Bernd Raffelhüschen

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Bernd Raffelhüschen (* 7. Oktober 1957 in Niebüll) ist Professor für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau.

Er studierte ab 1977 Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der FU Berlin und der Universität Aarhus. 1989 promovierte er in Kiel, 1994 erfolgte die Habilitation bei Wolfgang Kitterer. Seit 1995 ist Raffelhüschen Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwissenschaft, an der Universität Freiburg.

Seine Forschungsschwerpunkte sind der demographische Wandel sowie die Systeme der sozialen Sicherung. Er wirbt für eine Ergänzung des umlagefinanzierten Rentensystems durch eine kapitalbasierte Rente.

Nebentätigkeiten Raffelhüschens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tradition der Freiburger Schule stehend, vertritt Raffelhüschen eine liberale Auffassung, auch bezüglich der Reform des deutschen Rentensystems. Die Entwicklung eines Modells führte zur Berufung in die Rürup-Kommission.

Die Nebentätigkeiten Raffelhüschens in der Versicherungswirtschaft haben wiederholt zu Kritik geführt, da er als Wissenschaftler die kapitalgedeckte private Altersvorsorge propagiert. So ist Raffelhüschen Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe sowie der Volksbank Freiburg. Des Weiteren ist er als wissenschaftlicher Berater für die Victoria Versicherung AG in Düsseldorf tätig.

Er ist außerdem Mitglied des Vorstands der Stiftung Marktwirtschaft, wo er seit 2006 regelmäßig die Generationenbilanz herausbringt. Darüber hinaus ist er als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft tätig. Raffelhüschen ist Beiratsmitglied der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen.

Raffelhüschen betätigt sich auch als Vortragsreisender für die private Versicherungswirtschaft, beispielsweise mit 40 Veranstaltungen der Heidelberger MLP AG im Jahre 2004 und weiteren im Jahre 2005.[1]

Seit August 2007 ist Raffelhüschen Mitglied des Kuratoriums der Augustinum Gruppe, welche dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche angehört.

Raffelhüschen ist Mitglied der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft.

Politikberatung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raffelhüschen ist regelmäßig in verschiedenen Beratungsfunktionen für die Politik tätig. Von 2002 bis 2003 war er Mitglied der Rürup-Kommission zur Zukunft der sozialen Sicherungssysteme. Zudem war er für folgende Institutionen beraterisch tätig:

  • Stiftelsen for Samfunds og Naeringslivforskning (SNF), Bergen, Norwegen
  • Europäische Kommission, Generaldirektorat für Wirtschaft und Finanzen, Brüssel, Belgien
  • Finansdepartementet (Finanzministerium), Oslo, Norwegen
  • Sosial- og helsedepartementet (Sozial- und Gesundheitsministerium), Oslo, Norwegen
  • Økonomi- og erhvervsministeriet (Wirtschaftsministerium), Kopenhagen, Dänemark
  • Sozialministerium Baden-Württemberg
  • Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), Bern, Schweiz u. a.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik an Nebentätigkeiten und Sponsoring

Neben der Kritik an Raffelhüschens Nebentätigkeiten für die private Versicherungswirtschaft wird auch die Kofinanzierung seines Institutes kritisch betrachtet. Zu den Sponsoren zählen u. a. die HDI-Gerling Pensionsmanagement AG, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die Süddeutsche Krankenversicherung a.G., die Union Asset Management Holding AG sowie der Verband der Privaten Krankenversicherung e. V.[2].

Lobbyismus-Vorwurf

Als weiterer Kritikpunkt gilt sein mediales Auftreten als unabhängiger Experte, ohne dass er seine berufliche Verknüpfung mit den Versicherungsunternehmen kenntlich macht.[3]

Vorwurf der interessengesteuerten Forschungsarbeit

Gerd Bosbach kritisiert Raffelhüschen als Erfüllungsgehilfen der Arbeitgeber bei ihrem Bemühen, ihre anteiligen Lohnnebenkosten zu senken. Er sei einer der " interessengesteuerte(n) Wissenschaftler ... die mit pseudowissenschaftlichen Studien den ’Renten-GAU‘ prophezeit und die sozialen Sicherungssysteme sturmreif geschossen haben." Zunächst seien die wichtigen einflussreichen Leute bearbeitet worden, also Politiker, Journalisten in der FAZ, im Managermagazin usw. Von dort aus sei die Hiobsbotschaft dann in die Öffentlichkeit geschwemmt worden: Die ganze Gesellschaft sei bedroht, wir würden immer älter, immer teurer, die Gesundheits- und Rentenkosten seien nicht mehr bezahlbar! Wer nicht im Elend landen wolle, müsse privat vorsorgen.[4]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. *Mitteilung der MLP über „Veranstaltungen mit profilierten Wissenschaftlern“
  2. Die Sponsoren des Vereins auf der Website des Forschungszentrums Generationenverträge, abgerufen am 30. Dezember 2011
  3. Eintrag über Bernd Raffelhüschen bei Lobbypedia
  4. http://www.taz.de/!5049986/