Brioni (Modeunternehmen)

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Brioni
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Rechtsform S.r.l.
Gründung 1945
Sitz Penne (Abruzzen)
Leitung Gianluca Flore (seit 2014)
Mitarbeiter 1.260 (2015)
Umsatz 170 Mio. Euro (2011)
Branche Luxusmode
Website www.brioni.com

Brioni ist ein italienischer Luxus-Modeausstatter im Bereich Herrenmode und international für seine handgefertigten Herrenanzüge im obersten Preissegment bekannt. Sitz des Unternehmens, das sich seit 2011 im Besitz von Kering befindet, ist Penne (Abruzzen). Der Umsatz belief sich 2011 auf ca. 170 Mio Euro. Vorstandschef ist seit 2014 der Italiener Gianluca Flore, ein Kering-Manager seit 2008.

Brioni Boutique im Wynn Hotel und Casino, Las Vegas

Kollektion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen Brioni werden hauptsächlich hochwertige Herrenmode und Accessoires vertrieben. Teile der Kollektion werden in Handarbeit gefertigt. Typisch für Brioni ist der figur- und taillenbetonte Schnitt. Für bekannte Persönlichkeiten fertigt das Unternehmen auch Maßanzüge, welche bis zu 40.000 Euro kosten können.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Modehaus wurde 1945 von dem auf der Savile Row ausgebildeten Schneider Nazareno Fonticoli und dem Designer Gaetano Savini in Rom gegründet. Ziel war es, in Handarbeit gefertigte Konfektionsmode, so genannte Prêt-à-Couture (aus Prêt-à-Porter und Haute Couture), im gehobenen Segment für Herren zu etablieren. Mit zehn Schneidern und Näherinnen ging das Unternehmen an den Start. Das erste Ladengeschäft eröffnete in der Via Barberini in Rom, das bis 2014 erhalten blieb.[1] Der Firmenname ist an den Namen der ab Ende des 19. Jahrhunderts als Sommeraufenthaltsort des europäischen Jetsets bekannten Brijuni-Inseln (ital. Brioni) in Kroatien angelehnt. Die erste Brioni-Modenschau fand 1952 im Rahmen der Pitti-Modemesse im Florentiner Palazzo Pitti statt. 1956 wurde in kleinem Rahmen erstmals auch eine Damenmode-Kollektion präsentiert. In den 1950ern wurden die ersten Parfüms für Herren lanciert: Brioni, Brionissimo und Brioni Good Luck (alle eingestellt). 1960 zog das Unternehmen nach Penne um. 1985 etablierte Brioni eine eigene Schneiderschule. Diese Scuola di Alta Sartoria nimmt alle vier Jahre lediglich 16 neue Schüler auf. Anfang der 1990er wurde ein zweites Werk in Montabello eröffnet. In dieser Zeit existierte die sportive Unterlinie Brioni Sport. Das Unternehmen rühmt sich damit, einen handgemachten Anzug in fast 220 Arbeitsschritten innerhalb von 24 Stunden zu fertigen.[2] Ein Brioni-Anzug kostet um die 3500 Euro aufwärts.

Ab 1990 leitete Umberto Angeloni, Ehemann einer Fonticoli-Enkelin und ab 1982 im Betrieb tätig, das Unternehmen Brioni.[3] 2001 lancierte Brioni unter dem Namen Brioni Donna mit dem Designer Fabio Piras eine vollständige Damenmodesparte.[4] Ihm folgten 2005 die Spanierin Cristina Ortiz und 2007 der Italiener Giampiero Arcese. Erster Schneider bei Brioni ist seit 2001 der Italiener Angelo Petrucci [5]. 2002 erhielt das Unternehmen für das hohe Qualitätsniveau und die Kreativität des Unternehmens den European Fashion Diamond Modepreis der Igedo. Das New Yorker Luxury Institute kürte das Unternehmen Ende 2007 zur "prestigeträchtigsten Herrenmodemarke in den USA". Ab 2007 leitete der Savini-Enkel Andrea Perrone das Unternehmen mit zwei Managern. Ab 2009 stand er als CEO alleine an der Spitze von Brioni. Perrone schied 2010 bei Brioni aus und wechselte zu Ferrari. Sein Nachfolger wurde der seit 1997 im Unternehmen tätige Manager Francesco Pesci. Die Brioni-Damenmode, für die noch im Mai 2010 der Designer Alessandro Dell’Acqua angeheuert worden war, wurde im August 2011 aufgegeben. 2009 kam ein kurzlebiger Herrenduft namens Brioni auf den Markt, 2014 folgte eine hochpreisige Neuauflage. 2014 lancierte Brioni eine Schmuck-Kollektion mit Manschettenknöpfen, Krawattenklammern sowie Kragennadeln aus Edelmetallen. Auch Brillen sind von Brioni erhältlich. Ein Onlineshop mit begrenztem Angebot wurde ebenso 2014 ins Leben gerufen. 2014 wurde Gianluca Flore neuer CEO.

