Tom Ford (Modedesigner)

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Tom Ford bei den 66. Filmfestspielen von Venedig 2009

Thomas Carlyle „Tom“ Ford (* 27. August 1961 in Austin, Texas) ist ein US-amerikanischer Modedesigner und Filmregisseur.

Karriere[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Ford wurde 1961 in Austin geboren und verbrachte seine Kindheit in Santa Fe, New Mexico. Nach seinem High School Abschluss schrieb er sich mit 17 Jahren zunächst im Simon's Rock College in Great Barrington bei Pittsfield (Massachusetts) ein, brach das Studium jedoch nach einem Semester ab. Ford zog 1979 von Massachusetts nach New York City und begann an der New York University ein Studium der Kunstgeschichte, das er jedoch nach einem Jahr ebenso abbrach. Stattdessen nahm er Modeljobs, hauptsächlich für Fernsehwerbespots – beispielsweise für Prell-Haarwaschmittel,[1] an und zog dafür nach Los Angeles.[2] Zurück in New York nahm Ford ein Architekturstudium an der Parsons School of Design auf. Sein Auslandsjahr absolvierte er 1984/85 an der französischen Zweigstelle der Parsons School of Design in Paris, wo er auch einen Praktikantenplatz bei Chloé erhielt.[3] Für sein letztes Studienjahr in New York belegte er all seine Wahlfächer im Bereich Modedesign, schloss sein Studium 1986 aber dennoch mit einem B.A. in Environmental Design (Kombination aus Architektur und Innenarchitektur) ab.[4] Fords Ziel war es allerdings, Modedesigner zu werden, wie sein großes Vorbild Calvin Klein.

New York[Bearbeiten]

Nach seinem Parsons-Studium bewarb Ford sich mehrmals bei Calvin Klein, wurde aber nicht eingestellt.[5] Er fand schließlich 1986 bei der koreanisch-amerikanischen Designerin Cathy Hardwick eine Anstellung als Design-Assistent, nachdem er sie einen Monat lang jeden Tag angerufen hatte.[6] 1988 stellte Marc Jacobs, damals Kreativdirektor bei Perry Ellis, Ford als Designer für die Zweit- bzw. Jeanslinie Perry Ellis America ein.[7]

Gucci und YSL[Bearbeiten]

1990 wurde Ford von der ehemaligen Bergdorf Goodman Chefeinkäuferin Dawn Mello, seit 1989 Kreativdirektorin bei Gucci in Mailand,[8] als Designer für die Gucci-Damenmode in Italien angeworben. Die Marke Gucci hatte ab den frühen 1980er Jahren ihr Renommée eingebüßt und Mello hatte Mühe gehabt, die damals unlukrative Stelle des Damenmode-Designer bei Gucci zu besetzen.[9] Fords Aufgabe bei Gucci in Mailand bestand darin, das finanziell angeschlagene Label rundum zu erneuern. Ford sichtete die Gucci-Archive und legte unter anderem Klassiker des Modehauses neu auf.

1992 wurde Ford zum Designdirektor ernannt und 1994, als Mello zu Begdorf Goodman zurückkehrte, zum Kreativdirektor. Bis zu Mellos Abschied hatte Ford in ihrem Schatten im Hintergrund gearbeitet. Sein größter Widersacher und Gegner jeglichen Fortschritts im Unternehmen war der Gucci-Erbe und damalige Vorstandsvorsitzende Maurizio Gucci gewesen, der 1993 zurücktrat. Maurizio Gucci hatte das Unternehmen 1988 zu 50 % und 1993 schließlich zu 100 % an Investcorp aus Bahrain verkauft. Der damals neue CEO von Gucci, Domenico de Sole, ein Rechtsanwalt und von 1984 bis 1994 Chef des Gucci-Amerikageschäfts, leitete zusammen mit Ford ab 1994 umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen ein.[10] Fords erste Modenschau als Kreativdirektor im Herbst 1994 erhielt noch mäßige Kritiken. 1995 gelang ihm allerdings der Durchbruch. Für seine Herren-Modenschau im Januar 1995 in Florenz (hüfthohe Samthosen und Lack-Slipper im James Bond Look) und seine Damen-Modenschau im September 1995 in Mailand (Bleistift-Samthosen, bunte Hippie-Kleider, schmale Blusen, vorgeführt von den Supermodels der 1990er)[11] wurde er von der Presse in den höchsten Tönen gelobt. Der Council of Fashion Designers of America ehrte ihn 1995 mit dem International Award für seine Arbeit bei Gucci.

