Andrius Kubilius

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Andrius Kubilius (2011)

Andrius Kubilius (* 8. Dezember 1956 in Vilnius) ist ein litauischer Politiker, Oppositionsführer des Seimas. Er war von November 1999 bis Oktober 2000 und von 2008 bis 2012 Premierminister des Landes. Er leitete die Partei Vaterlandsunion (Konservative) (Tėvynės Sąjunga) bis März 2015.[1]

Ausbildung, Beruf und Leben[Bearbeiten]

Andrius Kubilius mit Frau Rasa Kubilienė und damaligem Seimas-Präsident Arūnas Valinskas mit Frau Inga Valinskienė (Vilnius, Juli 2009)

Kubilius wurde in eine Familie mit wissenschaftlichem Hintergrund geboren.[2] Seine Eltern waren Janina Zeka-Kubilienės und Vytautas Kubilius – beide promovierte und habilitierte Literaturwissenschaftler. Seine jüngere Schwester heißt Rūta.[3] Da die Schule einen Literatur-Schwerpunkt hatte, schien sein Lebenslauf vorgezeichnet. Ein in russischer Sprache über den Nobelpreisträger Ernest Rutherford, brachte ihn dazu die Physik zu wählen.[4]

Er besuchte von 1963 bis 1974 die 22-te Hauptschule (jetzt Nicholas Daukšos Sekundarschule). Ab 1974 studierte er Physik an der Universität Vilnius, wo er 1979 graduierte. Von 1981 bis 1984 folgte die Aspirantur. Seine Dissertation über amorphe Halbleiter wurde auf Englisch übersetzt international veröffentlicht, was zu viel positiver Resonanz führte.[4] Im Anschluss arbeite er an der gleichen Universität als Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Labor.[5]

Er ist verheiratet mit Rasa Kubiliene, einer Geigerin im Litauischen Nationalen Symphonieorchester. Sie ist Präsidentin des Verwaltungsrates der Stiftung „Hilfe für litauische Kinder“. Gemeinsam haben sie zwei Söhne, Andrew und Vytautą. Er spricht Litauisch, Russisch und Englisch.[2] Als Hobbys gibt er Wandern, Rad- und Bootfahren an.

Politik[Bearbeiten]

1988 trat er der litauischen Reformbewegung Sąjūdis bei, deren Exekutivsekretär er zwischen 1990 und 1992 war. 1992 wurde er erstmals zum Abgeordneten des Seimas (litauische Parlament) gewählt, dem er seither durchgängig angehört. Im Mai 1993 wechselte er vom rechten Flügel der Sąjūdis zur neu gegründeten Partei Vaterlandsunion (Tėvynės Sąjunga). Zunächst war er Vorsitzender der Fraktion der Vaterlandsunion im Seimas. Nach dem Wahlerfolg der konservativen Parteien 1996 war er bis 1999 erster stellvertretender Parlamentsvorsitzender.[2]

Im März 2015 erklärte er überraschend seinen Rücktritt von einer erneuten Kandidatur um den Parteivorsitz und unterstützte stattdessen Gabrielius Landsbergis,[6] der die Wahl gewann und seither Parteivorsitzender ist. Von 23. Mai 2003 bis 16. März 2015 war er Vorsitzender der TS-LKD.[5]

Am 19. Mai 2015 wurde öffentlich, dass er zum offiziellen Beraterkreis des unkrainischen Präsidenten Petro Poroschenko gehört – ebenso, wie: Gela Beschuaschwili, Jacek Saryusz-Wolski, Carl Bildt, Mikulas Dzurinda, Micheil Saakaschwili, Aleksander Kwaśniewski, Elmar Brok und Anders Åslund [7]

Kubilius gehört zu den 89 Personen aus der Europäischen Union, gegen die Russland – wie Ende Mai 2015 bekannt wurde – ein Einreiseverbot verhängt hat.[8][9]

Premierminister und Oppositionsführer[Bearbeiten]

2009

Nach nur 5 Monaten im Amt trat am 3. November 1999 der damalige Premierminister, Rolandas Paksas, zurück. Nach einer kurzzeitigen, kommissarischen Übergangsregierung von Irena Degutienė wurde Kubilius am 3. November 1999 zum Premierminister des 10. Kabinets gewählt. Am 26. Oktober 2000 trat er von diesem Amt zurück, nachdem seine Partei bei der Parlamentswahl vom 8. Oktober 2000 eine deutliche Niederlage und den Verlust von 61 ihrer bisher 70 Mandate hinnehmen musste. Neuer Premierminister wurde sein Vorgänger Paksas.[10]

Nach seinem Rücktritt war Kubilius in der Oposition und von 2005 bis 2008 Oppositionsführer.[11] Nach dem Rücktritt von Premierminister Algirdas Mykolas Brazauskas am 31. Mai 2006 galt er als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge.[12] Gewählt wurde jedoch Gediminas Kirkilas. Er selbst wurde 2006 erneut zu einem der Stellvertreter des Parlamentsvorsitzenden sowie zum Vorsitzenden des Ausschusses für Beziehungen zur Europäischen Union gewählt.[11]

Bei der Parlamentswahl in Litauen 2008 trat Kubilius erneut als Spitzenkandidat der Tėvynės Sąjunga an. Nach dem Wahlsieg seiner Partei (44 der 141 Sitze) bildete seine Partei eine Vier-Parteien-Koalition. Am 27. November 2008 wurde er mit den Stimmen dieser Koalition sowie weiterer Abgeordneter mit 89 von 141 (bei 27 Gegenstimmen) vom Parlament zum zweiten Mal zum Premierminister Litauens gewählt.[13] Bis zum 13. Dezember 2012 führte er das 15. Kabinett Litauens. Damit ist er der erste Premierminister der II. Republik, der eine volle Legislaturperiode regierte.

