Ökologie

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Dieser Artikel bezieht sich auf die wissenschaftliche Teildisziplin der Biologie. Weitere Bedeutungszusammenhänge finden sich unter Ökologie (Begriffsklärung).

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Aspekte ökologischer Forschung

Die Ökologie (griechisch οἶκος oikos ‚Haus‘, ‚Haushalt‘ und λόγος logos ‚Lehre‘; also „Lehre vom Haushalt“) ist gemäß ihrer ursprünglichen wissenschaftlichen Definition eine Teildisziplin der Biologie, welche die Beziehungen von Lebewesen zu ihrer unbelebten Umwelt erforscht sowie auch die Beziehungen zwischen den Organismenarten untereinander analysiert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff zunehmend auch zur Bezeichnung der Gesamtumweltsituation verwendet, wurde dadurch aber auch insgesamt diffuser. Das Adjektiv „ökologisch“ wurde umgangssprachlich gar fast nur noch für eine Haltung oder ein Agieren verwendet, das möglichst schonend mit Umweltressourcen umgeht.

Entstehung und Unterteilung der wissenschaftlichen Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Ökologie
Haeckel:Generelle Morphologie der Organismen Berlin, 1866. In Band 2, Kapitel 19, Abschnitt XI steht als Überschrift „Oecologie und Chronologie“

Zu den Begründern ökologischer Grundlagenforschung können unter anderem Darwin (Ökologie der Regenwürmer, Wechselwirkung Ökologie und Evolution), Möbius (Meerestiere), Warming (Pflanzenökologie und Pflanzengeographie), Tansley (Ökosystem-Aspekte) und Thienemann (Ökologie der Binnengewässer) betrachtet werden. Aus der angewandt-ökologischen Forschungsrichtung können etwa Liebig (Agrar-Nährstoffökologie), Richards (Hygiene) und viele andere genannt werden. Die zentralen Arbeiten der Genannten erschienen zwischen etwa 1840 (Liebig) und 1940.

Definitionen des Wissenschaftsbegriffs Ökologie wurden erstmalig in den Jahren 1866 bis 1869 (mit jeweils leichten Formulierungsänderungen) von Ernst Haeckel, einem damals führenden deutschen Zoologen und Verfechter der darwinschen Deszendenztheorie. Haeckel forschte selber nicht auf dem Gebiet der Ökologie, definierte den Begriff aber als Lehre von den Wechselwirkungen der Organismenarten untereinander. Er erweiterte die Definition in den folgenden Jahren und verstand dann darunter verstärkt auch den Gesamthaushalt der Natur, eine Definition, die unserem heutigen breiten Verständnis von Ökologie nahe kommt:

„Unter Oecologie verstehen wir die gesammte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Aussenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle „Existenz-Bedingungen“ rechnen können. Diese sind theils organischer, theils anorganischer Natur; sowohl diese als jene sind, wie wir vorher gezeigt haben, von der grössten Bedeutung für die Form der Organismen, weil sie dieselbe zwingen, sich ihnen anzupassen.“

Ernst Haeckel 1866[1]

Der Begriff etablierte sich in der Biologie erst allmählich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Er erfuhr in der Folgezeit Modifikationen seiner Definition, die manchmal eher eingeengter, manchmal sehr breit gefasst wurde.

Statt von Ökologie sprach man im 18. und 19. Jahrhundert öfters auch von Ökonomie (so bei Goethe[2]), ein Terminus, der früher im (süd)deutschen Sprachraum auch für Landwirtschaftsbetriebe verwendet wurde und heute zuweilen noch im angelsächsischen Bereich für ökologische Prozesse verwendet wird.[3] Ein früher zuweilen in romanischen Sprachen verwendeter Parallelbegriff war Mesologie. Von Geowissenschaftlern und Landschaftsökologie wird öfters der Begriff Bioökologie verwendet, um die aus der Biologie heraus entstandene Ausrichtung gegenüber einer mehr geowissenschaftlich orientierten Geoökologie abzugrenzen.

