Centrum Warenhaus

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Logo der Centrum Warenhäuser

Centrum war eine Warenhauskette und Tochtergesellschaft der Handelsorganisation HO der DDR. Die Warenhäuser befanden sich in Ober- und Mittelzentren der DDR und waren zumeist größer als die Konsument-Kaufhäuser der Konsum-Genossenschaft. Viele während des Bestehens der DDR errichtete Gebäude besaßen als gemeinsames Merkmal rasterartig ornamentierte Metallfassaden.

Altbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Centrum Warenhäuser entstanden in bereits bestehenden Kaufhausbauten, so in Chemnitz in den ehemaligen Kaufhäusern Schocken und Tietz und in Görlitz im HO-Warenhaus. In Dresden wurde der zum Altmarkt mit einem Eckbau ergänzte 1950er Bau an der Ernst-Thälmann-Straße zum Centrum-Warenhaus umfirmiert.

Architektur der neu errichteten Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Centrum Warenhaus Hoyerswerda auf einer Briefmarke der Deutschen Post der DDR, 1969

Im August 1965 erfolgte der erste Spatenstich zur Errichtung des ersten Warenhausneubaus der VVB Centrum in Montagebauweise der DDR in der Neustadt von Hoyerswerda (am heutigen Lausitzer Platz).[1] Weitere Neubauten wie beispielsweise das „alte“ Centrum am Altmarkt in Dresden entstanden im vorherrschenden Stil des Sozialistischen Klassizismus. Teile der Kelleranlagen bei den Neubauten wurden als Zivilschutzraum für die Mitarbeiter angelegt, so im Centrum Warenhaus Suhl und Berlin (Anton-Saefkow-Platz).

Ab 1970 wurde eine Reihe von Neubauten im Stil der Klassischen Moderne geplant, die z. B. in Berlin am Alexanderplatz, in Dresden an der Prager Straße und in Magdeburg, Breiter Weg mit einer neuartigen Fassade aus Aluminiumelementen errichtet wurden. Dabei wurden auch Konstruktionen aus Stahlbeton verwendet, wie z. B. an statische Lastverläufe angepasste Decken (Dresden). Die Aluminiumfassade des Suhler Centrum wurde von Fritz Kühn entworfen. Das größte und modernste Centrum Warenhaus wurde schließlich 1979 am Berliner Ostbahnhof eröffnet.

Die experimentellen Metallfassaden stellten ein wiederkehrendes Element und Markenzeichen der Warenhauskette dar, ähnlich wie die Hortenkachel der früheren Horten AG in Westdeutschland – waren aber individuell für jeden Bau gestaltet. Trotz lokaler Initiativen für den Erhalt wurden die meisten Metallfassaden nicht unter Denkmalschutz gestellt und in der Regel von den neuen Eigentümern der Häuser ersetzt (Kaufhof, Berlin-Alexanderplatz) oder mit dem Gebäude abgerissen (Karstadt Dresden und Centrum Warenhaus Suhl[2]); das Magdeburger Centrum Warenhaus (seit 1991 Karstadt) hingegen befindet sich äußerlich noch weitestgehend im Originalzustand.

Privatisierung der Kaufhäuser nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1990 wurden die damals betriebenen 14 Centrum Warenhäuser durch Entscheidung der Treuhandanstalt unter den westdeutschen Kaufhausketten aufgeteilt: Karstadt sollte 6, Kaufhof 5 und Hertie 3 Standorte übernehmen.

Bauliche Verwendung nach Auflösung der „Centrum Warenhaus“ 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende wurden die meisten Centrum Warenhäuser von Kaufhof, Karstadt und Hertie übernommen und in der Mehrzahl bis heute weiter betrieben. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Karstadt-Konzerns wurde die Entscheidung getroffen, eine Reihe von Häusern (z. B. Halle (Saale), Hoyerswerda – April 2007) zu schließen.

