Steinreihe

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Megalithalleen bei Carnac, Bretagne, Frankreich
Die Alignements von Lagatjar bei Camaret-sur-Mer
Alignements von Kerzerho, Erdeven, Bretagne
Megalithreihe von Clooney Irland
Die Steinreihen von Palaggiu auf Korsika auch als Campu dei Morti (Friedhof) bezeichnet

Als Steinreihe bezeichnet man in der Archäologie eine Aufreihung von Menhiren (aufrecht stehender Megalith). Von einer solchen Reihe spricht man, wenn mindestens drei Menhire in Sichtweite und deutlich im Kontext zueinander angeordnet sind. Die Abstände variieren zwischen 0 und 100 m. Mehrere Steinreihen nebeneinander werden als Alleen oder „multiple Steinreihen“ bezeichnet. Diese können aus bis zu elf Reihen von Menhiren bestehen (Carnac in der Bretagne).

Vorkommen[Bearbeiten]

Steinreihen kommen vor allem in Westeuropa einschließlich der Westschweiz (Clendy, Lutry), aber auch auf Korsika (Palaggiu) und auf Sardinien (Biru e’ Concas und Pranu Muteddu) vor. Ausgesprochen häufig und ausgedehnt sind sie in der Bretagne (Alignements de Cojoux, Champ des Roches, Kerlescan, Kermario, Kerzerho, Lagatjar, Le Menec, Le Petit Menec, Pierres Droites, St. Barbe und St. Pierre-Quiberon).

Etwa 550 Meter lang ist die Steinreihe auf dem Flachmoor westlich des „Fox Tor“ im Bodmin Moor. Selbst Anlagen aus kleinen Steinen wie Hwylfa’r Ceirw, englisch The Path of the Deer („Pfad der Hirsche“), und eine Doppelreihe von Steinen bei Llandudno in Wales werden manchmal als Steinreihe bezeichnet. Unter den über 40 Steinreihen Irlands ragt die Steinreihe von Eightercua bei Waterville im County Kerry und die Graves of the Leinstermen im County Tipperary aufgrund der Steinhöhen heraus.

Datierung[Bearbeiten]

Aubrey Burl schlug eine typologische Datierung von Steinreihen der britischen Inseln und von Frankreich vor.[1] Demnach sollten Mehrfachreihen, in denen die Steine parallel stehen oder fächerförmig angeordnet sind, zwischen 3000–1500 v. Chr. datieren, lange Einzelreihen mit mehr als sieben Steinen aus der Zeit zwischen 2100–1600 v. Chr. stammen, während kurze Reihen mit sechs oder weniger Steinen der Bronzezeit, zwischen 1800–1000 zuzuordnen seien. Basis für die Datierung von Steinreihen bildeten ihre Ausrichtung und, damit verbunden, eine astronomische Datierung, die Nähe zu anderen datierbaren Strukturen oder generelle formale Ähnlichkeiten zu anderen Bauwerken.[2] Einige Steinreihen in Dartmoor verlaufen parallel zu den bronzezeitlichen Feldgrenzen, die auf kalibriert 1700–1600 v. Chr. datiert werden. Sie können aber entweder vorher errichtet worden sein und die Ausrichtung der späteren Mauern bestimmt haben, oder nach der Anlage der Feldsysteme in den von diesen bestimmten Territorien erbaut worden sein. Die Steinreihe von Searle’s Down, Bodmin Moor in Cornwall wurde von dem inneren Steinkreis eines Grabhügels überdeckt. Der äaußere Steinkreis des Hügels lieferte ein Datum von kalibriert 2040–1620 v. Chr., und der Ausgräber Frances Griffith nimmt an, daß zwischen der Errichtung der Steinreihe und des Grabhügels kein größerer Hiatus bestand.[3]

Die 2004 entdeckte Steinreihe am Cut Hill im nördlichen Dartmoor in Devon in England ist die erste, die direkt datiert werden konnte. Der Torf unter Stein 1 wurde mit der Radiokarbonmethode auf kalibriert 3700–3540 v. Chr. datiert, der Torf darüber auf kalibriert 2476–2245 v. Chr.[4]

Skandinavien und nördliches Mitteleuropa[Bearbeiten]

In Dänemark sind 154 m lange Steinreihe (dänisch Stenrækken) am Myrhøj bei Ertebølle und die etwa 90 m lange Doppelreihe bei Refsnæs (Stenrækkerne ved Refsnæs) im Osthimmerland die beachtlichsten. Im schwedischen Bohuslän gibt es die Steinreihe bei Hällevadsholm in Svarteborg und auf dem Gräberfeld von Stenehed. In Deutschland ist das Phänomen Steinreihe nur bei einer 53 m langen, nicht mehr lückenlos erhaltenen Reihe bekannt, die die beiden Megalithanlagen Hekeser Steine von Berge-Hekese, im Landkreis Osnabrück, Niedersachsen, verbindet.

Andere Ordnung der Monolithe[Bearbeiten]

Nichtlineare Steinsetzungen von Menhiren, z. B. als halbkreis-, D- oder U-förmige, wie Achavanich in den schottischen Highlands oder Saint-Pierre-Quiberon in der Bretagne, werden auf den Britischen Inseln als Stone settings, in Frankreich als Gehege (Enceintes), im übrigen Westeuropa allgemein mit dem bretonischen Wort für Steinkreis, als Cromlechs bezeichnet (Cromlech von Almendres in Portugal).

Ein ovales Gehege aus eng gesetzten Steinen wurde unter dem Tumulus von Tossen-Keler, bei Penvénan (Bretagne) gefunden. Es steht heute am Quai von Tréguier. Es gibt auch einige quadratische Gehege (franz. Quadrilatére) wie Crucuno und de Mario bei Carnac und Lagatjar nahe Brest in der Bretagne. Die Formation von Le Manio stellt hingegen die Randsteine eines ehemaligen Hügels dar. Der französische Archäologe Pierre-Roland Giot (1919-2002) geht davon aus, dass die bescheidene Anzahl von Kreisen und Gehegen in der Bretagne darauf zurückzuführen ist, dass viele davon im Laufe der Zeit vernichtet oder in anderen Anlagen verbaut worden sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aubrey Burl: From Carnac to Callanish: The Prehistoric Stone Rows of Britain, Ireland, and Brittany 1993
  • Pierre-Roland Giot: Vorgeschichte in der Bretagne. Menhire und Dolmen. Editions d'Art Jos le Doaré, Chateaulin 1991, ISBN 2-85543-076-3.
  • Kenneth McNally: Standing Stones and other Monuments of early Ireland. Appletree Press, Belfast 1984, ISBN 0-86281-121-X.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3 (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. 36).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steinreihen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Aubrey Burl: From Carnac to Callanish: The Prehistoric Stone Rows and Avenues of Britain, Ireland and Brittany. Yale University Press, New Haven 1993, ISBN 0300055757;ISBN 9780300055757.
  2. Ralph M. Fyfe, Tom Greeves: The Date and Context of a Stone Row: Cut Hill, Dartmoor, South-West England. In: Antiquity. Band 84 (Nr. 323), 2010, S. 56; doi:10.1017/S0003598X00099762.
  3. Frances M. Griffith: Archaeological Investigations at Colliford Reservoir, Bodmin Moor, 1977-1978. In: Cornish Archaeology. Band 23, 1984, S. 49–140.
  4. Ralph M. Fyfe, Tom Greeves: The Date and Context of a Stone Row: Cut Hill, Dartmoor, South-West England. In: Antiquity. Band 84, 2010, S. 55–70.