Kosmas und Damian

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Das Beinwunder in einem Altarbild aus dem 16. Jahrhundert. Landesmuseum Württemberg
Die heiligen Brüder Kosmas und Damian, Miniatur aus dem Stundenbuch der Anne de Bretagne (16. Jahrhundert)
Dieser Schrein in St. Michael in München enthält angeblich die Schädel von Kosmas und Damian. Weitere Schädel sind auch in Madrid.
Die Heiligen als Patrone im Wappen von Bödefeld

Die frühchristlichen Zwillingsbrüder Kosmas und Damian, auch Cosmas und Damian(us), von griechisch Κοσμάς και Δαμιανός, Kosmás ke Damianós (beide * in Syrien; † 303 in Aigeai in Kilikien), waren Heilkundige, die der Legende nach Kranke unentgeltlich behandelten und viele von diesen so zum Christentum bekehrten. Sie werden als Heilige verehrt.

Leben, Wirken, Legende und Kult[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit dem Ende des vierten Jahrhunderts in Aleppo und seit Anfang des fünften Jahrhunderts in Konstantinopel auftauchenden (arabischen) Legende zufolge waren Kosmas und Damian Kinder einer christlichen Mutter, deren weitere drei Söhne wie die Zwillinge ebenfalls als Märtyrer gestorben sind. Kosmas und Damian sollen als Ärzte in Aigeai in Kilikien (im Süden der heutigen Türkei), insbesondere im „Sohn-Gottes-Hospital“ von Pheremma, tätig gewesen sein. Ihnen gelang angeblich sogar eine Beintransplantation, nämlich der Ersatz eines verfaulten Beines durch das eines verstorbenen Mohren.

Sie überlebten unversehrt alle Versuche des römischen Präfekten Lysias, sie im Rahmen der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian zu ertränken, zu verbrennen sowie mit Steinen und Pfeilen zu töten, und erlitten erst in der darauf folgenden Enthauptung das Martyrium.

Verschiedene weitere, jedoch später entstandene und weniger wahrscheinliche regionale Varianten ihres Leben sind tradiert. Nach einer asiatischen Legende hieß die, in mittelalterlichen deutschen Handschriften als Erfinderin der im Mittelalter verbreiteten Zwölfbotensalbe oder Apostelsalbe (unguentum apostolicum)[1] geltende, Mutter von Kosmas und Damian Theodora. Dieser Überlieferung nach seien sowohl Damian als auch später Kosmas eines natürlichen Todes gestorben. Auch nach einer syrischen Variante, nach der die Brüder den Kaiser Carinus bekehrt hatten, fand kein Martyrium statt. Hingegen berichtet eine römische Tradition vom Martyrium durch eine, von einer Intrige eines Konkurrenten ausgehenden Steinigung.

Ihre ersten Kultstätten waren ihre Grabstätte in Pheremma bei Kyrrhos in Syrien und Ägäa, der Ort ihres Todes, von wo aus sich der Kult weiter nach Palästina, Ägypten und Konstantinopel, dann nach Rom, Sizilien und über die Alpen auch in deutschsprachige Gebiete ausbreitete.[2]

Reliquien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kosmas und Damian sind die Stadtpatrone von Essen, wo einige ihrer Reliquien liegen. Das im Essener Domschatz gezeigte Richtschwert der Heiligen in einer prunkvollen goldbeschlagenen Scheide stammt allerdings aus ottonischer Zeit. In der Renaissance waren Kosmas und Damian die Schutzpatrone der Familie Medici, weshalb der Name Cosimo in dieser Familie häufig auftaucht.

An Ostern 1334 hatte Burchard Grelle, Fürsterzbischof von Bremen, „persönlich im Chor des Bremer Doms die […] dort angeblich eingemauerten und vergessenen Reliquien der heiligen Ärzte Kosmas und Damian auf ‚wunderbare Weise‘ wiederaufgefunden.[3] Erzbischof und Kapitel veranstalteten aus diesem Anlass zu Pfingsten 1335 ein Fest, bei dem die Reliquien aus der Mauer an einen würdigeren Platz überführt wurden.“[4] Grelle behauptete, die von ihm vorgewiesenen Gebeine seien von Erzbischof Adaldag von Hamburg-Bremen 965 aus Rom mitgebracht worden. Dombauherr Johann Hemeling gab um 1400 für die Gebeine einen Schrein in Auftrag, der nach 1420 fertiggestellt wurde. Der Schrein aus mit vergoldeten Silberblechen überzogenem geschnitzten Eichenholz ist ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Goldschmiedekunst.[5]

Bremens lutherisches Domkapitel verkaufte den Schrein ohne die beiden Köpfe 1649 an den Osnabrücker Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg, einen Wittelsbacher, der den Schrein seinem Verwandten, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern übergab. Dieser ließ ihn 1649 in die St.-Michaels-Kirche in München überführen, wo er heute noch in der katholischen Jesuitenkirche St. Michael zu sehen ist. Die Köpfe blieben in Bremen, denn der Kurfürst besaß schon zwei Köpfe von Kosmas und Damian aus dem Domschatz zu Bamberg.

Die Bremer Köpfe gelangten in den Besitz der Bremer Katholiken, die nach dem Westfälischen Frieden von zwei Jesuiten als Hofkapläne des Kaiserlichen Residenten – vergönnungsweise von Seiten des Bremer Rates – seelsorglich betreut wurden. Die Köpfe wurden 1934 noch einmal vom damaligen Dechanten Friedrich Hardinghaus in der ehemaligen Franziskanerkirche und späteren Propsteikirche St. Johann ausgestellt und unter Propst August Sandtel 1968 als vermutlich unecht aus dem Verkehr gezogen. Propst Klaus Plate begrub sie dann 1994 unter dem Fußboden der neu errichteten Krypta unter dem Mittelschiff.[6]

Patronate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kosmas und Damian gehören – wie Cyrus und wie Pantaleon – zu einer Gruppe von Heiligen, die „heilige Geldverächter“ genannt werden, griechisch: Agioi Anárgyroi (Άγιοι Ανάργυροι),[7] weil sie sich von ihren (armen) Patienten für ihre Dienste als Ärzte oder Apotheker nicht entlohnen ließen.[8]

Die Heiligen sind Schutzpatrone der Städte Essen, Florenz, Bödefeld, Gau-Algesheim, El Prat de Llobregat, Gondomar S. Cosme, von medizinischen Fakultäten, einer Vielzahl medizinischer Berufe (z. B. Bader, Ammen, Ärzte, Apotheker) sowie der Kranken, Friseure und Zuckerbäcker. Sie werden in Seenot, bei Geschwüren, Pest und Pferdekrankheiten angerufen.

Attribute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Attributen der Heiligen zählen medizinische Instrumente und Arzneimittelbehälter, wobei Kosmas meist als studierter Arzt mit Harnglas (Matula) und Damian als handwerklich ausgebildeter Wundarzt und ab dem 13. Jahrhundert vor allem als Apotheker dargestellt ist.

Gedenktag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gedenktag der beiden Heiligen ist in der römisch-katholischen Kirche der 26. September und entstand wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Weihe der Kirche der beiden Heiligen in Rom, als deren Datum der 27. September überliefert ist. In den orthodoxen Kirchen fällt er auf den 1.  Juli sowie den 1.  November.[9] Weitere Festtage sind der 17. Oktober und der 18. November.[10] Außerdem wird „der heiligen und wundertätigen Anargyren Kosmas und Damian […] und aller heiligen Uneigennützigen“ in der Proskomidie der Göttlichen Liturgie des Byzantinischen Ritus gedacht.

Beide gehören zu den Kanonheiligen, deren Namen im ersten Hochgebet der römisch-katholischen Kirche genannt werden. Auch werden Kosmas und Damian in der Allerheiligenlitanei genannt.

