Charles Robert Jenkins

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Charles Robert Jenkins, 2007

Charles Robert Jenkins (* 18. Februar 1940 in Rich Square, North Carolina) ist ein ehemaliger Soldat der USA, der von 1965 bis 2004 in Nordkorea lebte, nachdem er von seiner Einheit desertiert war und die koreanische Demilitarisierte Zone überschritten hatte.

Militärische Laufbahn und Desertion[Bearbeiten]

Er trat 1955 der Nationalgarde der Vereinigten Staaten bei, jedoch deutlich unter dem vorgeschriebenen Mindestalter und wechselte 1958 zu den regulären Streitkräften ins Heer. Dort diente er zunächst unter der 1. Cavalry Division in Südkorea von 1960 bis 1961. Danach bis 1964 war er nach Europa abkommandiert und wurde anschließend wieder nach Südkorea versetzt.

In Südkorea war Jenkins den Nachtstreifen zugeteilt. Aufgrund seiner Furcht vor einer Kommandierung zu den kämpfenden Truppen im Vietnamkrieg begann er zu trinken. Eines Nachts, nachdem er zehn Bier getrunken hatte, ging er auf Nachtstreife entlang der Demilitarisierten Zone. Am frühen Morgen des 5. Januar 1965 erklärte er seinen Soldaten, dass er der Ursache eines Geräusches nachgehen wollte. Später überquerte er die Grenze nach Nordkorea und ergab sich den dortigen Streitkräften in der Hoffnung, über die Sowjetunion in die USA ausgeliefert zu werden. Kurz darauf jedoch erklärte die nordkoreanische Propaganda, dass ein US-Sergeant übergelaufen sei und übertrug die angeblichen Aussagen des Überläufers in gestelztem Englisch in den Zeitungen und im Rundfunk. Laut den US-Streitkräften schrieb Jenkins vier Briefe, deren Originale verloren gingen, die seine Absichten überzulaufen bestätigten. Seine Verwandten jedoch waren während der gesamten Abwesenheit Jenkins der Überzeugung, dass er entführt worden sei.

Aufenthalt in Nordkorea[Bearbeiten]

Für viele Jahre waren keine Informationen über Jenkins außerhalb Nordkoreas verfügbar. Jenkins sagt, dass er fast sofort den Überlauf bereute und 40 Jahre für diese Tat bezahlen musste. Nach eigener Aussage waren er und drei andere US-Soldaten bis 1972 in Einzimmerhäusern ohne fließendes Wasser unter Hausarrest gestellt. Dort mussten sie die Juche-Philosophie von Kim Il-sung lernen, wobei sie durch regelmäßige Schläge gezwungen wurden, große Passagen des Buches auf koreanisch auswendig zu lernen. Jenkins gelang es einmal 1966 zur sowjetischen Botschaft in Pjöngjang zu fliehen. Seine Bitte auf Asyl wurde ihm jedoch verweigert. Schließlich wurde er von seinen Soldaten getrennt und er begann an der Kim-Il-sung-Universität für ausländische Studenten Englisch zu lehren. Sein sehr starker North-Caroliner-Akzent störte jedoch das Anliegen der Regierung, ihren Spionen hinreichend gutes Englisch beizubringen, so dass diese ohne Probleme ihrer Arbeit in Südkorea nachgehen konnten. Nachdem diese Unzulänglichkeit im Spionageeinsatz aufgefallen war, wurde Jenkins von dieser Tätigkeit entbunden.

Jenkins wurde 1980 mit der 21-jährigen japanischen Krankenschwester Hitomi Soga bekannt gemacht, die zusammen mit ihrer Mutter aus Japan von nordkoreanischen Agenten entführt worden war. Nordkorea versuchte mit diesen Entführungen seine zukünftigen Geheimagenten auf die japanische Sprache und Kultur zu trainieren, um in Japan nicht aufzufallen. Von Sogas Mutter hörte man seit ihrer Entführung nichts mehr, und Soga wurde zu Jenkins' Partnerin gemacht. Nordkoreaner brachten Asiaten mit Europäern und Amerikanern zusammen, so dass Mischlinge geboren werden, die sich nach nordkoreanischer Vorstellung besser als Spione eigneten. Diese Mischlinge sind nichts ungewöhnliches in Südkorea, und es war ein leichtes für die Spione sich als Südkoreaner auszugeben. In Nordkorea jedoch gibt es Kinder aus Mischehen so gut wie gar nicht. Jenkins und Soga verliebten sich ineinander, und nach 38 Tagen heirateten sie. Sie haben zwei Kinder: Roberta Mika Jenkins, geboren 1983, und Brinda Carol Jenkins, geboren 1985, von der englischen Presse auch Belinda genannt.