  • Am Standort Dresden wurde das ehemalige Centrum abgerissen, und durch einen größeren Neubau ersetzt. Der Neubau nach Plänen von Peter Kulka lehnt sich an die Originale Fassadengestaltung an, auch trägt der Bau den Namen Centrum-Galerie.
  • In Suhl wurde das Warenhaus ab Oktober 2006 umgebaut. Dabei wurde das Gebäude, 1966–1969 erbaut (von Heinz Luther (Kollektiv), Ulrich Möckel, Fritz Popp), um zwei Geschosse zurückgebaut und um ein Parkhaus erweitert. Das ursprüngliche Gebäude wich damit bis zum Februar 2008 einem neuen Einkaufszentrum. Mit dem Umbau verschwand die stadtbildprägende metallplastische Strukturfassade von Fritz Kühn (bedeutender Metallgestalter aus Berlin) sowie die konstruktivistische Fächertreppe aus Stahlbeton und weitere Elemente der Kunst am Bau von Waldo Dörsch. [6]
  • Das ehemalige Centrum Warenhaus am Berliner Alexanderplatz (Entwurf: Josef Kaiser, erbaut 1967–1970, heute Galeria Kaufhof) wurde 2004/2005 umgebaut und vergrößert. Dabei wurde die charakteristische Waben-Fassade durch eine neue Sandsteinfassade ersetzt (Josef Paul Kleihues, Büro Kleihues + Kleihues).
  • Das 1981 eröffnete Centrum Warenhaus Mansfelder Straße in Halle (Saale) wurde nach der Schließung durch Karstadt 2007 teilweise für Ausstellungen und Kunstprojekte genutzt und beherbergt seit 2009 ein Möbelhaus, hierzu wurde die straßenseitige Fassade teilweise verkleidet.
  • In der Messestadt Leipzig wurde das 1914 von Theodor Althoff eröffnete Warenhaus bis auf die denkmalgeschützten Fassaden abgerissen und als erweiterter Komplex im Herbst 2006 wiedereröffnet. Das 8300 Quadratmeter große Areal wurde grundlegend saniert und umgestaltet. Kern des Neubaus ist ein zentraler Lichthof mit vier Rolltreppen. Das Warenhaus Karstadt sowie weitere Partner nutzen hier eine Gesamtfläche von 30.000 Quadratmetern.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tasse aus dem Kaufhausrestaurant
  • Warenhaus Berlin-Mitte: Übernahme durch Kaufhof, Umbau zur Galeria, neue Fassade
  • Berlin-Friedrichshain, am Ostbahnhof. Das „Centrum-Warenhaus am Ostbahnhof“ war zur Versorgung in Friedrichshain für die umgebenden Neubauten 1979 erbaut worden. Die Nähe des Ostbahnhof (damals Hauptbahnhof) erforderte zudem eine Aufwertung des nördlichen Geländes. Nach der Wende wurde es zunächst ein Hertie-Kaufhaus und ging nach der Übernahme an die Kaufhof-Gesellschaft. Trotz des Umbaus zur „Galeria-Kaufhof“ blieb der Umsatz und die Attraktivität der Kaufhausumgebung im Bahnhofsumfeld an der Erich-Steinfurth-Straße ebenfalls gering. Wegen der schlechten Ergebnisse[7] Trotz Versuche zur weiteren Verwendung war der Mietvertrag beendet worden.[8] wurde das Kaufhaus 2017 geschlossen. Der Umsatz-Niedergang führte zum Kart- und Eventcenters im fünften Stock, Einzug einer Apotheke und anderer Händler, eine Bowlingbahn. Die Kaufhof-Immobilie gehörte seit Herbst 2016 dem österreichische Signa-Konzern. Durch den Gewerbebau des Bahnhofkarree zwischen Koppen- und Andreasstraße, Sanierungen der Wohnbebauung ist der Standort des Kaufhaus-Abrisses und der überzogen große Parkplatz als Filetgrundstück eine gut erschlossene Baufläche für Investoren. Eine Nutzung des „leeren Gehäuses“ für Büroräume ist angestrebt.[9]
  • Warenhaus Dresden, Altmarkt: Nach Eröffnung des folgenden Neubaus an der Prager Straße wurde der vorherige Standort aufgegeben.
  • Warenhaus Dresden, Prager Straße: Übernahme durch Karstadt, nach Zusammenschluss mit Hertie 1994 Änderung der Pläne: Karstadt übernimmt den begonnenen Hertie-Neubau mit Änderungen, Hertie zieht in das ehemalige Centrum-Haus. Später nach Schließung des Hertie-Hauses (2004) abgerissen und durch Centrum-Galerie ersetzt (mit Karstadt-Sport-Haus).
  • Erfurt, Anger: Übernahme durch Hertie, nach provisorischem Umbau später unter Karstadt-Regie Umbau zum EKZ Anger 1, ab da Karstadt-Warenhaus.
  • Görlitz: Übernahme des Görlitzer Warenhauses durch Alteigentümer Karstadt (wie 1929–1945), Renovierung nach Denkmalschutzauflagen. 2004 ausgegliedert, 2005 Karstadt-Kompakt, anschließend zur Hertie GmbH ausgegliedert, 2009 geschlossen. 2013 Kauf durch Investor aus Lübeck, Neueröffnung geplant.
  • Halle (Saale): Übernahme durch Karstadt, Umzug zu Marktplatz in gepl. Neubau gescheitert, 2007 geschlossen.
  • Hoyerswerda (Kulturdenkmal): Übernahme durch Karstadt, 2004 Karstadt-Schnäppchenmarkt, 2007 geschlossen, anschließend Aldi Nord.
  • Karl-Marx-Stadt, heute wieder Chemnitz (wie bis 1952): Übernahme durch Kaufhof nach Intermezzo Karstadt 1990/91, 2001 Schließung beider Häuser (Tietz und Schocken) nach Eröffnung des Neubaus an der Zentralhaltestelle. Umbau des Tietz-Hauses zum Museum / Volkshochschule etc., des Schocken-Hauses zum Museum.
  • Leipzig: Übernahme durch Alteigentümer Karstadt, 2005/06 Entkernung/Umbau und anschließende Neueröffnung
  • Magdeburg: Übernahme durch Karstadt, anschließend kompletter Umbau und Renovierung.
  • Neubrandenburg: Übernahme durch Kaufhof. Zukunft ungewiss, da bisher kein grundlegender Umbau o. ä., immer noch „nur“ Kaufhof.
  • Rostock: Übernahme durch Kaufhof nach Karstadt-Intermezzo 1990/91, 1998 Umbau zur Galeria Kaufhof.
  • Schwedt/Oder: Übernahme durch Hertie, 1996 geschlossen, Umbau zum EKZ.
  • Suhl: Übernahme durch Kaufhof nach Karstadt-Intermezzo 1990/91, 2000 geschlossen, Umbau zum EKZ.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erster Spatenstich. In: Neues Deutschland. 11. August 1965, abgerufen am 12. Februar 2015.
  2. Information – Ueber die Initiative SUHLERMODERNE zum Erhalt des Suhler Centrum-Warenhauses, Initiative SuhlerModerne
  3. Die Aluminium-Waben-Fassade wurde 2004 abgerissen, als es zum Galeria-Kaufhof umgebaut wurde.
  4. Zustand kurz nach der Übernahme durch Karstadt
  5. Die in Suhl als spektakulär beschriebenen Aluminium-Waben-Fassade wurde trotz starken Protesten 2006 abgerissen und durch einen uncharakteristischen Neubau ersetzt
  6. Das Centrum-Warenhaus in Suhl, In: SuhlerModerne.de
  7. Galeria Kaufhof am Ostbahnhof schließt 2017 Warenhäuser haben es in Zeiten des boomenden Internet-Handels schwer. In: Berliner Morgenpost, Juni 2017
  8. Galerie Kaufhof schließt: Nicht nur die Warenhaus-Ära endet am Ostbahnhof. In: Berliner Woche, 2. Juni 2017
  9. Pläne für Umbau von Galeria-Kaufhof am Ostbahnhof vorgestellt. In: Tagesspiegel vom 2. Juli 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Centrum Warenhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien