Cámara Santa

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Außenansicht

Die Cámara Santa (‚Heilige Kammer‘) wurde als Teil einer Palastanlage unter dem asturianischen König Alfons II. dem Keuschen (783 und 791−842) errichtet. Sie ist heute integriert in die Kathedrale San Salvador von Oviedo, der Hauptstadt der spanischen Region Asturien. 1998 wurde die Cámara Santa zusammen mit San Julián de los Prados und dem Brunnenhaus La Foncalada in Oviedo in die Liste der UNESCO-Kulturdenkmäler aufgenommen. Seitdem gehört die Cámara Santa zu den bereits 1985 eingeschriebenen Monumentos de Oviedo y del Reino de Asturias (Monumente von Oviedo und des Königreiches Asturien) wie Santa María del Naranco, San Miguel de Lillo und Santa Cristina de Lena.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Cámara Santa wurde während der Regierungszeit von Alfons II. an den bereits bestehenden Michaelsturm des Königspalastes angebaut, der neben der 812 geweihten Kirche San Salvador, einem Vorgängerbau der Kathedrale von Oviedo, stand. Vielleicht wurde sie als Palastkapelle gebaut, in der vor allem Reliquien verehrt wurden, vielleicht auch als Aufbewahrungsort für andere kostbare Gegenstände. Die bedeutendsten Reliquien gelangten erst in späterer Zeit nach Oviedo. Die Aufstellung der Arca Santa (‚Heiliger Schrein‘) in der Michaelskapelle ist erst ab 1075 belegt. 1931 wurde die Cámara Santa zum Kulturdenkmal (Monumento Nacional) erklärt. Während der asturianischen Revolution von 1934 wurde sie durch einen Sprengsatz stark beschädigt. 1938−42 wurde sie unter Wiederverwendung des originalen Steinmaterials restauriert.

Krypta Santa Leocadia

Architektur[Bearbeiten]

Das Gebäude ist aus kleineren Hausteinen errichtet, die in regelmäßigen Lagen zusammengefügt sind und ursprünglich verputzt waren. Für die Gebäudeecken und Strebepfeiler wurden Quader verwendet. Der Bau besteht aus zwei übereinanderliegenden, einschiffigen Stockwerken, die keine gemeinsamen Zugänge haben.

Grabplatte

Krypta Santa Leocadia[Bearbeiten]

Das Untergeschoss wird als Krypta der hl. Leocadia bezeichnet. Leocadia erlitt im 4. Jahrhundert in Toledo den Märtyrertod. Ob und wann ihre sterblichen Überreste nach Oviedo gebracht wurden, ist nicht belegt. Unter dem König Alfons III. (866−910) wurden die Gebeine der beiden Märtyrer von Córdoba, Leocritia und Eulogius, die 859 in Córdoba den Märtyrertod erlitten, nach Oviedo überführt und hier bestattet. Der Raum besitzt ein aus Ziegeln errichtetes Tonnengewölbe, das auf einem Sockel am Boden aufliegt. Er ist unterteilt in das Schiff und den Altarraum. Letzterer hat noch seinen originalen Fußboden aus opus signinum bewahrt. Vor dem Altarraum liegen drei Grabplatten aus Kalkstein, die aus der Entstehungszeit des Gebäudes stammen und von denen zwei mit einem Relief aus Pflanzenmotiven verziert sind. An der Nord- und an der Südseite gibt es eine Tür. An der Ostwand öffnet sich ein Fenster, in dessen Steingitter ein griechisches Kreuz zu erkennen ist. Zwei gedrungene Säulen umgeben die Fensteröffnung, unter der sich eine steinerne Ädikula mit einer rechteckigen Nische befindet, in der vielleicht Reliquien aufbewahrt wurden.

Michaelskapelle mit romanischen Skulpturen

Michaelskapelle (Capilla de San Miguel)[Bearbeiten]

Im Obergeschoss befindet sich eine dem Erzengel Michael geweihte Kapelle. Sie wurde im 12. Jahrhundert erhöht und die ursprüngliche Holzdecke durch ein mit Gurtbögen verstärktes Tonnengewölbe ersetzt. Aus dieser Zeit stammen die romanischen Apostelskulpturen. Hier wird der Domschatz mit den Reliquien ausgestellt.

Reliquien[Bearbeiten]

1977 wurden das Engelskreuz, das Siegeskreuz und der Achatschrein gestohlen und weitgehend zerstört. Die wiedergefundenen Überreste wurden 1985 restauriert.

Arca Santa

Heiliger Schrein (Arca Santa)[Bearbeiten]

Die Arca Santa (‚Heiliger Schrein‘) ist ein Reliquienschrein, der nach der Legende aus Jerusalem stammen und über Alexandria nach Toledo und von dort nach Oviedo gelangt sein soll. Er enthält zahlreiche Reliquien wie das Schweißtuch von Oviedo (Santo Sudario de Oviedo), Dornen aus der Dornenkrone Christi und Splitter des Kreuzes.

