Christiane Frohmann

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Christiane Frohmann (* 1. Juli 1969 in Bad Homburg vor der Höhe) ist eine deutsche Verlegerin, Herausgeberin, Autorin und Digitalisierungs-Theoretikerin. Sie betreibt den Frohmann Verlag.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christiane Frohmann studierte Komparatistik, Philosophie und Germanistik an der FU Berlin und war DAAD-Stipendiatin an der Yale University (New Haven, Connecticut, USA), wo sie am Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies forschte.

Sie lebt mit Unterbrechungen seit 1992 in Berlin.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 war sie Mitgründerin des Digital-only-Verlags eriginals berlin[1], wo u. a. Texte von Ruth Klüger[2] und Alan Posener erschienen. Im 2012 gegründeten Frohmann Verlag[3] veröffentlicht sie literarische und wissenschaftliche Texte rund um Neue Literaturen und netzkulturelle Phänomene. Frohmann ist als Verlegerin, Herausgeberin und Autorin eine Wegbereiterin der digitalen Literatur in Deutschland, sie verlegt Neue Kleine Formen[4], wie sie etwa auf Twitter entstehen[5], gibt kollaborativ verfasste Texte wie das versionierte E-Book Tausend Tode schreiben[6] heraus und veröffentlicht in Kooperation mit dem Autorenkollektiv 0x0a [7] genuin digitale Texte. Als work in progress entwickelt sie in Vorträgen und Texten den Begriff des Instantanen[8] für das fluide Zeit-Raum-Gefühl im Digitalen sowie den des Selfie-Publishing[9] für die performative digitale Selbst-Konstruktion.

Seit April 2012 leitet Frohmann den von ihr begründeten Katersalon[10], eine kulturwissenschaftliche Performancereihe an wechselnden Orten, Stationen u. a. im Bar 25-Nachfolger Kater Holzig, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz[11] der re:publica[12] und dem Zündfunk Netzkongress[13]. Für den Katersalon erhielt sie 2013 den Virenschleuder-Preis für virales Marketing der Frankfurter Buchmesse[14].

Frohmann ist seit 2013 freie Redakteurin und Moderatorin der Sendung Generator[15] bei reboot.fm im Haus der Kulturen der Welt, die netzkulturelle Phänomene wie ASMR[16], Digitaler Nachlass[17] und Facebook-Nur-du-Gedichte behandelt[18].

2014 organisierte sie gemeinsam mit den Digitalverlegern Nikola Richter und Fabian Thomas sowie der Designerin Andrea Nienhaus die Electric Book Fair[19], die erste Messe für digitale Literatur in Deutschland. Seit Ende 2014 arbeitet sie gemeinsam mit dem Blogger Leander Wattig an der Veranstaltungsplattform Orbanism[20]. Mit der Kulturwissenschaftlerin Asal Dardan und der Journalistin Michaela Maria Müller entwickelt sie seit 2014 das Veranstaltungs- und Publishingformat An einem Tisch.[21]

2015 begründete sie in Berlin die Veranstaltungsreihe e_rstausgabe. Soirée für digitale Literatur, die sich der Bekanntmachung von Digital-only- und Digital-first-Publikationen widmet.[22]

Frohmann vertritt die These, dass E-Book und Buch als einander ergänzend, aber getrennt gedacht werden müssen. Sie unterscheidet zwischen "richtigen" und "falschen E-Books".[23] Als verantwortliche Redakteurin hat sie für das Kuratorium der Electric Book Fair eine versionierte Ästhetik des E-Books[24] herausgegeben.

