Bartstreif-Zaunkönig

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Bartstreif-Zaunkönig
Pheugopedius mystacalis - Whiskered wren; Rubio, Táchira, Venezuela.jpg

Bartstreif-Zaunkönig (Pheugopedius mystacalis)

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Certhioidea
Familie: Zaunkönige (Troglodytidae)
Gattung: Pheugopedius
Art: Bartstreif-Zaunkönig
Wissenschaftlicher Name
Pheugopedius mystacalis
(Sclater, PL, 1860)

Der Bartstreif-Zaunkönig (Pheugopedius mystacalis) ist eine Vogelart aus der Familie der Zaunkönige (Troglodytidae), die in Venezuela, Kolumbien und Ecuador verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bartstreif-Zaunkönig erreicht eine Körperlänge von etwa 16,0 cm bei einem Gewicht von 29,0 g. Er hat einen gräulich weißen Überaugenstreif, der vom Schnabel bis in die Mitte der Ohrdecken reicht. Die matt schwärzlichen Ohrdecken sind weiß gesprenkelt, die Zügel matt schwarz. Unter dem Auge befindet sich eine weißliche Halbmondmarkierung. Der Oberkopf ist gräulich schwarz, der Nacken olivfarben grau, Schultern und Bürzel hell kastanienfarben. Die Handschwingen und die Armschwingen sind schwärzlich grau an den versteckten Innenfahnen und rötlich an den Außenfahnen. Dies verleiht den geschlossenen Flügeln einen rötlich braunen Schimmer. Die Schirmfedern sind schwärzlich grau. Die rötlich braunen Steuerfedern haben matt schwarze Querbinden. Er hat ein schmutzig weißes Kinn und Kehle, einen auffälligen schwarzen Bartstreif, der auf der darüber weiß gesäumt ist. Die graue Brust wird olivegrau am Bauch mit rötlicheren Flanken. Die Augen sind braun, der Oberschnabel schwarz, der Unterschnabel grau bis graubraun und die Beine grau. Beide Geschlechter ähneln sich. Jungtiere sind generell matter in der Färbung, mit weniger Markierungen im Gesicht und der Bartstrich fehlt größtenteils. Die Kehle ist gelbbraun gefärbt und die Augen sind gelblich.[1]

Verhalten und Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenig Daten zur Ernährung des Bartstreif-Zaunkönigs liegen vor. Sein Futter sucht er meist in Paaren in den Straten vom Boden bis zehn bis zwölf Meter über dem Boden. Oft ist er dabei im Helikonien-Dickicht unterwegs.[1]

Lautäußerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Geschlechter singen im Duett und geben dabei eine prächtige Serie von gurgelnden Pfiffen von sich. Vielfach variieren sie diese in ansteigenden und abfallenden Tönen. Seine Laute beinhalten tiefe kehlige bong, bong-Töne.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brutsaison des Bartstreif-Zaunkönigs ist sehr ausgedehnt vom spätem Dezember mit beobachtetem Nestbau bin in den Mai. Das Nest ist eine große Kugel mit einem ca. 20 cm großen Durchmesser und Seiteneingang. Dieses baut er aus Wurzeln und Gras in 0,3 bis 6,5 Meter über dem Boden in gegabelten kleinen Bäumen oder im Farn.[1]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bartstreif-Zaunkönig bevorzugt dichtes Unterholz an den Rändern feuchter Wälder oder regenerierte Lichtungen. Im inneren von ungestörtem Wald kommt er eher nicht vor. Er bewegt sich meist in Höhenlagen von 1200 bis 2400 Metern, gelegentlich bis 2800 Metter und örtlich in Ecuador bis zum Meeresspiegel.[1]

Migration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird vermutet, dass der Bartstreif-Zaunkönig ein Standvogel ist.[1]

Unterarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind sechs Unterarten bekannt.[2]

  • Pheugopedius mystacalis consobrinus (Madarász, 1904)[3] kommt im Nordwesten Venezuelas vor. Die Unterart hat einen schlankeren Schnabel, einen gelbbraun getönen Überaugstreif, einen gelbbraunen Vordernacken und Brust.[1]
  • Pheugopedius mystacalis ruficaudatus (von Berlepsch, 1883)[4] ist im Norden Venezuelas verbreitet. Der Unterart fehlen die Querstreifen an den Steuerfedern. Sie hat im Vergleich zur Nominatform ein eher gelbbraunes Gesicht. Die Säume der Hand- und die Armschwingen sind stark rötlich gefärbt.[1]
  • Pheugopedius mystacalis tachirensis (Phelps & Gilliard, 1941)[5] kommt im Südwesten Venezuelas vor. Die Subspezies ist dunkler als P. m. consobrinus, der Oberkopf ist dunkel olivfarben, die Kehle weiß.[1]
  • Pheugopedius mystacalis saltuensis Bangs, 1910[6] ist im Westen Kolumbiens verbreitet. Die Unterart ähnelt der Nominatform hat aber mehr grau an der Brust, ein deutlicheres Grau am Oberkopf und weniger auffällige Schwanzbinden.[1]
  • Pheugopedius mystacalis yananchae (Meyer de Schauensee, 1951)[7] ist im Südwesten Kolumbiens verbreitet. Die Subspezies unterscheidet sich von der Nominatform durch seinen schiefergrauen Oberkopf.[1]
  • Pheugopedius mystacalis mystacalis (Sclater, PL, 1860)[8] kommt im südlichen Kolumbien und dem westlichen Ecuador vor.
  • Pheugopedius mystacalis macrurus (Allen, JA, 1889)[9] ist im westlichen zentralen Kolumbien verbreitet. Die Unterart hat einen schäbig brauen Schwanz mit Längsstreifen an den Steuerfedern.[1]
  • Pheugopedius mystacalis amaurogaster Chapman, 1914[10] kommt in Zentralkolumbien vor. Die Subspezies ist deutlich dunkler als die Nominatform, mit schiefergrauem Oberkopf und ockergelbbrauner Unterseite.[1]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibung des Bartstreif-Zaunkönigs erfolgte 1860 durch Philip Lutley Sclater unter dem wissenschaftlichen Namen Thryothorus mystacalis. Das Typusexemplar wurde von Louis Fraser bei Pallatanga gesammelt.[8] Bereits 1851 führte Jean Louis Cabanis die für die Wissenschaft neue Gattung Pheugopedius ein.[11][A 1][A 2] Dieser Name leitet sich von »pheugō φευγω« für »meiden, fliehen« und »pedion, pedon πεδιον, πεδον« für »offenes Land, Boden« ab.[11] Der Artname »mystacalis« ist das lateinische Wort für »bärtig« und kann vom griechischen »mystax, mystakos μυσταξ, μυστακος« für »Bart« abgeleitet werden.[12] »Tachirensis« bezieht sich auf den Bundesstaat Táchira[5], »yananchae« auf den Ort Yanancha am Río Guáitara im Departamento de Nariño[7].»Consobrinus« ist das lateinische Wort für »Cousin«.[13] »Ruficaudatus« ist ein lateinisches Wortgebilde aus »rufus« für »rötlich« und »-caudatus, cauda« für »-schwänzig, Schwanz«.[14] »Saltuensis« hat seinen Ursprung in »saltus« für »Lichtung, Waldweide«.[15] »Macrurus« ist ein griechisches Wortgebilde aus »makros μακρος« für »lang« und »-ouros, oura -ουρος, ουρα« für »-schwänzig, Schwanz«[16], »amaurogaster« aus »amauros αμαυρος« für »dunkel« und »gastēr, gastros γαστηρ, γαστρος« für »Bauch«.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joel Asaph Allen: Descriptions of new species of South American birds with remarks on various other little known Species. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. Band 2, Nr. 3, 1889, S. 137–151 (biodiversitylibrary.org).
  • Outram Bangs: New or rare birds from western Colombia. In: Proceedings of The Biological Society of Washington. Band 23, 1910, S. 71–75 (biodiversitylibrary.org).
  • Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch: Descriptions of six new Species of Birds from Southern and Central America. In: The Ibis (= 5). Band 1, Nr. 38, 1883, S. 487–494 (biodiversitylibrary.org).
  • Jean Louis Cabanis: Museum Heineanum Verzeichniss der ornithologischen Sammlung des Oberamtmann Ferdinand Heine auf Gut St. Burchard vor Halberstatdt. Mit kritischen Anmerkungen und Beschreibung der neuen Arten systematisch bearbeitet von Dr. Jean Cabanis, erstem Custos der Königlichen zoologischen Sammlung zu Berlin und Ferdinand Heine, Stud. philos. Band 1. R. Frantz, Halberstadt 1850 (biodiversitylibrary.org – 1850–1851).
  • Frank Michler Chapman: Diagnoses of apparently new Colombian birds. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. Band 33, Nr. 12, 1914, S. 167–192 (digitallibrary.amnh.org [PDF; 2,7 MB]).
  • Edward Clive Dickinson, Leslie K. Overstreet, Robert Jack Dowsett, Murray Duncan Bruce: Priority! The Dating of Scientific Names in Ornithology. Aves Press Limited, Northampton 2012, ISBN 978-0-9568611-1-5.
  • James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  • Donald Eugene Kroodsma, David Brewer in: Josep del Hoyo, Andrew Elliott, Jordi Sargatal, David Andrew Christie, Eduardo de Juana: Whiskered Wren (Pheugopedius mystacalis) in Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona.
  • Gyula Madarász: Neue Vogelarten aus Venezuela. In: Annales historico-naturales Musei nationalis hungarici. Band 2, 1904, S. 115–116 (publication.nhmus.hu [PDF; 381 kB]).
  • William Henry Phelps, Ernest Thomas Gilliard: Seventeen new birds from Venezuela. In: American Museum novitates. Nr. 1153, 26. November 1941, S. 1–17 (englisch, digitallibrary.amnh.org [PDF; 2,7 MB]).
  • Philip Lutley Sclater: List of additional species of birds collected by Mr. Louis Fraser at Pallatanga, Ecuador; with notes and descriptions of new species. In: Proceedings of the Zoological Society of London. Band 28, 1860, S. 63–73 (biodiversitylibrary.org).
  • Rodolphe Meyer de Schauensee: Colombian Zoological Survey. Part VIII. - On Birds from Nariño, Colombia, with description of four new subspecies. In: Notulae Naturae. Nr. 232, 14. Februar 1951, S. 1–6 (books.google.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bartstreif-Zaunkönig (Pheugopedius mystacalis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Donald Eugene Kroodsma u. a.
  2. IOC World Bird List Dapple-throats, sugarbirds, fairy-bluebirds, kinglets, hyliotas, wrens, gnatcatchers
  3. Gyula Madarász (1904), S. 115.
  4. Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1883), S. 491–492.
  5. a b William Henry Phelps u. a. (1941), S. 9.
  6. Outram Bangs (1910), S. 74.
  7. a b Rodolphe Meyer de Schauensee (1951), S. 5.
  8. a b Philip Lutley Sclater (1860), S. 64.
  9. Joel Asaph Allen (1889), S. 137.
  10. Frank Michler Chapman (1914), S. 179.
  11. a b Jean Louis Cabanis, S. 79.
  12. James A. Jobling, S. 264.
  13. James A. Jobling, S. 116.
  14. James A. Jobling, S. 341.
  15. James A. Jobling, S. 346.
  16. James A. Jobling, S. 236.
  17. James A. Jobling, S. 43.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cabanis kategorisierte den Corayazaunkönig (Pheugopedius coraya) in die neue Gattung.
  2. Zur Publikationsgeschichte siehe Edward Clive Dickinson u. a. S. 80–81.