Anlage (Technik)

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Petrochemische Anlage der ehemaligen Rheinischen Olefinwerke in Wesseling (1967)

Die Anlage ist in der Technik eine planvolle und systematische Zusammenstellung von in räumlichem Zusammenhang stehenden Apparaten, Geräten und/oder Maschinen, die funktional, steuerungstechnisch oder sicherheitstechnisch miteinander verbunden sein können.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders in der Industrie prägen Anlagen (Industrieanlagen) als Systeme das Bild einer Betriebsstätte. Anlagen sind umfangreiche technische Betriebsmittel, die aus mehreren technischen Komponenten bestehen.[1] Sie sind dadurch charakterisiert, dass sie verfahrenstechnisch voneinander abhängig und miteinander verbunden sind, so dass sich der Ausfall eines Anlagenteils auf die Gesamtanlage auswirken kann. Diese Interdependenz kann deshalb zu komplexen Betriebsstörungen führen. Zur Synchronisation einer Anlage gibt es eine Steuereinrichtung, die den Produktionsprozess beeinflusst.[2] Der Anlagenbau erstellt derartige Anlagen unter Anwendung der Anlagentechnik, also der Summe des erforderlichen technischen Know-how zur Erstellung von Anlagen.[3]

Anlagentypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrieanlagen
Anlagen für Installationen an Gebäuden und Unterständen
Anlagen der Konsumelektronik

Wichtige Anlagen für Wohnungen sind unter anderem Heizanlagen oder Solaranlagen.

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es im bestehenden Umweltrecht keinen einheitlichen Anlagenbegriff gibt, ist eine nähere Legaldefinition des Begriffs der Anlage im UmweltHG notwendig. Das UmweltHG geht nämlich von einer verschuldensunabhängigen Anlagenhaftung bei Umwelteinwirkungen aus. Wird nach § 1 UmweltHG jemand durch eine Umwelteinwirkung, die von einer Anlage ausgeht, getötet oder verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Inhaber der Anlage verpflichtet, dem Geschädigten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Um den Anwendungsbereich des UmweltHG konkret regeln zu können, ist deshalb in Anhang 1 zu § 1 UmweltHG sowie in § 3 UmweltHG eine Definition enthalten. Anlagen sind nach § 3 UmweltHG ortsfeste Einrichtungen wie Betriebsstätten und Lager, zu den Anlagen gehören auch Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und sonstige ortsveränderliche technische Einrichtungen und Nebeneinrichtungen, die mit der Anlage oder einem Anlagenteil in einem räumlichen oder betriebstechnischen Zusammenhang stehen und für das Entstehen von Umwelteinwirkungen von Bedeutung sein können. In Anhang 1 zu § 1 UmweltHG sind Anlagen nach dem zugehörigen Wirtschaftszweig aufgezählt.

Das Bilanzrecht zählt in § 266 Abs. 2 A II Nr. 2 HGB die technischen Anlagen und Maschinen zum Anlagevermögen auf der Aktivseite einer Bilanz. Diese Regelung findet sich auch im International Accounting Standard 16, der das Sachanlagevermögen (englisch property, plant and equipment) betrifft. Technische Anlagen und Maschinen umfassen alle unmittelbar in der Produktion eingesetzte Betriebsmittel; alle nicht unmittelbar in der Produktion eingesetzte Betriebsmittel werden als „andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung“ bilanziert.[4] Auch wenn die Bestandteile einer Anlage bewegliche Sachen sein können, bilden sie wegen dieser bilanziellen wirtschaftlichen Verbundenheit eine Sachgesamtheit.

Wirtschaftliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlagenintensität gibt als betriebswirtschaftliche Kennzahl das Verhältnis vom Sachanlagevermögen zur Bilanzsumme eines Unternehmens wieder.

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Je höher die Kennzahl der Anlagenintensität ausfällt, umso größer ist der Anteil der betrieblichen Anlagen am Gesamtvermögen eines Unternehmens. Anlagenintensive Betriebe weisen eine hohe Anlagenintensität auf und unterliegen der Gefahr, bei Schwankungen des Beschäftigungsgrades unausgelasteten Kapazitäten mit der Folge von Leerkosten ausgesetzt zu sein. Insbesondere fixe Kosten wie Zinsaufwand und Abschreibungen werden bei Unterbeschäftigung ganz oder teilweise nicht mehr aus dem Umsatzprozess generiert und können zu Verlusten führen (so genannter operating leverage). Diese fixen Kosten zwingen das Unternehmen dauernd zur vollen Auslastung seiner Kapazität, damit die fixen Kosten des Anlagevermögens auf eine möglichst große Anzahl von Produkten verteilt und deshalb je Erzeugnis (Stückkosten) möglichst niedrig gehalten werden (Fixkostendegression). Eine niedrige Anlagenintensität kann umgekehrt Kapazitätsengpässe in der Produktion verursachen, auf Investitionsstaus oder auf Sale-Lease-Back zurückzuführen sein.[5] Je geringer die Anlagenquote ist, umso elastischer kann sich ein Unternehmen der veränderten Marktentwicklung anpassen. Die Anlagenintensität ist daher zugleich ein Maßstab für die Anpassungsfähigkeit oder Flexibilität eines Unternehmens.[6]

Die Anlagenintensität ist sehr branchenabhängig, weshalb sie zwischen 10 % und 70 % je nach Branche schwanken kann.[7] Zu den anlagenintensivsten Betrieben gehören das maschinenintensive produzierende Gewerbe, Transport-, Infrastruktur- oder Telekommunikationsunternehmen sowie Fluggesellschaften. Eine sehr niedrige Anlagenintensität ist im Handel und im Baugewerbe vorzufinden, weil hier der Produktionsfaktor Arbeit vorherrscht (siehe Arbeitsintensität).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfred Böge, Vieweg Lexikon Technik, 1997, S. 20
  2. Alfred Böge, Vieweg Lexikon Technik, 1997, S. 410
  3. Alfred Böge, Vieweg Lexikon Technik, 1997, S. 20
  4. Karin Breidenbach, Jahresabschluss kompakt, 2009, S. 48
  5. Peter R. Preißler, Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, 2008, S. 127 f.
  6. J. Hilmar Vollmuth/Robert Zwettler, Taschenguide Kennzahlen, 2013, S. 53
  7. Claudia Ossola-Haring, Handbuch Kennzahlen zur Unternehmensführung, 2006, S. 56