Bentley Mulsanne

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Dieser Artikel behandelt die von 1980 bis 1992 hergestellte Limousine Bentley Mulsanne. Zu dem ab 2009 gebauten gleichnamigen Fahrzeug siehe den Artikel Bentley Mulsanne (2009).
Bentley
Bentley Mulsanne (1985)

Bentley Mulsanne (1985)

Mulsanne
Produktionszeitraum: 1980–1992
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Limousine
Motoren: Ottomotoren:
6,75 Liter
(147–180 kW)
Länge: 5270–5370 mm
Breite: 1885 mm
Höhe: 1480 mm
Radstand: 3060–3160 mm
Leergewicht: 2245–2470 kg
Vorgängermodell: Bentley T II
Nachfolgemodell: Bentley Brooklands

Der Bentley Mulsanne war eine von 1980 bis 1992 gebaute Luxuslimousine des britischen Herstellers Bentley, von der im Laufe der Jahre verschiedene Ableitungen angeboten wurden. Er war Nachfolger des Bentley T und Schwestermodell des Rolls-Royce Silver Spirit. Der Mulsanne wurde 1992 vom Bentley Brooklands abgelöst. Ab 1982 war der Mulsanne wahlweise in einer Turboversion erhältlich, die ab 1985 den Namen Bentley Turbo R und später die Bezeichnung Turbo RT trug. Zudem wurde von 1987 bis 1992 der etwas preiswertere Bentley Eight gebaut.

Der Name Mulsanne geht auf die Mulsanne-Gerade der Rennstrecke von Le Mans zurück, wo Bentley in den 1920er-Jahren fünf Mal das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Seit 2009 bietet Bentley wieder eine neue Limousine mit der Bezeichnung Mulsanne an. Sie hat technisch nichts mit dem ab 1980 produzierten Modell zu tun.

Modelle[Bearbeiten]

Mulsanne (1980–1987)[Bearbeiten]

Bentley Mulsanne

Der auf dem Pariser Salon 1980 vorgestellte war der erste neue Bentley seit 1965. Zunächst war er bis auf den markentypischen Kühlergrill und die Embleme mit dem gleichzeitig vorgestellten Rolls-Royce Silver Spirit völlig gleich. Ab dem Modelljahr 1985 unterschieden sich der Mulsanne und der Silver Spirit zusätzlich durch die Gestaltung der Scheinwerfer: Während der Silver Spirit die Breitbandscheinwerfer beibehielt, bekam der Mulsanne vier Rundscheinwerfer.[1]

Angetrieben wurde der Mulsanne von dem bereits aus dem Vorgänger bekannten 6,75 Liter großen Leichtmetall-V8, der anfangs mit zwei SU-Vergasern, ab 1986 dann mit einer Bosch-Einspritzung bestückt war. Das Werk nannte wie schon bei den Vorgängermodellen keine Leistungswerte. Die Kraftübertragung auf die Hinterräder besorgte eine von General Motors zugekaufte Dreigangautomatik. Außer der Normalversion mit einem Radstand von 3060 mm wurde eine Langversion auf einem Radstand von 3160 mm angeboten.

Mulsanne S (1987–1992)[Bearbeiten]

1987 wurde der Basis-Mulsanne durch den Mulsanne S ersetzt, der zwar den Saugmotor behielt, optisch aber sehr stark der Turbo-Ausführung ähnelte und beispielsweise deren Leichtmetallfelgen und Innenausstattung besaß. Auch den S gab es auf kurzem oder auf langem Radstand. Es entstand 909 Exemplare auf dem regulären und 61 auf längerem Radstand.[2]

Eight (1984–1992)[Bearbeiten]

Bentley Eight

1984 wurde der Bentley Eight eingeführt, eine preiswertere und einfacher ausgestattete Version des Mulsanne, die der Marke neue Käuferschichten erschließen sollte. Ziel war es, Käufer anzusprechen, die bislang Fahrzeuge von Mercedes-Benz und Jaguar bevorzugt hatten. Im Hinblick darauf wurde der Eight deutlich günstiger angeboten als der reguläre Mulsanne. Bei seiner Vorstellung 1984 kostete der Eight mit 49.497 £ rund 5.000 £ weniger als das Ausgangsmodell. Damit bewegte sich der Eight in Preisregionen, die auch eine sehr gut ausgestattete Limousine der Mercedes-Benz S-Klasse erreichen konnte.

Der Eight war nur mit kurzem Radstand lieferbar. Äußerlich war er durch einen eigenständigen Kühlergrill erkennbar. Im Gegensatz zum Mulsanne, dessen Kühlergrill senkrechte Streben beinhaltete, trug der Eight einen Drahtgittergrill, der an die sportlichen Bentley-Modelle der Vorkriegszeit erinnern sollte und deutlich preiswerter herzustellen war. Der Preisvorteil des Eight war auf eine deutlich vereinfachte Innenausstattung zurückzuführen. So war das Armaturenbrett einfacher gestaltet. Auf spezielle Maserungen, auf die Rolls-Royce bei den Standardmodellen üblicherweise Wert legte, wurde hier ebenso verzichtet wie auf einen inwändig mit Leder verkleideten Dachhimmel.[3] Ebenso war die Anzahl der serienmäßig möglichen Lackierungen reduziert worden.[4]

Der Eight wurde anfänglich nur in Großbritannien verkauft; ab 1985 stand er auch Kunden auf dem europäischen Kontinent und in den USA zur Verfügung. In Deutschland kostete er bei seiner Einführung 186.846 DM. Damit war er 66.000 DM günstiger als ein Rolls-Royce Silver Spirit. Das Automobil wurde ab 1986 für die Märkte Europa und Mittlerer Osten mit einem Antiblockiersystem ausgestattet.

