Hafen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hafen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Verkehrshafen in Wellington (Neuseeland)

Ein Hafen ist ein Bereich an einer Meeresküste oder am Ufer eines Flusslaufes oder Sees, an dem Schiffe anlegen können. Meist ausgestattet mit Anlagen zum Beladen oder Löschen der Schiffe sowie weiterer Infrastruktur und hafennahen Dienstleistungen in der Umgebung. Er besteht insbesondere aus dem oder den Hafenbecken sowie aus Kais und Molen. Werden natürliche Gegebenheiten genutzt, spricht man in diesem Abschnitt von einem Naturhafen.

Für den guten Zu- und Ablauf von Waren und Passagieren ist eine bedarfsgerecht ausgebaute Hafenanbindung in das Hinterland per Schiene, Straße und Wasserstraße notwendig; außerdem sind für die reibungslose Abfertigung Lager- und Umschlagflächen wichtig. Häfen erfüllen auch mehrere Funktionen gleichzeitig, so können viele Häfen auch als Schutzhafen, also Notliegeplatz bei Schlechtwetter oder infolge von Havarien, dienen.

Häfen sind meist Bestandteil öffentlicher Infrastruktur und der Umschlagbetrieb wird von privaten Anbietern durchgeführt. Für die Nutzung von Häfen durch die Schifffahrt ist eine Gebühr an den Hafenbetreiber zu entrichten.

Die staatliche Kontrolle in einem Hafen wird in Deutschland vor allem durch den Hafenkapitän (in Seehäfen), durch die Wasserschutzpolizei (in See- und Binnenhäfen) sowie die Berufsgenossenschaft Verkehr (in Seehäfen) wahrgenommen. In den seewärtigen Hafenzufahrten nimmt in Deutschland darüber hinaus die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) die ständige Sicherung der Wasserstraßen vor, im Fall einer Havarie übernimmt das Havariekommando die Koordination der Rettungs- und Bergungskräfte.

Mehrere Häfen innerhalb einer Region werden oft in Ranges zusammengefasst: Die bedeutendste Hafenrange in Europa ist die Nordrange (auch Hamburg-Antwerpen-Range genannt, inkl. der Häfen Hamburg, Bremerhaven/Bremen, Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen). Bei den Containerhäfen ist die bedeutendste europäische Hafenrange die ZARA-Range (bestehend aus Zeebrugge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam). Auch in anderen Kontinenten gibt es namhafte Hafenranges:

  • West Africa Central Range (einschließlich der Häfen der Länder Benin, Kamerun, Ghana, Elfenbeinküste und Togo)
  • East Asia Range (Häfen entlang der Linie zwischen Tokio-Busan-Shanghai-Hongkong)
  • South America East Coast Range (einschließlich Santos, Rio Grande, Itajai)

Hafentypen[Bearbeiten]

Der alte Hafen von Marseille (Le Vieux Port)

Unterscheidung nach Lage[Bearbeiten]

Je nach der Lage eines Hafens unterscheidet man

  • Binnenhäfen liegen an Flüssen, Kanälen und Seen
    • Länden sind hafenähnlich ausgebaute Landungsplätze ohne natürliche oder bauliche Abgrenzung zum Fahrwasser
  • Seehäfen liegen an der Küste zum Meer bzw. Ozean
    • Tiefwasserhäfen sind Seehäfen mit einem Tiefgang von mindestens 18m[1]
    • Tidewasserhafen – in Tidegewässern werden offene und Dockhäfen unterschieden: Während offene Häfen von den Wasserstandsschwankungen der Gezeiten beeinflusst werden, liegen Dockhäfen hinter einer Schleuse; der Wasserstand ändert sich dort nicht im Rhythmus der Gezeiten.

