Carl August Emge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Carl August Emge (* 21. April 1886 in Hanau; † 20. Januar 1970 in Bad Honnef) war ein deutscher Rechtsphilosoph und Rechtssoziologe. Zeitweilig leitete er das Nietzsche-Archiv in Weimar.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emge absolvierte theologische und juristische Studien in Marburg und Heidelberg. Er habilitierte sich 1916 an der Universität Gießen mit der Schrift Über das Grunddogma des rechtsphilosophischen Relativismus und wurde dort 1922 ordentlicher Professor der Rechte.[1] Seit 1928 war er außerordentlicher Professor in Jena, wo er 1932 einen Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie erhielt.[2] Nachdem Emge am 1. Dezember 1931 der NSDAP beigetreten war, gehörte er am 29. Juli 1932 zu den Initiatoren eines Aufrufs der Jenaer Hochschullehrer, die NSDAP zu wählen.[3] Auch unterschrieb er die Erklärung von 300 Hochschullehrern für Adolf Hitler zur Reichstagswahl am 5. März 1933.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Emge 1934 innerhalb der von Hans Frank gegründeten Akademie für Deutsches Recht stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Rechtsphilosophie, der im Nietzsche-Archiv Weimar tagte. 1934/35 wurde er einziger Herausgeber der vordem neukantianischen Zeitschrift "Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie". 1935 wurde er als Ordinarius nach Berlin berufen. Nachdem er 1936 den Aufsatz Ideen zu einer Philosophie des Führertums publiziert hatte, wurde er nach Wilhelm Kisch 1937 stellvertretender Präsident der Akademie für Deutsches Recht, ein Posten, den er bis 1942 innehatte.[3] Seine Konkurrenten auf den Posten waren Johannes Popitz, Axel von Freytagh-Loringhoven und Justus W. Hedemann. Für Emge sprach, so u.a. Werner Weber in seiner Rolle als „Klassensekretär“, dass er zu denjenigen deutschen Gelehrten gehörte, die „sich schon frühzeitig der Bewegung angeschlossen und sich um sie verdient gemacht haben.“[4]

Daneben leitete Emge den „Wissenschaftlichen Ausschuss“ des Nietzsche-Archivs. Obwohl er Parteimitglied und aktiver Nationalsozialist war, trat er laut Christian Tilitzki auch als Kritiker der nationalsozialistischen Rassenpolitik auf, weil sie nicht mit seinen Grundeinstellungen, basierend auf Gott, vereinbar war.[5] Carl August Emge hatte in der Zeit des Nationalsozialismus den einzigen Lehrstuhl für Rechtsphilosophie inne. Von 1939 bis 1945 war er ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.[6]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Emge 1949 Senator der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. 1953 war er auch Mitglied einer europäischen Forschungsgruppe für Flüchtlingswesen.[3] Zuletzt hatte er einen Lehrstuhl in Würzburg inne, wo er 1957 emeritiert wurde.[1]

Seit 1906 war Emge Mitglied der Corps Teutonia Marburg und Suevia Heidelberg.[7]

Einen Teil seiner Werke veröffentlichte Emge unter dem Pseudonym Ab-Insulis.[8]

Emges Schriften Geistiger Mensch und Nationalsozialismus (Verlag für Zeitkritik, Berlin 1931) und Ideen zu einer Philosophie des Führertums (Verlag für Staatswissenschaft und Geschichte, Berlin 1936) wurden in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[9][10]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Über das Grunddogma des rechtsphilosophischen Relativismus, 1916.
  • Hegels Logik der Gegenwart, 1927.
  • Der philosophische Gehalt der religiösen Dogmatik, 1929.
  • Geistiger Mensch und Nationalsozialismus. Ein Interview für die Gebildeten unter seinen Gegnern. Berlin 1931. Unter dem Pseudonym Ab Insulis.
  • Ideen zu einer Philosophie des Führertums. In: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, Bd. XXIX (29), 1935/36, S. 175 ff.
  • Ein Rechtsphilosoph wandert durch die alte Philosophie. Berlin 1936.
  • Philosophie der Rechtswissenschaft, 1961.
  • Max Stirner: Eine geistig nicht bewältigte Tendenz, 1963.
  • Die Bedeutung der Rechtssoziologie für die Dogmatik, 1968.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. M. Emge: Emge, Carl August, in: Wilhelm Bernsdorf/Horst Knospe (Hgg.): Internationales Soziologenlexikon, Bd. 2, Enke, 2. Aufl., Stuttgart 1984, S. 212 f.
  • Armin Danco: Das Gelbbuch des Corps Suevia zu Heidelberg, 3. Aufl. (Mitglieder 1810–1985), Heidelberg 1985, Nr. 887.
  • Michael Walter Hebeisen: „An sich redet Alles, was ist, das Ja“. Zur Verwendung Nietzsches durch den Rechtsphilosophen Carl August Emge. In: Widersprüche. Zur frühen Nietzsche-Rezeption. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2000, S. 291–337.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag Meyers enzyklopädisches Lexikon, Bibliographisches Institut Mannheim, Korrigierter Nachdruck 1980, Bd. 7, S. 739.
  2. Otthein Rammstedt: Deutsche Soziologie 1933-1945. Die Normalitat einer Anpassung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-28181-X, S. 100.
  3. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 134 f.
  4. BArch R 61/71, Blatt 38; zitiert nach: Hans-Reiner Pichonot: Die Akademie für Deutsches Recht - Aufbau und Entwicklung einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft des Dritten Reichs. (Dissertation). Kiel 1981, S. 110 f.
  5. Christian Tilitzki: Der Rechtsphilosoph Carl August Emge. Vom Schüler Hermann Cohens zum Stellvertreter Hans Franks; in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, Band 89, Heft 4 (2003), S. 459-496. Link auf das Abstract des Artikels: Der Rechtsphilosoph Carl August Emge
  6. Mitglieder der Vorgängerakademien. Carl August Emge. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 18. März 2015.
  7. Kösener Corpslisten 1960, 102, 958; 67, 877.
  8. Pseudonym Ab-Insulis, DNB-Link
  9. Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur, Transkript Buchstabe I respektive J. Zweiter Nachtrag, Berlin: Deutscher Zentralverlag, 1948, Seiten 134-143, abgerufen am 24. August 2017.
  10. Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur, Transkript Buchstabe E. Zweiter Nachtrag, Berlin: Deutscher Zentralverlag, 1948, Seiten 60-69, abgerufen am 24. August 2017.