Aschinger

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Aschinger war ein 1892 gegründeter Gastronomiebetrieb in Berlin, der insbesondere durch seine großen Stehbierhallen bekannt wurde. Mit dem Namen ist eine Erfolgsgeschichte verbunden, wie sie in dieser Dimension im deutschen Kaiserreich vor 1900 nicht aufgetreten war. Zeitweise war Aschinger Europas größter Gastronomiebetrieb.

Gründung und Entwicklung bis in die 1920er[Bearbeiten]

Aschingers Weinhaus Rheingold, 1905
Der Saal des Aschinger-Weinhauses Rheingold, 1906

Die aus Oberderdingen im damaligen Württemberg zugewanderten Brüder August und Carl Aschinger gründeten in Berlin ab 1892 „Bierquellen“. Das waren Stehbierhallen und später auch Restaurants, in denen man schnell, gut und billig essen konnte. Die verschiedenen Biersorten wurden anfänglich zum Einheitspreis von 10 Pfennig angeboten. Die erste „Bierquelle“ öffnete am 1. September 1892 in der Neuen Roßstraße 4 am Köllnischen Markt beim U-Bahnhof Märkisches Museum. Weitere folgten an verkehrsreichen Orten wie in der Leipziger, Potsdamer[1] und Friedrichstraße (Nummer 79 A und 151), am Rosenthaler Platz, Alexanderplatz, Hackeschen Markt und Werderschen Markt.

Aschinger avancierte bald zu Europas größtem Gastronomiebetrieb mit 23 Bierquellen, 15 Konditoreien, acht weiteren Restaurants, 20 Verkaufsstellen. In der Zentrale Saarbrücker Straße in der Königstadt wurden nun wöchentlich bis zu 1,1 Millionen Brötchen gebacken.

Bei Aschinger gab es günstige Mahlzeiten und nach Belieben Schrippen zu den Speisen, wodurch der Name Aschinger relativ schnell – gerade bei ärmeren Bevölkerungsschichten – populär wurde. Besonders bekannt und beliebt waren Aschingers Bierwürste oder die Erbsensuppe. „Beste Qualität bei billigstem Preis“ lautete das Motto des rasch expandierenden Unternehmens, das alle Speisen im eigenen Zentralbetrieb herstellte, somit also eine vollständige Qualitätskontrolle besaß. Weitere Konditoreien und Bäckereiverkaufsstellen kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinzu. Die Einrichtung der Lokale sollte keineswegs ärmlich, sondern vornehm wirken, weshalb die Bierquellen aufwändig mit Kronleuchtern, Spiegeln und einladenden Schaufenstern ausgestattet waren. Trotz des aufwändigen Interieurs waren sie nicht gemütlich, weder bezüglich der Einrichtung noch der Sauberkeit. Die Stehbierhallen galten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Berlin-typisch.

Ab 1907 stieg Aschinger – inzwischen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt – auch in die Hotellerie ein. Das Luxus-Hotel Fürstenhof sowie das Weinhaus Rheingold am Potsdamer Platz[1] und das Palasthotel wurden bis 1913 erworben. In den Jahren 1924 bis 1926 erwarb die Aschinger AG auch die Aktienmehrheit an der Berliner Hotel-Gesellschaft und der Hotelbetriebs AG. Daneben übernahm sie die gastronomischen Betriebe der Deutschlandhalle.

Aschinger bis 1945[Bearbeiten]

Aschinger-Bierdeckel vom Reichsparteitag 1937

Alfred Döblin setzte der Firma Aschinger ein literarisches Denkmal. In seinem Roman Berlin Alexanderplatz wird ein Besuch des Helden Franz Biberkopf in dieser Berliner Institution ausführlich beschrieben.

Auch in dem Buch Blutsbrüder. Ein Berliner Cliquenroman von Ernst Haffner, in dem das Leben von Berliner obdachlosen Jugendlichen in den 1930er Jahren beschrieben wird, gehört Aschinger zu einer häufig genannten Institution, in der man mit wenig Geld seinen Hunger stillen konnte.

In den 1930er Jahren wuchs das Netz der Aschinger-Bierquellen auf 30 Lokale an. Diese waren im gesamten Berliner Stadtgebiet verteilt.

Mit dem NS-Regime arbeitete das Unternehmen eng zusammen (so wurde etwa auf Reichsparteitagen Aschinger-Bier ausgeschenkt). Im Zuge der Enteignung („Arisierung“) des Kempinski-Konzerns übernahm Aschinger auch das Haus Vaterland von Kempinski.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Da im Zweiten Weltkrieg 80 Prozent der Aschinger-Lokale zerstört worden waren, war der Neuanfang schwierig. 1947 übernahm die Deutsche Treuhandstelle zur Verwaltung beschlagnahmter Güter von Kriegsverbrechern und exponierten Faschisten die Verwaltungszentrale, die nun im sowjetischen Sektor in der Saarbrücker Straße lag. Die im Ostteil gelegenen Filialen wurden nach der Enteignung der neu entstehenden HO zugeordnet.

In West-Berlin eröffnete die Nachfolgefirma der Aschinger AG 1949 in der Nähe des Wittenbergplatzes ihre erste Konditorei nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach wuchs die Firma wieder zu einem mittelständischen Unternehmen, das mit Schließung der letzten Filiale am Bahnhof Zoo im Jahr 1976 aufhörte zu existieren.[2] 1989 wurde unter Mitwirkung eines Mitglieds der einstigen Aschinger-Familie am Kurfürstendamm „Aschingers Historischer Braukeller“ eröffnet,[2] der 2000 wieder in Konkurs ging und schloss.[3]

Die später unter dem Namen Aschinger firmierenden Gaststätten haben keinen Zusammenhang mit der ursprünglichen Firma.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Aschinger-Ausschänke am Potsdamer Platz
  2. a b Edition Luisenstadt, 1999: Bei Aschinger – fast wie früher, abgerufen am 15. November 2010
  3. Berliner Zeitung: Im Sommer soll Umbau der "Filmbühne Wien" beginnen, 27. Februar 2001, abgerufen am 15. November 2010