Amtskette

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Der Bürgermeister von Hannover Stefan Schostok mit angelegter Amtskette.

Eine Amtskette ist eine mit Medaillen, Wappenbildern und Emblemen verzierte schwere Halskette aus Edelmetallen, die Amtsinsignium und damit Teil der Amtstracht von Oberbürgermeistern, zum Teil von anderen hohen Stadtbeamten und von Universitätsrektoren darstellt. Amtsketten werden zu feierlichen Anlässen getragen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsketten bestehen aus versilbertem Stahl, Vollsilber, vergoldetem Silber und in ganz seltenen Fällen aus Vollgold. Die Beschaffenheit der Kette hängt – je nach Verordnung – u. a. von der Stadtgröße und deren Bedeutung ab. Angehängt und eingearbeitet sind relevante Symbole der Stadt bzw. Universität, Wappenbilder und Porträts wichtiger Persönlichkeiten auf Medaillen. Die Kette selbst kann aus Rund-, Oval- oder rechteckigen Plattengliedern bestehen, die ihr ein bandförmiges Aussehen verleihen. Getragen wird die Kette um den Jacket- oder Kostümkragen bzw. über beide Schultermitten auf entsprechender (Amts)kleidung. Für die Aufbewahrung sind samtausgeschlagene Schatullen vorgesehen, die nicht selten den Hinweis auf den Hersteller enthalten.

Amtskette – Symbol und Insigne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters bei einem Empfang.

Die Amtskette, auf anlass- und protokollgerechter Kleidung getragen, legitimiert den Träger als das was er als Amtsinhaber ist und repräsentiert, (als Bürgermeister) der erste Bürger und Repräsentant seiner Stadt bzw. (als Rektor) der erste Angehörige und Verantwortliche der Universität zu sein. Amtsketten sind damit Insignien städtischer bzw. universitärer Selbstverwaltung und Selbständigkeit. Sie sind für den Träger und Amtsinhaber das, was Krone und Bischofsstab für weltliche Herrscher und hohe kirchliche Würdenträger sind.[1]

Die Amtskette des Oberbürgermeisters der Stadt Bonn – seit 1895 dritte rheinisch-preußische Stadt nach Düsseldorf und Duisburg mit diesem Insigne – enthält beispielsweise sieben Medaillen, zwei mit dem Stadtwappen (vorn (mit Krone) und hinten je eine), eine mit dem Abbild des Begründers der Städteordnung Königs Friedrich Wilhelm III. mit Krone, zwei mit dem Reichswappen und je eine mit den Porträts Ludwig van Beethovens und dem des Reichsfreiherren vom Stein nach dem Vorbild der Duisburger Amtskette. Andere Amtsketten, wie die von Stralsund, beinhalten keine Reichssymbolik, sondern unterstreichen die Eigenständigkeit dieser Hansestadt und deren Stadtrechtsverleihung von 1234 durch den Fürsten von Rügen (Wizlaw I.).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung der Idee für die Einführung von Amtsketten entstammt womöglich dem auslaufenden 18. Jahrhundert, als unter dem Einfluss einer verklärenden Begeisterung für das Mittelalter in Theaterstücken Rollen ehrwürdiger Personen mit Ritterketten ausgestattet wurden.[2] Bürgermeister sollen diese Zuordnung wohlwollend übernommen haben, indem sie die Amtskette „als Insignie aus der Zeit einer selbstbewußten mittelalterlichen Stadtgesellschaft, wie sie das liberale Bürgertum als Ideal betrachtete“[2], interpretierten. Angesichts der gerade bei Festakten allgegenwärtigen Uniformen und Orden konnten sich im übrigen nun auch die bürgerlichen Amtsträger mit einer sichtbaren Auszeichnung optisch hervortun.

Bürgermeisterketten in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Paul von Mittermayr gilt als der erste Bürgermeister, der in Deutschland eine Amtskette anlegte.

Es war der Münchner Bürgermeister Franz Paul von Mittermayr, der am 9. November 1818 erstmals eine Kette anlegte, die zweifelsfrei als Amtskette wahrgenommen wurde.[2][A 1] Im Mai 1818 hatte der König von Bayern Maximilian II. die Verordnung über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden im Königreich Baiern erlassen, die größeren Städten das Recht auf Selbstverwaltung zurückgab. Die Verordnung gestattete den jeweiligen Bürgermeistern „eine goldene Medaille an einer goldenen Kette […] in ihrem Amte und bey allen öffentlichen Gelegenheiten an dem Halse zu tragen“.[3] Solche Medaillen zeigten auf der Vorderseite das Brustbild des bayerischen Regenten, während auf der Rückseite das Wappen der jeweiligen Stadt oder des jeweiligen Marktes abgebildet war.

Die bayerische Verordnung von 1818 orientierte sich an einer 1808 von Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein erarbeiteten Ordnung für sämmtliche Städte der preußischen Monarchie. Diese sollte den infolge der napoleonischen Kriege strapazierten Staatsapparat entlasten und die Stadtverwaltung in die Hände der Bürger legen. Um die Souveränität des Bürgertums zum Ausdruck zu bringen waren bereits hierin je nach größe der Stadt bestimmte Amtszeichen vorgesehen. In großen Städten waren dies bei Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten „goldene Ketten mit goldenen Medaillen“[4]. Es dauert allerdings bis 1839, dass Berlin als erste preußische Stadt eine Bürgermeisterkette erhielt.[2][A 2] Das Aussehen der Ketten und Medaillen wurde erst 1840 unter Friedrich Wilhelm IV. mit den Richtlinien zur Ausgestaltung der Ketten und Medaillen präzisiert. Weitere Erlasse bezüglich Aussehen und Verleihung folgten 1847 und 1851.