Bald schon konnte man zwischen einer Grundlagenforschung und einer Angewandten Ökologie unterscheiden. Die letztere fokussierte stark auf Probleme etwa der Forstwirtschaft, der Landwirtschaft, der Gewässerreinhaltung und der Hygiene für Mensch und Tier. Die Grundlagenforschung hatte das primäre Ziel, das Funktionieren der Wechselwirkungen in der Natur zu verstehen, wobei schon früh darauf hingewiesen wurde, dass diese Grundlagenerkenntnisse natürlich auch Anwendungsbezüge haben.

Die Ökologie als Grundlagenforschung beschreibt mehr oder weniger alle Aspekte der Interaktion von Lebewesen mit ihrer Umwelt. Diese beziehen sich sowohl auf die unbelebte (abiotische) Umwelt, als auch die belebte (biotische) Umwelt. Bei letzterer werden allerdings meist nur die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Arten untersucht, da die Analyse der innerartlichen Beziehung zumindest im Tierreich traditionell eher dem Gebiet der Verhaltensbiologie zugewiesen wird. Die Summe aller Wechselwirkungen in einem Naturausschnitt wird unter diesen funktionalen Betrachtungen als Ökosystem bezeichnet.

Mit einem wachsenden Umweltbewusstsein ab etwa den 1960er bis 1970er Jahren entwickelte sich der Begriff „Ökologie“ weit über den engen naturwissenschaftlichen Rahmen der Biologie hinaus und wurde in der Alltagsdiskussion zunehmend synonym zu Begriffen wie Umweltschutz bzw. Umwelt verwendet und mit diesen verwechselt. Ökologische Erkenntnisse wurden hierdurch auch auf philosophische und gesellschaftliche Bereiche übertragen und zur politischen Argumentation verwendet, um das vielfach „ökologisch belastete“ Verhältnis zwischen den Menschen und ihrer Umwelt zu charakterisieren. Der Begriff hat dadurch eine Bedeutungserweiterung und -verschiebung erfahren und kennzeichnet bei nicht-naturwissenschaftlicher Verwendung Handlungsweisen, die dem Schutz der Umwelt oder einem nachhaltigen Wirtschaften dienen. In diesen letztgenannten Ausrichtungen werden (interdisziplinäre) Analysen von Umweltbeziehungen entwickelt, welche selbst menschliche Gesellschaften oder Städte als Entitäten der ökologischen Forschung betrachten und in ihrer Wechselwirkung analysieren.[4]

Traditionelle Unterteilung der Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vielfach wurde der Lehr- und Forschungsgegenstand der (biologischen) Ökologie im deutschen Sprachraum in die drei Bereiche Autökologie, Populationsökologie und Synökologie (die Ökologie von Lebensgemeinschaften) unterteilt. Aus dem dritten Teilgebiet entwickelt sich auch die Ökosystemlehre. Später hinzugekommene Spezialbereiche waren etwa die Analyse der biologischen und ökologischen Vielfalt und das Verhältnis von Vielfalt und Stabilität.[5] Von botanisch-ökologischer Seite aus wurde – allerdings fast nur auf Kontinentaleuropa – ein pflanzensoziologischer Ansatz seit etwa 1928 (Braun-Blanquet) verfolgt, der zu einem komplexen System pflanzensoziologischer Einheiten und Listen von Zeigerpflanzen gemäß der damaligen (noch wenig von Neophyten und vom Klimawandel beeinflussten) Vegetation Mitteleuropas entwickelt wurde.

