Burschenschaft Marchia Bonn

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Burschenschaft Marchia Bonn

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschulort: Bonn
Hochschule/n: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Gründung: 1. November 1854[1][2]
Korporationsverband: verbandsfrei
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Fuchsenfarben:
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: schlagend
Wahlspruch: Fest, treu, wahr! – Freiheit, Ehre, Vaterland!
Website: www.marchia-bonn.de

Die Burschenschaft Marchia Bonn ist eine schlagende und farbentragende Studentenverbindung in Bonn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marchia wurde 1854 von Münsterschen Gymnasialabiturienten[3] als Akademischer Verein Münsterania[4] mit den Farben Blau-Gold-Blau in Bonn gegründet, die ab 1855 öffentlich getragen wurden. Am 29. Mai 1857 wurde sie unter Änderung der Farben in Akademischer Verein Marchia umbenannt. Friedrich Nietzsche hatte die Marchia und einige ihrer Mitglieder näher kennengelernt, wurde dann aber 1864 Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia.[5] Nachdem sich in den ersten Jahren nach ihrer Gründung die Corps des Bonner Senioren-Convents um die Marchia vergeblich bemüht hatten, und sich die Marchia eher progressistisch entwickelte, erklärte sie sich 1865 zur Burschenschaft. Sie wurde 1865[6] Mitglied im Eisenacher Burschenbund und gründete zusammen mit den Bonner Burschenschaften Frankonia und Helvetia den Bonner Deputierten-Convent, der bis 1869 bestand.

Am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahmen 72 Mitglieder der Marchia teil, von denen 6 fielen. Aufgrund des Krieges wurde die Marchia im Wintersemester 1870/71 suspendiert und konnte erst am 20. April 1885[7] wieder aufmachen. Im selben Jahr trat sie dem Allgemeinen Deputierten-Convent bei, der sich 1902 in Deutsche Burschenschaft (DB) umbenannte. Vom Sommersemester 1894 bis zum Sommersemester 1897 war die Marchia wiederum suspendiert.[3] 1902 hatte sie den Vorsitz der DB inne, und weihte am 30. Oktober[8] ihr erstes eigenes Korporationshaus in der Lennéstraße 9 ein. Im Ersten Weltkrieg fielen 21 Mitglieder. Im Wintersemester 1928/29 bezog die Marchia ihr heutiges Haus in der Poppelsdorfer Allee.

Poppelsdorfer Allee mit dem Haus der Marchia im hinteren Bereich

Im Wintersemester 1930/31 bestand die Marchia aus 102 Alten Herren und 86 Mitgliedern der Aktivitas. 1935 wurde die Aktivitas in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (Abk. NSDStB, auch NSD-Studentenbund) überführt und die Marchia aufgelöst bzw. in der Kameradschaft Theodor Körner bis 1945 weitergeführt.

Die Zeit nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1949 wurde die Marchia wiedergegründet, gemeinsam mit der aus Schlesien vertriebenen Breslauer Burschenschaft, unter dem Namen Münsterania. Der gemeinsame Bund war 1950 an der Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft beteiligt.[9] Im Wintersemester 1950/51 spaltete sich die Münsterania in die Alte Breslauer Burschenschaft zu Bonn und die Burschenschaft Marchia. 1955 erfolgte eine Fusion mit der in Düsseldorf gegründeten und später nach Köln verlegten Burschenschaft Marchia Köln.[10]

1974 traten 13 Aktive aus der Marchia aus, da diese auf ihrem Recht auf Wehrdienstverweigerung bestanden, was zu dieser Zeit innerhalb der Deutschen Burschenschaft nicht zulässig war.

