Berliner Medizinhistorisches Museum

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Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité (vorher: Pathologisches Museum)
Berliner Medizinhistorisches Museum.JPG
Gebäudeansicht vom Alexanderufer aus (2007)
Daten
Ort Berlin-Mitte
Eröffnung 1899 (Ersteröffnung)
1998 (Wiedereröffnung)
Betreiber Charité
Leitung Thomas Schnalke
Website www.bmm-charite.de
ISIL DE-MUS-817610

Das Berliner Medizinhistorische Museum (BMM) der Charité ist bekannt für seine pathologisch-anatomische Sammlung. Es handelt sich dabei um einen kultur- und medizinhistorisch bedeutsamen Bestand an Feucht- und Trockenpräparaten. Direktor des Museums ist seit 2000 Thomas Schnalke, der außerdem die Professur für Geschichte der Medizin und Medizinische Museologie an der Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin leitet. Es befindet sich auf dem Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 (ehemals: Schumannstraße 20/21).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung des Museums geht auf die Präparatensammlung des Pathologen Rudolf Virchow zurück, der am 27. Juni 1899[1] das Pathologische Museum eröffnete. In großen gläsernen Schauvitrinen auf fünf Etagen mit 2000 m² Ausstellungsfläche waren seine 23.066 Präparate zu sehen, die beinahe alle damals bekannten Erkrankungsformen zeigten.[2]

Bis 1914 war das Museum für interessierte Laien zugänglich. Der Erste Weltkrieg und die wirtschaftlich schwierige Nachkriegszeit beendeten die öffentliche Zugänglichkeit und das Museum fungierte fortan nur noch als Lehr- und Studiensammlung für den medizinischen Unterricht. Die Nachfolger Virchows erweiterten aber die Sammlung kontinuierlich. Das Museum besaß zu Beginn des Zweiten Weltkriegs einen Gesamtbestand von rund 35.000 Präparaten.[3]

Der Zweite Weltkrieg traf das Gebäude und die Sammlung schwer. Lediglich etwa 1.800 Präparate überstanden den Krieg und die Nutzung des Gebäudes als Museum war für längere Zeit nicht mehr möglich.

Erst nach der Wiedervereinigung kamen Überlegungen auf, an gleicher Stelle wieder ein Museum einzurichten. Man entschied sich aber gegen eine Neugründung eines rein pathologischen Museums, sondern strebte stattdessen ein breit gefächertes medizinhistorisches Museum an. Im Jahr 1998 wurde schließlich das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité eröffnet.

Das Museum wurde in den Jahren 2006 und 2007 mit Hilfe von kulturtouristischen Fördermitteln des Landes Berlin aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) von außen (Dach, Fassaden) saniert und erheblich erweitert.

Im Jahr 2011 wurde nach Medienberichten seitens des Charité-Vorstandes aufgrund von Sparzwängen über die Option einer Schließung und Abwicklung des Museums nachgedacht.[4] Inzwischen ist der Fortbestand des Museums als eine Einrichtung der Charité vorerst gesichert.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rundgang durch die 800 m² große neue Dauerausstellung beginnt seit Oktober 2007 mit dem wieder eingerichteten Berliner Anatomischen Theater des 18. Jahrhunderts.[5] Weitere Abteilungen sind das Anatomische Museum, der Seziersaal und die Labore der medizinischen Forschung. Ein Höhepunkt stellt die Präparate-Sammlung dar, die teilweise noch auf Rudolf Virchow zurückgeht und 40 der ursprünglichen 3300 Präparate des Anatomen Johann Gottlieb Walter (1734–1818) beinhaltet. In einem stilisierten Krankensaal kann die Entwicklung der Medizin anhand verschiedener Krankheitsbilder nachvollzogen werden, beginnend im Jahre 1726 (eine schwere Geburt) über die Behandlung von Kriegsverletzungen, die „Eiserne Lunge“ als letzte Rettung bei Kinderlähmung bis zur heutigen Intensivmedizin etwa bei Organtransplantationen. Weitere wichtige Facetten der neuen Ausstellung sind die Geschichte der Charité und die Medizin im Nationalsozialismus.