Rektorenketten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Kokenge in seiner Funktion als Rektor der TU Dresden mit Talar und Amtskette.

Universitäten führten neben einem Siegel bereits seit dem Mittelalter bzw. der Frühen Neuzeit Insignien, wie Zepter oder Ringe. Wann erstmals eine Amtskette von einem Universitätsrektor getragen wurde, ist unklar. Infrage kommen der Rektor der Prager Karls-Universität, der im 16. Jahrhundert eine Amtskette zu tragen begann. Zu jener Zeit war es noch das alleinige Recht des hohen Adels Ketten mit Medaillen zu tragen; mitunter wurden allerdings auch hohe Beamte mit einer solchen ausgezeichnet.[5] Auch der Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gilt im 18. Jahrhundert als einer der ersten Träger einer Rektorenkette. 1804 erhielt der Rektor der Universität Wien infolge der Abschaffung der Talare eine Amtskette.

Die flächendeckende Verbreitung von Rektoren-Amtsketten deckt sich zeitlich mit denen von Bürgermeistern. Der preußische Hofmedailleur Johann Ludwig Jachtmann entwarf ab 1816 über zwei Jahrzehnte hinweg unter anderem den Amtsschmuck der preußischen Universitäten. Beispielsweise wurde 1817 der Berliner Universität eine vergoldete Kette mit einem Medaillon, auf dem der Universitätsstifer Friedrich Wilhelm III. abgebildet ist, verliehen.[6]

Der Collar of Esses des Londoner Bürgermeisters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sir Thomas More mit dem Collar of Esses.

Eine Ausnahme in der Geschichte der Amtsketten nimmt die Kette des Lord Mayor of London ein. Diese wird aufgrund ihrer 28 goldenen, s-förmigen Gliedern Collar of Esses (auch Collar of SS) genannt; die Bedeutung der s-Form ist bislang allerdings ungeklärt. Es wird angenommen, dass die Kette Sir Thomas More gehörte, dessen Insignien infolge seiner Hinrichtung im Jahre 1535 der Krone zufielen. Bekannt ist, dass die Kette vom damaligen Lord Mayor Sir John Aleyn an seinen Amtsnachfolger weitergereicht wurde und die Kette fortan den Status einer Insignie der Stadt London besaß.[7]

Kette des Hans Waldmann als Bürgermeister von Zürich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine vom im 15. Jahrhundert lebenden Hans Waldmann hinterlassene Kette wird auch als Bürgermeisterkette bezeichnet. Diese Kette des 1489 hingerichteten Zürcher Bürgermeisters verblieb allerdings nicht im Amt, sondern ging nach Waldmanns Tod verschollen, bis sie 1879 wiederentdeckt wurde und heute im Besitz der Stadt Zürich ist.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Amtsketten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Ketten der Bürgermeister, jedoch nicht mehr die original Medaille, sind in München erhalten geblieben: Die Amtskette der Münchner Bürgermeister, Stadtratsmitglieder. Landeshauptstadt München. Abgerufen am 20. September 2016.
  2. 1844 wurden in Berlin gemäß der Ordnung von 1808 zudem Amtsketten für Magistratsmitglieder, Stadtverordnete und Bezirksvorsteher gefertigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Richter: Stadtgeschichte in Gold und Stahl – Amtsketten der Rheinischen Oberbürgermeister. In: Neues Rheinland. Nr. 32, 1963, ISSN 0342-9830.
  • Dr. Gunter Stemmler: Ein glänzender Irrtum. In: Damals. Band 34, Nr. 11, 2002, ISSN 0011-5908, S. 59.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richter: Stadtgeschichte in Gold und Stahl
  2. a b c d Stemmler: Ein glänzender Irrtum, S. 59
  3. Verfassung und Verwaltung der Gemeinden im Königreiche Baiern. In: Gesetz- und Allgemeines Intelligenz-Blatt. München 1818, S. 26–27 (bavarica.digitale-sammlungen.de).
  4. Friedrich Wilhelm I., Friedrich Leopold von Schrötter, Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein: Ordnung für sämmtliche Städte der Preußischen Monarchie mit dazugehöriger Instruktion, Behuf der Geschäftsführung der Stadtverordneten bei ihren ordnungsmäßigen Versammlungen. In: Sammlung der für die Königlichen Preußischen Staaten erschienenen Gesetze und Verordnungen von 1806 bis zum 27sten Oktober 1810 mit Ausschluß der in der ersten Abtheilung des zwölften Bandes der Myliusschen Edikten-Sammlung schon enthaltenen Verordnungen aus dem Jahre 1806. Berlin 1822, S. 356–357 (lwl.org [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 20. September 2016]).
  5. Von der Reformation zur Französischen Revolution (1500-1800). In: Walter Rüegg (Hrsg.): Geschichte der Universitäten in Europa. Band 2. Beck, München 1996, ISBN 3-406-36953-7, S. 177 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Die Amtsketten des Rektors der Berliner Universität bzw. der Humboldt-Universität. Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Abgerufen am 20. September 2016.
  7. The plate collection (englisch) City of London. Abgerufen am 20. September 2016.