Seit 1993 veranstaltet die Marchia einen Maibock-Anstich auf der Poppelsdorfer Allee.[11][12] Ihr 150. Stiftungsfest feierte die Marchia 2004 in der Bad Godesberger Stadthalle.[13]

2007 wurde ein Mitglied aus der Marchia ausgeschlossen, nachdem dieses im Garten der Verbindung ein Holzkreuz angezündet und rechtsextreme Äußerungen getätigt hatte.[14][15] Die Marchia trat im Dezember 2011[16] aus Protest gegen rechtsextreme Tendenzen innerhalb der Deutschen Burschenschaft aus dieser aus[17][18] und war an der Reform der Burschenschaften beteiligt[19], gehört seitdem aber keinem Korporationsverband mehr an.

2014 wurde die Mitgliedschaft in der Burschenschaft Marchia in den Medien thematisiert, da die Mitgliedschaft[20] von Gordian Meyer-Plath als Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen einigen Politikern, insbesondere der Linken und Grünen[21] im Sächsischen Landtag, missfiel.[22][23][24][25]

Couleur und Wahlspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Band der Marchia hat die Farben Dunkelblau-Gold-Rot mit goldener Perkussion, Füchse tragen ein blau-gold-blaues.[26] Als Kopfbedeckung wird eine blaue Tellermütze getragen.[27] Ihr Wahlspruch lautete anfangs Inerst stante unione virebo!, seit 1857 Fest, treu, wahr! sowie ab 1865 gleichzeitig Freiheit, Ehre, Vaterland!

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Andresen (1844–1918), Professor für Romanistik
  • Joseph von Ayx (1838–1909), Landrat und Landtagsabgeordneter
  • Manfred Bonatz (1932–2018), Geodät und Professor für theoretische Geodäsie an der Universität Bonn
  • Ludwig Brefeld (1837–1907), preußischer Beamter und von 1896 bis 1901 Handelsminister
  • Joseph Fluthgraf (1851–1926), Jurist, Bürgermeister von Grünberg in Schlesien und von Wesel am Niederrhein
  • Gustav Frölich (1879–1940), Züchtungsforscher
  • Johannes Gehrts (1855–1921), Maler, Buchillustrator und Kostümbildner
  • Otto Keller (1838–1927), Altphilologe
  • Ernst Kromayer (1862–1933), Dermatologe und Professor an der Halleschen Universität
  • Klaus Petri (1933–2011), Jurist und Politiker, siehe: Petri-Affäre
  • Gordian Meyer-Plath (* 1968), Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen
  • Gottfried Ruegenberg (1845–1909), Mediziner und Abgeordneter der Zentrumspartei im Preußischen Abgeordnetenhaus und im Reichstag
  • Hans Wehberg (1885–1962), Völkerrechtslehrer und Pazifist, Herausgeber der Zeitschrift Die Friedens-Warte
  • Paul Wentzcke (1879–1960), Marchia Köln, Historiker und Honorarprofessor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Direktor des Stadtarchivs und des Historischen Museums in Düsseldorf
  • Georg Wilsdorf (1871–1949), Diplomlandwirt, Tierzuchtdirektor und Fachbuchautor
  • Otto Zangemeister (1836–1902), Landwirt, Mitglied des Deutschen Reichstags (DFP)

Mitgliederverzeichnis:

  • Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934. S. 1013.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Böttger (Hrsg.): Jahrbuch der Deutschen Burschenschaft. 1907. Carl Heymanns Verlag Berlin 1907, S. 230–231.
  • Hans-Georg Balder: Die deutschen Burschenschaften. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 74–75.
  • Günter Ludwig: Burschenschaft Marchia. In: Karl Kromphardt, Herbert Neupert, Michael Rotthoff, Stephan Gerhard Stehli (Hrsg.): Studentenverbindungen und Verbindungsstudenten in Bonn. Haltern 1989, S. 198–200.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paulgerhard Gladen: Gaudeamus igitur, die studentischen Verbindungen einst und jetzt. München 1986, S. 216.
  2. Meyers Konversationslexikon. 5. Auflage, Leipzig 1896, Beilage zum Artikel Studentenverbindungen.
  3. a b Deutscher Universitäts-Kalender. Winter-Semester 1913/14. Leipzig 1913, S. 51.
  4. Dominik Geppert: Kaiser-Kommers und Bismarck-Kult. Bonner Studierende im Kaiserreich, 1871 bis 1914. In: Thomas Becker (Hrsg.): Bonna Perl am grünen Rheine: Studieren in Bonn von 1818 bis zur Gegenwart. (= Bonner Schriften zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Band 5.) Göttingen 2013, S. 87.
  5. Brief Nietzsches an seine Mutter und Schwester vom 24./25. Oktober 1864.
  6. Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände. Band II: Die nichtschlagenden Verbände und Nachträge zu Band I. Würzburg 1985, S. 31.
  7. Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände. Band I: Die schlagenden Verbände. Würzburg 1981, S. 76.
  8. Michael Doeberl, Alfred Bienengräber (Hrsg.): Das akademische Deutschland. Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 667.
  9. Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände. Band I: Die schlagenden Verbände. Würzburg 1981, S. 90.
  10. Zur Geschichte der Burschenschaft Marchia Köln siehe auch: Hans-Georg Balder: Die deutschen Burschenschaften. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 127, 255, 128.
  11. Tanz in den Mai. Nachtrundgang, Maiansingen oder Rockkonzert. In: General-Anzeiger Bonn vom 29. April 2015.
  12. Christoph Meurer: Cartellversammlung der katholischen deutschen Studentenverbindungen in Bonn In: General-Anzeiger Bonn vom 6. Mai 2008.
  13. Ein fünf Tage langes Fest. Marchia wird 150 Jahre alt. In: General-Anzeiger Bonn, 2004.
  14. Felix Helbig: Burschenschaft. Offiziell rechtsextrem. In: Frankfurter Rundschau vom 1. Juni 2012.
  15. Franz Feyder: Alternative für Deutschland. Die Bekanntschaften der Christina Baum. In: Stuttgarter Nachrichten vom 6. Juli 2017.
  16. Sebastian Haak: Burschenschaften und ihre Karriere-Netzwerke. In: Thüringische Landeszeitung vom 16. Juni 2014.
  17. Peter Gelbach im Gespräch mit Manfred Götzke. "Das ist doch politischer Unsinn." Reformorientierter Burschenschaftler wehrt sich gegen nationalistische Tendenzen im Dachverband. Deutschlandfunk vom 15. März 2013.
  18. Manfred Götzke: Rechtsextreme mit Band und Mütze. Der Streit in der deutschen Burschenschaftsszene. Deutschlandfunk vom 23. Mai 2013.
  19. Manfred Götzke: Reform der Burschenschaften. Dachverband Deutsche Burschenschaft in der Kritik. Deutschlandfunk vom 21. März 2013.
  20. Regierung zur Deutschen Burschenschaft: „Vereinzelt“ Kontakt zu Rechtsextremen. In: Der Spiegel, 17. Juni 2014.
  21. Miro Jennerjahn: Der Verfassungsschutzpräsident und seine Burschenschaft. Pressemitteilung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag vom 27. Juni 2014.
  22. Bernhard Honnigfort: Sachsen. Verfassungsschützer und Burschenschaftler: Geht das? In: Badische Zeitung vom 17. Juni 2014.
  23. Karin Schlottmann: Verfassungsschützer in Burschenschaft löst Kontroverse aus. In: Sächsische Zeitung vom 14. Juni 2014.
  24. Andreas Speit: Sächsischer Verfassungsschutzchef. Alter Herr beim Geheimdienst. In: taz vom 13. Juni. 2014.
  25. Andreas Speit: Beißhemmungen? Ach was! In: taz vom 27. Juni. 2014.
  26. Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 24.
  27. Ernst-Günter Glienke: Civis Academicus. Handbuch der deutschen, österreichischen und schweizerischen Korporationen und studentischen Vereinigungen an Universitäten und höheren Schulen. Jahrgang 1996, Lahr 1996, S. 46.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]