Bernd Pischetsrieder

Bernd Peter Pischetsrieder (* 15. Februar 1948 in München) ist ein deutscher Manager. Er war von 1993 bis 1999 bei BMW und von 2002 bis 2006 bei der Volkswagen AG in Wolfsburg als Vorstandsvorsitzender tätig. Von 2021 bis 2024 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bernd Pischetsrieder studierte von 1968 bis 1972 Maschinenbau an der TU München und trat 1973 seine erste Stelle als Fertigungsplaner bei BMW an. Seine Karriere bei BMW führte ihn 1982 als Produktionschef von BMW Südafrika nach Pretoria. Hier blieb er bis 1987 und kehrte dann in die Konzernzentrale nach München zurück, wo er 1991 in den Vorstand berufen wurde, dessen Vorsitz er 1993 übernahm. Bekannt wurde Pischetsrieder vor allem durch den von ihm 1994 eingefädelten Kauf der britischen Rover Group Holdings Ltd. durch BMW. Die Übernahme brachte jedoch nicht den gewünschten Erfolg,[1] BMW verkaufte im Jahr 2000 die Rover Group (u. a. Rover für einen symbolischen Preis von 10 GBP und Land Rover an Ford). Der Mini erwies sich für BMW als Glücksgriff.
Pischetsrieder musste Anfang 1999 BMW verlassen und wurde CEO von Seat (einem Unternehmen des Volkswagen-Konzerns).
Er war von 2002 bis Ende 2006 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (Nachfolger von Ferdinand Piëch).
Pischetsrieders Nachfolger wurde Martin Winterkorn, bis dato Vorstandsvorsitzende der Volkswagen-Tochter Audi.
Als Hintergrund für die „Kündigung“ wurden persönliche Differenzen zwischen Pischetsrieder und Piëch genannt. Pischetsrieder hatte in seiner Amtszeit zwar den Börsenwert der VW AG um 80 % gesteigert, dabei aber viele Entscheidungen seines Vorgängers Piëch revidiert. Piëch sah dadurch Interessen des Anteilseigners Porsche gefährdet, dessen Miteigentümer er war. Pischetsrieder verlor seinen Posten gegen die Stimme des damaligen Aufsichtsratsmitgliedes und Ministerpräsidenten von Niedersachsen (das 20,00 % der VW-Stammaktien besitzt) Christian Wulff. Winterkorn war ein Vertrauter von Piëch. Pischetsrieder war noch bis 2012 Angestellter der Volkswagen AG.
Im Juni 2012 wurde er Kommanditist bei der Schuttenbach Automobile GmbH & Co. KG. Diese wurde im August 2022 in Mirbach + Schuttenbach Automobile GmbH & Co. KG umfirmiert.[2]
Pischetsrieder war vom 1. Januar 2013 bis zum 30. April 2019 Aufsichtsratsvorsitzender des Rückversicherers Münchener Rück.[3] Nikolaus von Bomhard, 2004 bis 2017 CEO der Münchener Rück, wurde sein Nachfolger.[4]
Er war zeitweise Mitglied des Verwaltungsrats des Wittelsbacher Ausgleichsfonds.[5]
Pischetsrieder war vom 31. März 2021 bis zum 8. Mai 2024 Aufsichtsratsvorsitzender der damaligen Daimler AG (Nachfolger von Manfred Bischoff).[6] Sein Nachfolger ist Martin Brudermüller.
Pischetsrieder ist Mitglied des Board of Trustees der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.[7]
McLaren-F1-Unfall
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juni 1995 überschlug sich der von Bernd Pischetsrieder gelenkte McLaren F1 aus dem BMW-Fuhrpark mehrfach auf einer Landstraße am Chiemsee. Pischetsrieder, seine Frau sowie ein weiterer Insasse wurden leicht verletzt. Die Umstände, die zum Totalschaden des 1,5 Millionen Mark teuren Autos führten, wurden der Öffentlichkeit nie bekannt.[8] Durch das Verschweigen der Hintergründe des Unfalls zog Pischetsrieder massive Kritik auf sich.[9]
Verwandtschaftsverhältnis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alec Issigonis, der Konstrukteur des Mini, war ein Onkel zweiten Grades von Bernd Pischetsrieder.[10]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1997: Ehrendoktor der Technischen Universität München[11]
- 1998: Großes Silbernes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich[12]
- 2004: Bundesverdienstkreuz (I. Klasse)
- 2005: Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich[12]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- BMW Historie – Vorstände ( vom 18. Januar 2013 im Webarchiv archive.today)
- Literatur von und über Bernd Pischetsrieder im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Meldung zum Wechsel der Unternehmensleitung bei VW. In: FAZ
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Interview. In: Der Spiegel 1/1999, S. 74–76.
- ↑ Bernd Pischetsrieder, Breitbrunn am Chiemsee - Manager-Profil | CompanyHouse. Abgerufen am 19. Mai 2025.
- ↑ Aufsichtsrat. In: Webseite der Münchener Rück. 30. April 2014, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 2. November 2014; abgerufen am 7. November 2014.
- ↑ Nikolaus von Bomhard ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender von Munich Re
- ↑ Verwaltungsrat des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. In: Webseite des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Archiviert vom am 27. Oktober 2014; abgerufen am 7. November 2014. (toter Link)
- ↑ Wechsel an der Spitze des Daimler-Aufsichtsrats: Manfred Bischoff übergibt an Bernd Pischetsrieder. Abgerufen am 27. April 2021.
- ↑ [1], abgerufen am 27. September 2025.
- ↑ Millionen-Spielzeug „derbröselt“. BMW. In: Focus Online. 3. Juni 1995, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 29. Dezember 2014; abgerufen am 7. November 2014.
- ↑ Verdächtiges Schweigen. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1995 (online).
- ↑ Bernd Pischetsrieder. In: alumni.tum.de. 9. August 2018, abgerufen am 31. Januar 2022.
Michael Kerler: Porträt: Bernd Pischetsrieder rückt bei Daimler auf: Der Mann für alle Autobauer. In: Augsburger Allgemeine. 10. Dezember 2020, abgerufen am 31. Januar 2022. - ↑ Soziale Verantwortung von Unternehmen in einer globalisierten Welt. Vortrag von Bernd Pischetsrieder. In: Webseite TU München. 29. Juni 2004, abgerufen am 19. November 2014.
- ↑ a b Anfragebeantwortung. (PDF; 6,9 MB) Aufstellung der verliehenen Orden und Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952. Bundeskanzler Österreich, 23. April 2012, abgerufen am 7. November 2014.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pischetsrieder, Bernd |
| ALTERNATIVNAMEN | Pischetsrieder, Bernd Peter (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Manager |
| GEBURTSDATUM | 15. Februar 1948 |
| GEBURTSORT | München |
- Manager (Automobilindustrie)
- Person (BMW)
- Person (Volkswagen)
- Person (Daimler AG)
- Aufsichtsratsvorsitzender (Deutschland)
- Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
- Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
- Ehrendoktor der Technischen Universität München
- Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech)
- Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften
- Absolvent der Technischen Universität München
- Deutscher
- Geboren 1948
- Mann