Alt-Heidelberg (1927)

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Filmdaten
Deutscher Titel Alt-Heidelberg
Originaltitel Old Heidelberg
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1927
Länge 105 Minuten
Stab
Regie Ernst Lubitsch
Drehbuch Hanns Kräly
Produktion Ernst Lubitsch für MGM
Musik William Axt,
David Mendoza
Kamera John J. Mescall
Schnitt Andrew Marton
Besetzung

Alt-Heidelberg (OT: Old Heidelberg) ist ein US-amerikanisches Liebesdrama mit komödiantischen Elementen von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1927. Die wichtigsten Rollen des Stummfilms mit unterlegter Musik sind mit Ramon Novarro, Norma Shearer und Jean Hersholt besetzt. Es basiert auf dem deutschen Theaterstück Alt-Heidelberg (1901) und dem Roman Karl Heinrich, beide von Wilhelm Meyer-Förster.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Königreich Karlsburg wird Karl Heinrich, der Neffe des Königs Karl VII., um 1890 zum Kronprinzen. Als Junge wird er an den Hof seines strengen Onkels, dem König Karl, gebracht. Er wächst abgeschottet von Gleichaltrigen auf, sein geliebtes Kindermädchen wird fortgeschickt. Einzig sein Privatlehrer Dr. Friedrich Jüttner schafft ihm den nötigen Ausgleich und vermittelt ihm auch Bubenstreiche. Bei seiner mündlichen Reifeprüfung am 25. April 1901 in Karlsburg hat der Thronfolger nicht viel Ahnung, doch sein Lehrer gibt ihm heimlich Hinweise zur richtigen Antwort. So besteht er die Prüfung „mit Auszeichnung“.[2]

Zum Studium wird Karl Heinrich nach Heidelberg geschickt. Sein Lehrer Dr. Jüttner soll ihn begleiten. Dieser hat in „Rüders Gasthof“ eine Unterkunft besorgt, die zwar nicht standesgemäß ist, den Kronprinzen jedoch mit dem normalen Volk zusammenbringen kann. Karl Heinrich ist begeistert. Einem studentischen Trinkgelage am Abend schaut er zunächst nur fasziniert zu. Später wird er als neues Mitglied des „Corps Saxonia“ aufgenommen und gibt seine Identität preis. Dr. Jüttner lässt sich ebenfalls auf Karl Heinrichs Abenteuer ein. Der Kronprinz verliebt sich in die Kellnerin des Gasthofes, Kathi, und beginnt eine Romanze mit ihr. Dr. Jüttner erhält Nachricht, dass Prinzessin Ilse von Altenberg als Ehefrau für Karl Heinrich ausgesucht worden sei und er dies dem Thronfolger mitteilen solle. Angesichts der Unbeschwertheit des verliebten Prinzen mit Kathi unterlässt er das jedoch.

Premierminister von Haugk kommt persönlich nach Heidelberg, um Karl Heinrich zur Führung der Regierungsgeschäfte zurückzuholen, da der König schwer erkrankt sei. Mit der Hoffnung auf baldige Genesung des Königs und eine Rückkehr nach Heidelberg überredet Dr. Jüttner ihn zur Abreise nach nur einem Jahr des Studiums. Am Sterbebett des Königs erfährt Karl Heinrich von den Plänen seiner Vermählung mit Prinzessin Ilse und ist schockiert. Kurz darauf wird er bereits selbst König. Bald darauf verstirbt sein alter Lehrer Dr. Jüttner im fernen Heidelberg. Ihm trauert er nach.