Der Propagandafilm Nameless Heroes (Namenlose Helden) war 1982 der erste Beweis, dass Jenkins noch lebte. Die US-Regierung jedoch veröffentlichte diese Information erst 1996.

Rückkehr[Bearbeiten]

Erst 2002 zog Jenkins wieder internationale Aufmerksamkeit auf sich, als der nordkoreanische Führer Kim Jong-il offiziell die Entführung von Japanern durch Nordkorea bestätigte. Um die politische Verhältnisse beider Staaten zu entspannen, wurde es allen überlebenden Entführten gestattet, ohne ihre Angehörigen zurück nach Japan zu reisen, darunter auch Jenkins' Frau. Anfänglich war eine Begrenzung der Aufenthaltsdauer in Japan auf eine Woche vorgesehen. Die japanische Regierung überredete die Besucher, nicht nach Nordkorea zurückzukehren, während die Regierung mit deren Familien in Nordkorea verhandelte, ebenfalls nach Japan zu kommen. Viele Familien folgten dem Angebot der japanischen Regierung. Jenkins jedoch lehnte ab, da er befürchtete, dass die nordkoreanische Führung ihn auf seine Loyalität prüfte. Nach Zusage von Schutz durch die japanische Regierung reiste Jenkins via Indonesien, wo er medizinisch behandelt wurde, nach Japan, wo er am 18. Juli 2004 eintraf. Japan stellte offiziell einen Antrag auf Begnadigung, welcher von den USA jedoch abgelehnt wurde. Um sein Gewissen zu erleichtern, meldete Jenkins sich in militärischer Form am 11. September der Militärpolizei im japanischen US-Stützpunkt Camp Zama zurück.

Am 3. November bekannte sich Jenkins in den Anklagepunkten der Fahnenflucht und Feindbegünstigung schuldig, bestritt aber verräterische oder aufrührerische Erklärungen abgegeben zu haben. Diesem Widerspruch wurde stattgegeben und die entsprechenden Punkte aus der Anklage gestrichen. Er wurde zu 30 Tagen Strafarrest und zu einer unehrenhaften Entlassung verurteilt. Wegen guter Führung wurden ihm sechs Tage Arrest erlassen und am 27. November 2004 wurde er entlassen.

Jenkins zog mit seiner Familie auf die Insel Sado in Japan, Sogas Heimat. Am 14. Juni 2005 reiste er mit seiner Familie in die USA, um seine 91-jährige Mutter in North Carolina zu besuchen.

Weitere Fahnenflüchtige[Bearbeiten]

Drei weitere desertierte amerikanische Soldaten blieben in Nordkorea:

Die beiden letztgenannten sind nach Aussage der nordkoreanischen Regierung eines natürlichen Todes gestorben.

Memoiren[Bearbeiten]

Jenkins veröffentlichte im Oktober 2005 ein Buch in japanischer Sprache mit dem Titel „告白” („Kokuhaku“; dt. :„Die Wahrheit erzählen“; ISBN 4-04-791510-6). In diesem Buch berichtet er von seinen Erfahrungen in Nordkorea. Eine Übersetzung ins Koreanische wurde im Juni 2006 veröffentlicht. Im Frühjahr 2008 erschien in englischer Sprache „The Reluctant Communist: My Desertion, Court-Martial, and Forty-Year Imprisonment in North Korea“ (ISBN 978-0520253339, ISBN 978-0520259997). Das Buch verfasste Jenkins gemeinsam mit dem damaligen Tokio-Korrespondenten des Time Magazine Jim Frederick.

Weblinks[Bearbeiten]