Unterscheidung nach Nutzung[Bearbeiten]

Eine weitere Unterscheidung zwischen den verschiedenen Hafentypen kann man nach ihrem Verwendungszweck vornehmen:

  1. Flüssigguthafen (u. a. Öl- und Chemieprodukte)
  2. Stückguthafen (u. a. Autos)
  3. Containerhafen
  4. Schüttguthafen (u. a. Kohle, Erze)
  1. Fährhäfen – für Auto- oder Eisenbahnfähren, häufig beides
  2. Kreuzfahrthafen
  3. Marinas (Yachthäfen) – Freizeithafen, Marina für Sportboote und ähnliches
  1. U-Boot-Hafen
  2. Hafenanlagen für die Küstenwache


Die größten Häfen[Bearbeiten]

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Beispiel für einen modernen Containerhafen: Das Containerterminal Altenwerder in Hamburg

Bei dem Größenvergleich mehrerer Häfen ist jeweils zu beachten, nach welchen Kriterien die Größe eines Hafens evaluiert wird. Gängig sind u. a. Gesamtumschlag oder Anzahl der umgeschlagenen Container (in TEU).

Weltweit[Bearbeiten]

Hafenumschlag in Millionen Tonnen pro Jahr[2]

Hafen Land 2006 2010 2013
Ningbo-Zhoushan China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 309,7 627 809,8
Shanghai China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0537 0650 776
Singapur SingapurSingapur Singapur 0448,6 0502,5 560,9
Tianjin China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0257,6 0408 500,6
Guangzhou China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0302,9 0400 454,7
Quindao China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0224,2 0350,1 450
Tangshan China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0- 0- 446,2
Rotterdam NiederlandeNiederlande Niederlande 0378,4 0429,9 440,5
Dalian China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0- 0300,8 408,4
Yingkou China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0- 0- 330
Rizhao China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0- 0221 309,2
Port Hedland AustralienAustralien Australien 0111,8 0178,6 288,4
Hongkong HongkongHongkong Hongkong 0238,2 0267,8 276,1
Qinhuangdao China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 0204,9 0257 272,6
Busan Korea SudSüdkorea Südkorea 0243,5 0262,1 270,9

Europa[Bearbeiten]

Hafenumschlag in Millionen Tonnen pro Jahr[3]

Zufahrt zum Fährhafen von Genua
Hafen Land 2006 2010 2013
Rotterdam NiederlandeNiederlande Niederlande 378,4 429,9 440,5
Antwerpen BelgienBelgien Belgien 0167,4 0178,2 190,8
Hamburg DeutschlandDeutschland Deutschland 0134,9 0121,2 139,1
Amsterdam NiederlandeNiederlande Niederlande 061 072,7 95,7
Algeciras SpanienSpanien Spanien 066,4 065,6 85,6
Marseille FrankreichFrankreich Frankreich 0100 086 80
Bremen/Bremerhaven DeutschlandDeutschland Deutschland 064,6 068,7 78,8
Le Havre FrankreichFrankreich Frankreich 074 070,2 67,2
Valencia SpanienSpanien Spanien 047,3 053,1 64,6
Primorsk RusslandRussland Russland 0- 077,6 62,6
Ust Luga RusslandRussland Russland 0- 0- 62,6
Immingham Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 057 054 62
St. Petersburg RusslandRussland Russland 0- 058 58
Triest ItalienItalien Italien 048 047,4 56,6
Constanta RumänienRumänien Rumänien 0- 047,6 55,1

Deutschland[Bearbeiten]

Binnenhäfen: Hafenumschlag in Millionen Tonnen[4]

Hafen 2002 2012 2013
Duisburg 47,2 48,8 49,4
Köln 13,2 11,7 11,7
Hamburg 9,4 9,9 10,6
Mannheim 8,0 7,9 8,8
Ludwigshafen 7,8 7,4 7,6
Neuss-Düsseldorf 4,5 6,8 7,6
Karlsruhe 6,9 6,2 6,4
Frankfurt 4,1 3,9 4,2
Häfen Main-Donau Kanal 1,4 1,7 1,5
Berlin - 3,6 3,0
Gelsenkirchen 1,3 3,7 4,0
Heilbronn 4,9 3,7 4,0
Kehl 3,5 3,6 3,7
Marl - 3,9 3,7
Rheinberg - 3,0 3,6
Bremen/Bremerhaven 4,2 4,4 3,5

Hafenentwicklung[Bearbeiten]

Häfen stehen mit anderen Häfen in einer gewissen Wettbewerbssituation, einige kooperieren auf bestimmten Gebieten mit anderen Häfen. Häfen sind ständigen Veränderungen unterworfen und Einflüssen von außen, also politischer Gesetzgebung, Entscheidungen von Kunden (Reedereien), von Warenflüssen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen ausgesetzt. Häfen entstehen meist in mehreren Phasen (Planung, Bau, Betrieb). Je nach Hafengröße können dafür mehrere Jahre vergehen. So sind die Containerterminals im Hafen von Rotterdam schrittweise in mehreren Bauabschnitten seit 1970 entstanden.