Bauernregel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Namenstag entsprechende Bauernregel lautet: St. Kosmas und St. Damian fängt das Laub zu färben an.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Bönisch-Brednich: Kosmas und Damian, Hll. In: EM Bd. 8 (1996), Spp. 311-313
  • Anneliese Wittmann: Kosmas und Damian: Kultausbreitung und Volksdevotion. Berlin: Schmidt 1967
  • Eckhard Reichert: Kosmas und Damian. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 539–540.
  • Franz Gräser: Auf den Spuren von Kosmas und Damian in Hessen und in der Rhön. Versuch einer Zusammenstellung. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 1, 1983, S. 213–241.
  • Bernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Kosmas und Damian. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 784.
  • Elfriede Würl: Kosmas und Damian. Ihre Wirkungsgeschichte in Franken. In: Würzburger Fachprosa-Studien. Beiträge zur mittelalterlichen Medizin-, Pharmazie- und Standesgeschichte aus dem Würzburger medizinhistorischen Institut, [Festschrift] Michael Holler zum 60. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 38), ISBN 3-8260-1113-9, S. 134–155.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saints Cosmas and Damian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrike Ott-Voigtländer: Das St. Georgener Rezeptar. Ein alemannisches Arzneibuch des 14. Jahrhunderts aus dem Karlsruher Kodex St. Georgen 73., Teil I: Text und Wörterverzeichnis. Würzburg 1979 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 17), S. 24.
  2. Elfriede Würl: Kosmas und Damian. Ihre Wirkungsgeschichte in Franken. In: Würzburger Fachprosa-Studien. 1995, S. 134–155; hier: S. 134 f.
  3. Cf. Bremer Chronik von Gerd Rinesberch und Herbord Schene. In: Bremen. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Hermann Meinert (Hg.), Schünemann Verlag, Bremen 1968, (Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert; Bd. 37: Die Chroniken der niedersächsischen Städte), S. 112; Regesten der Erzbischöfe von Bremen, Joseph König und Otto Heinrich May (Bearb.), Hannover: Selbstverlag der Historischen Kommission, 1971, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen; Bd. 11,2,2), Bd. 2, Lfg. 2: 1327–1344, Nr. 508; Joseph König: Zur Biographie des Burchard Grelle, Erzbischof von Bremen und der Geschichte seines Pontifikats (1327–1344). In: Stader Jahrbuch. Bd. 76 (1986), S. 42; Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen. 5 Bde., erw. und verb. Aufl., Bremen: Ed. Temmen, 1995, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Franzosenzeit: (1810). S. 70; Alfred Löhr: Kult und Herrschaft, Erzstift und Domkapitel. In: Der Bremer Dom. Baugeschichte, Ausgrabungen, Kunstschätze. Handbuch u. Katalog zur Sonderausstellung vom 17. Juni bis 30. September 1979 im Bremer Landesmuseum – Focke-Museum. Karl Heinz Brandt (Mitarb.), Bremen: Bremer Landesmuseum, 1979, (Focke-Museum, Bremen. Hefte; Nr. 49, vielm.: 52), S. 102 und 128 sowie Katalog Nr. 31, Urkunden und Siegel des Erzbischofs Burchard Grelle; Bodo Heyne: Die Arztheiligen Kosmas und Damian und der Bremer Dom. In: Hospitium Ecclesiae: Forschungen zur Bremischen Kirchengeschichte. Bd. 9 (1975), S. 7–21; Johannes Focke: Die Heiligen Cosmas und Damian und ihr Reliquienschrein im Dom zu Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Bd. 17 (1895), S. 128–161.
  4. Konrad Elmshäuser: Der werdende Territorialstaat der Erzbischöfe von Bremen (1236–1511): I. Die Erzbischöfe als Landesherren. In: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser. 3 Bde., Hans-Eckhard Dannenberg und Heinz-Joachim Schulze (Hgg.) im Auftr. des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Landschaftsverband der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 1995 und 2008, (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden; Nr. 7), Bd. II: Mittelalter (1995), S. 159–189, hier S. 177. Hervorhebung im Original, Auslassung nicht im Original, ISBN 978-3-9801919-8-2.
  5. Konrad Elmshäuser: Der werdende Territorialstaat der Erzbischöfe von Bremen (1236–1511): I. Die Erzbischöfe als Landesherren. In: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser: 3 Bde., Hans-Eckhard Dannenberg und Heinz-Joachim Schulze (Hgg.) im Auftr. des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Landschaftsverband der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 1995 und 2008, (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden; Nr. 7), Bd. II: Mittelalter (1995), S. 159–189, hier S. 178, ISBN 978-3-9801919-8-2.
  6. Wilhelm Tacke: St. Johann in Bremen eine über 600jährige Geschichte – von den Bettelmönchen zu den Pröpsten, Bremen 2006 S. 172 ff
  7. Singular anárgyros (ανάργυρος), wörtlich: „geldlos“, abgeleitet von griechisch árgyros (άργυρος) = Silber, Geld.
  8. Richard Zacharuk (Hg.): Ikonen / Icons. Ikonen-Museum Frankfurt a.M. Legat-Verlag, Tübingen 2005, ISBN 3-932942-20-5, darin das Kapitel Ikonen und Medizin, S. 298–323.
  9. Kosmas im Ökumenischen Heiligenlexikon
  10. Bernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Kosmas und Damian. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 784.