Boğaziçi Üniversitesi

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Boğaziçi Üniversitesi
Gründung 1863 als Robert College, 1971 umbenannt in Boğaziçi Üniversitesi
Trägerschaft staatlich
Ort Istanbul, Türkei
Studierende 16.517 (2015/16)[1]
Mitarbeiter 938 (2015/16)[1]
davon Professoren 445 (2015/16)[1]
Website www.boun.edu.tr
Das ehemalige Robert-College-Gebäude auf dem Südcampus

Die Boğaziçi Üniversitesi (deutsch: Bosporus-Universität) ist eine staatliche Universität mit Sitz im europäischen Teil der Stadt Istanbul unweit des Bosporus. Sie gliedert sich in vier Fakultäten (Arts+Sciences, Economics+Admin.Sciences, Education, Engineering), zwei Schulen (Applied Disciplines, Foreign Languages) und sechs Institute. Insgesamt werden 32 Bachelor-, 59 Master- und 33 Promotionsprogramme angeboten. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Räumlich ist die Universität auf sechs Campi verteilt: South, North, Hisar, Uçaksavar, Kilyos-Saritepe und Kandilli.[2]

Die Boğaziçi Üniversitesi ist eine führende Universität in der Türkei und hat Partnerschaften mit vielen renommierten Universitäten weltweit. In den internationalen Rankings QS Topuniversities[3] (2021: Rang 651–700) und THE Times Higher Education[4](2021: Rang 601–800) belegt sie in der Türkei einen (geteilten) 5. Platz. Die begehrtesten Studiengänge sind Elektrotechnik, Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Nur die besten 800 der insgesamt 1,7 Millionen Teilnehmer der jährlichen türkischen Uni-Aufnahmeprüfung (YGS-LYS) werden zur Registrierung für diese Fächer an der Bosporus-Universität zugelassen. Auch in den übrigen Fächern muss man in der Regel zu den besten 1 % der Uni-Aufnahmeprüfung gehören.

Der Ausländeranteil ist für eine türkische Universität hoch: Mit rund 830 ausländischen Studenten aus 95 Ländern entspricht das einem Anteil von ca. 5 %.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Boğaziçi Üniversitesi ging 1971 aus dem 1863 gegründeten Robert College hervor, der ersten US-amerikanischen Hochschule außerhalb der Vereinigten Staaten.[6] Auch nach der Verstaatlichung wurden enge Beziehungen zum akademischen Leben in den USA aufrecht erhalten. Im Zuge der politischen Spannungen zwischen der Türkei und den USA hat dieses Verhältnis jedoch gelitten. So wurden unter anderem im Wintersemester 2017 die Austauschprogramme mit amerikanischen Universitäten ausgesetzt.

Als in Folge des Putschversuchs 2016 im November desselben Jahres Professor Mehmed Özkan von der Regierung zum neuen Rektor ernannt wurde, kam es zu Protesten.[7] Im März 2017 versammelten sich Professoren auf dem Campus der Universität, um gegen staatliche Eingriffe zu protestieren.[8] An der Boğaziçi Üniversitesi wurden zwei Professoren entlassen: Professor Abbas Vali aus dem Sociology Department und Associate Professor Noemi Levy-Aksu aus dem History Department wurden ihrer Posten am 22. Februar 2017 durch den Türkischen Hochschulrat (YÖK) enthoben.[9] Als Hintergrund wird gesehen, dass beide Anfang 2016 eine Petition der Initiative „Akademiker für den Frieden“ unterzeichnet hatten[10], woraufhin es zum Academics-for-Peace-Prozess kam.

Das Kollegium der Boğaziçi Üniversitesi war das erste Universitätskollegium, das Protest gegen die Entlassung von Professoren aus seinen Reihen erhoben hat. In einer Pressemitteilung wurden andere Universitäten zur Nachahmung aufgerufen.[8]

Seit der Ernennung des AKP-nahen Rektors Melih Bulu durch Präsident Erdogan per Dekret am 1. Januar 2021, kommt es zu Protesten, bei denen 16 Studenten festgenommen wurden.[11] Die Zahl der Festgenommenen erhöhte sich in den darauf folgenden Tagen auf 37.[12] Am 1. Februar 2021 sperrte die Polizei den Eingang zum Südcampus und stürmte diesen am selben Abend. Es wurden 159 Menschen festgenommen.[13] Laut Erdogan hatten sich Oppositionelle unter die Studenten gemischt, die in der Vergangenheit „bei ihren Kundgebungen schmutzige Szenarien wie einen Putsch“ gefordert hätten. Er vergleicht die Proteste mit den Gezi-Park-Demonstrationen im Jahr 2013 und stellte Vorwürfe in den Raum, damals habe es Plünderungen und Entwürdigungen von Moscheen gegeben[14].

Bekannte Absolventen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Hochschullehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrendoktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Facts and Figures. In: boun.edu.tr. 2015, abgerufen am 30. September 2017 (englisch).
  2. Boğaziçi University - Facts and Figures. Abgerufen am 19. August 2017.
  3. Bogaziçi Üniversitesi. 16. Juli 2015, abgerufen am 7. Januar 2021 (englisch).
  4. World University Rankings. 25. August 2020, abgerufen am 7. Januar 2021 (englisch).
  5. Boğaziçi University - Facts and Figures. Abgerufen am 19. August 2017.
  6. Turkish university protests continue over Erdoğan-appointed rector. 15. Januar 2021, abgerufen am 18. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  7. Turkey: Teachers protest against Erdogan-appointed university rector. Abgerufen am 18. Januar 2021 (englisch).
  8. a b Boğaziçi University academics protest dismissal of colleagues. In: stockholmcf.org. Stockholm Center for Freedom, 13. März 2017, abgerufen am 21. Januar 2019 (englisch).
  9. Halis Yıldırım: Erdogans Verwüstung der türkischen Universitäten. (academia.edu [abgerufen am 18. Januar 2021]).
  10. Turkey’s Boğaziçi University dismisses academic for first time, bringing total to 7,317. In: turkeypurge.com. 9. Mai 2017, abgerufen am 26. Juni 2020 (englisch).
  11. Streit an Istanbuler Uni: Studenten nach Protest festgenommen. In: tagesschau.de. 5. Januar 2021, abgerufen am 7. Januar 2021.
  12. Boğaziçi students in Kadıköy: 'Release our friends from detention'. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  13. 159 Festnahmen bei Studentenprotesten in der Türkei. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  14. Hilal Köylü: Studentenproteste: Recep Tayyip Erdogans neues altes Feindbild. In: dw.com. 6. Februar 2021, abgerufen am 6. Februar 2021.

Koordinaten: 41° 5′ 1″ N, 29° 3′ 2″ O