Methodische und inhaltliche Schwierigkeiten ökologischer Forschung liegen in der hohen Komplexität der meisten ökologischen Systeme sowie ihrer stark nach stochastischen Prinzipien ablaufenden Dynamik und Wechselwirkung mit anderen Ökosystemen über Stoffflüsse oder Organismenaustausch. Hinzu kommen immer wieder praktisch unvorhersehbare neue Einflüsse durch wechselnde Umweltbelastungen von Eutrophierungen bis Klimaänderungen. Dies behinderte auch von Anfang an die Entwicklung verlässlicher und stabiler Klassifikationssystemen der Umwelt, die während einem Großteil des 20. Jahrhunderts verfolgt wurden, am eindrücklichsten in der Pflanzensoziologie. Diese spezifischen und offenen Systemeigenschaften machen es schwierig bis grundsätzlich unmöglich, Prognosen über künftige Entwicklungen, beispielsweise Bestandsgrößen gefährdeter Arten, abzugeben.

Im Sinne von Vereinfachungs- und Näherungsverfahren versucht ökologische Forschung, komplexe Wirkungsnetze auf beschreibbare naturwissenschaftliche Grundaussagen zu reduzieren sowie eigene, für diese ökologischen Systeme typische Gesetzmäßigkeiten zu formulieren. Ferner wird versucht, vereinfachte Analogmodelle zu testen oder aber Ausschnitte der Umwelt zu manipulieren, um daraus Aussagen zu gewinnen. Vielfach werden für diesen Ansatz Labor- und Feldexperimente sowie Modellierungen vorgenommen.

Aufgeschnittene Galle mit Larve der Buchengallmücke Mikiola fagi

Autökologie: Die Ökologie der Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Autökologie (als Begriff von Carl Schroeter 1902 geprägt) befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen einer bestimmten biologischen Art (Spezies) und ihrer Umwelt. Hierbei werden Auswirkungen von Umweltfaktoren, wie Nahrungsqualität und -quantität, Lichtintensität, relative Luftfeuchtigkeit, atmosphärischer Druck, Salz- oder Sauerstoffkonzentration im Wasser, usw. auf einzelne Individuen dieser Art untersucht und es werden auch die kombinierten Wirkungen solcher Einzelfaktoren auf Lebewesen gemessen. Lebewesen sind generell nur innerhalb bestimmter Toleranzbereiche der Einzelfaktoren lebensfähig. Die spezifischen Toleranzen bzw. Anpassungen einer Art an bestimmte Faktorenwerte werden mit dem Konzept der ökologischen Nische umschrieben.

Der Begriff Autökologie wird in der Forschungspraxis nicht mehr oft verwendet, eher ersatzweise der Begriff Physiologische Ökologie bzw. als Adjektiv auch ökophysiologisch.

Populationsökologie: Ökologie auf Populationsebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Populationsschwankungen innerhalb einer Räuber-Beute-Beziehung; charakteristisch ist, dass die Kurve der Räuberpopulation der Kurve der Beutepopulation nachläuft.

In der Populationsökologie (selten auch „Demökologie“ genannt) werden meist quantitative Aspekte innerhalb einer Population bzw. Fortpflanzungseinheit analysiert. Beispielsweise werden Populationen komplexer Alterszusammensetzung oder variabler Geschlechterzusammensetzung mittels demographischer Methoden beschrieben und analysiert, um Trends und Schwankungen zu erkennen. Die Analyse der zeitlichen Veränderungen wird auch Populationsdynamik (früher bei Insekten auch Massenwechsel) genannt.

Bei Mitberücksichtigung populationsgenetischer, z.B. Allel- oder Genotypfrequenzen, spricht man auch von Populationsbiologie. Langfristige Veränderungen als Folge evolutionärer Prozesse gehören traditionell nicht mehr in die Populationsökologie, sondern in die Populationsbiologie, die Evolutionsökologie oder die Evolutionsbiologie.