Investcorp brachte Gucci 1995 an die Börse und Ford erhielt einen beachtlichen Aktienanteil, galt gar als Privatperson mit dem größten Gucci-Aktienanteil.[12][13] Durch die konsequente Modernisierung des Unternehmens und eine gewagte Anzeigenkampagne inszeniert vom peruanischen Starfotografen Mario Testino belebte Ford das Unternehmen mit neuem Glanz. Er erweiterte das Gucci-Portfolio um Abendkleidung sowie Sportswear für Damen und Herren und vergrößerte das Accessoires-Segment mit Brillen, Taschen und Heimtextilien. Der Gucci-Umsatz verdoppelte sich unter Ford in den ersten neun Monaten des Jahres 1995 im Vergleich zum Jahr 1994.[14] Zwischen 1995 und 1996 stieg der Umsatz erneut um 90 %. 1998 wurde der Gucci-Firmensitz nach London verlegt und Ford zog in die britische Hauptstadt.

Durch Fords Veränderung des Gucci-Looks in Richtung Glamour betrug der Wert der Luxusmarke, die noch 1993 stark heruntergewirtschaftet war, im Jahr 1999 ungefähr 4,3 Milliarden US-Dollar. 2004 waren es 10 Milliarden Dollar. Tom Ford war ab 1995 zum Stardesigner schlechthin avanciert, da es ihm gelungen war, seine Person mit der Marke Gucci zu ein und demselben zu verschmelzen. Er kreierte unter anderem für Gucci das Parfüm „Envy“ (Damen 1997, Herren 1998). 1998 gab es gar Überlegungen, ob Ford und de Sole das Unternehmen Gucci gemeinsam kaufen sollten.[15]

Nachdem LVMH unter Bernard Arnault 1999 damit begonnen hatte, Gucci-Aktien aufzukaufen, reagierte Domenico de Sole mit Abwehrmaßnahmen auf eine befürchtete Unternehmensübernahme, indem er neue Aktien ausgab, um Arnaults Besitzanteil am Unternehmen zu verwässern, und indem er Arnaults Widersacher François Pinault von PPR (heute Kering) dazu brachte, 40 % der Gucci-Aktien zu erwerben. Letztendlich gewann Pinault die vor Gericht ausgetragene Übernahmeschlacht um Gucci im Jahr 2001. Im Jahr 2000 hatte sich die Gucci-Gruppe bereits die Marke Yves Saint Laurent (YSL) einverleibt. Tom Ford übernahm bei YSL in Paris zusätzlich zu seinem Posten als Gucci-Chefdesigner in Mailand die Rolle des Damen-Prêt-à-porter-Designers. Er sexualisierte die Marken Gucci und YSL, indem er in Werbekampagnen zunehmend nackte oder fast nackte Models zeigte und damit Kontroversen auslöste.[16][17] Zu dem Unternehmensgründer Yves Saint Laurent, der bis 2002 die Haute Couture Sparte bei YSL leitete und sein Lebenswerk durch den Amerikaner gefährdet sah, hatte Ford kein gutes Verhältnis.[18][19] Ford plante zum Teil auch die Werbekampagnen für beide Modehäuser, und das Design der Ladengeschäfte unterstand ihm gleicherweise. Einzig der kommerziell mäßige Erfolg der Marke YSL dämpfte die Karriere Fords. In den frühen 2000er Jahren kam es zwischen Tom Ford und Domenico de Sole auf der einen Seite und dem Management von Gucci- und YSL-Mehrheitseigner PPR zu Uneinigkeiten über die strategische Ausrichtung der Marke Gucci, was zur Folge hatte, dass Ford und de Sole das Unternehmen zum 30. April 2004 verließen.[20][21]