Durch den Besucher Johnann Kellermann aus Heidelberg erfährt der junge König, dass Kathi noch immer auf ihn wartet. Für einen Tag kehrt Karl Heinrich nach Heidelberg zurück, doch alles hat sich verändert: Die Vertreter des Corps Saxonia, die zu seiner Begrüßung gekommen sind, verhalten sich ihm gegenüber formell, seiner Position als König entsprechend. Alles ist steif und zuvorkommend, aber nicht mehr ausgelassen. Sie verschwinden schnell, als er Kathi in die Arme fällt. Mit einem Kuss sagen sich Karl Heinrich und Kathi für immer Lebewohl. Karl Heinrich hat gemerkt, dass er die Zeit nicht zurückdrehen kann. Er heiratet entsprechend der Konvention seines Standes, traurig sitzt er neben seiner Braut im Hochzeitswagen, während eine jubelnde Zuschauerin bemerkt, dass es doch schön sein müsse, König zu sein.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erfolgreiche Theaterstück Alt Heidelberg war bereits 1915 unter Regie von John Emerson mit Wallace Reid und Dorothy Gish in den Hauptrollen verfilmt worden. Entsprechend der Herkunft des Stückes wurde von MGM der deutsche Regisseur Ernst Lubitsch verpflichtet, der vor allem auf Komödien spezialisiert war. Zuvor war auch Erich von Stroheim für die Regie im Gespräch gewesen. Mit über 1,2 Millionen US-Dollar wurde das Filmbudget sehr hoch, auch da Lubitsch großen Wert auf Authentizität bei den Schauplätzen und Kostümen legte. Ein Filmteam fuhr sogar eigens nach Europa für Aufnahmen, von denen im fertigen Film aber keine verwendet wurden. Der deutsche Filmschauspieler André Mattoni übernahm während eines Aufenthaltes in Hollywood eine kleine Rolle in diesem Film.

MGM verfilmte den Stoff 1954 erneut mit Mario Lanza und Ann Blyth, diese Neuverfilmung wird aber im Vergleich zu dieser zumeist in der Filmkritik als schlechter angesehen. 1959 entstand in Deutschland unter Regie von Ernst Marischka die bisher letzte Verfilmung des Stoffes.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film gilt als einer von Lubitsch besten Stummfilmen, wobei von der heutigen Filmkritik eher noch höher eingeschätzt wird als von der damaligen. Mordaunt Hall von der New York Times war in seiner Kritik vom 22. September 1927 etwa lobend gegenüber Lubitsch, der mit seiner Neigung zur Satire und Details überzeugen würde. Die Leistungen von Ramon Navarro und Norma Shearer beurteilte Hall eher verhalten, insbesondere würde Shearer nicht ihre Seele in die Rolle packen, während Navarro etwas zu südländisch für die Rolle aussehen würde. Die Nebendarsteller, insbesondere Jean Hersholt und Gustav von Seffyertitz, wurden von Hall ausdrücklich gelobt.[3]

Die heutige Kritik von Allmovie schreibt, es sei eine „himmlisch schmalzige, erfreulich kunstvolle Rezitation“ der Operette von Franz Lehár geworden, obwohl der stumme Film gar die Lieder der Operette nicht enthalten könne. Das Genie von Ernst Lubitsch würde sich darin zeigen, dass die 1927er-Version erheblich moderner und lebhafter als die neuere 1954er-Verfilmung wirke. Visuell könne der Film ebenfalls überzeugen.[4] Der US-amerikanische Filmkritiker Leonard Maltin gab dem Film die Höchstwertung und schrieb: „Das ist Lubitsch an seinem Höhepunkt, eine einzige Freude von Anfang bis Ende, und wirklich die charmante Art von Film, die heute einfach nicht mehr gemacht wird“.[5] Das deutsche Lexikon des Internationalen Films befand, es sei eine „witzig-ironische Beschreibung der Verhältnisse in Deutschland um die Jahrhundertwende.“[6]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. so im Filmvorspann
  2. im Original: with highest honors
  3. Kritik bei der New York Times
  4. "Old Heidelberg" bei Allmovie
  5. Leonard Maltin bei TCM
  6. Lexikon des Internationalen Films

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert K. Klepper: Silent Films, 1877–1996. A Critical Guide to 646 Movies. McFarland, Jefferson NC u. a. 1999, ISBN 0-7864-0595-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]