Seit der Parlamentswahl in Litauen 2012 ist die TS-LKD wieder in der Oposition und Kubilius seit dem 18. Dezember 2012 erneut Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer.[14] Kubilius war anfänglich im Ausschuss für Europäische Angelegenheiten und Wirtschaftsausschuss. Diesen verließ er im Mai 2013 und wechselte in den Finanzausschuss. Er ist ebenfalls Mitglied der Energie-Kommission.[14]

Aktuell ist er Mitglied folgender Parlamentariergruppen (Stand: Juni 2015):[14]

  • Konferenz der Fraktionsvorsitzenden
  • Parlamentarische Gruppe für Kommunales und Zivilgesellschaft
  • Parlamentarische Gruppe "Für die Familie"
  • Parlamentarische Gruppe zur Unterstützung der Litauischen bewaffneten und freiwilligen Kräfte
  • Provisorische Gruppe für die Beziehungen mit den Medschlis des krimtatarischen Volkes
  • Gruppe der Inter-Parlamentarischen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten
  • Gruppe der Inter-Parlamentarischen Beziehungen mit Estland Republic of Estonia
  • Gruppe der Inter-Parlamentarischen Beziehungen mit der Knesset von Israel
  • Gruppe der Inter-Parlamentarischen Beziehungen mit Kroatien Republic of Croatia

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

  •  Kodėl krepšinis Lietuvoje gražesnis už politiką (dt. Warum in Litauen Basketball schöner als die Politik ist). Versus aureus leidykla, Vilnius 2004, ISBN 978-9955-601-26-5.
  •  Kur atėjome ir kur einame? (dt. Woher kommen wir und wohin gehen wir?). Demokratinės politikos institutas, Vilnius 2005, ISBN 9955-9511-2-5.
  •  Konservatyvioji bendruomenė (dt. Konservative Gesellschaft). Demokratinės politikos institutas, Vilnius 2006, ISBN 9955-568-30-5.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andrius Kubilius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. TS-LKD: A.Kubilius. Nebijokime pasitikėti naująja karta. In: tsajunga.lt. Tėvynės Sąjunga – Lietuvos krikščionys demokratai, 30. März 2015, abgerufen am 3. Juni 2015 (litauisch).
  2. a b c Seimas: Andrius Kublius, Member of the Seimas 1996-2000. In: lrs.lt. Seimas of the Republic of Lithuania, abgerufen am 3. Juni 2015 (englisch).
  3. Audronė V. Škiudaitė: Literatūros dirvonus apleido hab. dr. Janina Žėkaitė. In: xxiamzius.lt. XXI Amžius, abgerufen am 3. Juni 2015 (litauisch).
  4. a b Liudvikas Gadeikis: Kubilius: kita gyvenimo pusė. In: alfa.lt. 3. Januar 2009, abgerufen am 3. Juni 2015 (litauisch).
  5. a b Seimas: Andrius Kublius, Member of the Seimas 2008-2012. In: lrs.lt. Lietuvos Respublikos Seimas, abgerufen am 3. Juni 2015 (litauisch).
  6. Gabriel Gorbačevski: Elections in TS-LKD: experience or new vision of leadership? In: visegradplus.org. Visegrad Plus, 17. März 2015, abgerufen am 3. Juni 2015.
  7. Redaktion: Elmar Brok im Beraterkreis von Poroschenko. In: elmarbrok.de. Elmar Brok, 19. Mai 2015, abgerufen am 3. Juni 2015.
  8. Andreas Borcholte: Einreise-Verbote: Russland wirft EU-Politikern Show-Gehabe vor. In: Spiegel Online. 31. Mai 2015, abgerufen am 1. Juni 2015.
  9. Russisches Außenministerium: Russische Visasperrliste. In: yle.fi. 27. Mai 2015, abgerufen am 5. Juni 2015 (PDF; 23 KB).
  10. Redaktion: Textarchiv – Via Baltica Mainz – Oktober 2000. In: via-baltica.uni-mainz.de. Via Baltica Universität Mainz, archiviert vom Original am 25. Januar 2001, abgerufen am 3. Juni 2015.
  11. a b Seimas: Andrius Kubilius, Member of the Seimas 2004-2008. In: lrs.lt. Seimas of the Republic of Lithuania, abgerufen am 3. Juni 2015 (englisch).
  12. Volker Schmidt: Angst vor Moskau. In: Eurasisches Magazin. 30. Juni 2006, abgerufen am 3. Juni 2015.
  13. Eglė Digrytė: Seimas pritarė A.Kubiliaus kandidatūrai į premjerus. In: delfi.it. 27. November 2008, abgerufen am 3. Juni 2015 (litauisch).
  14. a b c d e f g Seimas: Andrius Kubilius, Member of the Seimas 2012-2016. In: lrs.lt. Seimas of the Republic of Lithuania, abgerufen am 3. Juni 2015 (englisch).
  15. EFR: World Leader Cycle. In: efr.nl. Economische Faculteitsvereniging Rotterdam (EFR), abgerufen am 3. Juni 2015 (englisch).
Vorgänger Amt Nachfolger

Rolandas Paksas
Gediminas Kirkilas
Premierminister Litauens
1999–2000
2008–2012

Rolandas Paksas
Algirdas Butkevičius