Hafenfinanzierung[Bearbeiten]

Häfen sind meist aufwändig zu erstellende Infrastrukturprojekte mit entsprechend hohem Kostenaufwand. Dieser Aufwand ist nötig für die Errichtung der Anlegestellen (Kaianlagen) und der Hinterlandanbindung sowie für den Erhalt der Häfen. In Deutschland werden Häfen größtensteils als Daseinsvorsorge, also Teil öffentlicher Infrastruktur gesehen. In Deutschland ist daher das sog. Landlord-System weit verbreitet, nach dem der Staat die Infrastruktur bereitstellt und finanziert und die Hafenumschlagsunternehmen die Hafensuprastruktur bereitstellen und finanzieren.

Hafeninfrastruktur[Bearbeiten]

Hafenanlagen (Kaimauer, Flächen, etc.) werden zur Hafeninfrastruktur gezählt. Diese wird meist durch die örtlichen Behörden zur Verfügung gestellt, die diese an Umschlagsunternehmen und weitere Lagerhaus- und Logistikunternehmen vermietet.

Hafensuprastruktur[Bearbeiten]

Umschlaganlagen, Lagerflächen, Logistikflächen innerhalb von Umschlagsunternehmen, die sich auf der Hafeninfrastruktur befinden.

Politik in Häfen[Bearbeiten]

Die Entwicklung von Häfen ist vor allem abhängig von guten politischen Rahmenbedingungen. Dazu gehört neben einem guten Wettbewerbsrahmen auch eine gute realistische Einschätzung der zu erwartenden Verkehre und Ladungsmengen. Durch die Steuerung der Hafeninfrastruktur-Betriebe ist die Politik meist mitverantwortlich für deren Entscheidungen. In Deutschland sind gemäß Grundgesetz die Küstenländer für die Hafeninfrastruktur verantwortlich sowie für die 12-Seemeilen-Zone (Küstengebiet), bei Gesetzgebungskompetenz in diesen Gebieten. Der Bund ist für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zuständig, sowie für die Sicherheit des Seeverkehrs außerhalb des Küstengebiets. Zur besseren Verzahnung der vielen unterschiedlichen Akteure wurde 2003 das Gemeinsame Havariekommando des Bundes und der Küstenländer gegründet. Es stimmt sich im Maritimen Sicherheitszentrum in Cuxhaven mit anderen Behörden wie Bundespolizei, Fischereiaufsicht, Zoll, Wasserschutzpolizeien der Länder und vielen weiteren Akteuren ab und übernimmt im Falle komplexer Schadenslagen die Einsatzleitung. Eine Küstenwache gibt es in Deutschland nicht.

Unternehmen in Häfen[Bearbeiten]

In den meisten Häfen gibt es Unternehmen, die (unmittelbar und/oder mittelbar) am dortigen Güterumschlag beteiligt sind und/oder anderweitig den dort verkehrenden Schiffen dienen (z. B. Tankstellen, Werften, Catering).[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hafen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Seehäfen und Häfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Hafen – Zitate
  • Die Hafentechnische Gesellschaft e.V. befasst sich mit allen wissenschaftlichen und praktischen Fragen technischer und wirtschaftlicher Natur aus den Bereichen Hafen, Schifffahrt und Logistik sowie deren Anforderung an die Verkehrsträger und den Küstenschutz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. citation required
  2. Terminalbetreiber
  3. Terminalbetreiber
  4. Statistisches Bundesamt
  5. in manchen Häfen gibt es lokale Vereinigungen solcher Unternehmen; diese Vereinigungen sind in Deutschland im ZDS (Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e. V., Homepage) zusammengeschlossen.