Militärpolizei

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Feldjäger bei einer Verkehrskontrolle
Südkoreanischer Militärpolizist in der Demilitarisierten Zone
Amerikanische Militärpolizistin in Begleitung eines Spürhundes auf der Suche nach Sprengstoff im Irak.

Eine Militärpolizei übernimmt polizeiliche Aufgaben innerhalb einer Militär-Organisation.

Aufgaben, Organisation[Bearbeiten]

Die Aufgaben der Militärpolizei sind mit denen der zivilen Polizei vergleichbar. Allerdings hat sie in den meisten Staaten in Friedenszeiten nur gegenüber Soldaten Befugnisse. Die Aufgaben umfassen unter anderem die Strafverfolgung (inklusive der Ermittlungsarbeit) auf Militärgelände und Soldaten betreffend (oftmals im Auftrag der Organe der Militärjustiz), Sicherung militärischer Anlagen, Personenschutz bei hochrangigen Offizieren, Überwachung der Kriegsgefangenen, Betreiben militärischer Gefängnisse, Verkehrsregelung und Suche nach Fahnenflüchtigen. Allerdings haben die Militärpolizeien von verschiedenen Ländern nicht alle die gleichen Aufgaben.

In einigen Ländern wird die Militärpolizei, dann meist unter dem Namen Gendarmerie, auch als reguläre, zivile Polizei eingesetzt. Für diese Dienste stehen sie unter ziviler Führung und Kontrolle.

In vielen Ländern haben die Streitkräfte eigene Gefängnisse und Rechtssysteme, die von den zivilen abweichen.

Mitglieder der Militärpolizei sind in der Regel deutlich an speziellen Zeichen an Helm und/oder Uniform (z. B. Armband, Schulterstück) zu erkennen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs trugen die Angehörigen der Militärpolizei der Wehrmacht zur Erkennung einen Ringkragen.

Als eine der ersten Militärpolizeien gilt die Royal Military Police, von der behaupetet wird, dass ihre ersten Einheiten während der Napoleonischen Kriege im britischen Kontingent unter Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington aufgestellt wurden.

Militärpolizei in verschiedenen Ländern[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

Die Militärpolizei gehört zur Australian Army und bildet The Royal Australian Corps of Military Police (RACMP)

Belgien[Bearbeiten]

Die Aufgaben der belgischen Militärpolizei wurden ursprünglich von der Gendarmerie Nationale/Rijkswacht wahrgenommen. Als Belgien alle Polizeieinheiten zu einer Bundespolizei vereinte, wurden die bisher als Militärpolizei Police Militaire agierenden Beamten in eine dafür neu gegründete Einheit der Armee eingegliedert.

Brasilien[Bearbeiten]

Die Polícia Militar ist in Brasilien die Gendarmerie eines Bundesstaates und entspricht - im weitesten Sinn - den Landespolizeien in der Bundesrepublik Deutschland. Der Begriff ist für Nicht-Brasilianer irreführend, da sie eben keine Militärpolizei im Wortsinn ist und sowohl von der Funktion als auch ihrer Unterstellung unter die Zivilbehörden her nicht dem Charakter einer Militärpolizei entspricht. Der Begriff ist historisch geprägt und bezeichnete ab ca. 1890 die Milizen der einzelnen Bundesstaaten. Die brasilianischen Militärpolizeien der Einzelstaaten haben zusammen gut 400.000 Angehörige, von denen gut 100.000 allein auf die Polícia Militar do Estado de São Paulo entfallen.

Die "echten" Militärpolizeien Brasiliens sind Teil der drei Teilstreitkräfte: Polícia do Exército (PE) (Armee), Polícia da Marinha (PM) (Marine) und Polícia da Aeronáutica (PA) (Luftwaffe).

Dänemark[Bearbeiten]

Die Militärpolizei gehört zu den Dänischen Streitkräften und wird als Militærpoliti bezeichnet.

Deutschland[Bearbeiten]

Für die historischen deutschen Militärpolizeieinheiten siehe Feldgendarmerie und Geheime Feldpolizei .

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Die Militärpolizei der deutschen Bundeswehr wird als Feldjägertruppe bezeichnet.

Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten]

Bei der Nationalen Volksarmee wurde die Militärpolizei zunächst als Kommandantendienst (KD) später als Militärstreife bezeichnet. Die Fahrzeuge des KD waren durch einen gelben Rhombus mit der schwarzen Inschrift KD gekennzeichnet.

Die Angehörigen der Militärstreife trugen die steingraue Dienstuniform der NVA mit weißem Koppelzeug und weißem Mützenband. Die Fahrzeuge waren durch einen umlaufenden breiten weißen Streifen mit der Aufschrift Militärstreife gekennzeichnet.

