Bert Neumann

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Bert Neumann (* 9. November 1960 in Magdeburg) ist ein deutscher Künstler, Bühnenbildner und Kostümbildner.

Leben[Bearbeiten]

Neumann wuchs in Ost-Berlin auf und absolvierte 1979 das Abitur. Anschließend arbeitete in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz als Bühnentechniker bevor er im Fotoarchiv der Abteilung Darstellende Kunst in der Akademie der Künste (Ost) zu arbeiten begann. 1980 bis 1985 studierte er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und schloss das Diplom für Bühnen- und Kostümbild mit „sehr gut“ ab. Im Anschluss wurde er für 3 Jahre an ein Theater verpflichtet, wobei im gegenseitigen Einvernehmen der Vertrag nach 2 Spielzeiten aufgehoben wurde.

Durch den Verkauf von selbstgemachten T-Shirts, den er zusammen mit Lenore Blievernicht betrieb, bereiste er die DDR zwischen Leipzig, Dresden, Warnemünde und Wismar.

Seit 1988 arbeitete Neumann als freier Künstler. 1986 und 1988 wurden die mit Lenore Blievernicht gemeinsamen Söhne Leonard Neumann und Silvester Neumann († 2003) geboren. 1989 fand Neumanns erste Ausstellung Werk III Das Schweigen der Sirenen gemeinsam mit dem Maler Volker Mehner in der Galerie „Weißer Elefant“ statt. Ebenfalls ins Jahr 1988 fällt die erste Zusammenarbeit mit Frank Castorf an der Volksbühne in Berlin, sie hält bis heute an. Neumann arbeitete in der Folgezeit u.a. auch mit Regisseuren wie Thomas Langhoff, Leander Haußmann, Peter Konwitschny, Christoph Schlingensief zusammen. 1990 gründete Neumann zusammen mit Lenore Blievernicht und Susanne Schuboth, die nach 2 Jahren in die Niederlande zog, das autonome Grafikbüro „LSD“.[1]

Seit 1992 ist er Chef-Bühnenbildner an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Bert Neumann war der erste Raumkünstler des deutschsprachigen Theaters, der geschlossene Räume und daraus resultierend die Großaufnahme (per Video) in das deutschsprachige Theater brachte. Ebenso neuartig ist seine Raumkonstruktion im Prater, der zweiten Spielstätte der Volksbühne, zu den Rosenkriegen von Shakespeare (1999), in der er das „Globe“ neu interpretierte als „New Globe“. Er erfand den horizontalen Vorhang, auf den die Zuschauer von oben aus den einzelnen Logen des „Globe“ – sich selbst und das Spielgeschehen gleichermaßen beobachtend – hinuntersehen konnten, während der hinweggezogene Teppich wie ein Vorhang agierte und den Blick in die Unterwelt des Kellers freigab oder auch wieder verhüllte.

Für Leander Hausmanns Film Sonnenallee war er der Kostümdesigner.

Seit 2000 arbeitet Neumann kontinuierlich mit dem Autor und Regisseur René Pollesch zusammen, seit 2003 mit Johan Simons.

Die „Rollende Roadschau“ (RRS) der Volksbühne (2000–2007) tourte über Hannover zur EXPO 2000 und weiter nach Berlin, Saő Paulo, Schwedt, Mühlheim und Sofia um die Welt. Neumann erfand mit Hannah Hurtzig diese Form des aus dem Theater in die Vororte der Städte hinausgetragene Schauspiel-Lust. Die 4 Wagen der RRS standen zum letzten Mal im September 2011 in Tokyo.[2] Er arbeitete an der Opéra National de Paris und der De Nederlandse Opera, Amsterdam. Im Wiener Augarten Contemporary fand seine Einzelausstellung Setting of a Drama statt.[3]

2009 wurde Neumann zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste berufen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1998 Kainz-Medaille Österreich
  • 2000 Kritikerpreis der Berliner Zeitung
  • 2001 Bühnenbildner des Jahres, Theater Heute
  • 2002 Bühnenbildner des Jahres, Theater Heute
  • 2003 Bühnenbildner des Jahres, Theater Heute
  • 2003 Nestroy-Theaterpreis für die Beste Ausstattung (Österreich)
  • 2003 Theaterpreis der Stiftung Preußische Seehandlung Berlin

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Link zum LSD
  2. Cinecittà Aperta – Ruhrtriologie Teil 2
  3. Wolfgang Kralicek: Rummelplatz der Emotionen. In: FALTER 23/2010.