Hafen

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Verkehrshafen in Wellington (Neuseeland)

Ein Hafen ist ein Bereich an einer Meeresküste oder am Ufer eines Flusslaufes oder Sees, an dem Schiffe anlegen können. Meist ausgestattet mit Anlagen zum Beladen oder Löschen der Schiffe sowie weiterer Infrastruktur und hafennahen Dienstleistungen in der Umgebung. Er besteht insbesondere aus dem oder den Hafenbecken sowie aus Kais und Molen. Werden natürliche Gegebenheiten genutzt, spricht man in diesem Abschnitt von einem Naturhafen.

Für den guten Zu- und Ablauf von Gütern und Passagieren ist eine möglichst bedarfsgerecht ausgebaute Hafenanbindung an das Festland per Schiene, Straße und Wasserstraße notwendig; außerdem sind für die reibungslose Abfertigung Lager- und Umschlagflächen wichtig. Häfen erfüllen auch mehrere Funktionen gleichzeitig, so können viele Häfen auch als Schutzhafen, also Notliegeplatz bei Schlechtwetter oder infolge von Havarien, dienen.

Häfen sind meist Bestandteil öffentlicher Infrastruktur und der Umschlagbetrieb wird von privaten Anbietern durchgeführt. Für die Nutzung von Häfen durch die Schifffahrt ist eine Gebühr an den Hafenbetreiber zu entrichten.

Die staatliche Kontrolle in einem Hafen wird in Deutschland vor allem durch den Hafenkapitän (in Seehäfen), durch die Wasserschutzpolizei (in See- und Binnenhäfen) sowie die Berufsgenossenschaft Verkehr (in Seehäfen) wahrgenommen. In den seewärtigen Hafenzufahrten nimmt in Deutschland darüber hinaus die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) die ständige Sicherung der Wasserstraßen vor, im Fall einer Havarie übernimmt das Havariekommando die Koordination der Rettungs- und Bergungskräfte.

Geschichte des Hafenbaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Bau künstlicher Häfen wurden Buchten oder Flussmündungen zum Be- und Entladen von Schiffen benutzt. Bereits die Phönizier legten künstliche Häfen an. Auch frühe Formen von Docks wurden von ihnen entwickelt, um Schiffe zu Wasser zu lassen. Der erste bedeutende Hafenbau mit einer großen steinernen Mole war der Hafen von Samos aus der Zeit des Polykrates. Unter Themistokles wurde der Hafen von Piräus mit 400 bedeckten Schiffsplätzen für die Athener Flotte erbaut. Der wohl weltgrößte Hafen des 3. Jahrhunderts v.  Chr. war der Doppelhafen von Karthago, der einen vorgelagerten Handelshafen von 150 mal 400 Metern und eine dahinter befindliche militärische Anlage umfasste. Der bedeutendste Hafen des östlichen Mittelmeers wurde von den Ptolemäern seit ca. 300 v. Chr. in Alexandria angelegt. Er konkurrierte mit den Häfen von Rhodos und Milet. Ob der etwa 120 bis 150 Meter hohe Leuchtturm von Alexandria der erste seiner Art war, ist nicht gewiss. Dionysios I. vergrößerte den Hafen von Syrakus auf etwa 300 Schiffsplätze. Unter Herodes wurde der Hafen von Caesarea Maritima mit Hilfe von Steinwällen errichtet. Unter dem römischen Kaiser Claudius entstand der Hafen von Rom in Ostia Antica. Hier wurden erstmals - wie von Plinius dem Jüngeren beschrieben - mit Steinen oder Mörtel gefüllte Schiffe als Fundamente versenkt. Von Vitruv stammen die ersten systematischen Erwägungen über die Standortwahl und die Anlage von Seehäfen; er beschreibt die Methode, mit Mörtel und Bruchsteinen gefüllte Kästen als Fundamente für gemauerte Dämme auf den Meeresgrund abzusenken.[1]

Als älteste nachgewiesene künstliche Schiffsanlegestelle Nordeuropas entstand um die Zeitenwende in Velsen für die römische Kriegsflotte das Flevum. Später wurden bis etwa 350 n. Chr. auch am Rhein etliche befestigte Flottenstützpunkte mit künstlich angelegten Molen errichtet. Der möglicherweise früheste nachrömische Hafen ist in Stade um das Jahr 670 entstanden.[2] Der Hamburger Hafen datiert aus der Zeit um 800. Der älteste Kunsthafen Deutschlands ist der Vegesacker Hafen von 1622/23.

Hafentypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Hafen von Marseille (Le Vieux Port)

Unterscheidung nach Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach der Lage eines Hafens unterscheidet man

  • Binnenhäfen liegen an Flüssen, Kanälen und Seen
    • Länden sind hafenähnlich ausgebaute Landungsplätze ohne natürliche oder bauliche Abgrenzung zum Fahrwasser
  • Seehäfen liegen meist an der Küste zur See bzw. zum Ozean, aber auch an Flusshäfen, die mit ausreichend Tiefgang von Seeschiffen angefahren werden können (z. B. Hamburg: rund 100 km oberhalb der Elbmündung)
    • Tiefwasserhäfen sind Seehäfen mit einem Tiefgang von mindestens 18 m[3]
    • Tidewasserhafen – in Tidegewässern werden offene und Dockhäfen unterschieden: Während ein offener Hafen den Wasserstandsschwankungen der Gezeiten unterliegt, liegt der Dockhafen hinter einer Schleuse; der Wasserstand ändert sich dort nicht im Rhythmus der Gezeiten.

Unterscheidung nach Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Unterscheidung zwischen den verschiedenen Hafentypen kann man nach ihrem Verwendungszweck vornehmen:

  1. Stückguthafen zur Abfertigung von Stückgutfrachtern (für Stückgut, u. a. Einzelladungen, Fahrzeuge)
  2. Schwerlasthafen zur Abfertigung von Schwergutschiffen für schwere und übergroße Ladung (z. B. Maschinenanlagen oder Teile für Offshorebauwerke)
  3. Containerhafen (im Rahmen der Containerisierung seit Ende der 1960er Jahre in ISO-Container verstaute Ladung zur Beförderung auf inzwischen großen Containerschiffen, aber auch auf sog. Feederschiffen)
  4. Flüssigguthafen zur Abfertigung von Tankschiffen (u. a. für Öl- und Chemieprodukte)
  5. Schüttguthafen zur Abfertigung von Bulkern (u. a. für Kohle, Erze, aber auch Getreide und Düngemittel)
  1. Fährhäfen – für Auto- oder Eisenbahnfähren / RoRo-Fähren, häufig beides
  2. Kreuzfahrthafen – als Ausgangs- und Endpunkt für Kreuzfahrtpassagiere, aber auch als Anlandungspunkt für Kreuzfahrt-Touristen
  3. Marinas (Yachthäfen) – Freizeithafen, Häfen für Sportboote, Yachten und ähnliches
  1. U-Boot-Hafen
  2. Hafenanlagen für die Küstenwache

Ranges als Gruppe von Häfen einer Region[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Häfen innerhalb einer Region werden oft in Ranges zusammengefasst: Die bedeutendste Hafenrange in Europa ist die Nordrange (auch Hamburg-Antwerpen-Range genannt, inkl. der Häfen Hamburg, Bremerhaven/Bremen, Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen). Bei den Containerhäfen ist die bedeutendste europäische Hafenrange die ZARA-Range (bestehend aus Zeebrugge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam).

Auch in anderen Kontinenten gibt es namhafte Hafenranges:

  • West Africa Central Range (einschließlich der Häfen der Länder Benin, Kamerun, Ghana, Elfenbeinküste und Togo)
  • East Asia Range (Häfen entlang der Linie zwischen Tokio-Busan-Shanghai-Hongkong)
  • South America East Coast Range (einschließlich Santos, Rio Grande, Itajai)

Die größten Häfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Beispiel für einen modernen Containerhafen: Das Containerterminal Altenwerder in Hamburg

Bei dem Größenvergleich mehrerer Häfen ist jeweils zu beachten, nach welchen Kriterien die Größe eines Hafens evaluiert wird. Gängig sind u. a. Gesamtumschlag nach Gewichtseinheiten (Tonnen) oder Anzahl der umgeschlagenen Container (in TEU).

Weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafenumschlag in Millionen Tonnen pro Jahr[4]

Hafen Land 2006 2010 2013 2014
Ningbo-Zhoushan China VolksrepublikVolksrepublik China China 0309,7 0627,0 0809,8 0873,0
Shanghai China VolksrepublikVolksrepublik China China 0537,0 0650,0 0776,0 0755,3
Singapur SingapurSingapur Singapur 0448,6 0502,5 0560,9 0580,8
Tianjin China VolksrepublikVolksrepublik China China 0257,6 0408,0 0500,6 0540,0
Guangzhou China VolksrepublikVolksrepublik China China 0302,9 0400,0 0454,7 0500,8
Qingdao China VolksrepublikVolksrepublik China China 0224,2 0350,1 0450,0 0500,4
Tangshan China VolksrepublikVolksrepublik China China 0- 0- 0446,2 0480,0
Rotterdam NiederlandeNiederlande Niederlande 0378,4 0429,9 0440,5 0444,7
Dalian China VolksrepublikVolksrepublik China China 0- 0300,8 0408,4 0420,0
Yingkou China VolksrepublikVolksrepublik China China 0- 0- 0330,0 0330,7
Rizhao China VolksrepublikVolksrepublik China China 0- 0221,0 0309,2 0353,0
Port Hedland AustralienAustralien Australien 0111,8 0178,6 0288,4 0372,4
Hongkong HongkongHongkong Hongkong 0238,2 0267,8 0276,1 0297,7
Qinhuangdao China VolksrepublikVolksrepublik China China 0204,9 0257,0 0272,6 0274,0
Busan Korea SudSüdkorea Südkorea 0243,5 0262,1 0270,9 0266,7

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafenumschlag in Millionen Tonnen pro Jahr[5]

Zufahrt zum Fährhafen von Genua
Hafen Land 2006 2010 2013 2014
Rotterdam NiederlandeNiederlande Niederlande 0378,4 0429,9 0440,5 0444,7
Antwerpen BelgienBelgien Belgien 0167,4 0178,2 0190,8 0199,0
Hamburg DeutschlandDeutschland Deutschland 0134,9 0121,2 0139,1 0145,7
Amsterdam NiederlandeNiederlande Niederlande 0 61,0 0 72,7 0 95,7 097,8
Algeciras SpanienSpanien Spanien 0 66,4 0 65,6 0 85,6 095,0
Marseille FrankreichFrankreich Frankreich 0100,0 0 86,0 0 80,0 078,5
Bremen/Bremerhaven DeutschlandDeutschland Deutschland 0 64,6 0 68,7 0 78,8 078,3
Le Havre FrankreichFrankreich Frankreich 0 74,0 0 70,2 0 67,2 067,0
Valencia SpanienSpanien Spanien 0 47,3 0 53,1 0 64,6 066,9
Primorsk RusslandRussland Russland 0 - 0 77,6 0 62,6 053,7
Ust Luga RusslandRussland Russland 0 - 0 - 0 62,6 075,7
Immingham Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 0 57,0 0 54,0 0 62,0 059,4
St. Petersburg RusslandRussland Russland 0 - 0 58,0 0 58,0 061,2
Triest ItalienItalien Italien 0 48,0 0 47,4 0 56,6 057,0
Constanța RumänienRumänien Rumänien 0 - 0 47,6 0 55,1 055,6

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Binnenhäfen: Hafenumschlag in Millionen Tonnen[6]

Hafen 2002 2012 2013 2014
Duisburg 47,2 48,8 49,4 52,4
Köln 13,2 11,7 11,7 12,0
Hamburg 9,4 9,9 10,6 11,7
Mannheim 8,0 7,9 8,8 8,5
Ludwigshafen 7,8 7,4 7,6 7,3
Neuss-Düsseldorf 4,5 6,8 7,6 7,1
Karlsruhe 6,9 6,2 6,4 6,6
Frankfurt 4,1 3,9 4,2 4,5
Berlin - 3,6 4,0 4,1
Gelsenkirchen 1,3 3,7 4,0 3,9
Heilbronn 4,9 3,7 4,0 3,1
Häfen Kehl 3,5 3,6 3,7 3,3
Marl - 3,9 3,7 3,8
Rheinberg - 3,0 3,6 3,2
Bremen/Bremerhaven 4,2 4,4 3,5 3,3
Häfen Main-Donau Kanal 1,4 1,7 1,5 -

Hafenentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häfen stehen mit anderen Häfen in einer gewissen Wettbewerbssituation, einige kooperieren auf bestimmten Gebieten mit anderen Häfen. Häfen sind ständigen Veränderungen unterworfen und Einflüssen von außen, also politischer Gesetzgebung, Entscheidungen von Kunden (Reedereien), von Warenflüssen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen ausgesetzt. Häfen entstehen meist in mehreren Phasen (Planung, Bau, Betrieb). Je nach Hafengröße können dafür mehrere Jahre vergehen. So sind die Containerterminals im Hafen von Rotterdam schrittweise in mehreren Bauabschnitten seit 1970 entstanden.

Hafenfinanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häfen sind meist aufwändig zu erstellende Infrastrukturprojekte mit entsprechend hohem Kostenaufwand. Dieser Aufwand ist nötig für die Errichtung der Anlegestellen (Kaianlagen) und der Hinterlandanbindung sowie für den Erhalt der Häfen. In Deutschland werden Häfen größtenteils als Daseinsvorsorge, also Teil öffentlicher Infrastruktur gesehen. In Deutschland ist daher das sog. Landlord-System weit verbreitet, nach dem der Staat die Infrastruktur bereitstellt und finanziert und die Hafenumschlagsunternehmen die Hafensuprastruktur bereitstellen und finanzieren.

Hafeninfrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafenanlagen (Kaimauer, Flächen, etc.) werden zur Hafeninfrastruktur gezählt. Diese wird meist durch die örtlichen Behörden zur Verfügung gestellt, die diese an Umschlagsunternehmen und weitere Lagerhaus- und Logistikunternehmen vermietet.

Hafensuprastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umschlaganlagen, Lagerflächen, Logistikflächen innerhalb von Umschlagsunternehmen, die sich auf der Hafeninfrastruktur befinden.

Politik in Häfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung von Häfen ist vor allem abhängig von guten politischen Rahmenbedingungen. Dazu gehört neben einem guten Wettbewerbsrahmen eine gute realistische Einschätzung der zu erwartenden Verkehre und Ladungsmengen. Durch die Steuerung der Hafeninfrastruktur-Betriebe ist die Politik meist mitverantwortlich für deren Entscheidungen. In Deutschland sind gemäß Grundgesetz die Küstenländer für die Hafeninfrastruktur der Seehäfen verantwortlich sowie für die 12-Seemeilen-Zone (Küstengebiet), bei Gesetzgebungskompetenz für diese Gebiete. Der Bund ist für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zuständig, sowie für die Sicherheit und Leichtigkeit des Seeverkehrs außerhalb des Küstenmeeres. Zur besseren Verzahnung der vielen unterschiedlichen Akteure wurde 2003 das gemeinsame Havariekommando des Bundes und der Küstenländer gegründet. Es stimmt sich im Maritimen Sicherheitszentrum in Cuxhaven mit anderen Behörden wie Bundespolizei, Fischereiaufsicht, Zoll, Wasserschutzpolizeien der Länder und vielen weiteren Akteuren ab und übernimmt im Falle komplexer Schadenslagen die Einsatzleitung. Eine Küstenwache gibt es in Deutschland nicht.

Unternehmen in Häfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den meisten Häfen gibt es Unternehmen, die (unmittelbar und/oder mittelbar) am dortigen Güterumschlag beteiligt sind und/oder anderweitig den dort verkehrenden Schiffen dienen (z. B. Tankstellen, Werften, Catering).[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Hafen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Seehäfen und Häfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Hafen – Zitate
  • Die Hafentechnische Gesellschaft e. V. befasst sich mit allen wissenschaftlichen und praktischen Fragen technischer und wirtschaftlicher Natur aus den Bereichen Hafen, Schifffahrt und Logistik sowie deren Anforderung an die Verkehrsträger und den Küstenschutz.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aloys Ludwig Hirt: Die Geschichte der Baukunst bei den Alten: Die Lehre der Gebäude bei den Griechen und Römern. Band 3. Berlin 1827, S. 376 ff.
  2. Liegt der älteste Hafen Nordeuropas in Stade? In: Hamburger Abendblatt, 25. September 2007.
  3. citation required
  4. Terminalbetreiber
  5. Terminalbetreiber
  6. Statistisches Bundesamt
  7. in manchen Häfen gibt es lokale Vereinigungen solcher Unternehmen; diese Vereinigungen sind in Deutschland im ZDS (Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e. V., Homepage) zusammengeschlossen.