Im November 2011 wurde bekannt, dass das Unternehmen an den französischen Konzern Pinault-Printemps-Redoute PPR (heute: Kering) verkauft wird, nachdem Brioni ab 2008 nach einem Investor gesucht hatte.[6] Noch im Jahr 2007 hatte der damalige Firmenchef Perrone verlautbart, dass Brioni ein Familienunternehmen bleibe.[7] In der Presse wurde von einem unbestätigten Übernahmepreis von bis zu 350 Millionen Euro gesprochen.[8] Zu der Zeit beschäftigte das Unternehmen 1800 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 170 Millionen Euro. 2007 waren es noch über 200 Millionen Euro gewesen. 2012 wurde mit dem Briten Brendan Mullane erstmals ein Chef-Designer für die Herrenmode bei Brioni verpflichtet. Zuvor hatte immer ein Designteam die Herren-Kollektionen entworfen. Mullane gab seinen Posten Anfang 2016 auf. Im März 2016 benannte Brioni den Australier Justin O’Shea zum Chefdesigner, der seit 2009 für das Münchner Modeunternehmen MyTheresa gearbeitet hatte.[9]

Ca. 20 % des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen über die eigenen Boutiquen, u. a. auf der Fifth Avenue in New York City, dem Rodeo Drive in Los Angeles, Aspen, Las Vegas, Cannes, Paris, Mailand, St. Moritz, Hongkong, Peking, Dubai, in Deutschland in Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München. 2014 existierten 96 solcher Ladengeschäfte, wovon knapp die Hälfte in Eigenregie betrieben wurden. Auf Regionen bezogen ist Europa der Hauptabsatzmarkt von Brioni. Auf einzelne Länder bezogen sind es die USA, gefolgt von Russland und China.

Bekannt wurde Brioni nicht zuletzt durch seine Kunden, zu denen die internationale High Society gehört[10]. Beginnend mit dem vermögenden europäischen Adel gehören und gehörten u. a. Kirk Douglas, Henry Fonda, Clark Gable, Al Pacino, Anthony Quinn, John Wayne, Donald Trump, Nelson Mandela, Luciano Pavarotti oder George W. Bush zu den Kunden des Unternehmens Brioni. Durch eine Bilderstrecke in dem Gala-Ableger Life & Style im März 1999 mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der im Brioni-Anzug aus Kaschmirwolle mit Cohiba-Zigarre von Peter Lindbergh fotografiert worden war und für diese Zurschaustellung von Luxus kritisiert wurde, erlangte das Unternehmen größere Bekanntheit in Deutschland.[11][12]

Brioni stattete den titelgebenden Helden James Bond, und damit die Schauspieler Pierce Brosnan und Daniel Craig, in den Kinofilmen GoldenEye (1995), Der Morgen stirbt nie (1997), Die Welt ist nicht genug (1999), Stirb an einem anderen Tag (2002) und Casino Royale (2006) aus.[13] Danach ging die Lizenz an Tom Ford. Auch für den Kinofilm The November Man (2014) fungierte Brioni als Ausstatter.

Im März 2016 gab Brioni einen Restrukturierungsplan bekannt, wonach die Produktion von Anzügen auf 32.000 pro Jahr halbiert und demzufolge die Belegschaft an vier Produktionsstätten um ein Drittel reduziert werden solle.[14] Brioni kämpft mit dem Image einer teueren Modemarke für Herren im fortgeschrittenen Alter.[15]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brioni eröffnet in Vial de Babuino in Rom, brioni.com, 4. Dezember 2014
  2. The Art of Tailoring, brioni.com, abgerufen: 8. März 2016
  3. Umberto Angeloni ist der Chef von Brioni, berliner-zeitung.de, 10. Juli 2004
  4. Frauen werden Kanzler, derstandard.at, 12. Oktober 2007
  5. Herrenmode de luxe: Probleme im Anzug, 1. April 2015
  6. Puma-Konzern kauft italienische Modemarke Brioni
  7. Brioni: Maßgeschneiderte Bilanz, manager-magazin.de, 20. Juli 2007
  8. PPR übernimmt Brioni, textilwirtschaft.de, 8. November 2011
  9. People: Justin O'Shea, businessoffashion.com, abgerufen: 26. April 2016
  10. Informationen zu Brioni und bekannter Kunden, Webseite Mens-Fashion, abgerufen August 2010
  11. Der Luxus ist noch lange nicht demokratisiert: Gerhard Schröder und seine Brioni-Anzüge, berliner-zeitung.de, 9. September 2002
  12. Kanzler in Kaschmir, spiegel.de, 29. März 1999
  13. James Bond braucht neue Kleider, stern.de, 14. April 2008
  14. Brioni vor drastischem Stellenabbau, textilwirtschaft.de, 7. März 2016
  15. Wer ist hier der Schönste?, welt.de, 1. April 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brioni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien