Caprolactam

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Strukturformel
Strukturformel von Caprolactam
Allgemeines
Name Caprolactam
Andere Namen
  • Hexahydro-2H-azepin-2-on
  • ε-Caprolactam
Summenformel C6H11NO
Kurzbeschreibung

weiße Schuppen[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 105-60-2
EG-Nummer 203-313-2
ECHA-InfoCard 100.003.013
PubChem 7768
Wikidata Q409397
Eigenschaften
Molare Masse 113,16 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,02 g·cm−3 (75 °C)[1]

Schmelzpunkt

70 °C[1]

Siedepunkt

270 °C[1]

Löslichkeit

gut in Wasser (4650 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[2] ggf. erweitert[1]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​332​‐​315​‐​319​‐​335
P: 302+352​‐​304+340​‐​305+351+338 [1]
MAK

DFG/Schweiz: 5 mg·m−3 (gemessen als einatembarer Staub/Aerosolanteil)[1][3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Caprolactam, genauer ε-Caprolactam, ist ein wirtschaftlich bedeutsames Lactam, dass jährlich im Megatonnen-Maßstab produziert wird. Es dient als Ausgangsstoff für die Herstellung von Polyamid 6 (Perlon).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Mal wurde Caprolactam 1899 von Siegmund Gabriel und Theodor A. Maass durch die Cyclisierung von ε-Aminocapronsäure hergestellt.[4] Ein Jahr Später[5] entdeckte der spätere Nobelpreisträger Otto Wallach die bis heute wichtigste Synthese über die Beckmann-Umlagerung von Cyclohexanonoxim. Ein wirtschaftlicher Durchbruch ergab sich durch die Entdeckung der Reaktion von Caprolactam zu Polycaprolactam durch Paul Schlack (I.G. Farben) im Jahr 1938. Im Jahr 2016 lag die Produktionsmenge von Caprolactam näherungsweise bei 5,5 Millionen Tonnen.

Herstellung von Caprolactam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Caprolactam sind zahlreiche verschiedene Herstellungsrouten bekannt. Alle kommerziellen Herstellungsprozesse laufen aktuell auf Basis von Benzol aus BTEX und benutzen die Beckmann-Umlagerung. Dabei fallen enorme Mengen an Ammoniumsulfat als Rest an – 40 bis 50 % des global hergestellten Ammoniumsulfats entsteht bei der Herstellung von Caprolactam. Die Prozesse lassen sich in zwei Gruppen unterteilen.

Herstellung über Cyclohexanon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast alle kommerziellen Herstellungsprozesse verlaufen über Cyclohexanon als Zwischenstufe – 98 % des Caprolactams werden so hergestellt. Alle davon lassen sich grob in drei Schritte einteilen:

Herstellung von Caprolactam aus Cyclohexanon

Für die Herstellung von Cyclohexanon aus Benzol gibt es verschiedene Reaktionswege, die praktiziert werden. Beispielsweise kann Benzol zunächst katalytisch hydriert und anschließend oxidiert werden.

Für die Herstellung des Hydroxylamins im zweiten Prozessschritt werden klassischerweise Varianten des Raschig-Prozesses benutzt. Da hier allerdings große Mengen des Abfallprodukts Ammoniumsulfat anfallen (bis zu 2,7 Tonnen pro Tonne Oxim), haben sich auch andere atomökonomischere Methoden entwickelt.

Auch beim dritten Prozessschritt entsteht Ammoniumsulfat als Abfallprozess, sodass die Gesamtmenge an Nebenprodukten bei 2 bis 4,5 Tonnen pro Tonne Caprolactam liegt. Dieser Reaktionsschritt ist stark exotherm, die Reaktionswärme liegt bei −105,1 kJ·mol−1.[6] Daher muss kontinuierlich gekühlt werden.

Photooximierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Herstellung kommt ohne Cyclohexanon als Zwischenprodukt aus und lässt sich ebenfalls in drei Schritte einteilen:

  • Aus Benzol wird in einer katalytischen Hydrierung Cyclohexan hergestellt
  • Cyclohexan wird mittels Nitrosylchlorid und Chlorwasserstoff zu Cyclohexanonoxim (genauer: zu Cyclohexanonoxim-Hydrochlorid) umgesetzt
  • Zuletzt folgt analog zu den anderen Prozessen die Beckmann-Umlagerung von Cyclohexanonoxim zu ε-Caprolactam in Schwefelsäure
Herstellung von Caprolactam aus Cyclohexanon

Bei diesem Prozess entstehen pro Tonne Caprolactam nur 1,55 Tonnen Ammoniumsulfat. Allerdings sind teure Reaktoren z. B. aus Titan nötig, da Zwischenprodukte wie Nitrosylchlorid in diesem Prozess sehr korrosiv sind.

Recycling von Polycaprolactam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caprolactam kann außerdem durch Recycling aus Polycaprolactam gewonnen werden. Solche Verfahren sind gut bekannt und etabliert. Dazu muss das Polymer zuerst depolymerisiert werden. Das geschieht meist in einem Kessel mit Heißdampf, Basen und Katalysator wie Phosphorsäure bei Atmosphärendruck. Es kann auch ohne Katalysator bei hohen Drücken gearbeitet werden. Das entstehende Stoffgemisch wird dann konzentriert und unerwünschte Bestandteile werden durch Oxidationsmittel in umgesetzt. Das Roh-Caprolactam wird dann durch Destillation aufgereinigt. Das so hergestellte Caprolactam hat Neuwarenqualität.

Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Herstellung von Caprolactam aus nachwachsenden Rohstoffen zu bewerkstelligen. Dabei lassen sich drei verschiedene Ansätze unterscheiden:

Eine Möglichkeit liegt darin, die aktuellen Prozesse weiter zu benutzten und den Ausgangsstoff Benzol durch katalytische Pyrolyse aus Biomasse herzustellen. Die zweite Möglichkeit ist es, neue chemische Syntheserouten zum Produkt Caprolactam zu finden, die auf Ausgangsstoffen basieren, die leicht biobasiert zu erzeugen sind. Es sind mittlerweile einige solche Routen bekannt. So kann Caprolactam beispielsweise sehr selektiv und in nur drei Schritten aus biobasiertem Hydroxymethylfurfural hergestellt werden. Die letzte Möglichkeit besteht in der fermentativen Herstellung von Caprolactamvorläufern, die dann „klassisch“ chemisch weiterverarbeitet werden. Es gibt zum Beispiel Syntheserouten ausgehend von L-Lysin oder 1,3-Butadien, die beide fermentativ hergestellt werden können.

Aktuell (2017) ist noch kein biobasiertes Verfahren wirtschaftlich konkurrenzfähig, allerdings wird für viele derartige Syntheserouten eine Realisierung in den folgenden Jahrzehnten erwartet.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Raumtemperatur bildet ε-Caprolactam weiße Kristalle, die gut in Wasser löslich und hygroskopisch sind und einen charakteristischen Geruch haben. Es wird daher bis zur Verwendung üblicherweise bei Temperaturen über 80 °C gelagert.

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caprolactam ist löslich in polaren und aromatischen Lösungsmitteln und wenig löslich in längerkettigen aliphatischen Kohlenwasserstoffen. In Gegenwart von Wasser hydrolysiert es bei 260–270 °C zu ε-Aminocapronsäure. Beim stärkeren Erhitzen von Caprolactam in Gegenwart von Sauerstoff zersetzt sich dieses unter Bildung von u. a. Ammoniak und Stickoxiden, bei Sauerstoffabstinenz ist es hitzestabil.

Von herausragender Bedeutung ist die Möglichkeit der Polymerbildung, bei der Polycaprolactam (Polyamid 6) entsteht. Diese erfolgt üblicherweise über ringöffnende Polymerisation. Weiterhin kann aus Caprolactam durch Nitrierung und anschließende Reduktion Aminocaprolactam hergestellt werden. Daneben geht Caprolactam alle typischen Reaktionen der Lactame ein.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strumpfhose aus Nylon – Caprolactam ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von Nylon 6

Caprolactam wird industriell nahezu ausschließlich zur Herstellung von Polycaprolactam (Polyamid 6), das auch unter dem Markennamen Perlon bekannt ist, genutzt. Daraus werden beispielsweise einfache Textilfasern und Folien, aber auch hochwertige und widerstandsfähige Garne für technische Anwendungen hergestellt.

Strukturformelelement aus Polycaprolactam

Kleinere Mengen Caprolacatam werden auch für die chemische Synthese genutzt. Beispielsweise kann aus Caprolactam über die Zwischenstufe des Aminocaprolactams die Aminosäure L-Lysin hergestellt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johan Tinge, Marijke Groothaert, Hans op het Veld, Josef Ritz, Hugo Fuchs, Heinz Kieczka & William C. Moran: Caprolactam. In: Ullmann's Encyclopedia of industrial chemistry. Wiley VCH, Weinheim 2018, doi:10.1002/14356007.a05_031.pub3.
  • Gerd Dahlhoff, John P. M. Niederer & Wolfgang F. Hoelderich: ϵ-Caprolactam: new by-product free synthesis routes. In: Catalysis Reviews: Science and Engineering. Band 43, Nr. 4, 2001, S. 381–441, doi:10.1081/CR-120001808.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Eintrag zu epsilon-Caprolactam in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  2. Eintrag zu ε-caprolactam im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  3. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte, abgerufen am 2. November 2015.
  4. Siegmund Gabriel & Theodor A. Maass: Ueber ε‐Amidocapronsäure. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Band 32, 1899, S. 1266–1272, doi:10.1002/cber.189903201205.
  5. Caprolactam. 19. September 2016, abgerufen am 24. Oktober 2019.
  6. Kozyro, A.A.; Marachuk, L.I.; Krasulin, A.P.; Yursha, I.A.; Kabo, G.Ya.: Thermodynamic properties of cyclohexanone oxime and ε-caprolactam in J. Appl. Chem. USSR, 62 (1989) 547–550.