Bahnstrecke Leutkirch–Isny

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Leutkirch–Isny
Streckennummer (DB): 4550
Streckenlänge: 15,927 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 1:125 = 8 
Minimaler Radius: 573 m
Strecke – geradeaus
von Aulendorf
Bahnhof, Station
68,612 Leutkirch (Keilbahnhof) 652 m
   
nach Memmingen
   
69,100 Wangener Straße (B 18)
   
72,060 Rauns (Doppelbrücke mit Flutbrücke)
   
73,680 Eschach (Doppelbrücke mit Feldweg)
   
73,830 Urlau (bis 1935 Haltepunkt)
   
74,020 Ladestelle Urlau (ab 1976)
   
Anst Munitionsanstalt Urlau (1935–1948)
   
75,830 Eschach
   
77,260 Friesenhofen (bis 1976)
   
78,400 Laiblesgraben
   
78,600 Feldweg bei Rimpach
   
80,000 Friesenbach
   
80,830 Aigeltshofen
   
81,600 Rohrdorfer Bach
   
81,830 Bahnwärterposten 79
   
82,400 Feldweg bei Rohrwies
   
82,700 Gemeindestraße nach Ratzenhofen
   
82,830 Untere Argen (34 m)
   
von Kempten
   
84,539 Isny 697 m

Die Bahnstrecke Leutkirch–Isny war eine normalspurige Nebenbahn in Baden-Württemberg. Sie verband von 1874 bis 1976 die beiden Städte im Allgäu. Das Teilstück von Leutkirch nach Urlau war bis 2001 in Betrieb. Die Strecke war zunächst Teil der Württembergischen Allgäubahn, also der Hauptbahn von Herbertingen über Aulendorf und Leutkirch nach Isny (siehe Bahnstrecke Herbertingen–Aulendorf sowie Bahnstrecke Aulendorf–Leutkirch) und wurde 1890 zur Nebenbahn, als die Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen in Betrieb ging.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. September 1872 erhielt Leutkirch Anschluss an die Württembergische Allgäubahn. Sie wurde damals von Kißlegg her kommend nach Leutkirch verlängert, nachdem bereits 1869/70 die Teilstücke Aulendorf–Waldsee und Waldsee–Kißlegg eröffnet wurden. Am 15. August 1874 wurde diese Strecke ein weiteres Mal verlängert, somit erhielt auch die Kleinstadt Isny ihren ersten Eisenbahnanschluss.

Die Strecke Leutkirch–Isny war zunächst ein direkter Bestandteil der Württembergischen Allgäubahn die durchgehend kilometriert war. Der Kilometer 0 befindet sich bis heute in Herbertingen, der Kilometer 68,612 in Leutkirch und der Kilometer 84,539 in Isny. Erst 1898/90 wurde Leutkirch mit der Eröffnung des bayerisch-württembergischen Lückenschlusses zwischen Leutkirch und Memmingen zum Knotenpunkt. Es wurde ein sogenannter Keilbahnhof errichtet. Auch die Eisenbahn passte sich damals an die Hauptverkehrsachse des Württembergischen Allgäus an, welche traditionell in Ost–West-Richtung verläuft. Die hier behandelte Bahnstrecke wurde infolgedessen zur Nebenbahn herabgestuft, die durchgehende Kilometrierung jedoch beibehalten. Mit der am 15. Oktober 1909 erfolgten Eröffnung der Bahnstrecke Kempten–Isny wurde schließlich auch Isny zum Bahnknoten, die neue Verbindung benutzte dabei auf den letzten 600 Metern das von Leutkirch her kommende Gleis. Damit war das Eisenbahnnetz im Württembergischen Allgäu vollständig, weitere Strecken wurden nicht mehr gebaut.

Betrieb in der Anfangszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Jahre war die Bahnstrecke Leutkirch–Isny stets schwach frequentiert. Charakteristisch für die Strecke war das geringe Fahrgastpotential auf den Unterwegsstationen, die alle drei abseits der eigentlichen Siedlungen lagen:

  • der Haltepunkt Urlau lag circa 600 Meter von der Ortsmitte der gleichnamigen Gemeinde entfernt,
  • der Bahnhof Friesenhofen lag circa 1300 Meter von der Ortsmitte der gleichnamigen Gemeinde entfernt,
  • der Haltepunkt Aigeltshofen lag circa 1000 Meter von der Ortsmitte der Gemeinde Rohrdorf entfernt, Aigeltshofen selbst ist nur ein Weiler.

Darüber hinaus lagen aber auch die beiden Endbahnhöfe relativ weit von den jeweiligen Stadtzentren entfernt, das heißt in Isny circa 900 Meter und in Leutkirch circa 700 Meter – jeweils ab dem Marktplatz gemessen. Die Eisenbahn war somit auf den meisten Verbindungen unattraktiv. In jedem Fall musste mindestens einmal, in vielen Fällen auch zweimal je Fahrt ein größerer Fußweg zurückgelegt werden. Wer zum Beispiel aus der Ortsmitte von Friesenhofen zum Marktplatz nach Isny wollte, musste trotz Eisenbahn bei einer Hin- und Rückfahrt insgesamt 4400 Meter Fußweg zurücklegen bei einer Gesamtentfernung von nur etwas mehr als acht Kilometern.

Aufschwung durch den Militärverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst als die Wehrmacht 1935 damit begann, im nahe der Strecke gelegenen Waldgebiet Urlauer Tann die Heeresmunitionsanstalt Urlau zu errichten, gewann die Bahn zumindest im Güterverkehr eine größere Bedeutung. So errichtete man ab Urlau eine insgesamt 2,5 Kilometer lange Anschlussbahn, welche bis in das Gelände der Munitionsanstalt hinein führte. Innerhalb des Sperrgebiets wurden umfangreiche Gleisanlagen angelegt, darunter auch fünf Ringgleise. Zur Durchführung der zahlreichen Rangierfahrten wurde damals außerdem der Haltepunkt Urlau zum Bahnhof aufgewertet. Zwar wurde das Anschlussgleis im Auftrag der französischen Besatzungstruppen schon 1948 wieder demontiert, jedoch nahm die neu gegründete Bundeswehr die Militärtransporte bereits 1961 wieder auf. Jedoch wurde die Munition fortan in Friesenhofen auf Lastkraftwagen umgeladen und von dort auf der Straße ins Munitionsdepot transportiert.

Schrittweise Einstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Juni 1969 wurde mit Beginn des Sommerfahrplans der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt und von Bahnbussen übernommen. Die Einstellung des Güterverkehrs nach Isny – und damit die Stilllegung des Abschnitts Friesenhofen–Isny – erfolgte zum 30. Mai 1976, wiederum zu Beginn des Sommerfahrplans. Lediglich der Abschnitt Leutkirch–Friesenhofen wurde aufgrund des umfangreichen Militärverkehrs zur Munitionsanstalt Urlau weiterhin betrieben. Unmittelbar nach der Verkürzung der Strecke begann die Deutsche Bundesbahn damit, etwas südlich des Bahnhofs Urlau eine Ladestelle für den Militärverkehr zu errichten. Mit deren Inbetriebnahme konnte zum 7. Dezember 1976 auch der Abschnitt Ladestelle Urlau–Friesenhofen stillgelegt und die Munition fortan schon in Urlau umgeladen werden. Die Ladestelle diente vereinzelt auch zivilen Güterkunden. Die Strecke zur Ladestelle Urlau war seit 1976 nur noch ein Nebengleis des Bahnhofs Leutkirch. Dennoch wurde sie noch in den Jahren 1990 bis 1993 noch umfangreich saniert. Sie erhielt damals sowohl einen neuen Oberbau als auch neue Schienen, ferner die von modernen Hauptbahnen bekannten Kilometertafeln welche die alten Kilometersteine ersetzten. Gleichzeitig mit der Ertüchtigung begann in den 1990er Jahren mit Ende des Kalten Krieges der Niedergang des Militärverkehrs. Das Nebengleis wurde zuletzt nur noch selten bedient, am 31. Dezember 2001 erfolgte die Stilllegung und im Sommer 2004 der Rückbau.

Der südliche Endpunkt Isny war hingegen noch bis zum 18. April 1983 über die Kemptener Strecke an das Eisenbahnnetz angeschlossen, sie wurde bis zuletzt sowohl im Güterverkehr als auch im Personenverkehr bedient. Die Verbindung Leutkirch–Isny wird bis heute ersatzweise durch Omnibusse der Linie 7551 der DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee bedient. Bis heute können durchgehende Fahrkarten von jedem Bahnhof Deutschlands zu Zielen an der ehemaligen Strecke Leutkirch–Isny erworben werden.

Relikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schienen wurden im Laufe der Jahre fast vollständig entfernt, zuletzt im Restabschnitt Leutkirch–Urlau, wo das Gleis im Sommer 2004 abgebaut wurde. An drei Stellen sind noch Gleisreste übrig geblieben. So im Bereich der Ladestelle Urlau – wo die Schienen im Asphalt eingelassen sind –, bei einer Feldwegüberfahrt auf Höhe der Ortsmitte von Urlau und bei einer Feldwegüberfahrt beim ehemaligen Bahnwärterposten 79. An zwei Stellen wurde der Bahndamm komplett abgetragen, zum einen beim Weiler Rimpach, um zusätzliche landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen, zum anderen beim Weiler Speckenloch, wo ein Hochwasserrückhaltebecken für die Eschach angelegt wurde. Außerdem wurden die Bahnhofsgelände an beiden Streckenenden überbaut, in Isny bereits in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre mit einem Industriegebiet, in Leutkirch 2006 mit dem Einkaufszentrum „Bahnhofsarkaden“. Es sind jedoch alle Empfangsgebäude sowie der Bahnwärterposten 79 erhalten geblieben, sie werden heute wie folgt genutzt:

  • Leutkirch: in Betrieb, siehe Bahnhof Leutkirch
  • Urlau: Wohnhaus
  • Friesenhofen: Gasthof
  • Aigeltshofen: Wohnhaus
  • Bahnwärterposten 79: Wohnhaus
  • Isny: Videothek

Auch insgesamt fünf Straßenbezeichnungen erinnern noch an die Bahn, dies sind Urlau Bahnhof und Am Bahndamm in Urlau, Friesenhofen Bahnhof und Alte Bahnlinie in Friesenhofen sowie die Bahnhofstraße in Isny.

Radweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem circa 2,7 Kilometer langen Abschnitt der ehemaligen Trasse wurde um 2001 herum ein geschotterter Fuß- und Radweg eingerichtet. Dieser beginnt im Norden beim Weiler Oberhofen, der noch zu Leutkirch gehört, jedoch unmittelbar an der Stadtgrenze zu Isny liegt, und endet beim Bahnwärterposten 79 beim Streckenkilometer 81,83.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile des Kinofilms Wallers letzter Gang von Christian Wagner wurden 1988 auf der Bahnstrecke Leutkirch–Isny gedreht. Im Wesentlichen spielt dieser sich jedoch auf der benachbarten Bahnstrecke Kempten–Isny ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, S. 223–225.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]