Die Marke Tom Ford[Bearbeiten]

Am 4. November 2003 kündigte Ford an, sein Engagement bei der Gucci-Gruppe zum 30. April 2004 zu beenden[22] und nahm sich eine einjährige Auszeit. Zusammen mit Domenico de Sole als CEO gründete er im April 2005 seine eigene Modemarke Tom Ford International, LLC in New York. Das Unternehmen bot zunächst höchst erfolgreich Sonnenbrillen und Korrektionsfassungen (in Lizenz von Marcolin produziert) sowie Parfüm (Lizenz bei Estée Lauder Companies), jeweils für Damen und Herren, an. Durch die groß angelegten Werbekampagnen der Lizenznehmer wurde die Marke Tom Ford schnell international bekannt. Auch für seine eigene Marke setzte Ford auf provokante Anzeigenwerbung,[23] für die er unter anderem mit Terry Richardson zusammenarbeitete.[24] Im April 2007 eröffnete Ford in Manhattan anlässlich der Lancierung seiner in Zusammenarbeit mit Ermenegildo Zegna produzierten Herrenmode, die sich im obersten Preissegment bewegt, den ersten Tom Ford Flagshipstore. Dort wurde im September 2010 schließlich auch erstmals Damenmode von Tom Ford vorgestellt. Ford präsentiert seine Damenmode-Kollektionen seither bei der London Fashion Week. Ende 2013 sagte Ford für sein Unternehmen einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar voraus.[25][26] Mit Stand 2015 existierten 110 Tom Ford Ladengeschäfte, Outlets und Shops-in-shop in Nordamerika, Europa, Russland, im Nahen Osten und in Asien. In Deutschland betreibt das Unternehmen in München ein Geschäft, in der Schweiz in Zürich und St. Moritz.

Regisseur[Bearbeiten]

2009 legte Ford mit dem Drama A Single Man sein Spielfilmdebüt als Regisseur vor. Der Film mit Colin Firth und Julianne Moore in den Hauptrollen erhielt eine Einladung in den Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig und brachte Firth 2010 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ ein. Ford hatte 2005 seine Produktionsfirma Fade to Black gegründet.

Privates[Bearbeiten]

Seit 1987[27] ist Ford mit seinem Partner, dem 13 Jahre älteren Modejournalisten Richard Buckley, zusammen und seit 2014 mit ihm verheiratet.[28] Buckley, damals Redakteur bei der amerikanischen Modefachzeitschrift Women's Wear Daily, hatte Ford 1986 bei einer Modenschau des amerikanischen Modedesigners David Cameron zum ersten Mal gesehen und ihn über Fords damalige Arbeitgeberin, Cathy Hardwick, kennengelernt.[29]

Am 23. September 2012 wurde Ford zum ersten Mal Vater. In Los Angeles kam sein Sohn Alexander John Buckley Ford zur Welt.[30] [31]

Ford lebt mit seiner Familie abwechselnd in New York, Los Angeles und London.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Tom Ford ist im Besitz zahlreicher Preise, unter anderem wurde er ausgezeichnet mit:

