Bahnstrecke Kißlegg–Hergatz

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Kißlegg–Hergatz
Bahnhof Wangen (Allgäu)
Bahnhof Wangen (Allgäu)
Streckennummer (DB):4560
Kursbuchstrecke (DB):753 / 971
316 d (1944)
Streckenlänge:18,590 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Minimaler Radius:293 m
Höchstgeschwindigkeit:100 km/h
Zugbeeinflussung:PZB
Strecke – geradeaus
von Isny
Bahnhof, Station
0,000 Kißlegg 651 m
   
nach Herbertingen
   
5,200 Sommersried
   
8,330 Untere Argen
   
9,000 Ratzenried 612 m
Bahnhof, Station
13,307 Wangen (Allgäu) 570 m
   
14,406 Obere Argen
   
von Buchloe
Bahnhof, Station
18,590 Hergatz 555 m
Strecke – geradeaus
nach Lindau

Quellen: [1][2][3]

Die Bahnstrecke Kißlegg–Hergatz ist eine 18,6 Kilometer lange normalspurige Hauptbahn im Allgäu und Teil der Ausbaustrecke München–Lindau.

Die Bahnstrecke führt von Kißlegg über Wangen im Allgäu nach Hergatz und verbindet damit die Bahnstrecke Herbertingen–Isny mit der Bahnstrecke Buchloe–Lindau. Betrieben wird sie von der Deutschen Bahn, die Strecke ist seit 2020 elektrifiziert[4] und durchgehend eingleisig. Sie ist Teil der Kursbuchstrecke 753 von Aulendorf nach Hergatz, die alternativ auch als Württemberg-Allgäu-Bahn bezeichnet wird, und der Kursbuchstrecke 971 von Augsburg nach Lindau. Die Strecke ist in den Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) integriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Endpunkt der Strecke: Bahnhof Hergatz

Nachdem das bayerische Hergatz bereits 1853 und das württembergische Kißlegg 1870 ihren Eisenbahnanschluss bekommen hatte, blieb die Oberamtsstadt Wangen weiterhin ohne Bahnverbindung. Erst 1876 erreichte die Stadt den Beschluss zum Bau einer 13,3 Kilometer langen Anschlussstrecke von Kißlegg her. Diese konnte am 31. Juli 1880 eröffnet werden. 1887 wurde durch einen Staatsvertrag zwischen beiden Ländern außerdem der Bau des 5,3 Kilometer langen Lückenschlusses bis Hergatz beschlossen, er ging am 15. Juli 1890 in Betrieb. Die neue Verbindung ermöglicht seit ihrer Fertigstellung eine kürzere Verbindung von München nach Lindau als die über Kempten führende Bahnstrecke Buchloe–Lindau (Bayerische Allgäubahn).

Im Rahmen des Ausbaus der Strecke München–Lindau befürchten Anwohner aufgrund einer Prognose des Bundes von siebzehn Güterzügen pro Tag für das Jahr 2025[5] eine Steigerung des Lärms und der Erschütterungen sowie eine Wertminderung ihrer Grundstücke. Güterverkehr ohne Elektrifizierung wird hierbei als unrealistisch erachtet und als Täuschungsversuch „der Bahn“, um die angebliche Lärmsteigerung „kleinzureden“, gesehen,[6][7] DB Netz verweist jedoch auf die Nachteile der Strecke und erwartet demzufolge auch in Zukunft wenig Güterverkehr.[8]

Zum Fahrplanwechsel 2020/21 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen.[9]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durchfahrender Eurocity im Bahnhof Wangen (Allgäu)

Bis 2020 verkehrten drei mit Lokomotiven der Baureihe 218 bespannten Eurocity-Zugpaare München–Memmingen–Lindau–Zürich (–Basel) ohne Halt über die Strecke.

Seit dem 13. Dezember 2020 werden alle EC-Züge München–Zürich, sechs Zugpaare täglich, mit elektrischen Triebzügen der SBB geführt.[4]

Morgens hin und abends zurück verkehrt ein mit Triebwagen der Baureihe 612 gefahrenes RE-Zugpaar Lindau–Hergatz–Kißlegg–Memmingen–Buchloe–München.

Im Nahverkehr besteht tagsüber ein Zweistundentakt der mit Triebwagen der Baureihe 650 (zuvor 628) betriebenen Regionalbahnlinie (Aulendorf–)Kißlegg–Hergatz–Lindau. Zusätzlich verkehren Triebwagen der gleichen Baureihe als Verstärkerzüge zwischen Kißlegg und Wangen, als Anschluss zu den Zügen der Relation Memmingen–Kißlegg–Aulendorf–Sigmaringen.

Zwischen Hergatz und Wangen verkehren vor allem werktags Verstärkerzüge.

Bis 2011 gab es noch die Regionalbahnlinie Augsburg–Buchloe–Memmingen–Kißlegg–Hergatz–Lindau, die mit Triebwagen der Baureihe 642 oder Lokomotiven der Baureihe 218 mit n-Wagen betrieben wurde, wodurch jede Stunde durchgängig ein Zug fuhr. Diese Linie wurde zugunsten von zusätzlichen Zügen zwischen Kißlegg und Aulendorf aufgegeben.

Es findet kein planmäßiger Güterverkehr mehr statt, bei Sperrungen der Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen oder der Arlbergbahn wird sie jedoch als Umleiterstrecke genutzt. Aufgrund der Beschränkung der Achslast auf zwanzig Tonnen[10] war die Nutzbarkeit eingeschränkt; seit April 2020 wird die Standard-Streckenklasse D4 (22,5 Tonnen) jedoch wieder erfüllt.[11] Im Personenverkehr dient die Strecke Kißlegg–Hergatz fallweise als Umleiterstrecke für die Bahnstrecke Buchloe–Lindau.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Scherer: Die württembergische Allgäubahn. Spurkranz-Verlag, Ulm 1981.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnstrecke Kißlegg–Hergatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Infrastrukturregister. geovdbn.deutschebahn.com, DB Netz AG; abgerufen am 10. November 2020.
  2. Projektabschnitt 5 – Darstellung größerer Einzelmaßnahmen. abs48.com, DB Netz AG; abgerufen am 10. November 2020.
  3. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  4. a b Schneller mit der Bahn von Zürich nach München. In: Bahnonline.ch. 13. Dezember 2020, abgerufen am 13. Dezember 2020 (deutsch).
  5. Prognose für 2025 mit Stand Mai 2014 (PDF) abgerufen am 10. August 2016
  6. Bernd Treffler: Verunsicherung bei Lärmschutz und Güterzügen. In: Schwäbische Zeitung, 6. Juli 2016
  7. Bernd Treffler: Stadt Wangen fordert vor allem besseren Lärmschutz. In: Schwäbische Zeitung, 14. Juli 2016
  8. Wenig Güterverkehr auf der ABS 48 München – Lindau – Grenze D/A. Projektseite der DB Netz; abgerufen am 10. August 2016
  9. Aufnahme des elektrischen Zugbetriebs – ABS 48: Ausbaustrecke München-Lindau-Grenze D/A. Abgerufen am 13. Dezember 2020.
  10. Stredax (Memento vom 14. August 2016 im Internet Archive), abgerufen am 10. August 2016
  11. Inbetriebnahmen zum bzw. im Netzfahrplan 2020. (PDF) DB Netz, abgerufen am 21. Januar 2020.