Chemiekonzern. (fashionunited.de [abgerufen am 13. März 2018]).
  25. Traditionsunternehmen: Chinesen kaufen Schweizer Luxusfirma Bally. In: FAZ.NET. 9. Februar 2018, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 13. März 2018]).
  26. Stiftungsrat der Benckiser Stiftung Zukunft
  27. VRD Stiftung für Erneuerbare Energien
  28. Günter Reimann-Dubbers Stiftung
  29. The Vermont Directory of Foundations Online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]