Auf einer gesonderten Ebene werden Wechselausstellungen angeboten. In allen Räumen des Museums ist das Fotografieren nicht erlaubt.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Thema Hinweise, Erläuterungen
2008 Sex brennt. Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und die Bücherverbrennung Kuratiert von Rainer Herren, gestaltet von Eran Schaerf und Christian Gänshirt, vom 7. Mai bis 14. September 2008[6]
2009 Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf
2009/2010 goldgefüllt und perlengleich – 300 Jahre Zahnheilkunde in Berlin
2010/2011 Charité. 300 Jahre Medizin in Berlin 7. September bis 9. Januar
2010/2011 jenseits des menschen. Interventionen von Reiner Maria Matysik in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
2011/2012 Who cares? Geschichte und Alltag der Krankenpflege
2012 Ilana Halperin. Steine.
Eine Ausstellung mit Werken von Ilana Halperin am Schnittpunkt zwischen Kunst, Medizin und Geologie
in Zusammenarbeit mit der Schering Stiftung
2012/2013 Visite im Depot
2017 Charité - Die Serie Ausstellung anlässlich der Fernsehserie Charité[7]
2016/2018 Hieb & Stich. Dem Verbrechen auf der Spur Katalog[8]
2017/2018 "Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte". Die Charité im Nationalsozialismus und die Gefährdungen der modernen Medizin im Rahmen des Projektes GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Isabel Atzl (Hrsg.): Who cares? Geschichte und Alltag der Krankenpflege. Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-86321-011-3
  • Peter Krietsch, Manfred Dietel: Pathologisch-Anatomisches Cabinet, Vom Virchow-Museum zum Berliner Medizinhistorischen Museum in der Charité. ISBN 3-89412-254-4.
  • Angela Matyssek: Rudolf Virchow, Das Pathologische Museum, Geschichte einer wissenschaftlichen Sammlung um 1900. ISBN 3-7985-1370-8.
  • Petra Lennig, Manfred Dietel: Pathologie-Museum, Charité. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1113–1115.
  • Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Etappen der Medizin rund um Rudolf Virchow. (Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 1, Norddeutschland. S. Hirzel, Stuttgart 2015, S. 19–21, ISBN 978-3-7776-2510-2.
  • Geraldine Saherwala, Thomas Schnalke, Konrad Vanja, Hans-Loachim Veigel (Hrsg.): Zwischen Charité und Reichstag, Rudolf Virchow – Mediziner, Sammler, Politiker. Berliner Medizinhistorisches Museum, ISBN 3-930929-16-3.
  • Thomas Schnalke, Isabel Atzl: Dem Leben auf der Spur im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité. Prestel Verlag, München 2010, ISBN 978-3-7913-5036-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Virchow: Die Eröffnung des Pathologischen Museums der Königl. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin am 27. Juni 1899. Berlin 1899.
  2. Geschichte des Museums: 1. Pathologisches Museum. Berliner Medizinhistorisches Museum; abgerufen am 21. März 2017.
  3. Geschichte des Museums: 3. Das Pathologische Museum im 20. Jahrhundert. Berliner Medizinhistorisches Museum; abgerufen am 21. März 2017.
  4. Charité will Medizinhistorisches Museum aufgeben. Morgenpost.de, 17. August 2011; abgerufen am 21. März 2017.
  5. Nachweisung sämmtlicher Departements. In: C. F. Wegener: Haus- und General-Adreßbuch der Königl. Haupt- und Residenzstadt Berlin, 1822, Teil 2, S. 9. „Anatomisches Theater, an der Charlotten- und Letzten Str. Ecke“.
  6. Christine Lemke über die Ausstellung. textezurkunst.de abgerufen am 29. Mai 2013
  7. Sonderausstellungen: CHARITÉ - Die Serie. Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité; abgerufen am 21. März 2017.
  8. Im Bann des Blutspritzfelds in FAZ vom 15.Oktober 2016, Seite 14

Koordinaten: 52° 31′ 25″ N, 13° 22′ 44″ O