Berschad

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Berschad
Бершадь
Wappen von Berschad
Berschad (Ukraine)
Berschad
Berschad
Basisdaten
Oblast: Oblast Winnyzja
Rajon: Rajon Berschad
Höhe: 171 m
Fläche: 7,14 km²
Einwohner: 13.223 (1. Januar 2011)
Bevölkerungsdichte: 1.852 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 24400
Vorwahl: +380 4352
Geographische Lage: 48° 22′ N, 29° 32′ OKoordinaten: 48° 21′ 39″ N, 29° 31′ 40″ O
KOATUU: 520410100
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Mychajlo Koltschenko
Adresse: вул. Радянська 15
24400 м. Бершадь
Website: http://www.bershad.com.ua/
Statistische Informationen
Berschad (Oblast Winnyzja)
Berschad
Berschad
i1

Berschad (ukrainisch und russisch Бершадь; hebräisch und jiddisch ברשד, polnisch Berszad) ist eine Stadt in der Oblast Winnyzja der Ukraine. Sie liegt knapp 124 km südöstlich der Oblasthauptstadt Winnyzja am Fluss Dochna und ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons Berschad.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1459 zum ersten Mal schriftlich erwähnt und gehörte zunächst in der Woiwodschaft Bracław zu Polen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde es zu einem der Zentren chassidischer Tradition und Kultur,[1] die mehr als 200 Jahre alte Synagoge des Schtetls ist die weltweit älteste erhaltene Synagoge in Lehmbauweise.[2] 1795 kam es im Rahmen der dritten Aufteilung Polen-Litauens zum Russischen Reich und wurde verwaltungstechnisch in das Gouvernement Podolien eingegliedert. Die starke jüdische Einwohnerschaft nahm in Friedenszeiten zu, wurde aber wiederholt auch durch eine Reihe von Pogromen blutig reduziert, erstmals im größeren Rahmen während der Massaker des Chmelnyzkyj-Aufstands 1648-1657,[1] und nahm insbesondere Ende des 19. Jahrhunderts auch durch Abwanderung nach Amerika wieder ab.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort durch rumänische und deutsche Truppen besetzt und erhielt den romanisierten Namen Berșad. Das ab Ende Juli 1941 eroberte Gebiet verwalteten die rumänischen Besatzer unter dem Namen Transnistrien. Vor Kriegsausbruch hatte Berschad 4000 bis 5000 jüdische Bewohner. Beim Einmarsch in die Stadt töteten die Angreifer rund 10.000 Ukrainer und Juden. Die verbliebenen Juden wurden in ein am 29. Juli 1941 in einem Stadtteil eingerichtetes Ghetto verbracht. Das Ghetto von Berschad wurde zum größten Lager für Juden in Transnistrien. Es war mit etwa 20.000 aus Bessarabien deportierten Juden gefüllt, die bis zur Ankunft wochenlange Fußmärsche von den bessarabischen Zwischenlagern (etwa Mărculești, Edineț) oder Bahnstationen (Otaci, Rezina, Bender) hinter sich hatten. Das Ghetto bestand aus zwölf engen Gassen eines jüdischen Viertels mit 300 bis 350 heruntergekommenen Lehmhäusern. In jedem Haus lebten etwa 60 Menschen. Im Herbst und Winter breitete sich Typhus im Ghetto von Berschad und in anderen Ghettos der Region aus. Beim Ausbruch der Epidemie lebten in Berschad insgesamt 24.000 bis 25.000 Juden. Davon starben während und durch die Typhusepidemie 16.000 Juden allein in Berschad.[3]

Nach 1944 kam Berschad wieder zur Sowjetunion und bis 1966 hatte der Ort nur den Status einer Siedlung städtischen Typs. Seit der Unabhängigkeit 1991 ist die Stadt ein Teil der heutigen Ukraine.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berschad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag in der Jewish Virtual Library
  2. Berschad - jüdisches Vermächtnis, dreizackreisen.de
  3. Jean Ancel: The History of the Holocaust in Romania. (= The Comprehensive History of the Holocaust). University of Nebraska Press, Lincoln, und Yad Vashem, Jerusalem 2011, S. 402–404.