Synökologie: Die Ökologie der Lebensgemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rotbuchenwald in Mitteleuropa als Beispiel eines verbreiteten Ökosystems mit komplexer Biozönose

Die Synökologie (als Begriff, wie Autökologie, von Carl Schroeter 1902 geprägt, heute aber nicht mehr häufig verwendet) untersucht ökologische Gemeinschaften aus mehreren oder vielen Arten. Es werden sowohl die interspezifischen Wechselwirkungen der Gemeinschaft oder Biozönose untersucht, als auch deren Abhängigkeiten vom Biotop. Biotop und Biozönose bilden in modellhafter Einheit das Ökosystem. Forschungsgegenstände der Synökologie sind die Zusammensetzung, Organisationsweise und Struktur von ökologischen Gemeinschaften oder Biozönosen sowie Energiefluss und Stoffkreislauf. Schwerpunkte der Untersuchungen bilden Wechselwirkungen infolge von Konkurrenz, Räuber-Beute-Beziehungen (Prädation im engen Sinne), Herbivorie, Wirt-Parasit-Verhältnissen und kooperative Beziehungen (Mutualismus). Vielfach werden mathematische und statistische Methoden zur Beschreibung und Modellierung verwendet.

An einfachen Systemen, die vielfach aus nur zwei Arten bestehen (manchmal im Deutschen als Bisysteme bezeichnet), wird versucht, durch Beobachtung, Experiment (auch in Langzeituntersuchungen) und Modellierung die Dynamik in Biozönosen zu verstehen. Komplexe Gemeinschaften können durch Reduzierung auf Teilaspekte überschaubarer gemacht werden. Ein Beispiel hierfür ist die Beschränkung auf die Untersuchung von Nahrungsbeziehungen mit einer Zusammenfassung von Arten nach trophischen Stufen (Produzenten, Konsumenten und Destruenten). Hieraus können beispielsweise Erkenntnisse über den Energiefluss im Nahrungsnetz gewonnen werden.

Andere Unterteilungen und Spezialgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borstgrasweide mit Arnika

Ökologische Forschung wird je nach praktischen, taxonomischen, methodischen oder angewandten Gesichtspunkten sehr unterschiedlich unterteilt:

  • Gliederung nach Organismengruppen: Tierökologie, Pflanzenökologie, Mikrobenökologie usw.
  • Gliederung nach Großlebensräumen der Erde: Meeresökologie, Süßwasserökologie (Limnologie), terrestrische Ökologie (Festlandsökologie, sehr selten auch Epeirologie genannt).
  • Die Humanökologie untersucht die Wechselbeziehungen zwischen den Menschen und seiner Umwelt.
  • Die Theoretische Ökologie forscht ex situ und in situ an grundlegenden Prinzipien der Ökologie (trophische Ebenen, Evolutionsökologie u. a.). Aus Aspekten der Theoretischen Ökologie entwickelte sich die Ökologische Modellierung. Stark anwendungsorientiert ist die Angewandte Ökologie (z.B. die Ökologie der Bienenvölker oder die Forstökologie) und die Schädlingsbekämpfung.
  • Die Geoökologie, die das Zusammenwirken abiotischer Teilsysteme (z.B. Boden, Sicker- und Grundwasser) untereinander und mit biotischen Teilsystemen (z.B. Wurzeln, Regenwürmer) untersucht, gilt vielfach als eigenständiges geowissenschaftlich orientiertes Fach.
  • Die Bodenökologie untersucht die ökologischen Beziehungen der im Boden lebenden Organismen (Regenwürmer, Milben, Pilze), hat aber vielfach stark angewandten Charakter in Richtung Landwirtschaft, wo speziell der Bodenfruchtbarkeit Beachtung geschenkt wird.
  • Die Zivilisationsökologie beschäftigt sich primär mit den Auswirkungen technischer Zivilisation auf Lebewesen und Lebensräume und den Umweltproblemen sowie Lösungsansätzen zu ihrer Beherrschung. Sie ist teilweise als eigenständiges Fach etabliert. Als Teilgebiet der Zivilisationsökologie kann die Landschaftsökologie betrachtet werden.
  • Besonders hemerobe Ökosysteme sind Gegenstand der Agrarökologie und der Urbanökologie.
  • Die Verhaltensökologie untersucht Wechselwirkungen von Verhalten und Umweltfaktoren.
  • Die chemische Ökologie erforscht unter anderem die Rolle chemischer Signale in den Wechselbeziehungen von Organismen. Hieraus ergeben sich vielfach praktische Anwendungen, wie die Entwicklung von Methoden zur biologischen Schädlingsbekämpfung.
  • Die molekulare Ökologie untersucht die molekulargenetischen Grundlagen und Unterschiede der Populationen und Lebensgemeinschaften sowie deren Veränderungen.
  • Im Rahmen der Biodiversitätsforschung wird der Aspekt biologischer Vielfalt auf der Ebene der Gene, der Arten und der ökologischen Systeme untersucht. Auch die Wechselwirkung von Klimawandel und Biodiversitätswandel ist in den Fokus der Forschung gekommen.[6]
  • Die Paläoökologie studiert die ökologischen Beziehungen vergangener Zeiten und Erdperioden, wobei zur Interpretation vielfach ein aktualistisches Konzept zugrunde gelegt wird.