Die Angehörigen der Militärpolizei „Militärstreife“ wurden zunächst in Potsdam im Einzugsgebiet der Glienicker Brücke, als Sondereinheit in der MSTAK (Militär-Streifen-Ausbildungs-Kompanie) ausgebildet. Diese Sondereinheit ist nicht mit den sogenannten Wald- und Wiesenstreifen zu verwechseln. Diese wurden von verschiedenen NVA- Einheiten dort gestellt, wo es keine Standortkommandanturen der regulären Militärpolizei gab. Die Ausbildung der Angehörigen der Militärpolizei belief sich auf ein halbes Jahr. Jedes halbe Jahr wurden nur 56 Angehörige ausgebildet. Nach dieser Ausbildung wurden die Angehörigen auf die verschiedenen Standorte der Militärpolizei aufgeteilt. Einer dieser Standorte war Strausberg, Ministerium für Nationale Verteidigung. Diese waren dem Stellvertretenden Minister des Inneren unterstellt, der gleichzeitig Chef der zivilen Polizei im Standortbereich Frankfurt/Oder war. Somit war faktisch die zivile Polizei bis zum Dienstgrad des Stellvertretenden Ministers der Militärpolizei unterstellt und musste auch die täglichen Rapporte bei der Militärpolizei einreichen.

Die Angehörigen der Militärpolizei Strausberg hatten wiederum eine Sonderstellung in der Militärpolizei. Sie kennzeichneten sich nicht nur durch das weiße Koppelzeug, sondern trugen auch Offiziers-Dienstuniformen und waren gegenüber jedem NVA-Angehörigen bis zum Dienstgrad des Stellvertretenden Ministers weisungsberechtigt. Diesen Weisungen musste laut Dienstvorschrift Folge geleistet werden. Zu Ihren Aufgaben gehörte nicht nur der normale Streifendienst, sondern auch der Regulierungsdienst des Verkehrs zum und vom Ministerium der Nationalen Verteidigung. Begleitdienst und Sicherstellungsmaßnahmen für hochrangige Militärs der Warschauer Vertragsstaaten als auch Militärpolizeieinsätze und Ehrenformationen gehörten u.a. zu den vielfältigen Aufgaben.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Royal Military Police

Die Militärpolizei der Streitkräfte des Vereinigten Königreichs ist Bestandteil der British Army und wird als Royal Military Police (RMP) bezeichnet.

Finnland[Bearbeiten]

Die Militärpolizei in Finnland heißt Sotilaspoliisi („Soldatenpolizei“). In Friedenszeiten besteht ihre Aufgabe in der Überwachung von Militäreinrichtungen. In Kriegszeiten gehört auch der Personenschutz, das Aufspüren und Zerstören feindlicher Spezialeinheiten sowie der Umgang mit Kriegsgefangenen dazu.

Frankreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gendarmerie Nationale

In Frankreich werden diese Aufgaben von der Gendarmerie Nationale wahrgenommen. Diese Einheit hat auch gegenüber Zivilisten polizeiliche Befugnisse. Ausnahme bildet die Fremdenlegion, die noch eine eigene Militärpolizei Police Militaire kurz PM in jedem ihrer Standorte unterhält.

Israel[Bearbeiten]

In Israel stellt die Heyl HaMishtara HaTzva'it die Militärpolizei der israelischen Streitkräfte dar. Sie ist unter anderem für die Disziplin innerhalb der Streitkräfte und der Verfolgung Fahnenflüchtiger zuständig. Zudem unterstützt sie die Überwachung von Militärgefängnissen.

Italien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Carabinieri

In Italien übernehmen die Carabinieri die Aufgaben einer Militärpolizei. Die Carabinieri haben auch gegenüber Zivilisten polizeiliche Befugnisse.

Japan[Bearbeiten]

Bis 1945 gab es in Japan Militärpolizeien in Form der Kempeitai der Kaiserlich Japanischen Armee (Heer) und der Tokkeitai der Marine.

Heute nehmen als Keimutai bezeichnete Teile der Selbstverteidigungsstreitkräfte Japans militärpolizeiliche Aufgaben wahr.

Litauen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Litauische Militärpolizei

Die Lietuvos karo policija ist eine von den anderen Teilstreitkräften unabhängige Militärpolizei.

Niederlande[Bearbeiten]

Hauptartikel: Koninklijke Marechaussee

Die Koninklijke Marechaussee ist als niederländische Nationalpolizei mit weitreichenden Aufgaben betraut. Seit 1998 ist sie selbständige Teilstreitkraft neben Heer, Marine und Luftwaffe. Obwohl sie dem Verteidigungsministerium untersteht, erfüllt sie vor allem zivile Aufgaben wie die Überwachung der Staatsgrenze und seit der Aufhebung der Reichspolizei auch den Polizeidienst auf den großen Flughäfen. Auch gehört die Absicherung bei Staatsbesuchen und anderen zeremoniellen Ereignissen sowie der Personenschutz für Mitglieder des Königshauses und der Regierung zu ihren Aufgaben. Die Abschiebung von unerwünschten Ausländern und von Asylbewerbern, die nach der Ablehnung ihres Gesuches die Niederlande verlassen müssen, ist ebenfalls eine Aufgabe der Marechaussee.

Norwegen[Bearbeiten]

Die Militärpolizei gehört zu den Norwegischen Streitkräften und wird als Militærpoliti bezeichnet.

Österreich[Bearbeiten]

Verbandsabzeichen des KdoMilStrf&MP

Die Militärpolizei im Österreichischen Bundesheer heißt Kommando Militärstreife & Militärpolizei (Kdo MilStrf&MP). Sie ist für die Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit innerhalb des Bundesheeres zuständig und verfügt zu diesem Zweck auch über bestimmte Befugnisse gegenüber Zivilpersonen. In Österreich tritt sie als Militärstreife, im Ausland als Militärpolizei auf.

Das Kommando Militärstreife & Militärpolizei besteht neben dem Kommando noch aus 3 Einsatzkompanien, der Lehrabteilung und einem Personenschutzelement.

Polen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Polnische Militärpolizei

Die Żandarmeria Wojskowa ist eine von den anderen Teilstreitkräften unabhängige Militärpolizei.

Schweden[Bearbeiten]

Die Militärpolizei gehört zu den Schwedischen Streitkräften und wird als Militärpolis bezeichnet.

Schweiz[Bearbeiten]

Die heutige Militärpolizei in der Schweiz ging aus der früheren Heerespolizei sowie Teilen des Festungswachtkorps hervor. Sie bildet den Verband Militärische Sicherheit der Armee (Mil Sich) und ist dem Führungsstab der Armee (FST A) unterstellt. Die Militärische Sicherheit teilt sich in folgende Organe auf:

  • Mobile Militärpolizei
  • Territoriale Militärpolizei
  • Besondere Dienste der Militärpolizei

Die Pflicht der Organe der Mil Sich zur Rechtshilfe zugunsten der Organe der Militärjustiz ist in Art. 18 Abs. 3 des Militärstrafprozesses vom 23. März 1979 (SR 322.1; MStP) festgelegt.

Singapur[Bearbeiten]

Die SAFPU bei Sicherheitsmaßnahmen in Singapur während der Parade zum Nationalfeiertag im Jahr 2000.

In Singapur dient die Singapore Armed Forces Provost Unit (SAFPU) als Militärpolizeieinheit. Sie unterstützt die Polizeikräfte durch Zusammenarbeit, z. B. der Bereitstellung von Hundetrainingsanlagen an Polizeibeamte.

Spanien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Guardia Civil

In Spanien ist die Guardia Civil die Militärpolizei. Die Guardia Civil untersteht sowohl dem Innenministerium als auch dem Verteidigungsministerium und hat vor allem auch gegenüber Zivilisten polizeiliche Befugnisse.

Taiwan[Bearbeiten]

Die Hsianbin (chinesisch 憲兵), Taiwans Gendarmerie und Militärpolizei zugleich, ist eine Polizeitruppe mit militärischem Charakter. Sie ist Teil des Militärs und untersteht daher dem Verteidigungsministerium. Die Aufgaben der Hsianbin umfassen folgende Hauptfunktionen:

  • Die Sicherheit der Zentralen Regierung zu gewährleisten
  • Militärpolizeiliche Aufgaben für Heer, Marine und Luftwaffe
  • Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
  • Sicherstellung der inneren Sicherheit des Staates.

Türkei[Bearbeiten]

Die Askeriye İnzibat ist für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung im Militär, sowie die Verfolgung von Fahnenflüchtigen zuständig. Sie sind durch eine rote Armbinde mit der Aufschrift AS.İZ gekennzeichnet und werden unter den Soldaten gesondert ausgewählt.

USA[Bearbeiten]

In den USA verfügen fast alle Teilstreitkräfte über eigene Militärpolizeitruppen. Nur die United States Coast Guard, die selbst bereits eine polizeiähnliche Organisation ist, unterhält keine spezielle Militärpolizei. Für die einzelnen Teilstreitkräfte sind dies:

Neben diesen uniformierten Militärpolizeien verfügen die Streitkräfte zudem über zivile Polizeidienste, dies sind:

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Militärpolizei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen