Beechcraft Model 99

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Beechcraft Model 99
Beechcraft Model 99
Typ: Zubringerflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Hersteller:

Beech Aircraft Corporation

Erstflug:

1966

Indienststellung:

1968

Produktionszeit:

1966–1975, 1981–1987

Stückzahl:

239

Die Beechcraft Model 99 ist ein zweimotoriges Zubringerflugzeug der Beech Aircraft Corporation, das mit zwei Turboproptriebwerken ausgestattet ist und von 1966 bis 1987, mit einer Unterbrechung von 1976 bis 1980, gebaut wurde. Sie verfügt nicht über eine Druckkabine.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beech 99 D-IEXB der Nightexpress, Frankfurt 2012

Die Entwicklung der Beech 99 begann 1965. Ziel war es, einen Nachfolger für die veraltete Beechcraft 18 zu finden. Beech verwendete hierbei Strukturelemente der erfolgreichen Queen Air Reihe (Tragflächen) und der King Air-Reihe (Triebwerke) sowie einen neu konstruierten Rumpf.[1]

Im Juli 1966 fand der Erstflug des ersten Prototyps statt. Am 2. Mai 1968 begann die Auslieferung an die Kunden mit einer Maschine an Commuter Airlines.[2] Bis 1986 wurden 239 Beech 99 in verschiedenen Kabinen-Layouts (bis zu 17 Passagiere) gebaut.

Die wenigen 99, die heute noch fliegen, sind meist zu Frachtern oder für Spezialaufgaben umgerüstet.

Modellvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baureihen unterscheiden sich wie folgt:[3]

  • Beech 99: 101 gebaut.
    • 99 Airliner: Zweimotoriges Zubringerflugzeuge, 4.720 kg max. Startgewicht, ausgelegt für zwei Piloten und bis zu 15 Passagiere. Zwei 410 kW (550 shp) Pratt & Whitney Canada PT6A-20 Turboprop-Triebwerken.
    • 99 Executive: Geschäftsreiseversion der 99 Airliner.
  • Beech 99A: 43 gebaut.
    • 99A Airliner: Entspricht der 99 Airliner, aber angetrieben von zwei stärkeren 507 kW (680 shp) Pratt & Whitney PT6A-27 Turboprop-Triebwerken, höheres maximales Startgewicht, größere Reichweite.
  • Beech A99A: 1 gebaut.
    • A99A Airliner: Einzelstück, 99A Airliner ohne Tragflügelmitteltanks.
  • Beech B99: 18 gebaut.
    • B99 Airliner: Verbesserte Version, 4944 kg max. Startgewicht und von zwei 507 kW (680 shp) Pratt & Whitney PT6A-27-Motoren angetrieben. Einige 99 und 99A wurden nachträglich zu dieser Version umgerüstet.
    • B99 Executive: Geschäftsreiseversion der B99 Airliner.
  • Beech C99: 76 gebaut.
    • C99 Airliner (anfangs C99 Commuter): Erstflug am 20. Juni 1980; 5100 kg Max. Startgewicht, Pratt & Whitney PT6A-36-Motoren mit 715 shp Leistung. Verbessertes elektrisches System und Fahrwerk, stärkere Tragflächenholme.

Militärische Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ChileChile Chile
PeruPeru Peru
ThailandThailand Thailand

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Erstflug 1966 bis Februar 2019 kam es mit Beech 99 zu 54 Totalschäden. Bei 29 davon kamen 177 Menschen ums Leben.[4] Beispiele:

  • Am 20. Juni 1969 stürzte eine Beechcraft Model 99 der Cascade Airways (N2550A) unmittelbar nach dem Start vom Pasco-Tri Cities Airport im US-Bundesstaat Washington ab. Als Unfallursachen wurden ein in die Endstellung nach oben vertrimmtes Flettner-Ruder festgestellt, sowie der Umstand, dass der Sitz des Kapitäns nicht arretiert war und beim Start nach hinten in die Endstellung rutschte. Beide Piloten, die einzigen Insassen der Maschine, kamen ums Leben. Es handelte sich um den ersten tödlichen Zwischenfall mit einer Beechcraft Model 99 (siehe auch Flugunfall der Cascade Airways 1969).[5]
  • Am 6. Juli 1969 stürzte eine Beechcraft Model 99 der Air South (Luftfahrzeugkennzeichen N844NS) zehn Kilometer nordwestlich von Monroe (Georgia) ab. Rund elf Minuten nachdem die Maschine ihre Reiseflughöhe von 7.000 ft erreicht hatte, begann die Höhenrudertrimmung damit, das Höhenruder bis zum Anschlag (Full-Nose-Down-Position) zu vertrimmen. Die Kraft beider Piloten reichte trotz der sechs Sekunden später eingeleiteten Abhilfemaßnahmen nicht aus, um die extrem vertrimmte Stellung des Höhenruders mit dem Steuerhorn zu überwinden und die Maschine abzufangen. Infolgedessen ging das Flugzeug in einen Sturzflug über; die daraus resultierende hohe Geschwindigkeit führte dazu, dass beide Tragflächen ihre Belastungsgrenzen überschritten und einige hundert Fuß über Grund abbrachen, bevor das Flugzeug schließlich nahezu senkrecht in den Boden einschlug. Das NTSB konnte die Ursache für das Fehlverhalten der Trimmung nicht ermitteln, schrieb der Konstruktion des gesamten Steuersystems aber eine förderliche Rolle beim Entstehen des Kontrollverlusts zu. Bei diesem Zwischenfall wurden alle 12 Passagiere und die beiden Besatzungsmitglieder getötet (siehe auch Air-South-Flug 168).[6][7]
  • Am 31. März 1974 fing eine Beechcraft Model 99 der Air South (N848NS) während des Rollens auf dem Malcolm-McKinnon-Flughafen von Brunswick (Georgia) aus ungeklärter Ursache Feuer. Die zweiköpfige Besatzung und ihre beiden Passagiere, die sich auf dem Weg nach Atlanta befanden, konnten die Maschine verlassen; das Flugzeug hingegen wurde zerstört und musste abgeschrieben werden.[8]
  • Am 8. Juni 1992 starben drei von sechs Insassen einer Beechcraft C99 der GP Express Airlines (N118GP), als die Maschine bei Anniston, Alabama ins Gelände geflogen wurde (Kontrollierter Flug in den Boden). Die Ermittler führten den Unfall auf den Einsatz einer schlecht ausgebildeten und unerfahrenen Besatzung zurück, die vor der Kollision ein mangelndes Situationsbewusstsein hatte und sich hinsichtlich der Geländebeschaffenheit irrte.[9]
  • Am 28. April 1993 wurde eine Beechcraft C99 der GP Express Airlines (N115GP) während eines Testfluges in den Boden geflogen, wobei die beiden Piloten starben. Es stellte sich heraus, dass die Piloten versucht hatten, mit der Maschine ein verbotenes Kunstflugmanöver zu fliegen, aus dem sie das Flugzeug dann nicht mehr abfangen konnten (siehe auch Flugunfall der GP Express Airlines 1993).[10]

Technische Daten (C99 Commuter)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BE99-b faa.gov.jpg
  • Länge: 13,58 m
  • Spannweite: 13,98 m
  • Höhe: 4,38 m
  • Flügelfläche: 25,98 m²
  • Leergewicht: 2.600 kg
  • Startgewicht: 5.126 kg
  • Besatzung: 2
  • Passagiere: 15
  • Höchstgeschwindigkeit: 496 km/h in 2.440 m Höhe
  • Reisegeschwindigkeit: 462 km/h in 2.440 m Höhe
  • Max. Reichweite: 1.687 km
  • Max. Steigrate: 2.000 ft/min
  • Antrieb: 2× Pratt & Whitney Canada PT6A-36 (680–715 PS)
  • Baujahr: 1983–1986

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A.J. Pelletier: Beech Aircraft and their Predecessors. Putnam, London 1995, ISBN 0-85177-863-1 (englisch).
  • John W.R. Taylor (Hrsg.): Jane's All The World's Aircraft - 1972-73. Sampson Low, Marston & Company Ltd., London 1972, S. 253–255 (englisch).
  • John W.R. Taylor (Hrsg.): Jane's All The World's Aircraft - 1983-84. ane's Publishing Company, London 1983, S. 311–312 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Beechcraft Model 99 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William Green: Flugzeuge der Welt, 1970/71. Werner Classen Verlag, Zürich 1970, S. 30–31.
  2. Pelletier 1995, S. 144.
  3. Pelletier 1995, S. 144–145.
  4. Unfallstatistik Beech 99, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. März 2019.
  5. Kurzunfallbeschreibung N2550A, National Transportation Safety Board. Abgerufen am 17. August 2020
  6. SEA69A0061. National Transportation Safety Board, abgerufen am 18. August 2020 (englisch).
  7. Aircraft Accident Report. (PDF) National Transportation Safety Board, 26. August 1970, abgerufen am 18. August 2020 (englisch).
  8. NTSB Identification: MIA74FKG67. National Transportation Safety Board, abgerufen am 23. August 2020 (englisch).
  9. Aviation Accident Final Report. National Transportation Safety Board, 8. Oktober 1993, abgerufen am 23. August 2020 (englisch).
  10. Aviation Accident Final Report. National Transportation Safety Board, 10. Mai 1994, abgerufen am 23. August 2020 (englisch).
  11. Aviation Accident Final Report. National Transportation Safety Board, 13. August 2001, abgerufen am 23. August 2020 (englisch).
  12. Untersuchungsbericht 4X019-0/99. Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, Februar 2002, abgerufen am 23. August 2020.