Mit ihren verschiedenen Formaten verfolgt Frohmann die Grenzverwischung zwischen Verleger, Autor und Leser sowie traditionell getrennt gedachten Genres, Diskursen und Milieus, wozu sie sukzessive eine Netzvariante der aus der Frühromantik bekannten Unsinnspoesie entwickelt,[25], 2016 unter dem Begriff des "Datendada".[26]

Als Sprecherin auf nationalen und internationalen Konferenzen engagiert sich Frohmann für "das digitale Wir"[27], die transkulturelle Kollaboration im Netz. Seit 2014 tut sie dies mit An einem Tisch auch mit Anbindung an die Flüchtlingsdebatte.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicht E-Books oder Bücher machen, sondern Literatur. Ein Selfie-Cut. In: Assaf Alassaf, Asal Dardan, Christiane Frohmann, Alan Mills, Kathrin Passig, Nikola Richter, Ansgar Warner, Chloe Zeegen: Global & beta [E-Book], Berlin 2016 (ePub, mobi, PDF)
  • Digitale Literatur als Datendada. In: Magazin des Goethe-Instituts China, 2016 (online).
  • Instantanes Schreiben. In: Fachtag Literatur. Schöne Aussichten, 2015 (online).
  • CUT – Christiane Frohmann – Tausend Tode schreiben. CUT. In: Bella triste, 42, Sommer 2015.
  • Einfach weiterlesen. In: Don’t panic! Das E-Book zum Zündfunk Netzkongress 2014. #zf42, München 2014 (PDF).
  • Twitter durchspielen. In: Stephan Porombka (Hrsg.): Über 140 Zeichen. Autoren geben Einblick in ihre Twitterwerkstatt. Berlin 2014, ISBN 978-3-944195-24-7 (E-Book).
  • Internetkatzen. Ein Gespräch über Cat Content [E-Book]. Mit Stephan Porombka, Berlin 2013, ePub ISBN 978-3-944195-21-6.
  • Was lacostet die Welt? Geld spielt keine Rolex! Die Bieder- und Protestmode der Popper. In: Cool aussehen, Mode & Jugendkulturen. Herausgegeben von Diana Weis, Archiv-der-Jugendkulturen, Berlin 2012, ISBN 978-3-943774-00-9, S. 90–101.
  • Briefe. In: Hölderlin-Handbuch. Herausgegeben von Johann Kreuzer, Metzler, Stuttgart/Weimar 2002, 2011, ISBN 3-476-01704-4.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Christiane Frohmann und Sascha Lazimbat in buchreport.de vom 24. November 2012
  2. Artikel über Ruth Klüger und Christiane Frohmann zur E-Book-Releaseveranstaltung an der FU Berlin im Tagesspiegel vom 13. November 2011
  3. Webseite des Frohmann Verlags
  4. Holger Schulze, Trinken gehen, Bus fahren: E-Books und kleine Formen. In: MERKUR. Heft 800, Januar 2016, 70. Jahrgang, 71-78 (PDF als Gratisdownload).
  5. Artikel über Twitteratur in der Welt vom 28. Dezember 2013
  6. Interview mit Christiane Frohmann über das versionierte E-Book Tausend Tode schreiben in der Neuen Zürcher Zeitung vom 9. Januar 2015
  7. Homepage von 0x0a
  8. Text Instantanes Schreiben. In: Fachtag Literatur. Schöne Aussichten, 2015
  9. Mitschnitte des Vortrags Selfie-Publishing vom 22. Februar 2014 im Haus der Berliner Festspiele
  10. Webseite des Katersalons
  11. Veranstaltungsseite Katersalon an der Volksbühne
  12. Video vom re:publica14-Vortrag Unsinn stiften als performative Aufklärung
  13. Vortrag von Christiane Frohmann und Zoë Beck beim Zündfunk Netzkongress 2014
  14. virenschleuderpreis.de
  15. Generator bei reboot.fm
  16. Generatorsendung Killing Me Softly
  17. Generator-Sendung Tod im Netz
  18. Generator-Sendung Jugendkulturelles Schreiben auf Facebook
  19. Homepage der Electric Book Fair
  20. Website von Orbanism
  21. Webseite von An einem Tisch
  22. Webseite von e_rstausgabe
  23. Christiane Frohmann, Artikel Ceci n’est pas un livre in Der Freitag vom 31. August 2014
  24. Ästhetik des E-Books als ePub zum Gratisdownload
  25. Video von Christiane Frohmanns re:publica14-Vortrag Unsinn stiften als performative Aufklärung
  26. Christiane Frohmann, Datendada
  27. Verschriftlichte Fassung von Christiane Frohmanns Vortrag The Digital Us