Allgemeine Deutsche Burschenschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Allgemeine Deutsche Burschenschaft (ADB) ist ein burschenschaftlicher Korporationsverband, der sich 2016 aus damals 27 Mitgliedsbünden mit 3600 Angehörigen gründete. Bei den Gründungsmitgliedern handelte es sich um ehemalige Mitglieder der Deutschen Burschenschaft, die sich in einem Richtungsstreit gespalten hatte.[1][2] Von ihr zu unterscheiden ist die Allgemeine Deutsche Burschenschaft von 1818, eine kurzlebige Erscheinung im Zusammenhang mit der Urburschenschaft, sowie der Allgemeine Deutsche Burschenbund, ein reformburschenschaftlicher Dachverband, der 1883–1934 bestand.

Kennzeichen und Grundsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahne der Urburschenschaft von 1816

Die Allgemeine Deutsche Burschenschaft bezieht sich in ihren Grundsätzen auf die Urburschenschaft. Dementsprechend sind die Verbandsfarben Schwarz-Rot-Gold und das Verbandssymbol ist goldenes Eichenlaub vor Rot–Schwarz–Rot. Der Wahlspruch lautet Ehre, Freiheit, Vaterland.[3] Die Allgemeine Deutsche Burschenschaft verortet sich politisch zwischen der Deutschen Burschenschaft (DB) und der als vergleichsweise liberal geltenden Neuen Deutschen Burschenschaft (NeueDB oder NDB).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Deutschen Burschenschaft bestand bereits lange ein Konflikt zwischen Bünden um die Burschenschaftliche Gemeinschaft, die als relativ nationalistisch und teilweise als rechtsextrem beschrieben werden, sowie relativ liberalen Bünden. In Teilen entspann sich der Konflikt an der Frage, ob die Aufnahmekriterien in die Mitgliedsbünde ethnisch definiert sein sollten.[2] In den 1990er-Jahren führte dies bereits zur Abspaltung der Neuen Deutsche Burschenschaft, was den Konflikt innerhalb der verbleibenden Deutschen Burschenschaft jedoch nicht beendete. 2003 entstand von den Stuttgarter Bünden der Deutschen Burschenschaft ausgehend die Stuttgarter Initiative (SI), die ursprünglich als Diskussionsplattform zur Überwindung der Gegensätze gedacht war, sich mit der Zeit jedoch in Richtung eines Gegengewichtes zur Burschenschaftlichen Gemeinschaft entwickelte.[4] Nachdem 2011 die Konflikte innerhalb der Deutschen Burschenschaft wegen eines Mitgliedes der Burschenschaft Hansea Mannheim aufbrachen, dessen Eltern aus Hongkong stammen, erweiterte sich die Stuttgarter Initiative 2012 zur Initiative Burschenschaftliche Zukunft (IBZ), in der sich zahlreiche relativ liberale Bünde versammelten. Nachdem die meisten IBZ-Mitgliedsburschenschaften die DB verlassen hatten, entstand aus den Reihen der IBZ unter Beteiligung weiterer Burschenschaften ein Verbandsgründungsausschuss mit dem Ziel, einen neuen Verband zu gründen. Dieser Ausschuss organisierte von 2013 bis 2015 sechs[5] Tagungen in Braunschweig, Stuttgart, Gießen, München und zweimal in Jena.

Gründung in Jena[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grüne Tanne in Jena

Nach langer Vorbereitung kam es schließlich im Jahr nach dem Gedenken zur 200. Wiederkehr der Gründung der Urburschenschaft[6] 2016 zur Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft.[2][4][7] Am 30. September 2016 wurde die ADB vor dem Gründungsort der Urburschenschaft, dem Gasthaus Grüne Tanne in Jena, ausgerufen und am 3. Oktober mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde offiziell gegründet.[8] Am Gründungswochenende waren Burschenschafter laut Äußerung des Pressesprechers Ziel mehrerer Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Diebstähle durch mutmaßliche Linksextremisten.[9]

Verbandsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 und 2018 fand der Burschentag in Jena statt.[10] Die ADB beteiligte sich 2017 an einer Festveranstaltung zum 200. Jahrestag des Wartburgfestes.[11]

2019 führte die ADB 28 Mitgliedsbünde in 19 Hochschulstädten.[12]

Verbandszeitschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbandszeitschrift Der Burschenschafter. Periodikum der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft.[13] erscheint seit 2017 halbjährlich in gedruckter Form (Auflage: 1.900 Exemplare) sowie frei zugänglich online als PDF-Datei und wird von der jeweils Vorsitzenden Burschenschaft herausgegeben.

Vorsitzende Burschenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016/2017 Gründungsvorsitzende Saarbrücker Burschenschaft Germania.[14]
  • 2018 Aachener Burschenschaft Teutonia
  • 2019 Burschenschaft Alemannia Stuttgart
  • 2020 wird auf dem Burschentag im Herbst 2019 gewählt

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rätselhafte Männerbünde: Burschenschaften – Deutschland – DW – 03.02.2018. In: dw.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.
  2. a b c d Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft. In: faz.net. Abgerufen am 5. Februar 2019.
  3. Grundsätze - Allgemeine Deutsche Burschenschaft. In: allgemeine-burschenschaft.de. Abgerufen am 5. Februar 2019.
  4. a b Stuttgarter Burschenschaften: Kritik an „wachsweicher Abgrenzung“ vom rechtskonservativen Dachverband - Stuttgart - Stuttgarter Zeitung. In: stuttgarter-zeitung.de. Abgerufen am 5. Februar 2019.
  5. Thomas Steiner: Spaltung der deutschen Burschenschaften wird besiegelt. In. Badische Zeitung vom 1. Oktober 2016. (Abgerufen am 19. Februar 2018)
  6. Neuer Dachverband steht vor der Gründung in Spiegel Online vom 12. Juni 2015, abgerufen am 21. Februar 2019
  7. Burschenschaften Gründen in Jena einen liberalen Dachverband, Thüringer Allgemeine vom 30. September 2016, abgerufen am 21. Februar 2019
  8. Peter-Philipp Schmitt: Neuer Burschenschaft-Verband. Gegen das rechte Image. In: FAZ vom 4. Oktober 2016. (Abgerufen am 28. Februar 2019)
  9. Fabian Klaus: Gewaltakte gegen Burschenschafter in Jena., In: Thüringer Allgemeine vom 6. Oktober 2016 (Abgerufen am 28. Februar 2019)
  10. Ein Jahr nach Gründung sind alle 28 Burschenschaften noch dabei. In: Thüringische Landeszeitung vom 29. September 2017.
  11. Jensen Zlotowicz: Burschenschafter zweimal präsent. In: Thüringer Allgemeine vom 30. März 2017.
  12. Mitglieder - Allgemeine Deutsche Burschenschaft. In: allgemeine-burschenschaft.de. Abgerufen am 5. Februar 2019.
  13. Online-Ausgabe auf der Seite der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft.
  14. Cathrin Elss-Seringhaus: Weg vom reaktionären Image Saarbrücker „Germania“ hat Vorsitz im neuen „liberaleren“ Burschenschaftsverband. In: Saarbrücker Zeitung vom 8. Oktober 2016. (Abgerufen am 20. Februar 2019)