Als übergreifende Disziplin bzw. Dachwissenschaft basiert Ökologie vielfach auch auf Erkenntnissen anderer Disziplinen und Fächer. Zugleich wirkt die Ökologie auf diese anderen Disziplinen zurück und regt Fragestellungen an, die innerhalb dieser gar nicht gesehen werden können.[7]

Methodische Ansätze in der Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökologische Forschung in einem unbekannten Gebiet oder in einem neuen Forschungsfeld beginnt häufig statisch mit einer Bestandsaufnahme, bei welcher die interessierenden Lebewesen oder sonstigen ökologischen Parameter erfasst werden und meist zugleich die entsprechende Umwelt charakterisiert wird. Aus dem Vergleich von Befunden mehrerer Areale und Regionen können unter Umständen Muster erkannt werden, beispielsweise wiederkehrende Artengemeinschaften, deren Vertreter offensichtlich ähnliche Ansprüche an die Umwelt stellen oder die aus anderen Gründen vielfach gemeinsam vorkommen. Dieser Ansatz führt zu Klassifikationsstemen der Umwelt, beispielsweise den Vegetationszonen oder den pflanzensoziologischen Einheiten, die vielfach auch für die Charakterisierung von tierischen Biotopen genutzt werden.

Kausalanalytische Fragestellungen ergeben sich in der Ökologie vielfach aus Beobachtungen in Natur- oder Kulturlandschaften oder auch durch intensive Beobachtungen einzelner Individuen oder Populationen in der Natur. Korrelationen zwischen dem Vorkommen oder ihrer Häufigkeit einerseits und abiotischen Umweltfaktoren andererseits können Hinweise auf physiologisch-ökologische Ansprüche (Ressourcenbedürfnisse) von Arten geben. Biotop- und Nahrungsansprüche, räuberische und parasitische Gegenspieler sowie Raum- oder Nahrungskonkurrenten können erkannt oder vermutet werden. Die Art der vermuteten Wechselwirkung kann in Form einer Hypothese formuliert werden, die entweder durch weitere Beobachtungen, beispielsweise in anderen Regionen, oder durch gezielte Experimente im Labor oder im Freiland erhärtet oder falsifiziert wird. Freilandexperimente können beispielsweise so durchgeführt werden, dass bestimmte Organismen am Zutritt zu einer Beobachtungsfläche gehindert werden. So lassen sich durch Abzäunungen Kaninchen und Rehe von einer Wiese fernhalten, im Wasserkörper durch Netzstrukturen die Kleinfische, die ansonsten das Zooplankton fressen würden. Aus dem Systemverhalten der Umwelt, dem in den vorliegenden Fällen jeweils eine wichtige trophische Komponente (vgl. Nahrungskette, Trophieniveau) entzogen wurde, können präzisere Hypothesen über die Wechselwirkung im System entwickelt werden, die gegebenenfalls zur Verfeinerung selber wieder einem neuen Test unterworfen werden.