Engelskreuz

Engelskreuz (Cruz de los Ángeles)[Bearbeiten]

Das Engelskreuz ist ein griechisches Kreuz, dessen Arme sich nach außen verbreitern. Das Kreuz hatte ursprünglich einen hölzernen Kern aus Wildkirsche, der mit Goldblech verkleidet und mit 48 Schmucksteinen auf der Vorderseite − wie Saphir, Amethyst, Rubin, Achat, Opal − und fünf auf der Rückseite besetzt war und von denen einige aus römischer Zeit stammen. Ein römisches Kameo mit der Darstellung einer jungen Frau ist heute nur noch als Kopie erhalten. Der Name Engelskreuz geht auf eine Legende zurück, nach der die Goldschmiede, die das Kreuz hergestellt hatten, Engel waren, wie eine Chronik aus dem 12. Jahrhundert berichtet.

Eine Inschrift auf der Rückseite nennt das Jahr 846 der spanischen Ära, die dem Jahr 808 unserer Zeitrechnung entspricht, in dem Alfons II. das Kreuz stiftete. Die Inschrift enthält auch die Androhung, dass jeden, der das Kreuz von dem Ort entfernen sollte, den der König bestimmt hatte, der göttliche Blitzschlag treffen solle. Die Inschrift endet mit den Worten: „Unter diesem Zeichen wird der Fromme beschützt. Unter diesem Zeichen wird der Feind besiegt“. Diese Formel wird als Anspielung auf den Kaiser Konstantin dem Großen gedeutet, der im Jahr 312 unter dem Zeichen des Kreuzes seinen heidnischen Gegner Maxentius besiegt hatte. Sie ist auch im Zusammenhang zu sehen mit der maurischen Eroberung Spaniens und der christlichen Reconquista.

Siegeskreuz

Siegeskreuz (Cruz de la Victoria)[Bearbeiten]

Das Siegeskreuz wurde von Alfons III. in Auftrag gegeben und im Jahr 908, hundert Jahre nach der Stiftung des Engelskreuzes durch Alfons II., der Kathedrale von Oviedo geschenkt. Auch hier werden Entstehungsjahr, Drohung mit göttlichem Blitzschlag bei Entwendung und Schutz- und Siegesformel in einer auf der Rückseite aufgelöteten Inschrift festgehalten. Das Siegeskreuz ist ein lateinisches Kreuz mit Eichenholzkern und Goldblechverkleidung, dessen Arme in je drei Halbkreisen enden, an die wiederum drei kleine, mit Edelsteinen besetzte Scheiben angefügt sind. Im Schnittpunkt der beiden Kreuzarme befindet sich eine Aushöhlung, die für die Unterbringung einer Reliquie vorgesehen war. Das Siegeskreuz ist doppelt so hoch und dreimal so schwer wie das Engelskreuz und mit Edelsteinen, Perlen, Emailplättchen und geperltem Golddraht noch reicher ausgestattet. Sein Name geht auf den Glauben zurück, dass sein Holzkern das Kreuz gewesen sei, mit dem die christliche Reconquista in der Schlacht von Covadonga unter ihrem Führer Pelayo ihren ersten Sieg über die Mauren errungen hatte. Deshalb wird es auch als Cruz de Pelayo (‚Pelayo-Kreuz‘) bezeichnet.

Achatschrein

Achatschrein (Caja de la Ágatas)[Bearbeiten]

Dieser Schrein ist eine 42 cm lange und 27 cm breite, mit Gold- und Silberblech verkleidete Kassette aus Zedernholz. Sie weist 99 Aussparungen auf, die mit Achatscheiben ausgelegt sind. 225 Edelsteine oder Halbedelsteine und Korallen verzieren das Gehäuse. Auf der Unterseite befindet sich eine Inschrift mit ähnlichem Wortlaut wie auf den beiden Kreuzen und als Entstehungsdatum das Jahr 910. Achatschrein

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cámara Santa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Achim Arbeiter, Sabine Noack-Haley: Christliche Denkmäler des frühen Mittelalters vom 8. bis ins 11. Jahrhundert. Mainz 1999, S. 110−114, 132−135, 180−183, 185−187, ISBN 3-8053-2312-3.
  • Lorenzo Arias Páramo: Guía del Arte Prerrománico Asturiano. 2. Auflage, Gijón 1999, S. 34−35, 40−43, 93−98, ISBN 84-95178-20-6.
  • Jaime Cobreros: Guía del Prerrománico en España. Madrid 2006, S. 93−95, ISBN 84-9776-215-0.
  • Jacques Fontaine: L’Art Préroman Hispanique. Bd. 1, La Pierre-qui-Vire (Zodiaque) 2. Auflage 1973.

43.362222222222-5.8428805555556Koordinaten: 43° 21′ 44″ N, 5° 50′ 34″ W