Bis 1992 wurde der Bentley Eight insgesamt 1736 Mal gebaut.

Modelle mit Turbo-Triebwerken[Bearbeiten]

Neben den mit Saugmotoren ausgestatteten Fahrzeugen bot Bentley ab 1982 eine Reihe sportlicher Ausführungen an, die mit einer aufgeladenen Version des 6,8 Liter großen Triebwerks ausgestattet waren. Diese Fahrzeuge waren konzeptionell eine Antwort auf den Bristol Beaufighter, der seit 1980 von Bristol Cars produziert wurde und mit seiner ungewöhnlichen Zagato-Karosserie als leistungsstarker Zweitürer für sportlich orientierte Selbstfahrer insbesondere auf dem heimischen Markt für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Rolls-Royce hatte zunächst erwogen, das zweitürige, von Pininfarina entworfene Coupé Camargue mit einem Turbomotor auszustatten und unter Bentley in dieser Nische anzubieten. 1980 wurde ein entsprechend ausgerüsteter Prototyp hergestellt und getestet; das Konzept wurde aber, angeblich wegen thermischer Probleme, nicht weiter verfolgt[5]. Stattdessen wurde das Turbotriebwerk im neuen Mulsanne angeboten, der von vornherein für höhere Leistungen konzipiert worden war. Im Einzelnen entstanden folgende Ausführungen:

Bentley Mulsanne Turbo (1982–1985)[Bearbeiten]

Auf dem Genfer Salon im Februar 1982 stellte Bentley den bis 1985 produzierten Mulsanne Turbo mit wesentlich höherer Leistung („50 Prozent mehr als ausreichend“) vor. Hier wurde der Motor über einen Garrett-Turbolader zwangsbeatmet. Angesichts zahlreicher Modifikationen war der Mulsanne Turbo etwa 100 kg schwerer als die Basislimousine. Die Leistungssteigerung wirkte sich daher weniger im Bereich der Höchstgeschwindigkeit als vielmehr bei der Beschleunigung aus: Den Sprint von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) absolvierte der Mulsanne Turbo in 7,0 Sekunden, während der nicht aufgeladene Rolls-Royce Silver Spirit dafür 10,0 Sekunden benötigte.[6]

Vom Mulsanne Turbo entstanden 498 Exemplare auf dem regulären und 18 auf längerem Radstand.

Bentley Turbo R (1985–1998)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bentley Turbo R

Der Turbo R war der Nachfolger des Turbo. Er wies ein verändertes Fahrwerk und erhöhte Leistungen auf.

Bentley Turbo RT (1997/98)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bentley Turbo RT

Der Turbo RT war ein Sondermodell mit nochmals stärkerem Motor.

Sonderaufbauten[Bearbeiten]

Der Londoner Karosseriehersteller Hooper Coachbuilders produzierte in den 1980er-Jahren einige Sonderversionen auf der Basis des Mulsanne. Dazu gehörte der Empress II, ein zweitüriges Fahrzeug mit geneigter Frontpartie und einem Semi-Fließheck, das zum Vierfachen des Preises eines werksmäßigen Mulsanne angeboten wurde und in etwa sechs Exemplaren realisiert wurde.[7] Später wurden auch zweitürige Versionen des Bentley Mulsanne angeboten, bei denen die werksmäßige Karosseriestruktur – abgesehen von den Türen – unverändert war.[8]

Konkurrenten[Bearbeiten]

Stückzahlen[Bearbeiten]

Modell Bauzeit Gesamtstückzahl Kurzer Radstand Langer Radstand Langlimousine
Mulsanne 1980–1987 533 482 49 2
Mulsanne Turbo 1982–1985 516 498 18
Mulsanne S 1987–1992 970 909 61
Eight 1984–1992 1736 1736
Brooklands 1992–1998 n.b. n.b. n.b.
Turbo R 1985–1995 5864 4653 1211
New Turbo R 1995–1998 1366 543 823
Turbo RT 1997–1998 50 50

Literatur[Bearbeiten]

  • Joathan Wood: Rolls-Royce & Bentley. Die Geschichte einer legendären Marke. 1. Auflage 2003 Königswinter (Heel Verlag GmbH) ISBN 3-89880-106-3.
  • Automobil Revue, diverse Katalognummern (Daten und Preise).
  • Clauspeter Becker: Gitter Sport. Test Bentley Eight. In: Auto Motor und Sport, Heft 16/1985, S. 28 ff.
  • House of Lords. Fahrbericht und Kaufberatung zum Rolls-Royce Camargue (mit Hinweis zur Entwicklungsgeschichte des Turbo) in: Motor Klassik, Heft 11/1997, S. 60 ff.
  • Bentley Mulsanne Turbo. What an irresistible Force. Test der Zeitschrift autocar, Ausgabe vom 23. Oktober 1982, S. 32 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auto Katalog, Ausgabe Nr. 29 (1985/86).
  2. K.-J. Roßfeldt: Bentley Mulsanne S (1987-1992). In: Roßfeldt Archives. Abgerufen am 29. November 2013.
  3. Zu den Ausstattungsmerkmalen des Eight im Einzelnen: Auto Motor und Sport, Heft 16/1985, S. 28 ff.
  4. Zum Bentley Eight: Jonathan Wood: Rolls-Royce & Bentley, S. 139 ff.
  5. Zum Ganzen: Motor Klassik 11/1997, S. 62
  6. Testwerte Autocar, Heft vom 23. Oktober 1982.
  7. Auto Katalog Nr. 31 (1987/88), S. 105.
  8. Abbildungen zweitüriger Mulsanne-Modelle von Hooper auf der Internetseite www.bentleyspotting.com (abgerufen am 26. Juli 2011).

Weblinks[Bearbeiten]