Das Methodeninventar umfasst einerseits genuin ökologische Methoden (beispielsweise Fang- und Sammelmethoden, statistische Auswertung bestimmter Verteilungsmuster), andererseits auch Methoden aus Nachbardisziplinen, beispielsweise der Bodenkunde, Meteorologie und Klimatologie, der Limnologie und Meereskunde, aber – je nach Fragestellung – auch der Genetik, Evolutionsbiologie oder Ökophysiologie, generell auch stets der Statistik. Angewandte ökologische Forschung benutzt auch Methodeninventar, das in den Gesellschaftswissenschaften, in Ökonomie, Soziologie, Anthropologie und Psychologie entwickelt worden ist.

Spezielle angewandte ökologische Fragestellungen liegen im Natur- und Artenschutz vor, bei der Evaluierung der ökonomischen Bedeutung von Ökosystemen (den Ökosystemdienstleistungen) sowie in der Land- und Forstwirtschaft und der Fischereikunde. Sehr stark angewandt und mit Bedeutung im Umweltschutz ist das ökologische Monitoring, das bestimmte Organismen, Stoffe oder Zustandsgrößen der Umwelt erfasst, kategorisiert und als potenzielle Grundlage für Maßnahmen katalogisiert. Für alle diese Bereiche sind spezielle Verfahren entwickelt worden, die vielfach auch einen direkten Abgleich mit Planungsmaßnahmen und mit juristischen Vorgaben ermöglichen.

Im Rahmen sozial-ökologischer Analysen werden die materiellen und symbolischen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur untersucht sowie der Versuch unternommen, Lösungen für gesellschaftliche Nachhaltigkeitsprobleme zu finden.[8]

Philosophische Implikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahrzehntelang wurde wissenschaftstheoretisch kontrovers diskutiert, ob ökologische Systeme gleichsam als Superorganismen verstanden werden können, die homoeostatischen Stabilisierungen unterliegen. In diesem Zusammenhang wurde auch erörtert, ob (ungestörte) ökologische Systeme überhaupt als in einem Gleichgewicht stehend zu betrachten seien oder nicht. Hierbei wurde über Prinzipien der Organisation und den ontologischen Status von ökologischen Gesellschaften und Ökosystemen debattiert. Gegenüberstellungen waren z. B.:

  • Holismus/Organizismus und Individualismus[9]
  • Realismus und Konstruktivismus bzw. community-unit theory und continuum theory[10]
  • Gleichgewichts- und Ungleichgewichtstheorien[11]

Heute werden ökologische Systeme und auch der Forschungsgegenstand der Ökologie philosophisch eher im Kontext der Ethik diskutiert, was in Zusammenhang mit der Transformierung des Begriffs der Ökologie zusammenhängt (vgl. folgenden Abschnitt).

Popularisierung und Politisierung des „Ökologie“-Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Blue Marble Foto der Apollo 17 - Mission als Symbolbild für das fragile Ökosystem Erde

Bis Ende der 1960er Jahre war der Begriff Ökologie wenig bekannt und galt auch innerhalb der biologischen Wissenschaften als eher randständiger, traditioneller oder gar historischer Ansatz, der in seinem Ansehen deutlich hinter den damals modernen analytischen Labormethoden angesiedelt war. Zur Verbreitung und Popularisierung der ökologischen Betrachtungsweisen und Forschungsansätze trug in den 1960er Jahren die UNESCO wesentlich bei: Durch ihr sogenanntes Internationales Biologisches Programm 1964–1974, bei dem erstmals Ansätze der Großforschung auf die Ökologie übertragen wurden, sowie durch das 1971 angelaufene „Man and Biosphere“-Programm entwickelte sich die Forschung weit über den engen naturwissenschaftlichen Rahmen der Biologie hinaus. In den 1960ern brach zudem das Zeitalter des Umweltschutzes an und der Begriff „Umweltschutz“ etablierte sich im deutschen Sprachraum de facto um 1970. Unter Ökologie und unter „ökologisch“ wurde ab dann zunehmend ein die Ressourcen und die intakte Umwelt schonender, nachhaltiger Umgang mit der Natur und auch eine „naturnahe“ Lebensführung verstanden.

Besonders im US-amerikanischen Raum, später aber auch bei uns wurde Rachel Carson mit ihrer Warnung vor einem „Stummen Frühling“ (ihr Buchtitel von 1962) bekannt. Hieraus entwickelte sich letztlich ein weitgehendes Verbot der Verwendung von DDT und anderen persistenten Umweltgiften. Zum ersten Mal wurden hier ökologische und umweltschützende Belange öffentlichkeitswirksam verbunden. Ökologische Erkenntnisse wurden zunehmend mit den gesellschaftlichen Bereichen in Beziehung gesetzt und teilweise auf diese übertragen. Weitere wichtige Impulsgeber waren die vom Club of Rome herausgegebene Studie Grenzen des Wachstums (1972) und der Bericht an den US-Präsidenten Global 2000 (1980).

Das Konzept einer normativen Auslegung der „Ökologie“ machte sie bald zur „Leitwissenschaft“ einer „Ökologiebewegung“. Indem das Wort Ökologie nun Eingang in die tägliche Umgangssprache fand, veränderte sich sein Bedeutungsinhalt und die ursprünglich wertneutrale Naturwissenschaft wurde als positive Norm und zu erreichendes Ziel besetzt, so dass ökologisch zum Teil gleichbedeutend mit umweltverträglich, sauber, rücksichtsvoll oder auch mit gut und richtig assoziiert wurde und wird. Nahezu parallel setzte sich die Kurzform „Öko“ in Kombination mit Bezeichnungen durch, die mit schadstofffreien und nachhaltigen Wirtschaftsformen in Verbindung zu bringen sind, z. B. Ökobauer, Ökosiedlung, Ökoenergie oder Ökostrom, Ökomode, „ökofair“ (ökologisch angebaut und fair gehandelt). Da die Kurzform öko als positiv besetzt galt, wurde sie vielfach auch gezielt marketingmäßig eingesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Bick: Grundzüge der Ökologie, 3. Auflage, Gustav Fischer, Stuttgart 1998; ISBN 3-437-25910-5.
  • Eugene P. Odum: Fundamentals of ecology. Saunders, Philadelphia 1971.
  • Thomas M. Smith, Robert L. Smith: Ökologie. 6. Auflage, Pearson Studium, München 2009; ISBN 978-3-8273-7313-7
  • M. Begon, W.H. Howarth, C.R. Townsend: Ökologie. Springer Spektrum, 3. Auflage, Berlin 2016; ISBN 978-3662499054
  • Ludwig Trepl: Allgemeine Ökologie, Bd. 1: Organismus und Umwelt. Lang, Frankfurt/M. 2005.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Haeckel: Generelle Morphologie der Organismen. Allgemeine Grundzüge der organischen Formen-Wissenschaft, mechanisch begründet durch die von Charles Darwin reformirte Descendenz-Theorie. Berlin, 1866; Bd. 2, S. 286. (Download in der Biodiversity Heritage Library)
  2. Johann Wolfgang von Goethe: Die Metamorphose der Insekten, besonders der Schmetterlinge, wie auch ihre übrigen Eigenschaften und Ökonomie betreffend, Weimar, 1798
  3. z.B. Robert E. Ricklefs: Ecology: The Economy of Nature. MacMillan Learning, 7th ed., ISBN 978-1-4292-4995-9.
  4. Ludwig Trepl: Allgemeine Ökologie, Bd. 1: Organismus und Umwelt. Frankfurt/M., Lang 2005: 13–23.
  5. Sahotra Sarkar: Ecology. In: Stanford Enzyclopedia of Philosophy, veröffentlicht 23. Dezember 2005.
  6. Bruno Streit, Katrin Böhning-Gaese, Volker Mosbrugger: Biodiversität und Klima: Wandel in vollem Gange! Biol. Unserer Zeit 4/2011: 248–255
  7. Entwicklung, Wesen und Bedeutung der Ökologie. In Hans Joachim Müller (Hg.): Ökologie. 2. Auflage. Gustav Fischer, Jena 1991, S. 15–24, ISBN 3-334-00398-1.
  8. Website des Schwerpunkts Sozial-ökologische Forschung bei Bundesministerium für Bildung und Forschung
  9. R. P. Mcintosh: H. A. Gleason's 'individualistic concept' and theory of animal communities: a continuing controversy. Biological Reviews 1995/60 (2): 317–357; Thomas Kirchhoff: Systemauffassungen und biologische Theorien. Technische Universität München, Freising 2007: 77–116.
  10. R. H. Whittaker: Gradient analysis of vegetation. Biological Reviews 1967/42 (2): 207–264, hier: 209.
  11. Daniel B. Botkin: Discordant harmonies: a new ecology for the twenty-first century. Oxford University Press, Oxford 1990; Klaus Rohde: Nonequilibrium ecology. Cambridge University Press, Cambridge 2005; Josef H. Reichholf: Stabile Ungleichgewichte. Die Ökologie der Zukunft. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2008.

Weiterführende Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Hampicke: Ökologie und Umweltideologie. In: H. Immler (Hg.): Materialien zur Sozialökologie. Kassel 1979: 34–49.
  • Kurt Jax: Die Einheiten der Ökologie. Analyse, Methodenentwicklung und Anwendung in Ökologie und Naturschutz. Lang, Frankfurt/M. 2002.
  • Thomas Kirchhoff: Systemauffassungen und biologische Theorien. Technische Universität München, Freising 2007, ISBN 978-3-931472-15-3. Auch online verfügbar.
  • R. M. May: Theoretische Ökologie. Weinheim, Verlag Chemie 1980.
  • Wolfgang Nentwig, S. Bacher, R. Brandl: Ökologie kompakt. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1876-0
  • Eugene P. Odum: Ökologie. Grundlagen – Standorte – Anwendungen. Thieme, Stuttgart 1998, ISBN 3-13-382303-5
  • Matthias Schäfer: Wörterbuch der Ökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2003, ISBN 3-8274-0167-4
  • Fritz Schwerdtfeger: Ökologie der Tiere. Ein Lehr- und Handbuch in 3 Teilen. Parey, Hamburg/Berlin 1975–1979
    • Band 1: Autökologie. Die Beziehungen zwischen Tier und Umwelt. 2. Auflage, 1977, ISBN 3-490-07418-1
    • Band 2: Demökologie. Struktur und Dynamik tierischer Populationen. 2. Auflage, 1979, ISBN 3-490-07518-8
    • Band 3: Synökologie. Struktur, Funktion und Produktivität mehrartiger Tiergemeinschaften. 1975, ISBN 3-490-07318-5
  • Angela Weil: Das Modell „Organismus“ in der Ökologie. Möglichkeiten und Grenzen der Beschreibung synökologischer Einheiten. Lang, Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-631-53676-3
  • Bruno Streit: Ökologie. Ein Kurzlehrbuch, G. Thieme, Stuttgart 1980
  • Christian Wissel: Theoretische Ökologie. Springer, Berlin 1998, ISBN 978-3-540-50848-9
  • Rüdiger Wittig, Bruno Streit: Ökologie. Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8252-2542-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Ökologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Ecology – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Portal: Ökologie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Ökologie