  • CFDA: International Award (für Gucci, 1995), Womenswear (für Gucci, 2001), Accessories (für YSL, 2002), Board of Director's Tribute (2004), Menswear (für Tom Ford, 2008), Lifetime Award (2014)
  • International Designer of the Year – Fashion Editors Club Japan 1996;
  • Menswear and Womenswear Designer of the Year;
  • vier VH-1 Fashion Music Awards und den Fashion's Future Best New Designer prize 1995.
  • Elle Style Icon Award im Jahr 1999
  • GLAAD Vito Russo Award im Jahr 2007[32]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tom Ford – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tom Ford on Family, Fashion and Film, wwd.com, 9. Mai 2012
  2. Frock star, telegraph.co.uk, 9. November 2003
  3. Tom Ford: ‘I’m an equal opportunity objectifier’, theguardian.com 21. März 2015
  4. Tom Ford on Family, Fashion and Film, wwd.com, 9. Mai 2012
  5. Frock star, telegraph.co.uk, 9. November 2003
  6. Finding Fortune: Tom Ford, out.com, 15. April 2014
  7. Marc On... Hiring Tom Ford, vogue.co.uk, 20. Mai 2008
  8. President of Bergdorf Is Leaving for Gucci Job, nytimes.com, 4. Oktober 1989
  9. From Great to Gone: Why FMCG Companies are Losing the Race for Customers, Seite 73 (via Google Books, 2014
  10. Gucci Gains Ground With Revival of Style;Belt-Tightening in the Work Force And Lavish Spending on Marketing, nytimes.com, 14. Dezember 1995
  11. Gucci Spring 1996 Fashion Show (full pt.1), youtube.com, abgerufen: 21. August 2015
  12. The Road To Luxury: The Evolution, Markets and Strategies of Luxury Brand Management, via Google Books, Seite 186, 2015
  13. Gucci Group to Make a Payout Of $1.59 Billion to Shareholders, wsj.com, 29. Mai 2003
  14. Tom Ford Gets Candid About His Years at Gucci, nymag.com, 20. April 2015
  15. Gucci And Goliath, vanityfair.com, Juli 1999
  16. 10 Of The Most Controversial Fashion Adverts, independent.co.uk, abgerufen: 21. August 2015
  17. Naked Male Ads Stir Controversy in Europe, adage.com, 28. Oktober 2008
  18. Design guru reveals Yves Saint-Laurent hate mail, cnn.com, 1. Juni 2011
  19. Tom Ford on his fall out with Yves Saint Laurent, dressing his celebrity friends and making another film, independent.co.uk, 18. Februar 2015
  20. Gucci's De Sole, Ford Will Leave Gucci, Dealing Blow to Pinault, bloomberg.com, 4. November 2003
  21. The Business of Being Tom Ford, Part I, businessoffashion.com, 26. September 2013
  22. Tom Ford says ciao to Gucci, YSL, latimes.com, 5. November 2003
  23. Tom Ford's 20 Sexiest Ad Campaigns of All Time, fashionista.com, 27. August 2014
  24. Fashion v censorship: a history of banned ads, dazeddigital.com, April 2015
  25. The Business of Being Tom Ford, Part I, businessoffashion.com, 26. September 2013
  26. Domenico De Sole Interview: Tom Ford Chairman Gets Down To Business, billionaire.com, 29. April 2014
  27. Lynn Hirschberg, übersetzt von Matthias Fienbork: Tom Ford - Fiat Luxus, Die Weltwoche 7/2002, Originalerscheinung im New York Times Magazine.
  28. Designer Tom Ford heiratet langjährigen Partner, Die Welt vom 9. April 2014
  29. Richard Buckley, Tom Ford’s Husband: 5 Fast Facts You Need to Know, heavy.com, 8. April 2014
  30. Tom Ford: Er ist Vater geworden, bunte.de, 5. Oktober 2012
  31. Tom Ford is a father! Fashion designer, 51, and partner Richard Buckley, 64, announce birth of baby son Alexander, dailymail.co.uk, 5. Oktober 2012
  32. GLAAD: Patti LaBelle, Tom Ford, Kate Clinton Honored at 18th Annual GLAAD Media Awards in New York (Memento vom 11. Juli 2007 im Internet Archive), 27. März 2007, abgerufen am 13. März 2015 (englisch).